Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 24/40 (24.12.1920)
- Date
- 1920-12-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 24/40 .JÜDISCHE PRESSE Seite 3 Fühler benützen wollten, was auch nicht wahrscheinlich ist. Von anderer Seite wird mitgeteilt, daß Rüben Brainin bei der ersten Sitzung dieses Komitees darauf hingewiesen hatte, daß die Einberufung des allgemeinen jüdischen Kongresses Sache des „amerikanischen jüdischen Kongresses" sei. (Es ist daher sehr unwahrscheinlich, daß Shomer, wie das J. G. B. ihn nennt. Präsident der Exekutive des „American Jewish Congress" ist.) Tatsächlich könnte die Initiative zu einem solchen Weltkongresse nur Ton den Personen L. D. Brandeis, Julian Mack, Nathan Strauß oder Louis Marshall ausgehen. Die Aktion Abraham Shomers ist ein naives Unternehmen, dessen Grundlage die völlige Unkenntnis europäischer Terhältnisse ist, die würdig heranreicht an die Unkenntnis der amerikanisch-jüdischen Verhältnisse der europäisch-jüdischen Blätter. Die „Jüdische Zeitung" teilt in ihrer 32. Nummer des 14. Jahrganges mit, daß sie ihr Erscheinen in Dcut$chö$tmcicfc. Archiv für die Frage der Sonntagsruhe. Die Wiener Zentrale der Agudas Jisroel hat eine Zuschrift von dem Zentralbureau der agudistischen Organisation „Schlome emune Israel" erhalten, in welcher gebeten wird, mit Rücksicht darauf, daß der polnische Reichsrat die vollständige Sonntagsruhe eingeführt hat und auf die wiederholte Intervention der „Schlome emune Israel" für eine Konzession an die sabbathfeiernden Juden, um Vorlage des Materials der Regelung diese Frage in Westeuropa und Amerika ersucht hat, die Wiener Zentrale nun dringendst die betreffenden Gesetze, Verordnungen, Parlamentsprolokolle, Broschüren usw. beschaffen möge. Die' Wiener Zentrale der Agudas Jisroel will bei diesem Anlasse gleich ein für alle Fälle dienendes „Archi v der Sonntags ruhe frage" schaffen, welches alles auf diese immer dringender werdenden Frage bezughabende Material sammeln wird und späterhin auch eine kurze Zusammenfassung aller für die Gesetzgebung wissenswerten Momente edieren wird. Wir richten daher an alle jüdischen Zentren Westeuropas und Amerikas sowie an alle größeren Gemeinden und an Personen, die in dieser Frage mit Behörden verhandelt oder darüber geschrieben haben die Bitte, dem Zentralbureau der Agudas Jisroel Gesetzesvorlagen, Verordnungen und Parlamentsprotokolle ihres Landes, Broschüren, Memoranden, Artikel oder Notizen zu senden an die Adresse: Zentralbureau der Agudas Jisroel, Wien, IL, Malzgasse 12. für das Archiv für Sonntagsruhe. Auch sind unsere jüdischen Schwesterorgane gebeten, diese Mitteilung im Interesse der großen Sache zu publizieren. Israelitische Kultusgemeinde Wien. Seit der Konstituierung der Leitung mußte etwas Zeit olamit verbracht werden, Unterhandlungen wegen der Teilnahme der Zionisten an der Leitung zu führen. Nun, da die erste Sitzung des Vorstandes stattfindet, schreitet die Orthodoxie energisch zur Geltendmachung ihres Programmes, den Anteil der orthodoxen Massen an allen Rechten der Gemeinde dadurch zu sichern, daß alle Institutionen in streng religiösem Sinne geleitet würden. Es ist nicht nur Gebot der Religion, sondern auch der Demokratie, daß jedermann gleichmäßig seine Rechte in der Gemeinde genießen könne. Die