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Jüdische Presse · 1920-12-24 · 24/40 (24.12.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
6 (1920)
Issue
24/40 (24.12.1920)
Date
1920-12-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 24/40 leisten soll. Aus Wien ist ein spezieller Delegierter des „Joint" nach Budapest gefahren, um sich dort mit der Sache näher zu befassen. Fünf Thorarollen verbrannt. Bei dem von uns bereits gemeldeten Brande der orthodoxen Orcfcy- Synagoge in Budapest sind leider fünf Thorarollen ein Opfer der Flammen geworden. Das Rabbinat hatte den 9. Dezember als Fasttag bestimmt. Die verkohlten Reste der Thorarollen wurden im orthodoxen Friedhofe begraben. Der Davon hielt einen ergreifenden Hesped. Transport der Flüchtinge. Die Ausweisung der in den letzten Jahren nach Ungarn eingewanderten Familien, von welcher besonders die galizischen Flüchtlinge betroffen werden, ist im Zuge. Vorige Woche ging wieder ein ganzer Zug mit galizischen Flüchtlingen ab, welche von der orthodoxen Gemeinde bestens mit allen möglichen Erleichterungen, die in dieser schweren Not der Zeit möglich sind, versehen wurden. Es befanden sich darunter mehrere Rabbiner, darunter auch der Gorlicer Raw. Peut$cbland. „Die Gesellschaft der russischen Juden" in Deutschland. Die „Rul" schreibt: „Die Gesellschaft der russischen Juden" in Deutschland, die wegen ihrer philanthropischen Tätigkeit bekannt ist, existiert schon beinahe ein Jahr. Ihre Aufgabe ist, den russischen Juden ihre Rückkehr nach Rußland, sowie ihre Verbindung mit den Verwandten, die in Rußland zurückgeblieben sind, zu erleichtern. Außerdem gewährt sie denjenigen Juden aus Rußland, die völlig mittellos sind, Geldunterstützungen. Die Gesellschaft hat auch vielen russischen Juden Arbeit in Fabriken verschafft und für 1200 Juden Obdach besorgt. Die Einnahmen der Gesellschaft bestehen aus Mitgliederzahlungen zu je Mk. 20 jährlich sowie aus Spenden, Veranstaltungen von Konzerten *nd dergleichen. Polen. Die Chanukafeier im „Chawazeles". Am fünften Chanukatage fand im Saale der „Chawazeles" in Warschau ein feierlicher Chanuka-Abend statt. Der Saal war dicht gefüllt von den Eltern und Schülern, die zur Feier gekommen sind. Dr. L. Niemcewicz zündete die Lichter an und hielt eine glänzende Rede über die Bedeutung der Chanukafeier für die Schuljugend. Er führte aus, daß sich bei dem jüdischen Helden Matisjohu nur deshalb eine solche Qual und Energie ansammeln konnte, weil er bei Jauchonon Kauhen Godaul erzogen wurde, in einem Hause, das vom heiligen Geiste der Keduscho und Taharo durchdrungen war, und daß auch Matisjohus Kinder nur eine Fortsetzung dieses Hohepriestergeistes waren. Die goldene Brücke, die vom Größvater zum Enkel führte, habe die Kraft und Energie verliehen, um gegen das große Heer des Antiochus zu kämpfen, und darin, sagte er, sei die Kraft des jüdischen Sieges gelegen. Der Redner gab dann einen Ueberblick über die griechische Kultur, die geschimmert und geblendet hatte, aber auch untergehen mußte. Gegenüber der allgemeinen, weltlichen Kultur stehe nur die jüdische Kultur fest, bescheiden ruhig, von ihr jedoch ergieße sich ein heiliges Licht, das ewig brennt. Darum, rief er mit Begeisterung aus, zünden wir in unserer Wohnung das Licht der jüdischen Kultur an, da müsse es brennen und leuchten, da ergieße sich die jüdische Poesie, die jüdische Tradition. Es sprach dann Herr S. Awrech, der in seiner ausgezeichneten Art erklärte, daß wir in „AI Hanisim" vauch für „AI