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Jüdische Presse · 1920-12-31 · 25/41 (31.12.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
6 (1920)
Issue
25/41 (31.12.1920)
Date
1920-12-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 25/41 7. Dezember ging der dritte Dampfer von hier ab und nahm mehrere hundert jüdische Passagiere mit. Am Abend vorher fand in der Auswandererhalle eine schöne Chanukafeicr statt, die den Emigranten in guter Erinnerung bleiben wird. Die Feier wurde eingeleitet durch den herrlichen Gesang eines ungarischen Kantors, der gleichfalls auswanderte. Herr Rabbiner Dr. Rosenak hielt, eine ergreifende Rede. Er erinnerte im Hinblick auf das Ghanukalicht, wie oft schon der liebe G-tt ans die Nacht zum lichten Tag gewandelt habe, darum solle das jüdische Herz immer hoffnungsfroh in die Zukunft schauen. Das Ghanukalicht solle uns ein Symbol sein, das ständig in unseren Herzen brennen solle. „Wenn Ihr nach Amerika kommt, in das Land der Freiheit, vernachlässigt Euer Judentum nicht, trennet Euch nicht von den jüdischen Sitten und Bräuchen, bleibet Juden!" Sehr dankbar waren die Emigranten auch für die schönen Gaben, welche Frau Rabbiner Dr. Rosenak mit liebenswürdigen freundlichen Worten verteilte. Jüdische Gemeindebibliothek München. Der Verwaltungsausschuß der Israelitischen Kultusgemeinde hat den Beschluß gefaßt, die erforderlichen Einrichtungen für die Unterbringung der Gemeindebibliothek, die sich hauptsächlich aus der durch das Legat des verstorbenen Professor Dr. Werner der Gemeinde zugewendeten reichhaltigen Büchersammlung zusammensetzt, schaffen zu lassen. Es wurde hiefür ein Betrag von, Mk. 20.000 bewilligt. Für die regulären Ausgaben der Bibliothek wurde ein Betrag von Mk. 5000 in das Budget eingesetzt. (Das jüdische Echo.) Polen. Die orthodoxen Frauen in Lodz. Die orthodoxe Frauengesellschaft „Taharas Bnaus Jisroel" in Lodz, welche vor einigen Jahren gegründet .worden ist, reorganisiert sich jetzt und erneuert ihre Tätigkeit. Sie beabsichtigt, eine große Aufklärungsaktion unter den orthocloxen Frauen zu beginnen, auf die hohen und ewigen Werte der Thora hinzuweisen und überhaupt den religiösen Geist und das orthodoxe Bewußtsein zu wecken. Zu diesem Zwecke werden große Frauenversammlungen veranstaltet werden, bei welchen Frauendelegierte referieren werden. Die erste große Versammlung werde demnächst in einem großen Saele in Lodz stattfinden, wo Schülerinnen des orthocloxen „Bes Jaakow" in Krakau und „Ghawazeles" in Warschau referieren werden. Produktive Hilfe für jüdisohe Handwerker. Im Lokale des „Joint" in Warschau fand am 12. Dezember unter dem Vorsitze des Herrn Direktors Jer eine Konferenz wegen der Verteilung der Maschinen und Rohmaterialien, die aus Amerika für die jüdischen Handwerker gesandt wurden, statt. Es nahmen an ihr der Zentral-Handwerkerrat und der Zentral- Handwerkerverein teil. Jede dieser Organisationen erhielt die Hälfte des Transportes und zahlte nur 10 Prozent des Wertes der erhaltenen Sachen, wobei der Dollar mit 250 Mark berechnet wurde. Eine Bank für jüdische Kleinhändler in Polen. Am 8. Dezember fand in Warschau eine Organisationsversammlung jüdischer Kleinhändler unter dem Vorsitze des Herrn Abraham Fux zwecks Gründung einer Kleinhändlerbank statt. Nachdem einige Redner die Notwendigkeit einer solchen Bank für die jüdischen Kleinhändler auseinandergesetzt hatten .und Herr Klamer die Statuten der Bank vorgelesen hatte, wurde eine Organisationskommission gebildet, in der gewählt wurden : Abraham Gartenstein, Josef Lasar, Jakob Jazwinski, Abraham Fux und Moses Blum. Es wurde auch beschlossen, gleich an