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Jüdische Presse · 1920-12-31 · 25/41 (31.12.1920) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
6 (1920)
Issue
25/41 (31.12.1920)
Date
1920-12-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 25/41 JÜDISCHE PRESSE Seit« 5 ibung ihres Wahlrechtes abzuschrecken, wobei auch leider fünf Juden verletzt wurden. Die Schutzwache?erhielt sich wie auf Verabredung passiv. Die Wahlergebnisse sind bekannt. Die Venizelisten erlitten eine gewaltige Schlappe und mit ihnen auch die Tier jüdischen Kandidaten, die auf ihrer Liste figurierten. Dagegen wurde mit der Liste der Opposition, die jetzt die Regierungspartei ist. drei jidische Kandidaten gewählt, die die jüdische Bevölkerung Salonikis in der griechischen Kammer repräsentieren. Armenien. Grausamer Pogrom auf Juden in Armenien. Aus Bombay wird gemeldet, daß dorthin 197 Juden aus Armenien geflohen sind, die über schreckliche Verfolgungen und Martern berichten, welche sie in Armenien auszustehen hatten. Es sind dies größtenteils Kaufleute, türkische Bürger, die in Anatolien gewohnt, haben. Sie erzählen, daß die Bolschewiken, nachdem sie die Türken aus Anatolien vertrieben hatten, die Herrschaft den Armeniern überließen, deren erste Tat ein großer Pogrom auf Juden war, die zu Hunderten getötet wurden. Ganze Familien wurden auf die grausamste Weise hingerichtet. Ein alter Jude, der viele Jahre in Anatolien als Architekt beschäftigt war, erzählte, daß die Armenier seine Frau und acht Kinder getötet und ihm ein Auge ausgeschnitten haben. Auch die anderen erzählen von schrecklichen Grausamkeiten, die die Armenier gegen ihre Frauen. Bruder, Schwestern und sogar gegen kleine Kinder begangen haben. Die Flüchtlinge wurden ihres ganzen Vermögens beraubt und riele von ihnen wurden verwundet. Kanada. Zufolge Zunahme der Arbeitslosigkeit wurden in Kanada neue Einschränkungsbestimmungen für Immigranten erlassen, wonach die Einwanderer bei ihrer Ankunft in Kanada 250 Dollar besitzen müssen. Bei Familieneinwanderung müssen Personen unter 18 Jahren 50 und über 18 Jahren 125 Dollar besitzen. Die Verordnung tritt mit 1. Jänner 1921 in Kraft. Palästina, Protest der Orthodoxon gegen Verletzung der Sabbatruhe. Jerusalem, 24. Dezember. (J. C. B.) Es wurde hier ein Massenmeeting gegen die Verletzung der Sabbatruhe in den Arbeiterküchen veranstaltet. Die Rabbiner Kuk, Papu, Abramowitz, Sonnenfeld, Horwitz, Rubin und Adler traten scharf gegen die Arbeiter auf, die durch öffentliche Entweihung des Sabbat den Frieden in der Stadt stören. Rabbi Kuk erklärte, er habe versucht, zu einer Verständigung mit den Arbeitern zu gelangen, was jedoch fehlschlug. Eine Krisis in der palästinensischen Weinindustrie.* Jerusalem, 24. Dezember. (J. C. B.) Die palästinensische Weinindustrie macht jetzt eine schwere Krisis mit, die durch die Sperrung der früheren Absatzgebiete, wie Rußland, Deutschland und Oesterreich, verursacht wurde. Die Weingärtenbesitzer sind mit ihren Zahlungen ausständig, da sie noch große Warenmengen vom Jahre 1919 am Lager haben. Man rechnet mit einem weiteren Preissturz in der Weinproduktion für das Jahr 1921. Die finanzielle Lage der Kolonisten ist infolgedessen eine schwierige. €i$enfeil$päne. Bi« Judenhaß ist darum kaum zu lösen, weil der Jude darauf gewohnheitsmäßig mit einer Gegenfrage antwortet. Wer yar keine Gesinnung hat, kann ßie gewiß nie ändern; und so 'nen Gentleman pflegen sie gar noch einen Charakter 7Mnennen! Wir müssen ron der Tradition des