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Jüdische Presse · 1921-01-07 · 1 (7.1.1921) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
7 (1921)
Issue
1 (7.1.1921)
Date
1921-01-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 1 Dtut$cfco$terrticD. Die Leitung der Aguda beim Bundespräsidenten. Die Wiener Aguda-Zentrale hat an den Bundespräsidenten Dr. Hainisch bei seiner Wahl eine Begrüßungsadresse gesendet. Die Leitung der Aguda wird nun verständigt, daß der Bundespräsident das Präsidium der Aguda Mittwoch, den 5. Jänner, 11 Uhr vormittags, zu empfangen wünscht. C$clKcbc$lowakei. Notschrei aus Jerusalem. Das Kuratorium der tschechoslowakischen, österreichischen und ungarischen Gemeinde in Jerusalem hat an Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Schreiber ein Telegramm gerichtet, welches den Hunger und die Not der Gemeinde in verzweifelten Ausdrücken schildert. Hilfe ist dringend notwendig. Es ist wohl an der Zeit, daß die glücklicheren Brüder hierzulande tiefer in die Tasche greifen mögen, um den Notleidenden, die für Thora und Erez Israel leiden, zu helfen. Vortrag Oberrabbiner Spitzer. Der Kirchdrauf Oberrabbiner Spitzer, der als Vertreter der Aguda nach England und Amerika reisen sollte, wurde gelegentlich seiner Durchreise in Bratislava eingeladen, einen Vortrag zu halten, welcher auch Sonntag flltttP 'S in der Synagoge der Turnergasse stattgefunden hat. Infolge des Andranges mußten auch die Nebenräume geöffnet werden. Oberrabbiner Spitzer hielt erst einen glänzenden Charifus-Vortrag über TiptP n!SCn und begann dann in geistvoller, treffender Weise auf die zwei Fronten, gegen welche die Aguda zu kämpfen hat. hinzuweisen. Die Stelle „Zaw le-zaw kaw-le kaw, seer schom, seer schom" ward in packender Weise angewendet. Zum Schluß ermahnte der Redner zur Einheit innerhalb der Orthodoxie. Stürmischer, nicht endenwollender Beifall lohnte die eindrucksvollen halachischen und agadischen Vorträge. Aguda-Versammlung in Dunajska Streda (Düna Szerdahely). Sonntag, den 2. Jänner, fand eine große Propaganda-Versammlung in Dunajska Streda statt, zu welcher Oberrabbiner Spitzer-Kirchdrauf, Oberrabbiner Hirschler und zahlreiche Vertreter der Aguda von Preßburg kamen. Der bestandene Verein Ji^chub Erez Israel wurde für aufgelöst erklärt und in einen Agudaverein umgewandelt In glänzender Weise sprach nun Oberrabiner Spitzer über Aguda Misrachi und Zionismus. Die Rede machte tiefen Eindruck. Mit gleichem Erfolg sprach hierauf Oberrabbiner Hirschler über Zweck und Ziel der Aguda. Abends fand ein Bankett statt, bei welchem Oberrabbiner Spitzer einen Brief vom Hunsdorfer Gaon s. z. 1. verlas, worin dieser gegen die Misrachisten Stellung genommen hatte. In schöner Weise sprach hierauf Rabbiner Silberstein, R. Mordechai Petenyi, Dr. Rosenbaum, Gh. D. Singer. Der Oberrabbiner Weinberger wohnte der Versammlung bei. Der propagandistische Erfolg war ein glänzender. Gemeindewahl in &ala n. V. (Vag Sellye). Bei der am 25. Dezember stattgefundenen orthodoxen Gemeindewahl wurden gewählt: Salomon Donath, Präses; J. Mor. König und Max Friedlieb, Vizepräsidenten; Wilhelm Reichental und Wilhelm Goldstein, Tempelvorsteher; Bemath Salomon, Kassier; Dr. Armin Weisz, Kontrollor; David Donath, Max Weinreb, Simon Kaiisch und Franz Kaiser, Ausschuß; David Frankl, Eugen Kohn und Eugen Rab, Steuerkommission. Palästina-Lokal-Kommission. Auf Anregung des Rabb. Löbl wurde in Bratislava eine Palästina- Lokal-Kommission gegründet, die am 14. Dezember eine Sitzung abhielt. Es erstatteten zuerst die Herren Grünwald, Fischhof und Rabb. Löbl den Bericht über ihre bisherige Tätigkeit, worauf zur Wahl des Vorstandes geschritten wurde, in den folgende Herren gewählt wurden: Grünwald, Präses; Kaltmann und Fischhof, Vizepräsidenten; Frdjr und J. Kohn, Kontrollore; Stern, Leiter der Propagandasektion; Gelber, Schriftführer. Nach der Wahl schritt man zur Rayonierung. Hierauf wurde die Rayonierung verlesen und von den Mitgliedern angenommen. Es wurde noch beschlossen, einmal monatlich eine Sitzung abzuhalten. Aehnliche Kommissionen wurden auch in Kosice, Piesov und Kesarärk gegründet. Ungarn. 