die Organisationsarbeit zu gehen. Zur Frage der Geldsendungen des „Jewdiskom". Wegen der Ordnung in der Geldsendunggabteilung gab Rabbiner Kowalski eine Erklärung ab, in der er sagt, daß, um den Verdächtigungen entgegenzutreten, die Leitung des J. D. G. in Polen eine Kommission einberufen hat, bestellend aus den Herren M. Rundstein, Dr. Klumel, M. Michalewitsch, Stadtrat Ürzech, M. Grodzienski, David Meier, Noa Prylucki und Ingenieur L. Feigenbaum. Die Kommission besichtigte die Bureauarbeiten und nahm eine Resolution an, in der erklärt wird, daß die Kommission die bisherige Organisation der Geldsendungen aus Amerika durchgesehen hat und zu folgendem, einstimmigen Beschluß gelangt ist: 1. Jeder Mißbrauch beim Austausch der Geldanweisungen aus Amerika und bei (ieren Auszahlung in Polen durch das „Jewdiskom" ist ausgeschlossen; 2. die Mißverständnisse, die bei den Interessenten des J. D. C. aufgetaucht sind und in der jüdischen Presse einen Widerhall gefunden haben, sind nur durch die folgenden Umstände, von denen das J. D. G. abhängig war. zu erklären: a) die bolschewistische Invasion und die Evakuierung des J. D. G., wodurch die Auszahlungen der Geldanweisungen verzögert wurden, b) das schnelle Steigen des Dollars; 3. keine Privatbank wäre imstande, die Geldüberweisungen aus Amerika nach Polen so günstig für die Adressaten durchzuführen, als es durch das J. D. G. geschieht. Es wundert uns nur, warum zu den Nachforschungen dieser Kommission keine Vertreter der Redaktionen (wie: „Mornentik, Herr Zeitlin, „Hazfira", Herr Rosenfeld, „Hajat", Herr Goldberg, „Jüdu, Herr Pietruszka. „Nasz Kur/er« fjerr Hirschhorn), die gegen „Jewdiskom" mit solchen scharfen Beschuldigungen herausgetreten sind, eingeladen wurden. Litauen. Aguda-Versammlung in Eowno. Zufolge der Rückkehr des Slobodker Jeschiwo nach Kowno berief die Aguda eine Generalversammlung ein, an der der Kownoer Rabbiner Schapira, die Leiter der Jeschiwo und eine gröüere Anzahl Rabbiner aus der Umgebung teilnahmen. Die Versammlung wurde vom Olescoter Rabbiner eröffnet, der darauf hinwies, daß trotz der schwierigen Umstände, unter denen die Aguda entstanden ist, diese zu ihrem jetzigen hohen Stande gelangt ist. Jetzt, da die Aguda mit einer Anzahl bedeutender Kräfte, wie die Jeschivvoleiter und Jeschiwohörer bereichert wurde, trete sie in eine neue Periode von großen Taten ein. Er schlug dann die Wahl des Slobodker Rabbiners Moses Mordochai Epstein zum Ehrenpräsidenten vor, welche einstimmig angenommen wurde. Dieser, hielt dann ein längeres inhaltreiches Referat-. „Die letzten Erfahrungen, sagte er. die ich in den verschiedenen Orten gemacht, haben in mir die Ueberzeugung gestärkt, daß sich das fromme Judentum auf die verschiedenen Strömungen, die heute die jüdische Gasse überschwemmen, nicht verlassen könne. Nur eine gut organisierte Aguda, welche in die jüdischen Herzen den Thorageist pflanzen wird, sei unsere Hoffnung, und wir müssen alle unsere Kräfte auf diesem Gebiete verwenden." In den Ghadorim der Agudas Jisroel in Kowno lernen gegenwärtig gegen 150 Schüler. Außerdem befindet sich dort die Jeschiwo „Ateres Zewi". Sclwci?. lyeltturntag. Der deutsche Kreis der Jüdischen Turnerschaft hat die Initiative übernommen, die Gründung eines Weltverbandes der jüdischen Turnerschaft zu veranlassen. Dieser Weltturntag soll im Juli 1921 in Brünn stattfinden. Im Zusammenhang mit diesem Gründungskongreß soll ein Turn- und Sportfest aller Kreise der jüdischen Turnerschaft stattfinden. JlmeriKa. „Jüdischor Deutschenhaß." Die „Deutsche Tageszeitung* in Berlin bringt unter der Ueberschrift „Amerikanische Truppen— keine Polizisten" folgende