Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 1 (7.1.1921)
- Date
- 1921-01-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE PRESSE („JÜblSCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES "ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12 a. - Telephon Nr. 49.054. Tschechoslowakei: Bratislava, Tarnergasse 14. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Für Artikel Montag, für Nachrichten Dienstag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Osterreich nnd Ungarn d.-ö.K 180--, Tschechoslowakei Kc. 60--, Deutschland Mk. 80--, Schweiz Frcs. 10*—, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 30 Lei, Jugoslawien 20 Dinar. Einzelnummer d.-ö. K 3 —, Kc. 1'20. Inseraten - Preis: Ganze Seite K 3000* —, halbe Seite K 1500*—, viertel Seite K 800--, achtel Seite K 400«—, sechzohntel Seite K 250*—! Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Nr. 1 i Wien-Bratislava, 7. Jänner 1921 .K-snn roiD d rinDDsns " nri rrj» I 7. Jahrg. Guben und Separation. Wann endlich wird ein klares Wort Gehör und Verständnis finden? Trotz aller Enttäuschung muß es immer wieder und wieder vorsucht werden, den Entstellungen zu begegnen, den Inhalt oder Nichtinhalt leerer Schlagworte auf ihren wahren Wert zurückzuführen. Würde man gelernt haben g<:v drahtlich zu denken oder wäre andererseits nicht vier Gewußt oder unbewußt irrige Weg der Ges al'lr i'älschung eingeschlagen worden, so wäre ui . v /.v,innen ein leichtes Werk. Die Fabel ist uns b < ,1 ein Dieb, um langestört seine Beute in? 'i^h':. zu i.-ringen, sich unter die aufgeregt vorwä : v .. .; Masse mengt wnd am lautesten ruft: >.\',.o\ ■ ♦!»;cb! "Dieser Fabel möge man sich alk oi' rr,:-'.y r;j, wenn man die Entwicklung verstehen w Gab es denn die Alternativ dieser Darstellung bezeichne Nein, obwohl natürlich d renzen oder besser gesagt, A kanden waren. Allein, darin Religiöse als Mittelpunkt i Wollens zu betrachten und Religiösen das subjektive Gui Dann kam im 19. Jahrhundf Trennung; aber von wem jenen, welche im Assimilation* periode und des sogenanntri Emanzipationszeitalters ihr subjektives Wollen i.n Stelle des Religionsgesetzes zur Geltung zu bringen, in das religiöse Leben die Gesetzlosigkeit einz" cmuggeln versuchten. Diese waren es, welche sie plötzlich nannte, aus Friedhöfen, aus den Gemeine liefen-sie,-und 4au(en, sie / ^CrWer^cu^^ { die bösen Separatisten! Gemach, meine Herrer*; t .Altgläubigen", welcher aus o. die ihre Institutionen konfovni lern Religionsgesetz gestaltet. In keinem Juden ist! die Sehnsucht nach „Einheit" stärker, als geragt f.- 'iu den „Trfennungsothodoxen": wer ehrlich zu <1---nken sich bemüht, nüßte gerade in ihm den VoüUuteu. wie man heutzutage so geschmackvoll sagt, orkeuiu und schätzen. Und dabei könnten Ereignisse ihr. (>?■. nwart selbst den Vergeßlichsten daran f •i/./je.w'. wlt. denn eigent- "-- Rabbi IHo$e$ m :m, fl.* '.«:;>•• \vi; als Thema >-n. vor 750 Jahrenr* /v,./Jiauungsdiffeai tiitL;..miancen vor- •v;m sich einig, das st'Kc'i Wesens und ..