Hamilchomaus" danken; da auch der Kampf für unsere Existenz, der äußere, wie der innere Kampf, uns Kraft" und Mut verleihe. Die jüdische Jugend, die im jüdischen Geist erzogen wird, habe verschiedene Kämpfe mit der allgemeinen Kultur zu bestehen, und nur vom Hasmonäergeiste durchdrungen, dürfe die Jugend für ihre heiligen Ideale kämpfen. Eine Schülerin der zweiten Klasse trug dann die Geschichte der Hasmonäer in hebräischer Sprache vor. Schülerinnen stellten dann die „Hasmonäer" und „Ghana und ihre sieben Söhne" in hebräischer Sprache dar. Die Feier hatte einen sehr großen Erfolg, und sie bewies, daß man die Kinder mit Vorstellungen auf „Taharas Hakaudosch" sehr gut amüsieren kann. Chanuka-Abend. Am 5. Dezembef^fand in Warschau im Lokale der Aguda-Zentrale ein großer Chanuka-Abend statt, der von den „Zeire" Emunas Jisroel veranstaltet wurde. Dr. L. Niemcewicz hielt ein längeres Referat und zog eine Parallele zwischen der Hasmonäerzeit und der Gegenwart, wo das orthodoxe Judentum gegen die verschiedenen Strömungen zu kämpfen habe, von welchen ein Teil der Juden erfaßt wurden. Er erinnerte auch daran, daß sich am ersten Chanukatag zum zweitenmal der Gründungstag des orthodoxen Organs „Der Jude" sich jähre und würdigte dessen wichtige und schwere Arbeit. Es sprachen, weiter die Herren Adelsberg, Ronowy und Friedmann, welche auf die Bedeutung der Chanukafeier für das orthodoxe Judentum hinwiesen. Die Versammlung wurde mit einer feierlichen Schlußrede des SochaczynerRabbiners Gutentag geschlossen. Frauen-Chanuka-Abend in Warschan. Samstag, den 11. Dezember, fanden im Lokale „Chawazeles" Vorträge über religiöse Themata statt, welche von Schülerinnen der orthodoxen Frauenschule „Bes Jakow" in Krakau gehalten wurden. Es kamen von dorther nach Warschau sieben Schülerinnen mit der Schulleiterin Frau Schenirer. Die Vorträge hatten einen großen Erfolg. Sonntag abends fand in demselben Lokale ein Chanuka-Abend für Frauen und Kinder statt, an dem dieselben Schülerinnen und die Schülerinnen der „Chawazeles" mitgewirkt haben. .Amerika. Für die Einwanderung in Amerika. Die vereinigten jüdischen Gesellschaften in Amerika unter-, nahmen eine Aktion, um zu erwirken, daß die Beschränkung der Einwanderung in Amerika sich nicht auf die jüdischen Einwanderer beziehen soll, die jetzt im Osten unter den blutigen Pogromen furchtbar leiden und deren einzige Zufluchtsstätte Amerika ist. Die jüdische Gesellschaft übernimmt es, den Einwanderern Arbeit zu verschaffen, damit, sie niemanden zur Last fallen, Schweiz. Die jüdische Emigration nnd der Völkerbund. Die Vorsteher der „Alliance Israelite" sandten an den Völkerbund ein Memorial, worin gefordert wird, < daß der Völkerbund die Organisierung einer Kontrolle der jüdischen Emigration selbst übernehme, da dies sowohl im Interesse der Emigranten als der öffentlichen Gesundheit und Ordnung gelegen ist. England. Die 49. Jahresversammlung der Anglo-Jewisk- Association. In London fand die 49. ^Jahresversammlung der Anglo-Jewish-Association statt, auf der der Bericht des Rates der Gesellschaft und des Joint-Verein-Comitces, in welchem die Gesellschaft mit der Board of Deputies zusammenarbeitete, ohne Diskussion angenommen wurde. Es wurde eine Resolution gefaßt, in der erstens dem Präsidenten und den Mitgliedern der Pariser Friedenskonferenz der Dank für ihre Arbeit im Interesse der religiöse» und zivilen Freiheit in Osteuropa und für die Minderheitsklauseln in den Friedensverträgen mit