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Jüdische Presse · 1920-12-24 · 24/40 (24.12.1920) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
6 (1920)
Issue
24/40 (24.12.1920)
Date
1920-12-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 84/40 des Obersten Rates der Alliierten auch seine frühere Nationalität erlangen könne, so werde dadurch im neuen Staatswesen ein wirkliches Chaos geschaffen. In der Zeit, da Palästina vorbereitet werden soll, sich selbst unter dem Protektorat des Völkerbundes verwalten zu können, erhalte England vorübergehend das Protektorat, und der palästinensische Bürger, falls er wirklich kein Engländer sei, werde in England als Fremder. Asiate betrachtet werden, von den übrigen Staaten aber als Engländer, und auch die Juden der Diasporaländer, aus welchen Geld und Energie nach Palästina strömt, werden als Engländer betrachtet werden. Im Falle eines Krieges zwischen England und einem Staate, wo Juden wohnen, könne für diese die Sache gefährlich werden. Noch zweifelhafter sei die Lage der palästinensischen Juden im Falle eines Krieges zwischen England und irgendeinem Staate. Beispielsweise in einem Kriege zwischen Frankreich und England, werden sich da nicht, fragt Zangwill. die Juden Palästinas mit den Juden des benachbarten französischen Syrien schlagen müssen und werden sich in solch einem kritischen Falle die Araber beider Länder vereinigen und die Juden vernichten. Die Beziehungen der Mandatstaaten zu den mandatierten Völkern seien also, meint Zangwill. sehr nebelhaft. Könnte man zumindest Autonomie bekommen, so lohnte es sich vielleicht in solche Gefahren zu begeben, allein dieselbe sei von einer jüdischen Mehrheit im Lande abhängig und könne erst viel später erreicht werden. Die-tragische'Ironie .werde besonders noch dadurch verstärkt, daß jetzt, die Lage der Juden ungeheuer schlecht sei. In allen Ländern werden jetzt die Juden verfolgt: jüdische Mädchen werden gepeinigt, jüdischen Greisen reißt man die Bärte aus, häufig kommen Schlächtereien vor. Es sei auch jetzt ganz zwecktos, auf alle diese Vorgänge aufmerksam zu machen, da durch den Krieg die Nerven derart abgehärtet sind, daß es jede Wirkung verfehlen würde, Dennoch werden, sagt Zangwill, un- Aus' dem Tätigkeitsbericht des Oberrabbiner Präses Weber beim orthodoxen Delegiertentag: Auch hat die Kanzleileilung die Flüssigmachung der den Jüdischen Seelsorgern gesetzlich gebührenden staatlichen Zulagen keinen Moment aus den Augen verloren. Mit rubigem Gewissen kann gesagt werden, daß alles von uns mögliche geschehen ist, um die Rabbonim in den Besitz des Genusses dieser Unterstützung gelangen zu lassen. Ohne unser Verschulden sind Schwierigkeiten aufgetaucht, die zu beseitigen nur durch ein planmäßiges Vorgehen möglich war. Anfangs wurde nämlich verlangt, daß von jedem kongruaberechligten Rabbiner ein Beleg der ungarischen Regierung vergelegt werde. Aus bekannten Gründen war die Beschaffung eines solchen Beleges nicht möglich. Wir setzten es durch, daß auf Grund von den Behörden legalisierten Daten die Zulagen bewilligt wurden. Die Sammlung der Daten ging jedoch so schleppend vor sich, daß nicht alle Daten dem Ministerium unterbreitet werden konnten, der Kredit im Staatsvoranschlag nicht mehr aufgenommen werden konnte. Es wurde uns nun in Aussicht ges'tellt, daß ein Nachtragskredit angesprochen werden wird. Dreimal waren wir in dieser Angelegenheit in Prag, das letztemal in Begleitung Sr. Exzellenz des bevollmächtigten Ministers Dr. Micura, der ausdrücklich erklärte, daß er sich das berechtigte Verlangen der kongruaberechtigten jüdischen Seelsorger zu seinem eigenen Postulat mache. Und er ist auch in der Beratung, die mit dem Kultusminister gepflogen wurde, mit Nachdruck