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Jüdische Presse · 1920-12-24 · 24/40 (24.12.1920) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
6 (1920)
Issue
24/40 (24.12.1920)
Date
1920-12-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 24/40 JÜDISCHE PRESSE Seite 5 Logik ist, ist auch statutenwidrig. Nun uns aber bedünkt, daß diese Neutraer Logik sehr arg hinkte. Die Wahrheit ist, daß die dunkel gehaltenen Verdächtigungen gegen die Kanzleileitung solch kurze Beine in haben scheinen, daß sie bis Kosice nicht hinken können, denn wie anders könnte man sich die beim Neutraer Vorstand so urplötzlich erwachte Liebe für Preßburg erklären. Der ganze Rummel kommt letzten Endes daher, daß der Neutraer Vorstand es stets mit scheelsüchtig miß- «rünstigen Augen begleitete, wie Preßburg in der Orthodoxie immer mehr und mehr zu größerer Bedeutung und zu größerem Ansehen gelangt und wie Preßburg angeblich sich immer in den Vordergrund stellt, während Neutra angeblich in den Hintergrund gedrängt wird; nun wie der Verwaltungsausschuß, einem dringenden Verlangen der Ostslowakei Rechnung tragend, den Delegiertentag nach Kosice einberuft, schreit man in Neutra in gellendem und schrillendem Tone illegal, ungesetzlich und Statuten widrig, weil das geliebte Preßburg so ungerecht umgangen wird, und wie jede Unehrlichkeit und Unaufrichtigkeit früher oder später in Widersprüche sich verstrickt und schließlich in Lächerlichkeit untergehen muß, scheint auch die in Neutra stets geübte Praktik an einem Punkt angelangt zu sein, wo sie in dem Schlamm der Lächerlichkeit stecken bleiben muß. Wir sagen, die stets geübte Praktik, denn von allem Anfang an war die in Neutra mit der Orthodoxie betriebene Politik so unklar, so zweideutig und so verworren, daß sich die besten Köpfe nicht auskannten, was eigentlich da beabsichtigt wurde. In den hochtönendsten Phrasen wurde der extremsten Richtung das Wort geredet, während man in der Tat zu großer Nachgiebigkeit geneigt war. In der Theorie wurde der intransigente Standpunkt gegen alles Nichtorthodoxe eingenommen, in der Praxis wurde viel Wasser in den Wein der extremen Orthodoxie geschüttet. Als der erste Delegiertentag vom Volksverband nach Piestäny einberufen wurde, hat auf Veranlassung des Oberrabbiner Weber eine Konferenz in Preßburg stattgefunden, um seitens maßgebender Faktoren der Orthodoxie zu diesem von nicht Orthodoxen einberufenen Delegierten tag Stellung zu nehmen und festzustellen, welche Haltung Oberrabiner Weber demselben gegenüber als Ortsrabbiner bekunden soll. Und da wurde gerade von Neutraer Seite die unversöhnlichste Stellungnahme gegen jede Annäherung an Nichtorthodoxe dringend empfohlen und Oberrabbiner Weber wurde beauftragt, die bekannte Erklärung abzugeben, wonach ein Zusammenarbeiten mit anderen Organisationen nur dann möglich erscheint, wenn die vollständige Selbständigkeit der Orthodoxie gesichert sein wird, welchem Auftrage Oberrabbiner Weber auch entsprochen, indem er sich der nichtbeneidenswerten Aufgabe unterzogen, in dieser vom Vereinigungsfieber geschüttelten Versammlung den orthodoxen Separationsgedanken in klarster und entschiedenster Weise festzulegen. Und da geschah etwas Unerwartetes, fast für nicht * möglich Gehaltenes. Als Oberrabbiner Weber mit der Verlesung der Erklärung unter dem lauten Widerspruch der neologgesinnten Majorität der Versammlung geendigt hat, erhob sich Herr Doktor Jellinek, Präses der neologischen Kultusgemeinde in Neutra, und sagte beiläufig folgendes: „Die Behauptung des Herrn Oberrabbiner Weber, daß Neoiogen und Orthodoxen nieht gemeinsam arbeiten können, ist völlig unrichtig. Ais Beweis hiefür teile ich dem