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Jüdische Presse · 1920-12-24 · 24/40 (24.12.1920) · page 6

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Journal
Jüdische Presse
Volume
6 (1920)
Issue
24/40 (24.12.1920)
Date
1920-12-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE PRESSE Nr. 24 40 dem Schor, verflucht; — Wehe, wenn sich Levi, dessen Erbteil der Ewige ist, gegen Josef mit Simon verbrüdert um mit dessen Waffe, mächtig zu werden. — wie denn auch der Schwanenaang Jakobs hauptsächlich dem geliebtesten Sohne gilt, dem Bechor Schor. Ueber die angeborene Erstgeburtsrechte Rubens, das mit „Waffen der Gewalt" ertrotzte Recht Simons, die Stellung Levis, über das Königtum Judas, den Gelehrten Issachar und den Reichen Sebelun hinweg, erhebt Jakob den Träumer Josef zum idealen Bechor, zum prädistinierten geistigen Führer und reckt über dem Kopfe des älteren Menasche hinweg seine segnende Hand über das Haupt Ephraims . . . Der sittliche Mensch hat die Ordnung der Gewalt, die in der neuen Schöpfung herrschte, geändert. „Und Adam gab den Tieren Namen." Er stürzte die Gewalt des Königs der Tiere, und erhob das Rind zu seinem Mitarbeiter in Haus und Feld. Er drängt das herrschende Waldgetier zurück und vermindert es, das doch nach den Gesetzen der rohen Kraft sich auf Kosten des ihm wehrlos anheimgegebenen Rindes endlos vermehren soll. Er heißt das Rind sich zu vermehren, in dem er ihm den Namen Por gibt. Ein solcher Bechor Schor ist Josef und von seinen Söhnen ists Ephraim, in dessen Namen ebenfalls der Segen der Vermehrung liegt, ,darum wurden die Ephraimitcn zu Zehntausenden8 und Israel soll seine Kinder zuerst mit Ephraim segnen. Die Sidra, voll erhabener Bilder, bildet das Ende der Familiengeschichte Abrahams, welche der mit Schemos beginnende' Volksgeschichte wie ein g-ttliches Vorspiel vorangeht. Ein schönes Schlußbild, der weise gekrönte Greis Josef, umringt von Enkelkindern und einem durch ihn geehrter Stamm, endet die Sidra und das köstliche Buch Bereschit. AGUDA-JUGENDGRUPPE. Bei den Siechen im Eainzer Uersorgungsbaus. Wirklich ergreifend war es in Lainz! Während drinnen gemüts- und gedankenlose Feste zu Ehren der Makkabäer gefeiert werden, veranstaltete die orthodoxe Mädchengruppe im Lainzer Versorgungshaus für die Pfleglinge dieser Anstalt eine Feier, wo die Verlassensten unserer armen Zeit und Stadt, wenigstens auf kurze Dauer ihrem freudlosen Dasein entrückt, einige wirklich frohe, weihevolle Stunden, genießen konnten. Gleich den Gaben zum Bau des Mikdosch, waren diesmal von den hiezu seitens der Agudas Jisroel-Mädchengruppe Geladenen, die Naturalien .und Geldspenden in überreichem Maße eingelaufen, so daß die Beteiligung eine für alle Patienten befriedigende genannt werden konnte. Zuerst wurden die Schwerkranken in den Pavillons besucht. Ein helles Äuiblitzen der Augen bei der Mitteilung, daß Chanuka ist, ist allgemein. „Ich habe mir 's gedacht, daß Ghanuka sein muß", versichert die blinde Witwe eines Bethausdieners. Und eine zweite fängt heftig zu weinen an über die traurige Tatsache, daß sie unter lauter Andersgläubigen ganz auf ihre religiösen Festundjjjjreudentage vergessen muß. So wird aucn der lose Zusammenhang mit dem Judentum ein wenig gefestigt. Stolz erzählt im nächsten Pavillon wieder eine andere, daß sie gestern das 3. Licht gezündet hätte und bittet um