für unsere Forderung eingetreten. Das Resultat der letzten Prager Reise ist nun, daß das Kultusministerium das bevollmächtigte Ministerium in Bratislava ersuchen wird, die Zulagen flüssig zu machen. Dieser Beschluß wurde in unserem Beisein zu Protokoll genommen, und wir warten jeden Moment, daß derselbe in die Tat umgesetzt wird, und die Rabbiner die so schwer entbehrten Zulagen endlich erhalten. Für das Jahr 1921 sind die Unterstützungen wie im Ministerium mitgeteilt wurde, im ordentlichen Budget aufgenommen. Die orthodoxe Landeskanzlei sah sich diesem Bluff des Nationalrates gegenüber genötigt,^ einen entschiedenen Zug zu tun. Sie hat sich einfach an das Ministerium mit der Bitte gewendet, in dieser Sache zu entscheiden. Der Referent hat darauf an die Kanzlei folgendes Schreiben gerichtet: An , das Zentralbureau der orthodoxen israelitischen Kultusgemeinden. Bratislava. Zufolge eines mir vorgetragenen Ersuchens, verständige ich hiemit das geehrte Zentralbureau der orthodoxen Kultusgemeinden der Slowakei in Bratislava, daß als Resultat der Verhandlungen, die ich als Referent der jüdischen Angelegenheiten für die Die Aufgaben der orthodox» jüdischen Gemeinden. Von M. Guttmann (Kaschau). Die Tätigkeit der orthodox-jüdischen Gemeinden besteht in der Pflege von ,TTOP min und ITJ: 1. Erziehung der Jugend mit und im Geiste der „Thora" und Fortsetzimg des Thorastudiums durch die Erwachsenen; geheuere Geldsuminen — man spreche von 25 Millionen Pfund — auf ein Projekt verwendet, welches keine wirkliche Hilfe bringen könne. Viel wichtiger und dringender sei daher das Golus-Problem. Die Bestimmung des Friedensvertrages betreffend das nationale Minderheitsrecht, welches Polen in sein Gesetzbuch nicht aufnehmen will, habe eine politische Ethik geschaffen, von der man nicht mehr abgehen könne. Es bleibe jedoch noch die Frage offen, ob die Juden als nationale Minderheit anerkannt werden sollen, oder ob sie als freie und gleiche Bürger in der Staatsmehrheit leben sollen. Die englischen Juden wollen lieber das letztere, es sei jedoch diese Methode des Selbstschutzes, solange die Minoritätenrasse keine besondere äußere Politik und kein besonderes äußeres Parlament fordere und habe, sehr wortvoll. In den Ländern, wo der Antisemitismus herrscht, sei ein solches Gruppensystem eine Garantie, daß die Minderheitsnation eine proportioneile Anzahl von Vertretern im Parlamente haben werde. Für die Länder Zenlraleuropas. sagt Zangwill, sei immerhin die Emigration nötig, und weil sie Paliistina nicht aufnehmen kann, müsse sie den alten Weg — nach New York —, den sich der Instinkt der jüdischen Massen selbst ausgefunden hat, einschlagen. Die Steine Palästinas seien zwar heilig, doch die Masse benötige Brot und könne sich von ihnen nicht ernähren. Wir stünden jetzt, meint Zangwill, vor einer Alternative: entweder Zentraleuropa werde sich beruhigen und es werde die Möglichkeit für Sicherheit des Lebens und Wohlstandes geschaffen werden, wovon allerdings einstweil keine Spur vorhanden ist, oder Rußland werde ein konstitutionelles Land ohne Reaktion werden, dann werde es für die Massen in Polen ein stärkerer Magnet sein als Amerika; in diesem Ealle werde auch Amerika ihre Einwanderungsgesetze freier machen und wieder die alte Zufluchtsstätte für die jüdischen Heimatlosen werden. Aus dem „Jüdischen Volksblatt", Mährisch-Ostrau : Bericht des Jüdischen National-Rates. Den fortgesetzten Bemühungen des Jüdischen Nationalrates in Prag ist es gelungen, in der bisher äußerst vernachlässigten Frage der Kongrua der slowakischen Rabbiner eine günstige Wendung herbeizuführen. Obzwar die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen sind, steht es heute fest, daß den Rabbinern in absehbarer Zeit ein Vorschuß auf die ihnen von staatswegen zukommenden Bezüge in der Höhe von K 800 bis 1600 pro anno seitens des Finanzministeriums liquidiert werde. Die bezüglichen Gesuche haben folgende Angaben zu euthalten. 