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Jüdische Presse · 1920-12-31 · 25/41 (31.12.1920) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
6 (1920)
Issue
25/41 (31.12.1920)
Date
1920-12-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. J5/41 JÜDISCHE PRESSE Seite 3 Dr. Dncftaann gegen den jidtschen KJeltköngreV (Von unserem Korrespondenten.) New York, den 30. November. In einer von dem bekannten Theaterdichter Abraham Schomer einberufenen Sitzung, behufs Gründung eines vorbereitenden Komitees für einen jüdischen Weltkongreß, hat Rabbiner Dr. Drachmann** scharf gegen einen solchen Versuch Stellung genommen. „Tn diesen Zeiten einen Weltnationalismus /.u proklamieren, ist ein Spiel mit Feuer. Es hieße Wasser auf die Mühle Henry Fords treiben, der da behauptet, daß die Juden einen internationalen Verband zur Unterjochung der Christen betreiben. Ich anerkenne einen jüdischen Nationalismus in Palastina und vielleicht ist er auch in östlichen Ländern, wo Nationalitätenstaaten bestehen, möglich, aber daß wir uns alle insgesamt als eine Internationale erklären, werde ich stets bekämpfen. Ich fühle auch ebenso die Not unserer Brüder und wünsche, daß uns G-tt erleuchte, daß wir den richtigen Weg zu ihrer Rettung finden sollen." Diese aufrichtige Rede, die auf Popularitütshascherei verzichtete, wurde mit Angriffen erwiedert, aber sie findet in einem Teil der Presse, so in «Hcbrew Standard*, einen svmpatischen Widerhall. M—n. ■ Dieser Bericht bestätigt unsere in der letzten Nummer ausgedrückte Vermutung, daß die Darstellung einer jüdischen Korrespondenz, als ob es sich hier um eine Aktion des offiziellen Kongreßkomitees handle, unrichtig sei. ■** Rabbiner Dr. Draohmann, der seit Jahreu neben Rabbiner Dr. Philipp Klein an der orthodoxen Gemeinde „Ohaw Zedek" wirkt, ist. als Gelehrter und englischer Kanzelredner von Ruf bekannt und ist seinerzeit als Kandidat auf die Stelle des Chief rabbis von Großbritannien genannt worden. Deut$cftö$tweicb. Vortrag Rabbiner Dr. Klein, Nürnberg. Im großen Saale des Hotel „Bayrischer Hof* in Wien fand :i.m Dienstag abend, den 28. Dezember, eine starkbesuchte Äguda-Versarmrilung statt, über welche wir in der nächsten Nummer ausführlicher berichten. Herr Wolf Pappenheim begrüßt den illustren Gast mit herzlichen Worten, worauf Herr Rabbiner Dr. Klein in glänzender einstündiger Rede beiläufig folgendes ausgeführt hat: Die konkreten Tagesaufgaben drängen auf Lösung. Sie dürfen aber nicht als die letzten und höchsten Fragen des Judentums behandelt werden. Wer die jüdische Geschichte nicht fälschen will, darf nie vergessen, daß das Judentum die Welt aus einer Idee begreift und von dieser Idee aus müssen auch die Gegenwartsprobleme erfaßt werden. Diese Idee ist selbstverständlich die: (1-ttgeschenkte Thora. Von ihr aus ist das Palästinaproblem, von ihr aus das Volkstum zu begreifen. Palästina ist auch nur Mittel zum höheren Zwecke und das Volkstum fordert nicht das Dogma des nationalen Minderheitsrechtes. Die wichtigste . Aufgabe ist, die jüdischen Massen zu diesem „Weg von oben" zu erziehen. Die A g u d a muß das Gewissen der Judenh eit werden. (Stürmischer Beifall.) Herr Thumin sprach hierauf mit gewohntem Beifalle ein längeres Schlußwort. Die Versammlung bedeutete einen großen Erfolg der Aguda- Sache. Rabbiner Dir. Pinchas Röhn ist nach mehrwöchentlicher Abwesenheit wieder in Wien eingetroffen