23 Millionen Kronen für jüdische Zwecke. Oberrabbiner Dr. Bela Bernstein, in Nyiregyhdza, macht dem „Egyenlöseg" telegraphisch die Mitteilung von dem grandiosen Legate, welches der durch eine verirrte Gewehrkugel ums Leben gekommene Gutsbesitzer Stefan Bürger, in Pazony bei Nyiregyhdza, für jüdische Zwecke bestimmt hat. Das Vermögen des Verstorbenen beträgt 10 Millionen, von welchen die Hälfte der Stadt Nyiregyhdza und die andere Hälfte verschiedenen jüdischen Zwecken zufallen. Außerdem sind der Nyiregyhdzaer Ghewra Kadischa drei Millionen Kronen verschrieben worden. Die Angriffe gegen ien „Joint". Unter dem Titel: .Eine mysteriöse Angelegenheit", schreibt die Berliner zionistische „Jüdische Rundschau* folgendes: „Das Jüdische Gorrespondenz-Bureau London verbreitet folgeude aus Budapest datierte Meldung: „Die jüdischen Assimihuiten in Ungarn sind au der berüchtigten Verordnung der Horthy-Regierung betreffs der Vertreibung, respektive Internierung der Ostjuden in Ungarn mitschuldig. Unter Führung des ungarisch-jüdischen Magnaten Baron Polnai, eines der intimsten Komplizen des Herrn Friedrich, haben sie einen ganzen Apparat eingerichtet, der dem erwähnten Zwecke dienen soll. Das Unerhörte dabei ist, daß sie in den Dienst ihrer verbrecherischen Tätigkeit die zur Unterstützung der von ihnen verfolgten Ostjuden bestimmten Gelder des „Joint" gestellt haben. Mit Hilfe dieser Gelder haben sie ein Bureau errichtet, das angeblich dem „Rechtsschutz" dienen soll, in der Tat aber die Registrierung der Ostjuden durchführt, um auf diese Weise sie zu erfassen und ihnen „Schutz" angedeihen zu lassen. Merkwürdigerweise vollziehen sich die Amtshandlungen dieses „ Rechtsschutzbureausu unter Assistenz eines polizeilichen Organs, das eine Abschrift der Registrierungslisten erhält. Tags darauf werden die irregeführten Unglücklichen, die sich am vorhergehenden Tage registrierten, von der Polizei zwangsweise abgeschoben oder im Internierungslager untergebracht. Dieses Unternehmen der Herren Polnai und Konsorten wird noch dazu benützt, um einigen uugarischen Advokaten gute Einnahmequellen zu geben. Die jüdischen Juristen, die in diesem Bureau arbeiteten, wurden beseitigt und an ihrer Stelle einige ungarische Advokaten eingesetzt, die sich Erpressungen gegen die das Bureau in Anspruch nehmenden Ostjuden zuschulden kommen lassen und sich an den Joint-Geldern bereichern." — Herr Lipot Lebowitscli. der zurzeit in Berlin weilende Direktor der hier angegriffenen Hilfsgesellschaft des' „Joint", deren Präsident für ganz Ungarn Polnai ist, erklärt die ganze Meldung für erlogen. Ihre Urheber seien mutmaßlich zwei angeblich „beseitigte" jüdische Advokaten, die in Wahrheit entlassen worden sind, weil sie neben ihrer Tätigkeit für das Bureau sich privat mit der „Befreiung" von Internierten beschäftigt und dabei außerordentlich hohe Summen erschwindelt und erpreßt haben. Einer dieser Advokaten habe auf dem Bureau vor Zeugen gedroht, seine Beziehungen zu gewissen Behörden gegen die Ostjuden auszunutzen, wenn man es ihm weiter durch unentgeltlichen Rechtsschutz unmöglich mache, die Not der Internierten als Geschäftskonjunktur auszunutzen. Es sei auch eine bewußte Lüge, wenn behauptet würde, die Verwaltung der Jointgelder läge in Händen der Assimilanten. Im Verwaltungsausschuß säßen nur fünf Assimilanten neben fünfzehn Misrachisten und fünf Zionisten. Polnai selbst habe sich, nie in die Arbeit