Kerzen für die nächsten Tage! Alle haben Bitten, Wünsche, oft ganz bescheidene, mit deren Erfüllung sie immer wieder in ihrem Hoffen auf Heilung bestärkt werden. Um 4 Unr nachmittags beginnt die im Betsaal des Versorgungshauses anberaumte Feier. Die Hausverwaltung hat anläßlich derselben in zuvorkommendster Weise den Saal in Stand setzen lassen. Alle waren sie erschienen, Greise und Greisinnen, Sieche, und soweit sie in Tragbahren herbeigebracht werden konnten, auch die Kranken. Ein jeder hat das Bedürfnis, sich mitzuteilen, und so erfährt man bald das traurige Geschick dieser Armen, deren Aufenthalt, in Lainz bei den meisten wohl den Schlußakt eines mehr oder minder erschütternden Dramas bildet. Und alle kommen sie, um wieder einmal zu vergessen und sich zu freuen. Ein junges Mädchen, eine Braut, der der Krieg den Erwählten ihres Herzens geraubt hat, ihr Ausdruck zeigt von besseren Tagen, läßt sich in der Tragbahre hereinbringen. Ein schweres Nervenleiden, unheilbar, fesselt sie seit 4 Jahren ans Bett. „Dies wird seit dem ich hier bin, mein schönster TagK, versichert sie den sich um sie bemühenden Damen. Von der anderen Gasse kommt im Rollstuhl eine Frau gefahren, der beide Füße fehlen, sie freut sich, wieder einmal nach Jahren einem G-ttesdienst beiwohnen zu können. Von alten Leuten geführt kommen die Blinden in den Saal und bald darauf eröffnet, von den Patienten lebhaft begrüßt, der um die Linderung ihrer Leiden stets bemühte Herr Rabbiner Fischer durch das Minchagebet die Feier. Das Lichterzünden und die folgende Festrede löst unter den Erschienenen Erinnerungen an vergangene Zeiten aus, und leises Stöhnen und Schluchzen wird von allen Seiten hörbar. Die Präsidentin der orthodoxen Mädchengruppe, Fräulein Eva Stern, überbringt die Grüße und Wünsche dieser Vereinigung sowie die Versicherung des tiefsten Mitgefühls und des festen Willens, nach ganzem Können auch fürderhin zu helfen. Tief ergriffen stehen alle, bis ein blinder Greis sich nach vorne drängt, um den Dank der Pfleglinge zum Ausdruck zu bringen. Er schildert mit erschütternden Worten, wie im Krieg die Hälfte der Patienten infolge der Entbehrungen gestorben war, und außer Herrn Rabbiner Fischer, bloß einige .junge Leute der orthodoxen Jugend- und Mädchengruppe tätigen Anteil bekundeten. Nicht die an sich immer sehr erwünschten Gaben, sondern die Gebefreudigkeit der jungen Leute selbst war es, die uns immer von neuem aufrichtete und uns Mut für die nächste Zeit gab. Lautes Aufschluchzen bestätigt das allgemeine Einverständnis mit den Worten ihres Redners in ergreifender Weise. Am Ende des Saales steht die erst seit einigen Monaten hier untergebrachte verwaiste und verwitwete Tochter eines ehemals hochangesehenen Wiener Juden. „Sieh'! ich muß an meinem vorjährigen Ghanuka, den ich in dem Hause meiner seligen Eltern verbrachte, denken", erzählte sie, um ihre Erregung befragt, den Damen, und verläßt weinend den Saal. Die Verteilung der mitgebrachten Liebesgaben beschließt die wirklich überaus eindrucksvolle Feier. Die Not, die geistige und materielle, ist sehr groß. Die Tätigkeit der orthodoxen Krankenfürsorge umfaßt alle Juden, im Gegensatz zu den Mitteln, die immer nur von den opferfreudigen Orthodoxen kommen. Alle müssen helfen, wenn allen geholfen werden soll. __ E. S. Agudas Jisroel-Jugendgruppe, Wien. Laut Beschluß der letzten