Mitteilung von hier: „Der Abgeordnete Kahn, Vorsitzender des Heeresausschusses des Abgeordnetenhauses des amerikanischen Kongresses, hat die Zurückziehung der Truppen aus Koblenz verlangt, da sie keine Schuldeintreiber oder Polizisten für andere Völker sind." —' Die Mitteilung ist deshalb für uns bemerkenswert, weil es immer heißt, daß die amerikanischen und englischen Juden die erbitterstert Feinde Deutschlands sind. Häuserbau der Amerikaner. Im Gegensatz zu den einheimischen Kapitalisten, die ihr Kapital in ausländischer Valuta halten oder es überhaupt ins Ausland führen, verstehen die amerikanischen Busineß- Leute die Sache ganz anders. Eine Gruppe amerikanischer Kapitalisten unterbreiteten der polnischen Regierung ein Projekt, in Warschau 94 fünf- und sechsstöckige Häuser aufzubauen, wodurch 42.000 Personen mit Wohnungen versehen werden könnten. Der Mietzins für ein Zimmer würde sich dann laut Berechnung der Amerikaner auf 500 Mark monatlich stellen. €nalan<L Der Londoner „Waad Horabonim" veröffentlichte einen Aufruf, in dem aufgefordert wird, die orthodoxen „Sinai Agudaus", die eine Abteilung der allweltlichen „Agudas Jisroel" ist, zu unterstützen, damit man die Jugend im Geiste der Tauroh erziehen könne. Besonderes Gewicht sei auf die Jünglinge von 14 bis 20 Jahren zu legen, weil in diesem Alter die Eltern wenig Einfluß auf ihre Kinder haben und die Missionäre mit ihrer Taui'propaganda und die Reformjuden mit ihrem falschen Judentum und falschen Ideen am meisten an sie herantreten. Lord Reading protestiert. In London fand kürzlich eine kleine Kontroverse zwischen dem Justizminister Lord Reading und einem höheren Richter Sir Ernest Wild statt. Herr Wild sagte in einer Gerichtsverhandlung von einem Zeugen, der als Geldverleiher bekannt war, „sicher ein Jude", ein Wort, das der höchste Richter Englands aufs schärfste tadelte. Sir Wild sah nun ein, daß er sich deshalb entschuldigen müsse. frankreieb. Dr. Max Nordau über Palästina. Dem Pariser Korrespondenten des „Observer" gegenüber äußerte sich Dr. Max Nordau, befragt über seine Auffassung wegen Palästina, er sehe eine sehr kritische Zeit für die ganze zionistische Bewegung kommen. Das Interwiew schließt mit den Worten: Vor drei Jahren, als England und Frankreich den Juden eine nationale Heimstätte in Palästina versprochen hatten, eröffneten sich sehr gute Aussichten. Hätten diejenigen, die sich selbst zu Wortführern des jüdischen Volkes gemacht haben, England und Frankreich klar und deutlich befragt, was sie mit ihren Versprechungen meinten, so hätten sich die Aussichten entwickelt und im größten Maße aufgeblüht. Jetzt aber bestehe die Gefahr, daß alles in Nichts enden werde. Die Antisemiten machen alle Anstrengungen, die Balfour- Deklaration immer mehr abzuschwächen und es bestehe die Gefahr, daß England Palästina sich einverleiben oder es den Arabern übergeben werde. Die Juden hätten nur zwei Mittel: Entweder in großen Massen nach Palästina zu emigrieren oder an den Völkerbund zu appellieren. „Das Resultat beider Mittel", schließt Nordau, „ist in G'ttes Hand gelegen." Emigration, im Verfolg ihrer Eingabe vom 8. Dezember 1920 an den Völkerbund richtete die „Alliance Israelite Universelle" dieser Tage an den französischen Ministerpräsidenten Leygues ein Schreiben bezüglich der Regelung der jüdischen Emigration durch den Völkerbund. Sie ersucht den Präsidenten, er möge durch Leon Bourgeois den Völkerbund für die Regelung der Emigrationsfragen interessieren. Da die Regelung der jüdischen Emigration eine Frage von eminenter internationaler Bedeutung ist, und eine ungeregelte .Emigration sowohl aus hygienischen als auch