1. Name und Verwendung des Petenten. 2. Die Bestätigung darüber, daß er bereits von der ungarischen Regierung im Genüsse solcher Bezüge war. 3. Die Bestätigung über das abgelegte Staatsgelübnis. Bemerkt wird, daß diese Bezüge nicht nur für das Jahr 1920 liquidiert werden, sondern auch für die frühere Zeit, und zwar von dem Tage, an welchem der Betreffende das Staatsgelöbnis abglegt hat. Die bezüglichen Gesuche sind durch den Volksverband der Juden für die Slowakei an das Schulreferat in Bratislava zu richten. •' Aus der „Jüdischen Volkszeitung", Preßburg: Bewillig-ung der Kongrua für die Rabbiner. Den gemeinsamen Bemühungen des Volksverbandes der Juden für die Slowakei und des jüdischen Nationalrates in Prag ist es endlich gelungen, zu erwirken, daß sämtlichen jüdischen Rabbinern die^ongrua bewilligt wurde und zu diesem Zwecke ein Betrag von K 500.000 in das Budget aufgenommen wurde. Die Zuteilung der Beträge geschieht nach Bildungsgrad. Diese Mitteilung ist uns nach Redaktionsschluß zugekommen. Einzelheiten über die Verordnung werden wir in der nächsten Nummer unseres Blattes bringen. Slowakei auf Intervention des orthodoxen Zentralbureaus in Anwesenheit des Präses Oberrabbiner Weber und Unterweisung des bevollmächtigten Ministers mit den 'zuständigen Behörden in Prag geführt, eine Zuschrift von. Prag erhalten habe, daß die Zulagen der israelitischen Seelsorger für 1919 und 1920 ausbezahlt werden, was auch demnächst geschehen wird. Ich muß aber die Verfügung des Herrn Ministers für Schul- und Kultusangelegenheiten zugesendet bekommen, was bis 28—30. Dezember 1920 in Aussicht gestellt wurde. Bratislava, am 20. Dezember 1920. SimkoviC m. p. Referent. Wir knüpfen daran keinen Kommentar mehr. 2. Errichtung, Erhaltung des Gottesdienstes und der kulturellen Einrichtungen und Institutionen auf traditioneller Grundlage; 3. Ausübung der privaten und öffentlichen Wohltätigkeit und Förderung derselben durch geeignete Gemeindeanstalten. So sehr die zwei ersteren durch die Unabänderlichkeit der heiligen Thora für ewige Zeiten keinerlei mg unterliegen — muß die Wirksamkeit ^Liiodox-jüdischen Gemeinden auf dem Gebiete der Wohltätigkeit und Humanität den jeweilig geänderten sozialen ■ und wirtschaftlichen Verhältnissen angepaßt werden. Der größte Vorwurf unserer Gegner besteht unter anderem auch darin, daß wir keine oder zn wenig produktive Berufe ausüben, das heißt garnicht oder nicht genug physisch arbeiten und unsere Tätigkeit nur beim Handel — also nur bei der Vermittelung des Verkehrs zwischen Produzenten und Konsumenten — erschöpfen, selbst ohne produktive Arbeit zu leisten. Wenn auch diese Behauptung im allgemeinen den Tatsachen nicht entspricht, ist es unsere Pflicht, die Ursachen festzustellen, welche den Anlaß zu diesen angeblichen Erscheinungen geben und deren Beseitigung anzustreben. In früheren Zeiten wurden die Juden durch Ausnahmsgesetze von allen produktiven Berufen ausgeschlossen, so durch das Verbot des Ankaufes von Grund und Boden, ferner durch die Ausschließung von den handwerklichen Innungen und Zünften, und solcherart direkt in die Arme der ausschließlichen Beschäftigung mit dem Handel hineingedrängt. Als dann die Juden vor ungefähr fünfzig Jahren die Emanzipation erlangten, ist wohl eine natürliche Aenderung eingetreten; allein fünf oder sechs Jahrzehnte reichen nicht hin, um die schweren Folgen einer vielhundertjährigen Verfolgung ausgleichen zu können — und eine Ueberproduktion derjenigen, die sich dem Handelsstande widmen, ist unleugbar vorhanden. Auch