Delegiertentage mit, daß ich als Präses der neologischen Kultusgemeinde in Neutra auch die orthodoxe Gemeinde in Neutra hier vertrete, indem > ich vom Vorstande der orthodoxen Gemeinde in Neutra den direkten Auftrag erhalten, hier auch in seinem Namen zu sprechen. Ein schlagender Beweis, daß Orthodoxe und Neologen schön ruhig beisammen arbeiten können." Frenetischer Jubel folgte diesen Worten des Dr. Jellinek seitens der neologgesinnten Majorität der Versammlung. Ueberraschung, Konsternation, ja geradezu Verblüffung bemächtigte sich des Oberrabbiner Weber und der wenigen dort anwesenden Orthodoxen. Die Verblüffung war so groß, daß sie ein lautes Echo in der ganzen Gegend geweckt und in den Kreisen der DW in Neutra das unliebsamste Aufsehen erregt hat, so daß Herr 'Hennann Steiner sich veranlaßt gefühlt, sein sonderbares Vorgehen in einem an Herrn Oberrabbiner Weber gerichtetes Schreiben damit zu entschuldigen, daß er Herrn Dr. Jellinek bloß damit betraut hat, im Namen der orthodoxen Gemeinde gegen das Nationaljudentum Stellung zu nehmen. Das hat natürlich Herr Dr. Jellinek nicht getan. Dagegen hat er die von Herrn Steiner eingestandene Detailbetrauung dazu benützt, um gegen den gerade von Neutra so entschieden vertretenen orthodoxen Separationsgedanken kräftigst zu argumentieren. Die Neutra-Logik, Konsequenz und Folgerichtigkeit gipfelt nun darin, p pltt robn, daß in der Theorie jede Fühlungnahme mit Nichtorthodoxen auf das / energischeste perhorresziert wird, in der Praxis hingegen der Neologe Präses Dr. Jellinek sich auf eine Betrauung seitens der orthodoxen Gemeinde Neutra berufen kann, und diesem Zwiespalt, der Seele des Neutraer orthodoxen Vorstandes, diesem gegensätzlichen und wiederspruchsvollen Vorgehen desselben, begegnen wir auf der ganzen Linie der gemachten Versuche, die durch den Umsturz aus den Angeln gehobene orthodoxe Organisation wieder in ein normales Bett zu leiten. Als nach dem Piestanyer Delegiertentag in den Kreisen der OTtT die Ueberzeugung sich durchgerungen, daß mit der Neuörganisierung der Orthodoxen nicht weiter gezögert werden darf und man sich des Gefühles nicht erwehren konnte, daß man in solch schweren Zeiten in solch schwieriger Frage des allzeit sich bewährten Rates des Hunsdorfer Gaon und Zaddik nicht entbehren kann, der durch sein nipTO, seine iwnp und durch seine unübertreffliche 7\Ü2V\ berufen ist, die Richtlinien zu bezeichnen, die befolgt werden sollen, um die Orthodoxie und die heiligen Ziele derselben restlos zu sichern, hat Oberrabbiner Schreiber, diesem allgemeinen Empfinden Rechnung tragend, eine Konferenz von Laien und Rabbinern nach Poprad einberufen, damit der Hunsdorfer Gaon ohne ermüdende Strapazen an der Konferenz teilnehmen kann. In den Besprechungen, die da geführt wurden, waren es wieder die Neutraer Herren, die die radikalste Richtung propagierten und die in bewegten Worten gegen jedes Entgegenkommen, selbst in wirtschaftlichen Fragen, an nichtorthodoxe Organisationen Stellung genommen. Selbst der Kaschauer Standpunkt, der, wie bekannt, nicht nur in Wort, sondern auch in der Tat das allerextremste Prinzip vertritt, wurde von Neutra weit überlizitiert. Das Resultat war, daß sich die Konferenz die vom Hunsdorfer Gaon bezeichnete Auffassung zu eigen gemacht, wonach erst die heiligen Güter der min IltPHpn in Sicherheit gebracht werden müssen und erst dann die Art der Wahrung der wirtschaftlichen Interessen in Erwägung zu ziehen wären. Beruhigt sind nun sämtliche Teilnehmer auseinander gegangen, aber schon nach drei Wochen sind sie durch ein Rundschreiben aus Neutra aus dieser Ruhe aufgescheucht worden, in welchem Rundschreiben sämtliche Gemeinden der