Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 23/39 (17.12.1920)
- Date
- 1920-12-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 23/3» NACHRICHTEN. Dt«t$ chfcfcmkD. Die Chanukawoche der Agndas Jisroel. Die Propagandasektion der Agudas Jisroel hat beschlossen, die Chanukawoche zu propagandistischen Zwecken sowohl für die Idee der Agudas Jisroel, wie besonders für unseren Palästinafonds Keren Erez Israel, dessen Popularität von Woche zu Woche zunimmt, auszunützen. In Ausführung dieses Programms wurden alle orthodoxen Bethausrabbiner ersucht, in ihren SchabbosjChanüka-Ansprachen auf die Bedeutung der Agudas Jisroel aufmerksam zu machen und ihren Zuhörern den Anschluß an Agudas Jisroel zu empfehlen. Dieses Ersuchen wurde gerne erfüllt. Es haben Herr Rabbiner Friedmann im Bethausterein Marpe L'Nefesch, Herr Rabbiner Schenk in der Talmud Thora und Herr Rabbiner Flesch im sechsten Bezirk in diesem Sinne gesprochen. Ferner wurde an die Herren Bethausvorstände das Ersuchen gerichtet, dort, wo keine Bethausrabbiner angestellt sind, einen von der Propagandasektion der Agudas Jisroel delegierten Redner sprechen zu lassen und am Schabbos'-Chanuka Spenden für den Palästinafonds der Agudas Jisroel zu widmen. So haben am dritten Chanukatag im BethausvereinMachsike Hadaß, I.f Lazenhof, Herr Rabbiner Neuwirth und unser Vizepräsident Herr I. I. Thumin mit großem Erfolg gesprochen, ebenso am letzten Chanuka-Abend im Bethausverein Telernanngasse Herr Vizepräsident Thumin und Herr Rabbiner Habermann. Herr Rabbiner Dr. Pollak hat am ersten Chanuka-Abend im Bethausverein Montefiore und am Freitag abends im Bethausverein Tefillas Jeschurun gesprochen. In dem Bethaus „Ohe! Awrohom* (IX., Grüne Thorgasse) hat abends Rabbi Fieischmann und morgens Rabbi Fränkl gesprochen. In allen Bethäusern wurden größere Spenden für Agudas Jisroel aufgeboten. Das siebzigjährige Jubiläum des Herrn Rabbiners Moritz Kramer. Sabbat vormittags fand ein Festgottesdienst in der Rembrandtsynagoge statt. Es waren nebst den zahlreichen Freunden des Jubilars die offiziellen Vertreter der Kultusgemeinde, des orthodoxen Bethausvereines Talmud Thora. des Rabbinerverbandes erschienen. Nachdem der Obmann des Bethausvereines und Herr Sigmund Bondy im Namen des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde den Jubilar begrüßt hatten, hielt Herr Rabbiner Dr. Pollak die Festrede, worauf der geistesfrische Jubilar in einer längeren Drosche voll jugendlichen Feuers erwiderte. Abends fand ein Bankett zu Ehren des Jubilars statt, bei welchem erst recht die allgemeine Verehrung, welche alle Kreise und Schattierungen der Wiener Judenheit Herrn Rabbiner Kramer der Aufrichtigkeit und Reinheit seines Charakters und der sprichwörtlichen Güte seines Herzens halber hegen, zum Ausdrucke gekommen ist. Agnda-Sabbat. Der Vorstand des Bethausvereines Marpe lenefesch hat den Sabbat-Chanuka gemäß der von der Aguda ausgegebenen Direktive gänzlich für Agudazwecke gewidmet. Rabbiner R. Nehemia Friedmann hielt eine eindrucksvolle Kanzelrede, in welcher er ermahnte, sich durch keine selbstischen Bestrebungen verhindern zu lassen, der Aguda beizutreten. Es wurden unter dem Eindruck dieser Rede beim Thora-Aufruf bedeutende Beträge gespendet. Ghanukafeier im Lazenhof-Tempel. Donneistag, den 9. Dezember, fand daselbst eine Ghanukafeier statt. Rabbiner Neuwirth sprach in feurigen Worten für die Unterstützung der Aguda. "Herr Thunim sprach hierauf in sehr eindrucksvoller Weise über die Ziele und Zwecke der Aguda. Agudas Jisroel selbst sei ein Heim für das jüdische Volk. Wir stehen in keinem Gegensatze zu einer anderen jüdischen Organisation. Wenn der Zionismus die Unentbehrlichkeit der Thora für das jüdische Leben anerkennen wird, so sieht er schon in der Aguda. Ghanukafeier in der Tellemann-Synagoge. Sonntag nachmittags fand in der Tellemann-Synagoge eine sehr erhebende Ghanukafeier der Aguda statt. Nachdem der Oberkantor mit einem schönen Gesang die Feier eröffnet hatte, bat der Rabbiner Habemann den Vizepräsidenten der Aguda Herrn J.Thumim das Wort zu ergreifen. Redner schildert in seiner tiefdurchdachten Weise die Zeit der Makkabäer, die vor allem Kämpfer für den Glauben waren. Ihr Hauptwerk war nicht das siegreiche Schlachten, sondern der Moment, wo es ihnen gelungen war, ganz Israel in Mizpa zu