•:.r Einstellung des;xi u auszuschließen, '■■■s -'ste Anstoß der 1 -\\ wohl von lel der Aufklärungs- I laubigen, wie man i-h lagogen, aus den rieben. Und dann 1 c ßiedermeierton .' ^lV^^^^^p^ { sclTreien r"Seilt vc.i zeige mir einen Gemeinde austritt, lieh eine solche „Trennungsorthodoxie" zustande kommt. Wenn nur eine Spur von Gerechtigkeitsgefühl in den verantwortlichen Gremien wäre, dann müßten von Gemeindewegen alle Schritte unterbleiben, durch welche eben einem absolut religiös orientierten Menschen zunächst der innere, geistige Zusammenhang mit der Gemeinde, dann aber auch der äußere verloren geht, sobald es Zeit und Rechtslage gestatten. „Getrennt" hat sich nie ein gläubiger Jude, vertrieben wurde er, hinausgetrieben mit allem Holm protziger Halb- und Nichtwisser. Und dann gehen dieselben vornehmen Herren hin und schreien: Da seht die bösen Separatisten. Spotten ihrer selbst und wissen nicht wie: denn das Kennzeichen der wirklichen Bildung is.t, sich tiefer Religiosität zu freuen und vor den Opfern, die aus diesem Gefühle heraus gebracht werden, Respekt zu hegen. Allein letzten Endes könnte man ja auf die Achtung ungebildeter Menschen verzichten. Nur Eines muß festgestellt werden: Man weise einen Fall nach; es gibt keine die allgemeine Judenheit betreffende Frage, an der sich die „Trennungsorthodoxie" nicht beteiligt, falls man es nicht für gut befunden hat, ihr die Teilname zu verweigern oder von ihr ein Harikiri, eine Preisgabe ihrer Prinzipien als Vorbedingung gestellt hat. Gerade durch die Versuche, die Religion aus dem Mittelpunkt des Judentums zu entfernen — welche bisher in den Gemeinden lebendig dargestellte Einheit verbrecherisch gestört wurde — bemühen sich die „Altgläubigen" umso energischer die Aufgaben zu lösen, welche aus dem Grundbegriff der Einheit des Judentums abzuleiten smÖL Die Einheit bedeutet für die Altgläubigen das Höchste, die Verantwortlichkeit für jedes Juden sittliches Wohl und Wehe vor dem Allmächtigen, und daraus resultiert die Pflicht, auch das äußere Geschehen der gesamten Judenlieit so zu beeinflussen, daß sit tlicher Aufschwung n^faUt^lln?' M&Jtp..JT^oi^ivn bearegnet., SplJäuft, paraffer rftit aer ""gefühlsmäßig erfaßten Einheit ein' mit klarer Logik begründetes, mit äußerster Anspannung des Pflichtenlebens durchgeführtes Streben nacb Einheit. Und Logik erträgt nicht Falsches und Logik weiß, daß trotz der staatsrechtlich und religiös motivierten Trennung nach' Gemeinden, eine Fülle der Gesamtaufgaben einheitlich nur nach dem Diktat der Religion gelöst werden kann und darf. Zum Schluß noch eine kleine Frage an die lautesten Schreier. Ist es wirklich Einheit, wenn man die klar erkannte Gesamtaufgabe einer vielleicht vom Blenderfolge des Tages begünstigten Partei vorbehalten Wo il' F-nja, ort (Przetnysl), :\ver*.;. Krisis herein- •K KVvii^chen dem Be- ,s ^K.5,eil: eigentlich gar -iuJüntum ist eine K;••-<■-or; vten. Ander- "<(•:; ^Inimungen, die u kI sie in einen iiireinzeren Avollen. •:«':• du. was unter- Kassen und bedeutende 1 i; ,ip, es ist der p/iitLis rector Bin Lebensbild für die Jugend. . Ins Judentum ist ein gebrochen, ein großer Zw; griffe Nation und Religion, '.. kein Zwiespalt ist, denn - i Synthese aus diesen beide. K seits sind es die assimilator unsere Jugend irreleiten W'; furchtbaren religiösen Nihilisr Wesen des Judentums, w scheidet dich so sehr von Nationen dieses Erdballes? Idee, es ist das Übermensch!' Gedanke vom ein einigen G-? omnium, mit Ausschaltung jeder .Wdiirqiialität. Ein