des Rechtsschutzbureaus hineingemischt. Die dort tätigen christlichen Advokaten hätten der Sache in uneigennützigster Weise wesentliche Dienste geleistet und es wäre verhängnisvoll, wenn sie infolge der gegen sie erfolgten verleumderischen Angriffe ihre Mitarbeit einstellen würden." Die „Jüdische Rundschau" bemerkt hiezu: „Es wäre wünschenswert, zu erfahren, aus welcher Quelle die Meldung des „J. C. vB." stammt. Pie gegenwärtigen Zustände in Ungarn machen eine direkte und authentische Berichterstattung von dort unmöglich. Um so mehr scheint es uns geraten, Meldungen mit aller Vorsicht zu behandeln, die geeignet erscheinen, die Stellung der dortigen Juden noch dadurch zu erschweren, daß in ihnen Angriffe gegen prominente Körperschaften und Persönlichkeiten gerichtet werden. Es ist unbedingt nötig, daß diese Angelegenheit aufgeklärt wird, die entweder ein schamloses Verbrechen darstellt oder einen nicht weniger schamlosen Mißbrauch der Presse im Dienste einer persönlichen Rache." (Wir glauben, daß die „Wiener Morgenzeitung" in der Lage sein wird, die Quelle anzugeben, da ihre Berichte aus Ungarn der angeführten Korrespondenz auf ein Haar ähneln. D. Red.) Jugoslawien. Neue jüdische Blätter. In Neusatz wird mit dem Beginne des Jahres ein deutsches Wochenblatt, „Jüdisches Volksblatt", das Organ der jüdischen Nationalpartei erscheinen: ebenso wird in Belgrad ein jüdisch-nationales Blatt in serbischer Sprache erscheinen. Polen. Rettungsaktion für die ukrainischen Flüchtlinge. In Warschau wurde kürzlich ein neues Hilfskomitee für ukrainisch-jüdische Flüchtlinge gegründet, welches eine große Rettungsaktion zugunsten der großen Anzahl ukrainischer Pogromeflüchtlinge unternimmt. Es organisiert jetzt eine Sammlung von Geld und Kleidern und wendet sich an die Bevölkerung mit der Bitte um Mithilfe. Aktive Mitgliedschaft. Der Aufforderung der Warschauer „Aguda", sich als aktive Mitglieder zur Aguda-Arbeit zu melden, folgte eine große Anzahl von Bundesbmdern. Bisher wurden schon mehr als 200 aktive Mitglieder registriert, welche eine spezielle Gruppe bildeten, die in der Agudakanzlei allabendlich dijourieren wird, um dort die laufenden Arbeiten zu verrichten. Im weiteren Verlaufe werden noch verschiedene Gruppen gebildet werden. Die Mazzofrage. Die Verwaltung der Gemeinde in Warschau hat auf ihr Telegramm, das wegen der Versorgung der Juden Warschaus mit Mazzos nach Amerika geschickt worden ist, noch keine Antwort erhalten. Die Leitung des Joint Polens erklärte, daß sie an den Mazzos-Angelegenheiten keinen Anteil nehmen wird, da sie sich an die Beschlüsse der Konferenz der Joint in Wien, an den Mazzos- Angelegenheiten nicht teilzunehmen, halten müsse. Requisition eines Cheders. In Warschau wurde durch die Wohnungskommission des Magistrates das Lokal eines Cheders requiriert. Stadtrat Kirschbraum intervenierte deswegen und erhielt die Versprechung, daß die Requisition aufgehoben wird. Propagandatätigkeit in Lodz. Eine rege Propagandatätigkeit entfaltete die Lodzer Jugendgruppe der „Agudas Jisroel". welche auch von großem Erfolg begleitet ist. Am ersten und zweiten Chanukatage fanden Pilpul-Vorträge der Rabbiner Emanuel Silberstein und Israel Low über Haloeho und Agada statt. Die Vortrüge erfreuten sich eines zahlreiche» Besuches. Am dritten Chanukaabend fanden im großen Englischen Saal ein Aguda-Propagandaabend, auf dem der Soehatschiner Rabbiner Tpbias Jehuda Gutentag über das Thema: „Die Bedeutung der Chanukafeier für die organisierte Orthodoxie* referierte. Der Abend wurde mit einer kurzen und inhaltsreichen Rede des Herrn A. G. Friedensohn eingeleitet, welcher den würdigen Gast begrüßte, und auf den Sieg der Hasmoniier hinwies, durch den die jüdische Existenz gerettet worden war und der nur deshalb möglich war, weil sich