orthodoxen Kultusvorsteher reichten daher bei der ersten Sitzung folgenden Antrag ein: Der Vorstand der Israelitischen-Kultus- Gemeinde möge beschließen, daß alle Institutionen der Israelitischen Kultusgemeinde und jener Anstalten, auf deren Leitung die Israelitische Kultusgemeinde Einfluß hat, so geleitet werden sollen, daß sie von allen Schichten der Wiener Judenheit benützt werden können. Der Antrag möge der geschäftsordnungsgemäßen Behandlung zugeführt werden. Der Görer Raw in Wien. Im Laufe des Monates Jänner soll, wie berichtet, der Gerer Raw ^'»'w in Wien eintreffen. Der gefeierte Rabbiner, der ob seiner hohen Gelehrsamkeit und außerordentlichen Geistes- und Herzensgaben die Verehrung im glaubenstreuem Judentum der ganzen Welt genießt, wird eine Delegation nach Palästina führen, an welcher auch die Rabbiner von Rodzin, Ostrowiec und einige Kaufleute teilnehmen. Fachleute und Handelsmänner, welche behufs Errichtung von Industrien und Geschäften Studien in Erez Israel machen wollen, können sich zur Mitreise melden. Vermählung. Sonntag, den 26. Dezember, findet in Baden bei Wien die Hochzeit des Herrn MaxFreund, Sohn des Herrn Moritz Freund und der Frau Rosa, geborene Frey, mit Fräulein Ella Schlesinger, Tochter der Frau Witwe Joset Schlesinger, Wien, statt. (Wir gratulieren herzlichst. Die Red.) Form eines Wochenblattes einstellt, hingegen wird im Laufe des Jänner von derselben Redaktion eine zionistische Monatsrevue herausgegeben werden. Die Einstellung eines jüdischen Blattes, selbst eines gegnerischen, ist immerhin ein bedauerliches Ereignis zu nennen. Wir wünschen niemals, „daß der Ungerechte vergehe, sondern von seinen unrechten Wegen umkehre und lebe." Die Motivierung, als ob die Verbreitung der „Wiener Morgenzeitungu das Erscheinen der „Jüdischen Zeitung" überflüssigmache, ist gesucht. Die „Wiener Morgenzeitung" dient anderen Zwecken und der „Jüdischen Zeitung" oblag gerade darum die hohe Aufgabe, eine redliche Palästinapolitik zu machen, die den Schnittpunkt darstellen konnte, in welchem sich alle palästinophilen Parteien des Judentums treffen konnten, oder zumindest diesem schönen Ideale zuzustreben. Das hätte einem Bedürfnisse weiter Kreise der Wiener Judenheit entsprochen. NACHRICHTEN. Chanukafeier der Mädchengruppe, Wien. Sonntag, 12. Dezember, fand im Lokale der Mädchengruppe eine Chanukafeier unter Beteiligung sämtlicher Mitglieder statt. Herr Rabbiner Neuwirth leitete die Feier mit einer kurzen und eindrucksvollen Rede ein, in welcher er den Zuhörerinnen die Bedeutung des Chanukafestes in herzlichen Worten näher brachte. Frau Dr. Pollak besorgte' in diskret-liebenswürdiger Weise das geschmackvolle Arrangement der hübschen, gemütlichen, kleinen Feier. Die Darbietungen bestritten in zwangsloser Weise „ Kunstkräfte die sich aus der Mitte der Festteilnehmer zur Verfügung stellten. Ganz besonders seien Frl. Hinda Baumgarten, Frau Rosa Löwy, Fräulein Nelly und Netty Schreiber, Frl. Sari Löwenstein, Frl. "Eva Stern und Frl. Frieda Steiner genannt, die viel zur Erheiterung des Abends beitrugen. Es war ein Abend voll echter Ghanukastimmung, zu welcher zuletzt, ich betone dieses zuletzt, um der idealen Gesinnung unserer Mädchengruppe und der Wahrheit die Ehre zu geben — die feinen Leckerbissen beitrugen. L. Sch. Vereinigung