Slowakei Orthodoxe, Neologen und Status quo zu einer gemeinsamen Konferenz nach Neutra einberufen wurden. Groß war die Erbitterung in allen orthodoxen Kreisen über dieses unverzeihliche Vorgehen des Neutraer orthodoxen Vorstandes. Und ist auch diese gemeinsame Konferenz an der Unaufrichtigkeit und absurden Lächerlichkeit der Einberufer kläglich gescheitert, so ist doch der unverwischbare Eindruck zurückgeblieben, daß der Neutraer Vorstand wieder "ül PUT fD^n in der Theorie jeden Versuch einer Annäherung an nicht orthodoxe Organisationen auch in nicht religiösen Fragen geradezu als Verrat an der Orthodoxie verpönt, in der Praxis aber von demselben Neutraer Vorstand eine gemeinsame Konferenz von Neologen und orthodoxen Gemeinden nach Neutra einberufen wird; und in der Personenfrage, in der Beurteilung, wer berufen sein kann, die Orthodoxie nach innen und außen würdig zu vertreten und wem die Wahrung der Interessen der glaubenstreuen Judenheit mit Beruhigung anvertraut werden darf, hat Neutra akademisch immer der rigorosesten Auffassung gehuldigt; wer die Fahne der Orthodoxie vorantragen soll, sprach man wiederholt in Neutra, dem darf man in bezug auf jüdische Lebensführung nichts nachtragen können, die Hände, in die der Schutz der religiösen Interessen niedergelegt werden soll, müssen rein, zuverlässig und tatkräftig sein. Es ist noch in aller Erinnerung, wie gerade im Neutraer mnü Verein jede in bezug auf die Verläßlichkeit der Person auch nur um eine Nuance liberalere Auffassung als eine die religiöseMoral tief erschütternde Scheinorthodoxie bezeichnet wurde und in dieser Beziehung in der rücksichtslosesten Weise keine Autorität und kein Ansehen geschont wurde. Wie aber wurde diese rigorose Anschauung in Neutra selbst gehandhabt? In einer Gemeinderepräsentanz- Sitzung erhebt sich der fromme R. Isr. Dirnfeld und wagt, der Bitte in schüchterner Weise Ausdruck zu geben, daß einige Herren von der Repräsentanz mit Rücksicht auf das orthodoxe Amt, das sie bekleiden, sich des grellen und öffentlichen Dttttl Tl enthalten mögen. Da fällt der Vorsitzende, Herr Hermann Steiner, dem Antragsteller barsch ins Wort und sagt, daß er diesen unerhörten Eingriff in das Privatleben der Gemeinderepräsenlanten mit Entrüstung zurückweisen müsse und es niemals zugeben könne, daß ein solcher Antrag auch nur zur Verhandlung zugelassen werde. Diese Aeußerung eines orthodoxen Genieindepräses, der zugleich auch die Stelle eines zweiten orthodoxen Landespräses bekleidet, war so ungeheuerlich, daß es allgemein bezweifelt wurde, daß dieselbe tatsächlich getan wurde. An der Glaubwürdigkeit dieses unglaublichen Vorgehens war erst dann jeder Zweifel geschwunden, als Herr Hermann Steiner in einein eigenhändigen Schreiben die geschehene Aeußerung bestätigte, welches Schreiben in allen Zeitungen des gegnerischen Lagers zum Gaudium aller nichtorthodoxen und zur schmerzlichen Ueberraschung aller Ö^KT veröffentlicht Wurde. Also auch in der Personenfrage dieser quälende Wiederspruch, dieser lähmende Gegensatz. In der Theorie 0D1 PKT PD7H, war für Neutra, wie dies unter den Jereim kein Geheimnis ist, auch R. J. Reich kein genügend waschechter Orthodoxer, in der Praxis, hingegen ist Hermann Steiner das Ideal eines orthodoxen Landespräses. Diese grotesken Verkehrtheiten mußten vor Augen gehalten werden, wenn das neueste Stück des Neutraer Vorstandes, der in mehrere» Rundschreiben sich als Retter der Orthodoxie herausspielen möchte, entsprechend m gewertet und richtig beurteilt werden sollte. Und wurden auch den ganzen Vormittag Beratungen gepflogen, mit Rabbinern und Laien Besprechungen abgehälten, um in einer geeigneten Form dem Unmut des