Polen, Tschechoslowakei, Serbien, Rumänien, Oesterreich, Bulgarien, Ungarn und Griechenland ausgedrückt wird; 2. die Anglo-Jewish-Association dankt der Regierung und ihren Bevollmächtigten auf der Friedenskonferenz für ihre Verteidigung der zivilen und religiösen Freiheit in Osteuropa und für ihre Bemühungen, die politische Emanzipierung der Juden und den Schutz ihrer Minoritätsrechte zu sichern; 3. der Rat der Anglo-Jewish-Assoziation drückt der Regierung seinen Dank für die Uebernahme des Mandates des Völkerbundes betreffend Palästina und für den Beschluß, die Balfour-Deklaration in den Friedensvertrag mit der .Türkei aufzunehmen. Der Rat sandte Sir JJerbert Samuel eine Begrüßung anläßlich seiner Bestimmung als High-Commissioner. In seiner Antwort versicherte dieser dem Rate, daß das Ziel seiner Politik in Palästina die Unterstützung des Wohlstandes aller Teile der Bevölkerung sein werde. Rolland. Vorband der Ostjuden. Kürzlich fand in Amsterdam eine Versammlung von Tausenden jüdischer Heimatloser aus Osteuropa statt, in der beschlossen wurde, einen Verband der Ostjuden in Holland zu gründen, der ihre ökonomischen, kulturellen und politischen Interessen zu vertreten haben wird. Der Verband wird mit ähnlichen Organisationen in anderen Ländern in Kontakt treten. Südafrika. Die Juden in Südafrika. Pretoria, 4. Dezember. (J. C. B.) In einem Empfange zu Ehren des Chiefs Rabbi von England, Dr. Hertz, der sich auf dieser Tour durch die jüdischen Gemeinden des britischen Imperiums befindet, sprach der Premierminister Südafrikas, Gen. Smith, der auf die wichtige Rolle, die die Juden in der Entwicklung Südafrikas spielen, hinwies, und erklärte, daß sie in Zukunft einen noch bedeutenderen Faktor bilden werden. Uor und während des Delegierten» tages in Hosice. Kosice, im Dezember 1920. Seit Anfang der Woche stand die Judenheit in Kosice in Erwartung des nach dieser schönen Hauptstadt der Ostslowakei einberufenen orthodoxen Delegiertentages. Jedes Mitglied der orthodoxen Gemeinde empfand es als eine Ehrung, daß der Delegiertentag in dieser TWlftp T\bftp von erprobtester Glaubenstreue, die stets als eine Hochburg der unverfälschten, zu keinem Paktieren geneigten orthodoxen Gesinnung gegolten, abgehalten werden sollte, und waren auch die Kaschauer Herren bestrebt, den aus nah und fern herbeigeeilten rabbinischen und Laien-Delegierten in der gastfreundlichsten Weise den Aufenthalt angenehm zu machen. Die Vorsorge wurde getroffen, daß sämtliche Teilnehmer, zirka 100 an der Zahl, bei DTD Unterkunft und Verpflegung finden. Die zwei Brüder Schweid und der unermüdliche Rab Simon Ehrlich haben großartiges geleistet, damit alle Delegierten die schönsten Erinnerungen aus Kosice mitnehmen können. Sonntag abends ist Präses Oberrabbiner Weber in Begleitung des Kanzleichefs, Herrn Oberrabbiner Hirschler, und eines Sekretärs in Kosice eingetroffen, um die von der Gemeinde getroffenen Vorkehrungen zu überprüfen und die etwa noch notwendigen Verfügungen anzuordnen. — Sie wurden am Bahnhofe von Herrn Schweid empfangen und vom selben ins Hotel Salkhaz, in die für sie reservierten Zimmer geleitet. — Montag früh meldete sich die Kanzleileitung beim 2upan, in dessen Abwesenheit der Stellvertreter, Herr Bulla, die Herren empfing. — Herr Bulla teilte den Herren mit, daß das 2upanat bereits die Verständigung bekommen, daß der Delegiertentag in Kosice stattfindet, mit dem Auftrag, denselben im Namen der hohen Regierung zu begrüßen. In halbstündiger Beratung wurde alles genau besprochen und festgesetzt. Der