mit der bevorstehenden oder bereits stattfindenden Revision der Trafik- und Ausschankkonzessionen muß gerechnet werden, wodurch die erwähnte Ueberproduktion noch mehr gesteigert werden wird. Die Zuwendung unserer Jugend zu den sogenannten produktiven Berufen ist daher eine unausbleibliche Notwendigkeit, um den Daseinskampf mit Erfolg aufzunehmen. Vom jüdisch-orthodoxen Standpunkt dürfen diese Erscheinungen nicht unbeachtet bleiben! Heute, unter den gegebenen Verhältnissen, kann das Kind orthodox-jüdischer Eltern in den meisten Fällen nur dann als Handwerker oder Ackerbauer erzogen werden, wenn es die im elterlichen Hause aufgenommenen gesetzestreuen Lehren verläßt. Dieser Umstand bestimmt die Eltern, ihre Kinder von den genannten Berufen fern zu halten. Diesem Uebelstande könnte nur durch Schafiung diesbezüglicher Institutionen im jüdisch-orthodoxen Geiste, und zwar durch Errichtung von Ackerbau-, Handwerker- und Gewerbeanstalten abgeholfen werden. Hierzu sind die orthodox-jüdischen Gemeinden, namentlich die großen Gemeinden, in erster Reihe berufen! Niemand möge damit argumentieren, daß die Schaffung derartiger Anstalten den Wirkungskreis der jüdisch-orthodoxen Gemeinden überschreite! Abgesehen davon, daß ein größerer rfyfö) lüft kaum denkbar ist, als wenn jüdische Kinder einem lebensfähigen Ernährungsberufe zugeführt werden, dessen Grundlage eine streng jüdische Erziehung, gepaart mit jüdischen Wissen ist — dürfen die jüdisch-orthodoxen Gemeinden, diese Aufgaben ersten Ranges, nicht den zionistischen oder verschiedenen anderen im Entstehen begriffenen jüdischen Vereinen überlassen! Dies hieße, den Wink der Jetztzeit mißverstehen, und den Boden unter den Füßen verlieren! Kritische RundscftaM. Der jüdische Weltkongreß. Durch die europäische jüdische Presse geht dieser Tage die Nachricht, daß die amerikanischen Juden im Haag den besonders von den Neo-Zionisten gewünschten allgemeinen jüdischen Kongreß einberufen werden. An der Spitze des Exekutiv-Komitees stehe Abraham Schomer, der sich bereits der Zusage der führenden Personen versichert habe. Unsere Zionisten sind, da sie sich mit Allem mehr als mit der eigenen Sache Zions beschäftigen, derart schlecht in solchen Dingen orientiert — besonders betreffs Amerikas, wo es keine jüdischnationalen Parlamentswahlen gibt — daß wir uns schon die Mühe geben müssen, die Jungzionisten, deren Mut größer ist als ihr Wissen, über ihre Angelegenheiten zu informieren. Abraham Schomer ist ein jiddischer Theaterdichter (Sohn des bekannten jüdischen Dramatikers), der besonders mit seinem Schauspiele „Der grüne Millionär" guten Erfolg hatte. Abraham Schomer ist zumindest seit einem Jahrzehnte mit der Einberufung des allgemeinen jüdischen Kongresses beschäftigt, den er im Vereine mit Dr. N. Syrkin realisieren wollte. Schomer ist ein ganz charmanter, liebenswürdiger Gentleman, aber zur Lösung dieser Aufgabe reichen seine Kräfte bei weitem nicht aus. Er ist der Schwager des Zionistenführers Morris Rothenberg, des Präsidenten der New Yorker zionistischen Organisation und kann, sich möglicherweise dessen Hilfe erfreuen, was aber noch immer kaum zur Bewältigung der Aufgabe hinreicht; es sei denn, daß die großen Organisationen das Komitee des Mr. Schomer als ausgestreckten Ein politisches Plagiat. Es kostet uns viel Ueberwindung, die Öffentlichkeit wieder zum Zeugen einer der vielen Fawlgriffe, welche die sogenannte „Vereinigte Jüdische Partei" im Kampfe gegen uns anwendet, zu machen. Wir sind aber dazu genötigt, um weiteren Komplikationen vorzubeugen, die uns später dennoch nötigen würden, die Flucht in die Oeffentlichkeit zu ergreifen. Wir stellen vor allem zwei Darstellungen gegenüber:

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