Delegiertentages einmutig Ausdruck zu geben und dem Neutraer Vorstande ein kräftiges „ Hände weg!" entgegenzurufen. Doch Oberrabbiner'Weber war der Meinung, daß in Abwesenheit des Herrn Steiner, der es für gut gefunden hat, dem Delegiertentage fernzubleiben, die Angelegenheit nicht zu pertraktieren und im Interesse des würdigen Verlaufes der Tagung mit dem verdienten Stillschweigen zu übergehen sei. Und in der Tat sind die Beratungen an beiden Tagen so schön, so erhebend und ohne jeden Mißton verlaufen, daß die besten Erwartungen übertroffen wurden. Es gab da so viele packende Momente, so viele herrliche Aeußerungen der wahren jüdischen Seele und so viele mäßige und nüchterne Beurteilung verschiedener aktueller jüdischer Probleme, die auf alle Zeitnehmer eine überwältigende Wirkung ausübten. Darüber soll in einem zweite» Artikel berichtet werden. -—'■—- 1 Ralendarium. Tag Sonn lag Montag Dienstag Donnerstag Freitag 20. 81. Jänner 1921 Historisches Tod des R. Moses (Sohn Tossafot Jomtovvund Schwiegersohn des Wiener Rabbiner Abraham Chaim) 1682 Tod des Rabbi Isaak Horowitz (Altona.Hamburg, Wandsbeck) 1840 Tod des Landes-Rab. Moses Levvow (Nikolsburg, Leipnik, Frankfurt, Berlin) 1747 — Tod Dubnaer Maggid 1804 Massakre in Fulda zufolge Blutmärchen 1285 — Märtyrertod Rabbi Herzl Levy 1754 Schowewim-Fasten 1 — Tod des Kessaw Sofer (Oberrabbiner, Preßburg) s. A. 1871 — Tod Rabbi Abr. Heilpern Askenasy (Lemberg) 1648 Tod des Rambam (Maimonides) 4965 Schemos — Tod Simon, Sohn Jakobs — Tod R1. Nathan Sabbath 21. 1. Adler 5563-R- Jakob Thumim (Stampfen) 5610 und des Rab j 1 Samuel (Wilna) 5551!! Neujahr Schewowim-Faßten findet in jüdischen Schaltjahren jeden Donnerstag der Wochen von Schemos bis Tezawe statt. Schowewim sind die Anfangsbuchstaben dieser Sidras. Die Fasten gelten dem Heil der Kinder. Früher wurden diese Fasten oft auch in jedem Jahre sechs Wochen und in Schaltjahren noch weitere zwei Wochen, in manchen Gemeinden noch weitere zwei Wochen (Wajakhel Pekude) gehalten. fldas Disrccl (Schiffschul), II., Große Schiffgassc 8. G ebetstunden: 24. bis 30. Dezember. — 13. Ms 19. Tebeth. Freitag, den 13. Tebeth, Sabbat-Eingang 4. Samstag Morgengebet. 7*15 und 9-30, Mincha 12-15 und 3-30. — Sabbat-Ausgang 4'45. An Wochentagen: Morgengebet 6*40, Mincha 4. Die Siflra „Olajecfti". Ein wundersames Schauspiel von traumhafter Schönheit ist es, wenn sich an diesem Sabbat die traditionstreuen Söhne Israels in allen Fernen der Diaspora um den heiligen Pergament versammeln, um das in urzeitlichen Versen rezitierte Testament des sterbenden Ahnherrn Jakob wieder in die Seele zu prägen. Dieses Wunders Wundersamstes ist, daß all diese Tausende von Versammlungen sich selten zum Bewußtsein ihrer eigenen Größe erheben. Die zwölf Männer, welche, das Sterbebett ihres erhabenen Vaters umringend, den in seherischer Verzückung gedichteten Weissagungen des Dahinscheidenden lauschten, haben sich in ebenso viele Millionen Nachkommen gewandelt, deren Beste, die sich noch Söhne Israels nennen und als solche leben wollen, sich von Jahr zu Jahr aufs Neue versammeln, „um zu hören auf Jakob, den Vater . . . was da geschehen wird am Ende der Tage". ... »Simon und Levi, wenn sie Brüder sind und Mittel der Gewalt ihre Herrschaft ist, da komme mein Geist nicht in ihren Rat und in ihrer Gemeinschaft lasse ich meine Ehre nicht vergeringern, denn in ihrem Zorne mordeten sie den Mann und in ihrem Grimm lähmten sie den Ochsen. Fluch, daß sie nur stark im Zorne sind und nur gewaltig im Grimme, ich muß sie verteilen in Jakob, verstreuen in Israel.* Damit ist der Kampf Simon und Levis gegen Josef,

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