Vaters zurückkehren?mv Tradition der Väter. Wie falsch ist es, Korah als Prototyp des ewig Hadernden Nid Unzufriedenen darzustellen; im Gegenteil, er überbietet den ewigstrafenden Moses mit allzu großer Zufriedenheit: „Die janze Gemeinde besteht aus lauter Heiligen", dämm ist aber auch niemand so tief gesunken wie die Korah-Partei! Wozu der Lärm? Der Fall ist .so einfach! Rangstreit wird sMerwelts durch das Alphabet entschieden! Aguda rangiert im Alphabet als Erstes, Zionismus just als Letztes und Misrachi kalt sich gerade in der Mitte. Das werden bloß die Analphabeten des .Tudentumes nicht begreifen wollen! DU Zivilehe in der Tschechoslowakei. Rabbiner Dr. Felix Kanter in Zwittau (Mähren) schreibt im „Israelit": Seit Bestand der Republik erfreuen wir uns auch in unserem Staate der schönen Institution der — Zivilehe. Den heiratslustigen Parteien aller Konfessionen steht es frei, sich entweder rein religiöskonfessionell (kirchlich) oder nur zivil oder aber auch zuerst zivil und dann kirchlich (oder auch umgekehrt: zuerst kirchlich und dann zivil) trauen zu lassen. Zur Ziviltauung ist niemand gezwungen oder verpflichtet, man kann von dieser neuen Einrichtung Gebrauch machen, man muß aber nicht von ihr Gebrauch machen. In dieser Hinsicht weicht unsere demokratische Republik von allen anderen Staaten ab, in denen die Zivilehe längst eingeführt ist und als Pflicht besteht: dort ist die Zivilehe Zwang, bei uns nur freier Wille. Die Ziviltrauung unterscheidet sich von der kirchlichen Trauung nur dadurch, daß erstere unentgeltlich ist, während für letztere eine vorgeschriebene Taxe zu entrichten ist. Und wegen einer Ersparnis von einigen Kronen entblöden sich nicht manche jüdische Brautleute, nicht nur mit einer uralten jüdischen Tradition, sondern aucli mit einer alten staatlichen Einrichtung zu brechen! Im alten österreichischen Staate gab es nur eine Art von Eheschließung; die religiös-kirchliche; nur in einigen Ausnahmefällen (zum Beispiel bei Mischehen, Konfessionslosen oder im Falle der begründeten Verweigerung der Trauungsvornahme seitens der geistlichen Trauungsfunktionäre) konnte man zu der Ziviltrauung seine Zuflucht nehmen. Es muß auch ferner bemerkt werden, daß die seitens der Kultusgeineinden geforderten Trauungstaxen in berücksichtigungswürdigen Fällen teilweise oder auch gänzlich erlassen werden, so daß die Ausrede, als seien die Brautleute aus materiellen Gründen gezwungen, sich zivilamtlich trauen zu lassen, wegfällt, Im üebrigen dürfte jeder Rabbiner gerne bereit sein, auf die für ihn entfallenden Trauungsgebühren zn verzichten, wenn es sich um ein notorisch unbemitteltes Brautpaar handelt. Die Zivilehe in unserer Republik ist eine viel zu junge Institution, als daß zuverlässige statistische Daten über die von dieser neuen Einrichtung Gebrauch machenden Parteien vorliegen. Man wird aber nicht fehl gehen, wenn man annimmt, daß die meisten Zivilehen von Juden geschlossen werden, und daß ferner die Mehrzahl der jüdischen Brautleute, die die Ziviltrauung der religiösen Trauung vorziehen, den begüterten Klassen und Ständen angehören. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß die Zivütrauung vom jüdisch-religiösem Standpunkte vollständig als ungültig zu betrachten ist, daß die einer solchen Ehe entstammenden Kinder als uneheliche anzusehen sind, dies um so mehr, als durch die Ziviltrauung auch solche .Ehen* geschlossen werden können, die das jüdische Religionsgesetz ausdrücklich verbietet. Viel komplizierter gestalten sich solche Ehen durch den Umstand, daß die jüdischen, meist von den Rabbinern geleiteten Matrikenämter nolens volens gezwungen sind, diese Zivilehen amtlich anzuerkennen und so den Schein erregen, als würden die mit der Führung der Matrikenämter betrauten Rabbiner die geschlossene Zivilehe als sacrosanet erklären. Man stelle sich folgenden Fall vor: Ein jüdischer Ehemann, der eine Zivilehe einging, meldet bei dem zusändigen Rabbinate seiner Ortgemeinde die Geburt eines Kindes an. Ueber die vollzogene „Ehe" legt er den Trauungsschein der Ziviibehörde vor: der Rabbiner ist genötigt, das Kind als „ehelich" einzutragen und über die „eheliche" Geburt des Kindes auf Verlangen ein Zeugnis auszustellen. Mit diesem vom Rabbinate ausgestellten Geburtszeugnisse kann nun der der Zivilehe enstammende Sprößling männlichen und weiblichen Geschlechtes nach Jahren ein* Kjnd aus gut jüdischem Hause heiraten, ohne daß es den gut jüdischen Eltern einfallen würde, über die eheliche oder uneheliche Geburt ihres künftigen Familienmitgliedes viel nachzudenken. Von der eigentümlichen Stellung des Rabbiners, der genötigt ist »nach bestem Wissen und Gewissen" etwas offiziell, das heißt „amtlich* anzuerkennen, was er vermöge seiner Stellung und nach seiner innersten religiösen Ueberzeugung unbedingt verurteilen muß, wollen wir ganz absehen. Zu größeren Komplikationen und noch größeren seelischen Konflikten wird es in unserer Republik kommen, wenn die von der Regierung beabsichtigte Trennung der Kirche vom Staate zum Gesetz erhoben wird. Es kann schon jetzt verraten werden, daß selbst nach der geplanten Trennung der Kirche vom Staate die Seelsorger aller Konfessionen nach wie vor mit der Führung der Matrikenämter betraut werden, dies schon aus — Ersparnisgründen, da sonst der Staat genötigt wäre, Standesämter einzuführen und Standesbeamte anzustellen, was den Staatssäckel um viele Millionen jährlich belasten würde. Nach den bisherigen Erfahrungen steht zu erwarten, daß nach vollzogener Trennung der Kirche vom Staate die Ziviltrauungen noch mehr in Mode kommen und die religiöse Trauung fast vollständig verdrängen werden. Die Rabbiner werden aber in ihrer Eigenschaft als staatlich anerkannte und bestellte Matrikenführer gezwungen sein, die Kinder, die solchen Ehen entsprossen, als „ehelich" anzuerkennen und dies sogar amtlich mit dem Rabbinatssiegel zu bestätigen. Hier gibt es nur einen Ausweg: die alte jüdische Trauung: binW ffitftt JTD. (Der „Israelit" bemerkt hinzu: Man sollte glauben, daß keine Behörde einem Rabbiner verwehren könnte, auf den Matrikelauszügen gegebenen Falles deutlich zu vermerken, daß eine religiöse Eheschließung nicht stattgefunden hat. Darauf müssen die Rabbinen aus Gründen der Wahrhaftigkeit — von ihrem 2-eligiösen Standpunkte ganz abgesehen — unter allen Umständen bestehen.) Die «Joche. Die $töra „$cftemo$'\ Die Bibelgeschichte, welche bisher Familienchronik des Hauses Abraham gewesen ist, weitet sich mit dem zweiten Buche zur großen Schicksalstragödie des Volkes Israel aus; nun geht der Vorhang auf vor dem ersten erschütternden Akte der Ewigkeitsgeschichte des zum Leiden auserwählten Volkes. Im Vordergrund des ungeheuren Gesichtsfeldes ragt die Kolossalfigur des größten Menschensohnes, der je über diesen Planeten gewandelt ist, des unergründlich großen Mittlers des Schöpferwillens an die Menschheit, dieses „Sonnenantlitzes", von dem alle Helle und Wärme stammt, die noch in spätesten Zeiten Menschenseelen erleuchten und befeuern wird ... „Es starb Josef und seine Generation." Die Aera, die seinen Geist, seine Würde trug, starb mit ihm, und es erfüllte sich das ewige Fatum: „Die Kinder Israels vermehrten sich . . . und das Land ward1, ihrer voll." Und der Unerfahrene wird erstaunt hören, daß sich unsere Weisen bereits vor zweitausend Jahren zu dieser Stelle geäußert haben: „Das Land ward ihrer zu voll. Wie kann eine kleine Minderheit das Land füllen? Weil alle Theater und Zirkusse ihrer voll waren." Da ersteht zu allen Zeiten ein neuer Pharao, der den Josef nicht mehr kennen will. Die Enkel des großen Regenten versinken allmählich lachend, schlemmend und spielend in den Morast des Rassenhasses und der Selbstverachtung. Der Haß steigt wie der Nil über alle Dämme des Menschenrechtes, ein Vertilgungskrieg wie gegen ein schädliches Getier, bildet den Höhepunkt der Exposition. Da erscheint der Heros des Dramas, der Heros der Geschichte seines Volkes, nein, des Erdengeschlechtes. Moses tritt auf die Bühne der Menschheit.. Das fährt wie der reinigende Blitz, scharf und blendend in die stickige Atmosphäre des in „49 Pforten der Unreinheit" verkommenden Volkes. In diesem Pferch von jeder Menschenwürde Entkleideten, aller sozialen Bande Entrafften, tritt seiner eigenen Größe und einzigen historischen Wirkung unbewußt, das größte Genie der Sittlichkeit auf. Noch kommt er nicht im Namen G-ttes. Sein überquellender Führergeist, in der Prinzenschule sorgsam ausgeschliffen, nach gewaltigen Taten der Befreiung heischend, sieht sich plötzlich einer staatsmännischen Herkulesarbeit gegenüber: Dieses letzte Volk, sein Volk, emporzureißen, zum höchsten aller Völker. An diesem Tage geschieht das Unerhörte, daß ein Mizri ob eines Iwris sterben muß. Am nächsten Tage sieht er zwei Iwrim. raufen. Auch da geschieht etwas Erlösendes. Er spricht zum Ungerechten: „ Warum schlägst Du Deinen Nächsten?" Diese zweite Revolution wirkt tiefer. In Goschen ist nur der Geschlagene im Unrecht, und der Schläger der Führer. Der Helote beugt sich nur unter dem Hiebe. Er aber schalt den Stärkeren, den Machthaber: „Roscho!" Das ist der erste mit aller Heftigkeit geschehene Zusammenstoß des reinen Gerechten mit den sklavischen Erfolganbetern. Am dritten Tage hastet Fürst Moses schon als gehetzter Flüchtling auf der Straße nach Midjan. Die Tradition läßt ihn als gerechten Fürsten in Midjan regieren. Wie anders? Wie der aus Urkasdim gejagte Abraham, der aus dem Tale Hebrons verschacherte Josef unter fremden Völkern ob ihrer g-ttlichen Sittlichkeit angebetet waren, lebt Moses in glücklicher Wirksamkeit. Da stirbt Pharao ... Und Moses' Schulgenosse gelangt auf den Thron, der die Spitze der Menschheit bedeutet, er, der neben dem wundersamen Schüler Moses wohl andächtig aufhorchend herging, dessen weiche Seele wie Wachs zu bilden war. Nun müssen alte Zeiten wiederkehren. Ein zweiter Josef wird neben dem blos durch den Thron höheren Herrscher der eigentliche Führer der Welt werden. Und Israel? Da fährt ein Engel des Herrn im Blitze vor ihm nieder in den Dornenstrauch, der seither im g-ttlichen Feuer brennt und noch heute nicht verglüht ist. Da wird ihm die erste Offenbarung, daß dieses Volk nicht mit aller nationalen Weisheit der Aegypter, sondern im Geiste des G-ttes Abraham, Isak und Jakob geleitet werden kann. Ein G-ttesstab der nur im Staube des Golus zur Schlange geworden war, vor welcher Moses aus Aegypten flüchten mußte; er muß mutig gefaßt und emporgerissen

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