und hat seine Tätigkeit im Bureau der Aguda wieder aufgenommen. Hochzeit. Ein wahrhaft jüdisches Familienfest in des Wortes edelster Auffassung wai die Sonntag, den 26. Dezember, in Baden bei Wien stattgehabte Hochzeit des Herrn Max Freund mit Fräulein Ella Schlesinger. Worte der Thora gaben dem Tage seine Weihe. Als Erster sprach der Vater Herr Moritz Freund bewegende Worte. Dann der Preßburger Dayan R. Leb Rubinstein, der zur Wahrung der vom Ohassam Soler s. A. seiner Familie gebotenen vornehm-dezenten Weise ermahnte, und der edlen Vorfahren des Brautpaares gedachte. Prächtige Worte fand der nächste Redner Oberrabbiner Reich (Baden), nach welchem Herr Josef Schlesinger gediegene Diwre Thora vortrug. Es sprachen noch Dr. Siegfried Schlesinger, S. Bettelheim und Dr. Pollak. Das Benschen brachte 3000 Kronen für Agudazwecke. Repatriierung von Palästina-Flüchtlingen. Montag, den 2. Jänner, sendet die Aguda neuerdings 2$ Palästinenser und weitere 12 Personen aus den Ostländern, durchwegs geschulte Arbeiter, nach Palästina. Diese Gruppe wurde von der Aguda ebenfalls "mit größeren Reisezuschüssen bedacht. Bei der großen Höhe der erforderlichen englischen Pfand und der Lira, bedeutet diese Unterstützung eine besondere Anspannung der materiellen Kräfte der Aguda und wird es allen Freunden der Aguda und Palästinas zur hohen Mizwa gemacht, weitere Spenden zu diesem hohen Zwecke zu leisten. Zentralburtau der orfft. Hr. Gemeindet in fler Slowakei, Bratislava. m» 1620 1920 An die P. T. Kultus gern ein den! Nach mehrmonatlichen langwierigen Unterhandlungen, die wir mit dem Ernährungsamte in Bratislava und Praha geführt, ist folgende Vereinbarung getroffen worden. Mit Rücksicht auf die schlechte Weizenernte, muß der Weizen zu „Mazzoth* im Auslände angekauft werden, wogegen uns dann die Hohe Regierung sofort nach Ausbezahlung inländischen Weizen zur Verfügung stellt. Wir müssen jedoch für jeden Waggon Weizen 850 Dollar im vorhinein bezahlen, welche wir uns im Wege des Dollarankaufs zum Tageskurs beschaffen müssen. Allen jüdischen Einwohnern der Republik wurden dieselben Bedingungen gestellt. Wir führen weitere Verhandlungen, als deren Resultat, wir bestimmt annehmen, daß das Mehl sich auf Kc 10*— höchstens 11-— inklusive Spesen per Kilogramm stellen wird. Wir fordern daher die P. T. Gemeinden dringend auf, binnen acht Tagen uns ihren Bedarf an Ostermehl anzugeben. Gleichzeitig muß eine Anzahlung von Kc 8'— per Kilogramm womöglich in Dollar bei der „Böhmischen Industrialbank. Filiale Bratislava, Republikplatz 24, für Konto Ludwig'sche Dampfmühle A.-G." geleistet werden. Die Gemeinden, die dieser Aufforderung bis spätestens 10. Jänner 1921 nicht nachkommen, können auf Versorgung mit Ostermehl unsererseits nicht rechnen. NACHRICHTEN. Mittelstandsküche der „Einheit". Die verdienstvolle Leitung dieses ebenso vom rituellen, wie auch vom sozialen Standpunkt aus segensvoll wirkenden Institutes hat einem in letzlerer Zeit allgemeinen Wunsche entsprechend, eine Mittelstandsküche für auf streng rituelle Kost Reflektierende errichtet. Anmeldungen sind bis Sonntag Mittag im Bureau der „Einheit" (Wien, IL, Malzgasse 12) vorzumerken. Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroel. Die Agudas Jisroel-(Schiffschul)-Gemeinde Wien teilt mit, daß sie in ihrer letzten Vorstandssitzung beschlossen hat, dem Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroel als Mitglied mit einem Jahresbeitrag von K 2000 beizutreten. Wir hoffen, daß dieses gute Beispiel Nachahmung finden wird. Bethausverein „Ohel Abraham" für die Aguda. Im Namen des Vorstandes teilt der Obmann S. Kohn dem Zentralbureau der Aguda mit, daß der Bethausverein Bethamidrasch „Ohel Abraham" gerne bereit ist, im Rahmen des Vereines im eigenen Wirkungskreise für Agudas Jisroel Propaganda zu machen. Die 6 prozentigen österreichischen Schatzscheine. Die Stücke der 6prozentigen österreichischen Staalsschatzscheine, welche die Finanzverwaltung ausgegeben hat, um der wachsenden Geldüber/lutung und deren schädlichen Folgen entgegenzuwirken, sind nunmehr fertiggestellt und können hei allen Postämtern und Geldinstituten bezogen werden. Diese Schatzscheine haben bekanntlich eine Laufzeit von sechs Jahren, werden al pari ausgegeben, können aber zu jeder Zeit für den ersten Tag des der Kündigung nachfolgenden vierten Kalendermonates gekündigt weiden. Die Rückzahlung erfolgt hierauf abzugsfrei zum vollen Nennwerte samt Zinsen. Mit diesem Schatzcheine gelangt man eigentlich in den Besitz von verzinslichen Noten, welche vielleicht die Anziehungskraft besitzen werden, um auch aufgesparte Banknoten aus dem Verkehr herauszuholen, den Urnlauf an Banknoten zu verringern und damit den endlichen Abbau der ungeheuerlich belastenden Teuerung herbeizuführen. Eine Zeichnung auf diese Schatzscheine findet nicht statt. Sie sind jederzeit bei allen Anstalten zu haben und die Art der Anleihe ist eine dauernde Einrichtung, die auch in anderen Staaten besteht, damit überschüssige Gelder in vorteilhafter Weise veranlagt werden können. Im Bedarfsfall sind diese Schatzscheine leicht zu realisieren, indem sie bei jedem Postamte leicht gekündigt werden können. €$clKcfto$lowaKel Todesfall. Dr. Jakob Fischer, gewesener Primararzt in Preßburg, ein bekannter Psychiater und gewesenes Vorstandsmitglied der israelitischen Religionsgemeinde, ist im frühen Alter von 59 Jahren gestorben. Sitzung der Schächter-Sektion. Sonntag, den 26. Dezember, fand in Piestany die Sitzung der im Sinne des Beschlusses des Kosiceer Delegiertentages eingesetzten Schächter-Sektion statt. Näherer Bericht folgt. , Aguda in Dunajska-Streda. Sonntag, den 2. Jänner, findet in Duna-Szerdahely ein großer Propagandavortrag der Aguda-Ortsgruppe und Jugendgruppe statt. Ungarn. Todesfall. Wie wir mit tiefen Bedauern erfahren, hat der Oberrabbiner Samuel Austerlitz von Miskolcz einen schweren Verlust erlitten. Seine Tochter, Frau Josef Groß, ist im zweiten Jahre ihrer glüek- Gleichzeitig fordern wir die P. T. Gemeinden auf. ihren Bedarf an Osterzucker für den ganzen politischen Bezirk nach Seelenzahl der dazugehörenden Gemeinden einzeln detailliert — womöglich von der Behörde bestätigt — früher einzusenden, damit die \bsendung rechtzeitig erfolge. Infolgedessen sind die P. T. Gerneinden verpflichtet, alle zu ihrem politischen Bezirk gehörenden Gemeinden behufs Zuckerversorgung zur Einsendung der behördlich bestätigten Seelenzahl aufzufordern. Bratislava, am 12.Teweth 5681 — 2a. Dezember 1920. Mit glaubensbrüderlichem Gruße Das Zentralbureau der orth. ißr. Gemeinden in der Slowakei. jfngelegenfteit fler Kongrua. Die. ehrwürdigen Herren Rabbiner sind hiemit höflichst ersucht, ihre Gesuche in Angelegenheit der Kongrua. mit den nötigen Belegen versehen (ohne Rücksicht auf die Zirkulare des jüdischen