Rest des Tages wurde Besprechungen Ymd Konferenzen mit dem Oberrabbiner Jungreis (Kosice), mit der Gemeindeleitung und mit dem mittlerweile eingetroffenen Oberrabbiner Spitzer (Kirchdrauf) gewidmet. Am Abend sind die meisten Delegierten aus der Westslowakei, mit Oberrabbiner Schreiber aus Preßburg an der Spitze, angelangt. Mit demselben Zug ist auch Minister Dr. Miöura zum Besuche der Stadt Kosice mit großem Gefolge eingetroffen, der im selben Hotel Logis genommen, wo Oberrabbiner Schreiber wohnte, und da ereignete es sich, daß der Minister in Begleitung des General Mittelhauser und anderen hohen Staatsfunktionären, den Oberrabbiner beim Eingang des Hotels erblickte, er eilte auf ihn zu und begrüßte ihn auf das Freundlichste mit den Worten: „Ich bewiükomme sie, Herr Oberrabbiner. Was machen sie in Kosice?" „Aha, zum Delegiertentag", und stellte den Oberrabbiner dem General Mittelhauser vor. Dienstag früh war bereits der größte Teil der Delegierten in Kosice angekommen und gab einem Teile der Stadt ein anheimelndes und freundliches Gepräge. Im jüdischen Viertel und in den um den Beratungssaal liegenden Straßen herrschte die lebhafteste Bewegung. Die Delegierten begrüßten einander auf das Herzlichste und der größte Teil der Teilnehmer gab ihrer Freude darüber Ausdruck, daß endlich einmal die na^DK in Kosice stattfindet und die weite Reise nach Preßburg ihnen erspart bleiben konnte. Es entspann sich ein lebhafter Ideenaustausch über das mögliche Resultat des Delegiertentages. Viel Aufregung und Zündstoff wurde durch das Vorgehen des Neutraer Vorstandes verursacht, der ein Rundschreibennach dem anderen an die Gemeinden, an die Rabbiner, an die Delegierten und Landesrepräsentanten gerichtet, die maßlosesten, im rüdesten Ton gehaltenen Schmähungen gegen die Kanzleileitung enthaltend; wie in den guten alten Zeiten Arpassis, wird der schärfste Protest gegen den Delegiertentag eingelegt, der als illegal, ungesetzlich, statutenwidrig, unzeitgemäß, unlogisch und der Himmel weiß als was für .,un-'; noch gebrandmarkt wird. Weder der Verwaltungsausschuß noch die Kanzleileitung, ruft Herr Steiner in dem ihm eigenen Kommandoton in die Welt hinaus, hat das Recht, den Delegiertentag einzuberufen. Dies Recht bleibt einzig und allein der Landesrepräsentanz vorbehalten, der Herr Steiner trotz seiner Abdizierung von der zweiten Präsesstelle noch immer angehört. Wenn sich nun der Verwaltungsausschuß arrogiert, den Delegiertentag zusammenzurufen auf Grund des vorjährigen Beschlusses, so ist dies illegal, Statuten widrig, unlogisch usw. Dies alles ist so selbstverständlich, so offenkundig und so klar, daß die Verfasser der Statuten es als überflüssig erachten, einen solchen Paragraphen im Statut aufzunehmen, aus welchem Grunde der löbliche Neutraer Vorstand sich der Pflicht enthoben fühlte, mit der Berufung auf einen Paragraphen der Illegalität der Einberufung durch ^den Verwaltungsausschuß näher zu begründen. Ferner soll die Delegiertenversammlung nicht in Preßburg, sondern in Kosice ihre Tagung abhalten. — Dies ist eine noch schwerere Illegalität, Ungesetzlichkeit und Statutenwidrigkeit. Zwar steht es nicht ausdrücklich, daß der Delegiertentag in Preßburg stattfinden muß, aber die Logik, die Neutra-Logik, würde es diesmal als sehr erwünscht erscheinen lassen, daß die Beratungen in Preßburg durchgeführt werden. Wenn nun die Beratungen nach Kosice verlegt werden, so ist dies gegen jede Logik und was gegen die

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