jüdischer Akademiker. Mittwoch, den 29. Dezember 1920, um 7 Uhr abends, Kalt Herr B. B. Dr. Siegfried Schlesinger (Wien), derzeit Professor am Lehrerseminar in Kowno, im Lokale der Mensa academica judaica ritualis, Im Werd 13, einen Vortrag über seine „Eindrücke im Osten". Gäste willkommen. Bäachsike Lomde Thora. Die' Verlosung der ausgegebenen Bibliothekskarten, welche am 8. Ghanukatage stattfinden sollte, wurde auf den 15. Schewat verschoben, da die Karten noch nicht ausverkauft wurden. «gagaB^uitiia^ Nach Schluß des Blattes angelangt. Das ma$$mectittg der Jfguda in Condott, London, 20. Dezember. (Orig.-Telegr.) Das Massmeeting in Great-Assembly Hall war trotz versuchter gegnerischer Störung ein Riesenerfolg. 8000 Teilnehmer. Stuart Samuel führte den Vorsitz. Die Redner, Rabbiner Plotzki (Ostrow), AdvokatLandau.Dr.Nathan Birnbaum (Wien), Rabbiner J. M. Lewin (Warschau), Rosenheim (Frankfurt), Rabbiner Horowitz (Jerusalem), Rabbiner Dr. Voung (London), Rabbiner Horowitz (Leeds) wurden stürmisch akklamiert. Das Zentralkomitee der Aguda in London wird von den prominentesten Personen zusammengesetzt. Massenbeitritt von Mitgliedern ist im Zuge. C$clucfto$lowaK*i. Kreditinstitut in Amerika. Mr. Engelmann, der unermüdliche Arbeiter der Hilfsaktion für die europäischen Notleidenden, teilt in einem Brief an Red. Bettelheim mit, daß er mit der Gründung eines amerikanischen Kreditinstitutes für Ungarn, Slowakei und Transylvanien beschäftigt sei. Die Installation des Preßburger Dayan R; David Wessely fand in feierlicher Weise statt. Unter der Führung des Vorstehers, Herrn Isidor Pappenheim, begab sich der Preßburger Kulturvorstand, bestehend aus Vorsteher Benedikt, den Repr. Kohn, Deutlbaum, Mayer, Leuchter, Fürst, Klein und Koth nach Szered, um den bisherigen Oberrabbiner von Szered nach seinem neuen Wirkenskreis zu geleiten. Gutsbesitzer Herr Adolf Weiss, sowie die Herren Kraholeca und Breuer veranstalteten zu Ehren des scheidenden Oberrabbiners Samstag abends ein Abschiedsbankett, bei welchem der neugewählte Oberrabbiner von Szered, Eckstein, eine schöne Abschiedsrede hielt. Auf dem Wege nach Preßburg schlössen sich Szereder und Trnavaer Gemeindemitglieder an. Aus Preßburg fuhr eine Deputation, bestehend aus Vor- €i$ctifeil$päne. Bedauernswert arm ist nnr derjenige, der seinem Nächsten nicht zu helfen fernlag, gleichviel oh aus Mangel an Geld od«r aus Mangel an Fl e r z. Jüdische Ehrenstetten sind gegenwärtig oft Prokrustesbetten; die Kleinen werden künstlich großgedehnt, bei den Großen findet man — zuviel Kopf. Im Golus hat sich nichts haltbarer erwiesen, als die unhaltbaren Zustände. „Jedes Land hat die Juden, die es verdient", sagt ein altes Wahrwort. Im leichtsinnigen Budapest hat man stets mehr verbraucht als verdient. Die Feder der Wahrheit ist ein VVunderstah in der Hand des Tburaffihrers, sie verwandelt sich in eine Schlange, wenu er sie in den Staub tritt, aber sie wird wieder zum G-ttes- .stabe, wenn er sie ergreift, und zaubert Wasser zu lebendigem Blute. stand Ungar und den Repr. Lichterifeld und Schienger, entgegen, während die Rabbinerin von den Damen Pappenheim und Deutlbaum empfangen wurde. In dem Amtszimmer wurde Rab. David Wessely vom Vorstande empfangen und Gemeindepräses David Krauss richtete eine warme Begrüßungsrede an den