Volksverbandes), an die Zentralkanzlei der orthodox-israelitischen Gemeinden der Slowakei (T u r n e r g a s s e U) direkt einzusenden, da die Flüssigmachung der Kongrua — wie bereits mitgeteilt wurde schon in den nächsten Tagen erfolgen wird, und diejenigen, welche ihre Gesuche nicht an die Zentralkanzlei senden, der Gefahr des Verlustes oder der Verzögerung ihrer Rechte ausgesetzt sind. Indem wir nochmals um pünktliche Ausführung dieser Angelegenheit ersuchen, zeichnen wir mit glaubenstreuem Gruße Zentralkanzlei der orthodox, isr. Gemeinden der Slowakei. liehen Ehe plötzlich von einer tükischen Krankheit hinweggerafft worden. Allgemeine Teilnahme wendet sich dem schwergeprüften Vater zu. Die Gemeinde wird das Andenken der edlen jungen Frau, welche auf dem Gebiete der religiösen Erziehung und der sozialen Fürsorge segensreich tätig war, mit einer wohltätigen Stiftung verewigen. Jugoslawien. Wahlen in die jüdische Kultusgeineinde. Bei den vom 12. bis 14. Dezember unter gewaltiger Beteiligung in Agram stattgefundenen Wahlen in die jüdische Kultusgemeinde, konnte die Liste der bisherigen Vorstandsmehrheit (Assimilanten) kein einziges Mandat erlangen. Die Zionisten bilden die Mehrheit. Rumänien. Aguda in Nagy Bänya (Siebenbürgen). Die für Ende Dezember 1920 geplante große Versammlung ist für Mitte Jänner verschoben worden, da die Führer der Zentrale der Jugendgruppe in Großwardein verreist sind. Minister Mihali äußerte dem Korrespondenten des „Uj Kelet" gegenüber auf dessen Frage, ob für die jüdisch-nationale Minorität ein besonderes Staatssekretariat oder ein spezielles Ressort im Ministerium (Aha!) für die Minoritäten errichtet werden wird, daß bisher inbezug auf die Form noch keine Entscheidung getroffen worden sei, aber soviel sei sicher, daß die Juden unter den nationalen Minoritäten, die ihnen durch das Zahlenverhältnis gebührende Stellung eingeräumt erhalten werden. Das Wohnungsanfordernngsamt in Cloj (Klausenbnrg) hat in die Wohnung des orthodoxen Oberrabhiners Glasner eine Tänzerin zwangsweise einquartiert. Um in ihr Zimmer zu gelangen mußte die Tänzerin, zwei Zimmer des Oberrabbiners passieren. Da diese Lösung auch der Tänzerin nicht zusagte, wurde ihr darauf die Amtskanzlei des Oberrabhiners zugewiesen, der nun gonotigt ist, Amtshandlungen in seiner Privatwohnung vorzunehmen. Deutscftland. Von der Technischen Hochschule Charlottenburg. Der Ausschuß der Studenten an der Technischen Hochschule in Gharlottenburg hat allen Auslandsdeutschen einen Revers unterbreitet, den sie als unumgängliche Vorbedingung für ihre Aufnahme als vollberechtigte Hochschüler zu unterschreiben haben und dessen § 9 (wie die „Montagspost" mitteilt) eine ehren wörtliche Versicherung rein arischer Abstammung verlangt, daneben auch Angaben des Religionsbekenntnisses des Vaters und der Mutter. Jüdische Auswanderer. Im Bremer großen Auswanderungshafen, wo zurzeit die Schiffe des Norddeutschen Loyd expediert werden, hat der Hilfsverein der deutschen Juden unter dem Vorsitz des Herrn Rabbiners Dr. Rosenak seine volle Tätigkeitwieder aufgenommen. Es wird dafür gesorgt, daß die aus den Ostländern auswandernden verfolgten Juden hier in sauberen Unterkunftsräumen untergebracht werden, daß sie koscher zu essen bekommen, daß die Kinder der Emigranten, die längere^Ör£<v hier bleiben müssen, jüdisch lernen us\^3$l^

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