die frommen .luden um die Thorafahne und ihre Träger, die „Chachme Hatdro", geschart hatten. Hierauf erteilte der Vorsitzende, Herr Elieser Glitzensteil, dem Sochatschiner Rabbiner das Wort, weichern es glänzend gelang, die Notwendigkeit der orthodoxen Organisation zu beweisen, welche auf alle Erscheinungen reagieren und ein politischer Faktor sein müsse. Ausgehend von einigen Momenten der jüdischen Geschichte, besonders vom Glianukawunder, kommt er zu der Ausführung, daß das fromme Judentum endlich begreifen müsse, daß die Erhaltung der Jüdischkeit nur durch aktive Handlungen aller religiös gestimmten Juden möglich sei. Redner wies dann auf die erneute Erez Israel-Tätigkeit der Agudas hin, welche jetzt energisch zur Durchführung ihres Erez Israel-Programmes schreitet, zum Aufbau des Jischuw Erez Israel auf gesunde» ökonomischen Grundlagen, über den dann das Licht der Thora und der Religion leuchten solle. Die Versammlung wurde dana mit einem ausgezeichneten Schlußwort des Vorsitzenden beendigt, worauf die Versammelten in gehobener Stimmung auseinandergingen. Am fünften Chanukaabend fand im Lokale der Aguda das zweite Referat des Sochatschiner Rabbiners. Zuerst begrüßte der Vorsitzende der Aguda, Stadtrat L. Münzberg, den Gast, und gab seiner Freude über das Wachstum der Agudajugend Ausdruck. Nachher sprach der Sochatschiner Rabbiner, der in seinem zwei Stunden lang dauernden Referat klar und deutlich alle aktuellen Agudaprobleme behandelte und die Anwesenden aufforte, an der Realisierung dieser Aufgaben mitzuhelfen. Es sprach dann noch Herr A. G. Friede»- sohn über Tagesangelegenheilen, worauf der Vorsitzende. Herr Heinrich Woidislawski, Mitglied des Arbeitsausschusses der „Schlöme Emunas Israel", die Versammlung schloß. 1 Citauen. i Die Regierung Litauens wandte sich mit einem Schreiben an Sowjetrußland, worin sie darauf hinweist, daß die meisten Heimlosen, die nach Litauern zurückkehren, Juden sind; Litauen könne nicht soviel Juden fassen. Die Sowjetregierung antwortete darauf, daß sie in (solchen Angelegenheiten keirfem Unterschied nach Religionen kenne. Ib- England. Eine neue Thora)und ein neuer Sinai! Wie die Londoner zionistische „Die Zeit" in ihrer Nummer vom 29. Dezember zu berichten weiß, hat Nahum Sokolow am 19. Dezember in der Baseler großen Synago ge „während die Extase der Basler Juden die höchste Stufe erreicht hatte" von der Stolle herab, von der man bisher von der alten Thora und dem alten Sinai a* hören gewöhnt war, in Gegenwart des Gemeindepräsidenten und cles englischen Konsuls da« Basler Programm als zionistische Thora und Basel als/Symbol jüdischer Renaissance zum BergSinai ausgerufen. Was ma % sich wohl der engliche Konsul gedacht haben? frankreich. IH OberrablHner Dr. Chalfon. In Paris weilt auf« einem Besuche Europas der argentinische Oberrabbiner D V Ghalfon, um im Auftrag der argentinischen Regierung die Einwanderung der Jüdea nach Argentinien zu fördern. Vor seiner Abreise hatte er einr Audienz beim Präsidenten der argentinischen Republik, der ihm erklärte, daß Argentinien seine Entwicklung den eingewanderten Jude» verdanke und den Rabbiner aufforderte, in Europa Schritte zu unternehmen, um einen großen Teil des jüdischen Auswandererstromes nach Argentinien zu lenken. Die jüdischen Einwanderer würden besondere Begünstigungen genießen. Griechenland. Laut „Doar Hajom" wurde der Jaffaer Oberrabbiner Benzion Uziel zum Chachambaschi vom Saloniki gewählt. Palästina. Aguda-Kolonie. Nissenbaun:, Vertreter der Agudas Jisroel in Deutschland, der eine Million Mark für eine orthodoxe Kolonie in der Nähe von Haifa gespendet hat, ist in Haifa eingetroffen und weitergereist, um zu diesem Zweck Untersuchungen im Galiläa anzustellen. (Haaretz.)

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