G-ttesbegriff, dessen sich keine Beiigion der Erde rühmen kann, ein G-ttesbegriff, welcher das Prinzipium individuationis von absoluter Reinheit, ohne in die Natur hineinbezogen zu sein, darstellt. Wahrlich ein leuchtendes Prinzip, dessen Apotheose noch niemals geschrieben worden ist. Dieser G-ttesbegriff' hat eine eigene Lehre, die Thora genannt, welche in sich viele Disziplinen und Wissenschaften birgt, eine gewaltige erhabene, jahrtausendalte Literatur, von denen viele Werke für die Richtschnur des Lebens in Israel bestimmt sind, wie die Lehren von Recht und Unrecht, von der Weihe. des Familienlebens, von der individuellen und sozialen Ethik, schließlich von den höchsten und letzten Prinzipien (Fragen) des Seins, die nur das Judentum zu lösen vermag. Leider ist unsere Jugend der Thora sehr * Vieles von dem biographischen Material habe ich den Mitteilungen Herzfelds sowie deß Buches „Ghut ha-im-scliulasch* zu verdanken. entfremdet; ihre Jünger werden immer und immer auf eine kleine Zahl beschränkt. Wir müssen den Geist der Thora wieder beleben, müssen der Jugend den Weg zur alten Erziehung wieder zeigen und schon rührt es sich auch in den Gassen der Giaubenstreuen. Eine große, mächtige, aber ernste Weltorganisation ist endlich geschaffen worden, um das Judentum vor dem Ruin und dem Abfall zu bewahren und um die Thora wieder in ihre Heimstätte zurückzuführen. Und in solchen schweren Zeiten, wo man sich anschickt, die Fahnenflüchtigen wieder zurückzuführen, ist es angemessen, der Jugend durch Erinnerung an die großen Glaubenswächter vergangener Zeiten Jeuchfenctö Beispiele zu geben. Durch die 3tan^-'ünd Ruhmessäulen unserer ReiigionsgescTiichtc, auf die wir hinweisen Avolien, werden wir den von der Religion Abgefallenen beweisen, daß nicht allein schale und leere Volksideale das Wesen des Judentums ausmachen, daß unsere Führer vielmehr Hüte r des Gesetzesstets waren, die Schöpfer einer Kultur waren, der Kultur der Thora, welche in sich auch die Weltkultur schließt. Unsere alten Führer waren Mitarbeiter des jahrtausendalten Ideenwerkes und nicht Schöpfer von Parteiphrasen und Parteischlagworten. * Rabbi Moses Sofer ist nicht gestorben. Er ist nicht tot. Der Verfasser der Schaaloth und Tschuwoth „Chassam Sofer" lebt unter uns allen, wie die Sonne in ihrer höchsten Kraft, in ihrem Zenithc wird der Name Sofers bei uns leuchten, der mit seinen Werken sich unsterblich gemacht. Moses Sofer — von welch' erfurch tsvollen Gefühlen wird ein wahrer Jude überwältigt, wenn er diesen hochwürdigen Namen aussprechen hört — wissen will? Ist es Einheit, wenn man vom hohen Piedestahl des ungekrönten Führers die Sabbatmahlzeil, höhnisch all denen verwehren möchte, die nach der Meinung dieses Führers am Rüsttage des Sabbat sich nicht genügend bemüht hätten? Wir möchten diese bescheidene Fragestellung nur historisch festlegen, damit nicht bei einer unvermuteten Wendung der Dinge nun abermals nach der netten Moral der oben erzählten Fabel der Ruf ertönt: Da sehet die bösen Separatisten! P. K. Das Condoner Massenmeeting der flpdas Jisroel. (Schluß.) Unter großer Spannung der Versammelten beginnt nun Jakob R o s e n h e i m, Frankfurt a. M., zunächst hebräisch und setzt sodann in deutscher Sprache seine Rede über