Vorstandssitzung wurde der Sektion „Machsike Lomde Thora« der mittlere Lehrsaal für freies Lernen ganztägig zur Verfügung gestellt. An dem regen Besuch gleich in den ersten Tagen ist zu ersehen, wie wichtig dieser Beschluß zur Förderung des Limud Hathora und zur innigen Zusammenarbeit der „Machsike Lomde Thora" und der Jugendgruppe gewesen ist. Sämtliche Seforim stehen auf Verlangen den Lernenden zur Verfügung. Agudas Jisroel-Jugendgruppe, Baden. Die kürzlich in Baden gegründete Jugendgruppe entwickelt sich dank der besonders eifrigen Tätigkeit des Vorstandes in erfreulicher Weise. Die erste Aufgabe war die Einrichtung von Schiurim, welche als besonders gut besucht bezeichnet werden können. Auch wurde dort bereits ein Melamed für die jüngere Altersklasse aufgenommen. Es ist zu hoffen, daß die Jugendgruppe in ihren ernsten Bestrebungen zur Festigung der Badener gesetzestreuen Jugend allseitig unterstützt und gefördert wird. — Bei der am 5. Dezember abgehaltenen ersten Generalversammlung der hiesigen Agudas Jisroel-Ortsgruppe wurden in den Vorstand folgende Herren gewählt: Leopold Weißmann, Ghaim Wickler, Bernhard Löwy, Moriz Neumann, David Daniel, Sch. Rappoport und Mark Heller. Bei der konstituierenden Sitzung wurden die Herren David Daniel als Obmann, Leopold Weißmann als Obmann-Stellvertreter, Chaim Wickler als Kassier, Moriz Neumann als Schriftführer, Bernhard Löwy und Sch. Rappoport als Revisoren gewählt. Es wurde gleichzeitig ein Talmudlehrer aufgenommen, welcher noch diese Woche seine Tätigkeit aufnehmen wird. Aguda-Jugendtag in Nagybanya. Am 26. Dezember veranstalten die Szatmarer und Nagyvarader Jugendgruppen einen Jugendtag in Nagybanya, welcher zur Gründung einer Ortsgruppe benützt werden soll. Von Szatmar wurde Herr Koloman Weiß, von Nagyvarad Herr L. Friedmann delegiert. Aguda in Erlau (Eger). Vor zwei Jahren hat Herr Samuel Schreiber, der damals an der dortigen Jeschiba lernte, einen Verein „Agudas Habachurim* gegründet, welcher unter dem Protektorat des Dayan R. Moses Schreiber wirkte. Dieser Verein hat seine durch die Ereignisse in Ungarn unterbrochene Tätigkeit aufgenommen und sich als Agudagruppe konstituiert. Allabendlich trägt R. Moses Schreiber zwei Stunden lang vor. Das Beispiel ist zur Nachahmung in Ungarn empfohlen. Koloman Weiß. Der rührige Präses der Aguda- Jugendgruppe in Szatmar weilte diese Woche in Preßburg, um mit der dortigen Jugendgruppe in Verbindung zu treten, und wird anfangs Jänner in Wien sein, um mit der Wiener Jugendgruppe Fühlung zu nehmen. Spendenausweis. flgudas JisrocIOugetidgruppe. Wien, II., Obere Donauatraße 69. 1. Jugendgruppe: Gesammelt bei Verlobung Schreiber-Schischa K 1285, Ch. Aron Freidmann 200, Frankl-Kahan (Budapest) zur Hochzeit Hornstein 100, Ella Schreiber 100, Telegrammablösung Hochzeit Hornstein 50: zusammen K 1735. 2. Jeschivo-Aktion: Gesammelt bei Verlobung Schreiber-Schischa K 1420, Großrabbiner Israel Friedmann (Gzortkow) 500, Simon Perlberger. 200, Abraham Schreiber poln. Mk. 500: zusammen K 2120 und poln. Mk. 500. 3. Flüchtlingsfürsorge: Oskar Weinreb (Wochenbeitrag) K 100. 