aus wirtschaftlichen Gründen Gefahren in sich birgt, wird der Völkerbund ersucht, die Emigration international zu regeln und zu erleichtern: entweder soll dies gemeinsam mit dem Roten Kreuz — ähnlich wie bei den Kriegsgefangenen-Transporten — durch Spezialzüge, die aus den verschiedenen Emigrations-Zentren des Ostens in bestimmten Zeitabständen nach den verschiedenen Häfen unter Leitung und Kontrolle des Völkerbundes geschehen oder durch Anerkennung der bestehenden jüdischen Emigrations-Kpmitees*, indem denselben offizieller Charakter verliehen wird, und ihre Organe dem Völkerbund unterstehen. Im Zusammenhang damit, wird unter anderem angeregt, daß der Völkerbund an den Ansammlungs-Zentren für die Auswanderung, an den verschiedenen europäischen Häfen Baracken errichten läßt, wo die Emigranten bis zu ihrem Transport Unterkommen finden. Die Grenz-Behörden aller Staaten sollen angewiesen werden, den diesen Zug führenden Organen des Völkerbundes »Erleichterungen zu gewähren, damit die Auswanderer keinen Ghikanen unterworfen werden. Bei ihrer Ankunft in die sie aufnehmenden Lancier sollen sie von einem Komitee empfangen werden, welches sie den in Betracht kommenden Arbeitsstätten zuführen soll. 6rieclKtt!anl Die Wahlen in Griechenland und die Juden. Saloniki 28. November 1920 (Jew. Gorr. Bur.). Die Wahlen zur griechischen Kammer spielten sich diesmal unter ganz besonderen Umständen °ab und der Kampf, der zwischen den zwei Gegenparteien, den Venizelisten und der Opposition entbrannte, wurde mit der ganzen Wucht geführt. Mit Rücksicht auf die Umstände, unter denen der Wahlkampf sich abwickelte, beschlossen die jüdischen Parteien und organisierten Körperschaften, weder in den Wahlkampf einzugreifen noch dieöffentliche Meinung für die eine oder andere der kämpfenden Parteien zu beeinflussen, zumal da keiner von beiden eine ausgesprochene antijüdische Tendenz zeigte. Für die Juden wäre somit alles ruhig abgelaufen, wenn nicht eine behördliche Wahl Verordnung die jüdischen Wähler in eine ziemlich heikle Lage gebracht hatte. Um die jüdischen Stimmen kontrollieren zu können, ordnete die Polizeipräfektur besondere jüdische Wahlsektioneu an, Avas eine ungeheure Entrüstung unter der jüdischen Bevölkerung hervorrief, da diese Verordnung dem Geiste der griechischen Verfassung, die die Wahlen als geheim bezeichnet, widerspricht. Die ganze jüdische Presse und die Organe der Opposition setzten mit ihrer ganzen Wucht in den Kampf gegen diese Konstitutionsyerletzung ein. Der jüdische Gemeinderat unternahm alle möglichen Schritte und entsandte eine spezielle Abordnung zu Venizelos, um Aufhebung der erwähnten Verordnung zu erwirken. Die Bemühungen zeitigten aber nicht den mindesten Erfolg. Mit Rücksicht auf die negativen Ergebnisse der jüdischen Demarche tauchte de* Plan einer vollständigen Wahlabstiinmung als Protest gegen die Verletzung der primitivsten Bürgerrechte auf, um keinen Präzedenzfall zu schaffen und den griechischen Behörden zu zeigen, daß die jüdischen Bürger eine Verletzung ihrer Bürgerrechte nicht dulden werden. Dieser Plan ging aber nicht durch. Die jüdischen Kandidaten von der liberalen Liste erklärten zwar von ihrer Kandidatur nicht zurückzutreten, dagegen aber, wenn sie gewählt werden, ihre Mandate zum Proteste unverzüglich niederzulegen. Der Wahltag nahm anfangs einen ruhigen Verlauf. Als aber die Wahlbeteiligung in den jüdischen Sektoren eine ziemlich starke war, überfielen venizelistische Agitatoren und gemietete Strolche die jüdischen Wahlkreise und versuchten du ich unerhörte Terrorisierung der Wähler, sie von der Aus-

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