die Grundgedanken der Aguda fort. „Wie Josef nach jahrelanger Entfremdung seine Brüder in der heiligen Sprache anredete zum Zeichen seiner Zusammengehörigkeit mit ihnen, so soll auch in meinem Munde die Sprache der Thora es sein, die ihnen den Brudergruß vermittelt. Ist es doch die Thora allein, die uns alle zu einem Volke eint und unlösbar verbindet. Etwa zehn Jahre sind es her, daß die großen rabbinischen Autoritäten des Ostens ihren Ruf zur Sammlung aller Kräfte des Volkes unter das Banner der Thora, zur Gründung der Agudas .lisroel, an alle, die es zunächst betraf, an die Gesetzestreuen ergehen ließen. Fraget ihr, meine Freuncfe, nach dem Wesen der Aguda, nach dem zentralen Gedanken ihres Programmes, so ist meine Antwort kurz und klar: Die Aguda strebt nach der Wiederherstellung der nationalen Einheit vermittels der Seele der Nation, der Thora. Die Glieder des jüdischen Volkskörpers liegen ausein- "ändergerissen uncl" «ftber* \tie - -garize' Erde '^zerstreut ' umher. Nur eine Kraft gibt es, die wieder Leben in diese Glieder zu bringen, sie wieder zu einem einheitlichen Organismus zusammenzufassen vermöchte, zu einem Organismus mit denkfähigem H i r n, fühlendem Herzen und wirkendem, schöpferischem Willen. Und diese Kraft ist einzig und allein die Thora als Seele des Volksganzen. Womit der Schöpfer schlägt, heilt er auch. Die moderne Zeit mit ihrer Scheinkultur hat am Judentum tiefe Wunden geschlagen, sie hat den Volkskörper in Stücke zerrissen. Sie ist es aber auch, die uns <fi& — war ein Marschall des Judentums, ein Fm*Sfr Thora, eine hell leuchtende Lampe, ein #unJfr der Zeit, ein Erhabener der Erhabenen (Gaohjj d'er Wagen Israels und sein Gespan, ein Höhepriester, umgürtet mit dem Gurte der Gerechtigkeit, umhüllt mit dein Mantel der Nächstenliebe und Bescheidenheit, die Urim und Turim trug er im Herzen, und in seinem verklärten Gesichte, im Spiegel seiner Seele, hatte er nicht nur Imponierendes und Gewinnendes, sondern es lag darauf auch eine gewisse furchtbare Majestät, die den Sünder erbeben machte, als hätte er Arons Stimschild gesehen, bei dessen Anblick sich nach dem Sohar jedei Verbrecher sofort verfärbte. Allerdings glich unser Sofer eher dem Gesetzgeber Moses als Aron, er verstand es nämlich, den Ungerechten ohne Unterschied des Standes und der Vermögensverhältnisse schonungslos abzukanzeln und zurechtzuweisen und ihm, wenn es notwendig war, harte Worte ins Gesicht zu schleudern. („Höret doc-h, ihr Abtrünnigen!") Moses Sofer hatte nur eine kleine Wohnung und im Gegensatze zu den heutigen Gelehrten, die durch riesige Bibliotheken glänzen, eine bescheidene kleine Bücherei, die nur die unentbehrlichsten Werke enthielt. Dagegen hatte er infolge seines unermüdlichen Fleißes, kraft seiner eisernen Zähigkeit und Ausdauer in seinem Hirnkasten eine ganze Hofbibliothek aufgestappelt, für die der Raum nie zu wenig wurde, da Geistiges eben keinen Platz bedingt. Rabbi Moses war kein Seelenarzt, er verschrieb keine Medikamente, auch war er nicht bloß ein Seelsorger, er kalkulierte nämlich: Du lieber G-tt, der arme Mann wird sich die nötige Nahrung für seine Seele wohl selber zu finden wissen; aber für den Körper sind wir Menschenfreunde zu sorgen berufen. So viel in seinen schwachen Kräften stand,