Dayan, worauf Rabbi Wessely in herzlichen Worten erwiderte. Im Namen der Aguda- Jugendgruppe begrüßten die Herren Fischer. Alfred Rosenbaum und Wolf Weiss. Agudaversammlung in Myjava (Slowakei). Sonntag, den 19. Dezember, veranstaltete die Leitung der Ortsgruppe eine Agudafeier, die einen imposanten Verlauf nahm. Ausführlicher Bericht folgt. Der Verein „Mewaksche Thora" in Preßburg besteht nun im vierten Jahre und wird unter der. Leitung des Rabbiner Unzdorfer, seiner Aufgabe. Angestellte und Handwerker allabendlich durch Vorträge aus Tnach und Talmud im echtjüdischeu Geiste zu erhalten, im hohen Maße gerecht. Der Verein zählt mehr als 100 Mitglieder, die in zwei Gruppen, die höhere Klasse, die Talmud und Dinim, die untere Klasse, welche Ghumesch und Mussar lernt, geteilt. Vor Jahren kaum ein Minjan zählend, hat sich der Verein durch die hingebungsvolle Mühe und die Vortrüge des Rabbi Unzdorfer so schön entwickelt. Bureau der Aguda iu Preßburg. Die Ortsgruppe, im Verein mit der Landeszentrale der Jugendgruppe, haben ein gemeinsames Btireau organisiert, welches Sekretär Frommer leitet. Die Jugendgruppe wird nun im erhöhten Maße in der Lage sein, ihrer Aufgabe gerecht zu werden, und werden auch sämtliche Jugendgruppen gebeten, nunmehr auch ihrerseits eine erhöhte Tätigkeit zu entfalten. Besonders ist die Propaganda für die Presse noch sehr schwach betätigt und wird in dieser Beziehung eine energischere Wirksamkeit empfohlen. Ein Werk von R. Leb Friedmann h'X'- Herr Rabbiner Kaiisch, ein Schwiegersohn des verstorbenen Dayan R. Leb Friedmann s. z. J., ist mit der Drucklegung der hinterlassenen Schriften des als scharfsinnigen Talmudisten weitbekannten Dahingeschiedenen beschäftigt. Dieses Werk wird wohl eines der hervorragendsten seiner Art in der zeitgenössischen flonpn n6kltf — Literatur werden und wird voraussichtlich bald vergriffen sein, die zahlreichen Schüler des allzu früh verstorbenen Dayans seien daher auf diesem Wege aufmerksam gemacht, ihre'Vormerkung schon jetzt an Herrn Rabbiner S. Kaiisch Bratislava (Preßburg — Pozsony) Schloßstraße 66 zu richten. Gastpredigt. Aus Nove-Zamky wird uns berichtet: Am Sabbath-Wajigasch hatten wir das Vergnügen, Herrn Rabbiner Rubinstein (Kecskemet) als Gast zu begrüßen. Rabbiner Rubinstein hielt in der Synagoge eine treffliche Derascha, weiche den besten Eindruck hinterließ. Ungarn. Ausweisung von Juden aus Ungarn. Der Vorsitzende des Budapester „Joint Distribution Comitees" meldet, daß die ungarische Regierung eine Verordnung erlassen hat, wonach sämtliche Juden, welche nach dem 1. Jänner 1914 nach Ungarn eingewandert sind, in ihre frühere Heimat zurückbefördert werden müssen. Das „Joint Distribution Comitee1habe hier vor sich eine wichtige Hilfsarbait, zu der es gar nicht Vorbereitet ist. Dank der Intervention des „Joint" sei eine Hoffnung vorhanden, daß die Vertreibung erleichtert werde. Gegen 80.000 bis 100.000 Juden werden von dieser Verordnung betroffen. Der Umstand, daß nicht alle auf einmal das Land verlassen können, gebe dem „Joint" die Möglichkeit, etwas für die Unglücklichen zu tun. Er habe auch erreicht, daß diese nicht interniert werden sollen, wie es in der Verordnung gelautet. Es müsse jetzt ein spezielles Komitee organisiert werden, das diese Hilfsarbeit in Budapest und in der Provinz