4. Krankenfürsorge: Sandor Adler (Wnc.henbeiirag) K 50. Weitere Geldsendungen sind zu richten auf Postsparkassenkonto Nr. 170.176 für „Jugendgruppe" und mit dem „Sektionsvermerk", oder an Herrn David Baumgarten, II., Herminengasse 13. •Hgtidas Jisroci-Iftädcftengruppe. Mädchengruppe. Gesammelt durch Hedi Hirse liier: Simon Sternberg (Budapest) K 100, Sigi Stern 150, Josefine Weiß 50, Bernhard Steiner 50, Sigm. Hartig (Berlin) Mk. 10, N. N. K 40, N. N. durch Frälein Lola Schiff 300: zusammen. K 700. Krankensektion: P. Grünhut K 150, N. N. durch P. Grünhut 150: zusammen K 300. Verein „Tiferes Bachurim": Gesammelt durch Herrn Lamm: Anonym K 2000, N. N. 700^ Ungenannt 700, N. N. 50; durch Herrn Leopold Schischa: Zum Andenken des seligen Ignatz Alt 500; durch Herrn Ignatz Brody: N. N. 600; durch W. Kaufmann: Katz 200; durch Herrn R. Lünzen A. Kolimann 100, S. Diamant 20; durch Herrn E. Hermann: L. Selmeczy 1000. — S. Ungar 100, J. Alt 500, Bornstein 100, Wollner 100, Steinhof 50, Wallach 50, Aschkenazi 50, Hirschler 20. Jährliche Beiträge: D. Lemberger 200, J. Alt 100, R. Beermann 100, M. L. Bügeleisen 50, N.* Adler 50, H. Hirsch 50, F. Grimmer 24, A. Schreiber 50, W. Pappenheini 100, Wasservogel 50, Hess 50. Kutscher 24, K. Scheuer 50, Neuwirth 100, A. Fischer (Mödling) 100, Adolf Brender 50, J. Müller 100. J. Kaufmann 100, E. Stössel 100. Monatsbeiträge: Salomon Schreibe)* 500, Fleischer 20, J. Goldberg 10; zusammen K 8818. Frauenhilfe der Adas Jisroel: Gesammelt bei" Verlobung Schreiber-Schischa K 1250. * Für die Notleidenden in Erez Israel: Gesammelt bei Verlobung Schreiber-Schischa K 1850. * „Keren Erez Israel": David Kurzmann (Krakau),. Thoraspende beim Czortkower Rabbiner K 1000„ * Machsike Lomde Thora: Großrabbiner J. Friedmann (Gzortkow) K 200, Großrabbiner M. Heschel (Kopoczynce) 300, Brüder Schön 300, L. Atlas 250, Max Beigel 50, Moritz Felsenburg 30, Julius „ Winkler 20, Salamon Blum 36, Alter 10, J. Barbasch 10, Markus Kamm 100; zusammen K 1306. * Preßfonds. Karten: David Fleischmann (Bratislava), 10 St., K 300; B. Kornfein (Bern), 1 St., 20; durch Herrn Samuel Schreiber: Alfred Stroh. 10 St., 100; Rubin, 10 St., 100; Moritz Schreiber. 2 St., 20; Max Schiff, 2 St., 20; Meißner, 2 St., 20; S. Hartstein (Holland), 5 St., 50; M. Adler, J:$ St., 130. — Durch Herrn Klein: S. F. 10*. Mewaksche Thora (Preßburg) Kc 50. Zusammen K 770 und Kc 50. Gesamtsumme der Spenden: öst. K 19.999, poln. Mk. 500 und Kc 50. * Berichtigung. Der Verein ,Jischub Erez Israel'* ersucht uns, mitzuteilen, daß der in der Nummer 21/37 unter der Ueberschrift „Palästina-Spenden" ausgewiesene Beitrag von K 20.000-— nicht von ihm, sondern von der „Misrachi-Landeszentrale in Wien" geleistet worden ist. (Wir waren informiert, daß die beiden Verbände fusioniert seien. D. R.) Da$ BhcD in der ftfMe* Eines Tages während des Diskurses sagte Rabbi Josse: „Wie lange, ach, ist es uns noch bestimmt, in der Verbannung hinzuleben bis zu jener fernen Zeit! Und alles hat doch wieder der Allmächtige abhängig gemacht von der wahren Umkehr, ob die Menschen würdig sein werden oder nicht. Und so ist der Schriftsatz gemeint (Jesaia, cap. 60, v. 22): ,Zu seiner Zeit — ich werde es beschleunigen.' Sind sie würdig, so gilt der zweite, wenn nicht, der erste Teil des Satzes." Dann sagte Rabbi Josse: „In dieser Stunde erinnere ich mich, daß ich einstmals an dieser Stelle mit meinem Vater saß, als er zu mir sprach: ,Mein Sohn, * Aus „Der Sohar und seine Lehre.• Einleitungin dioGedankeuwelt der Kabbalah. Von Ernit Müller. 1920. K. Löwit-Verl«*,. Wien-Berlin.

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