versammeln, zu organisieren, das heißt zur Aufopferung für den Glauben zu begeistern. Dieses Mizpa, diese geistige Anhöhe, war der -historische Ort, wo schon der Prophet Samuel das Volk für den Glauben organisiert habe. Die Aguda sei das geistige Mizpa, wo sich wieder das Volk Israel im Namen des Glaubens einheitlich organisiert. Wir feiern nicht den blutigen Sieg. Wir feiern das erhabene Walten des g-ttlichen Willens. Als die von Schlachten heimkehrenden Sieger in den Tempel kamen, fanden sie lauter unreines Oel. Es war ein Meinen to. daß ihr blutiges Werk nur eine traurige Notwendigkeit sei. Das kleine mit dem* heiligen Siegel verschlossene Oelkrüglein versinnbildlichte ihnen den Geist, der über politische Kämpfe erhaben, ewig das Licht der Lehre fortpflanze Hanerol halolu onu madlikin kodesch hen. Die Lichter, die wir entzünden, sind kein mechanisches Siegeszeichen, sie selbst sind heilig, sie sind das friedliche Symbol des G-ttesgeistes. So sollen wir ein Denkmal dieser Lichter werden, en lonu reschus lehistamesch bohem, nicht wir sollen uns ihrer bedienen, sondern sie sollen sich unser bedienen. Wenn der Talmud fragt: mai chanuka, detonu rabbonim, so bedeute diese scheinbar naive Frage, daß man nicht bei den deklamierenden Studenten, bei ihren Makkabäerfeiern anzufragen habe was Chanuka sei, sondern wie die Träger der Thora den Chanuka auffassen. Sie fassen den Chanuka nicht als Ermunterung zu politischen Kämpfen, zu Mitteln der Gewalt auf, vielmehr als Hinweis auf den ewigen Wert des Sittlichkeitsgesetzes der Thora, die unser Glauben, unser Lebensweg, unsere Politik ist. Wir sind keine Batlonim, unsere Reserve ist Gebot der Thora. Wir stehen in keinem Gegensatze zu irgend einer Partei. Der Zionismus gehört für diejenigen, die sich nicht zur $öhe der Opferfreudigkeit der Aguda erheben können, aber alle treuen Söhne des Glaubens gehören zur Aguda. Die glänzende Rede erregte viel Beifall. Hierauf hielt Rabbiner Habermann eine schöne Schlußrede, wo er die beiden Einwürfe widerlegte, daß die Thoratreuen keiner Organisation bedürfen, und daß jetzt nicht die Zeit dafür sei. Repatriierung von Palästinaflüchtlingen. In der Zeit vom 6. bis 13. Dezember ist ein neuer Transport von Palästinaflüchtlingen in ihre Heimat abgereist. Der Transport bestand aus 13 Palästinenser und 12 Personen aus dem Osten, welche von der Aguda nach Palästina gesendet werden und zum größten" Teile mit Reisespesen versehen, welche bei dem Hochstand der Valuta große Anforderungen an das Komitee stellen. Außerdem werden die Heimkehrer mit Lebensmitteln versehen. Zahlreiche Dankschreiben der Abreisenden, in ergreifend herzlichen Akzenten verfaßt, bilden das schönste Ehrendiplom. Herr Josef Brody, der Mittelpunkt der ganzen Mühewaltung, fehlte auch diesmal bei keinem Zuge und stand wie immer den Heimkehrern mit Rat und Tat bei. Die Kapitalserhöhungdes Wiener Bankverein. Der Adniinistrationsrat des Wiener Bankyereins hat auf Grund der ihm durch die ordentliche Generalversammlung vom 28. Juni 1920 erteilten Bevollmächtigung den Beschluß gefaßt, das Aktienkapital der Gesellschaff, von 180 auf 300 Millionen Kronen in der Weise zu erhöhen, daß 60 Millionen Kronen Nominale, das sind 150.000 Aktien mit Dividendenberechtigung ab 1. Jänner 1921, zum Kurse von d.-ö. K 950#tel quel den bisherigen Aktionären im Verhältnis von einer neuen für drei alte Aktien zum Bezüge angeboten werden uud die übrige Hälfte von 60 Millionen Kronen Nominale, das sind 150.000 Stück Aktien ebenfalls mit Dividenberechtigung ab 1. Jänner 1921, einem Syndikat zum Preise von d.-ö. K 1500 tel quel per Stück' fix überlassen werde. Die ßprozentigen österreichischen Schatzscheine. Die Stücke der 6 prozeutigen österreichischen Staatsschatzscheine, welche die Finanzverwaltung ausgegeben hat, um der wachsenden Geldüberflutung und deren schädlichen Folgen entgegenzuwirken, sind nunmehr fertiggestellt und können bei allen j Postämtern und Geldinstituten bezogenwerden. Diese Schatzj scheine haben bekanntlich eine Laufzeit von sechs Jahren, | werden al pari ausgegeben, können aber zu jeder Zeit für den j ersten Tag des derKündigung nachfolgenden vierten Kalenderj monates gekündigt werden. Die Rückzahlung erfolgt hierauf; abzugsfrei zum vollen Nennwerte samt Zinsen. Mit diesem j Schatzcheine gelangt man eigentlich in den Besitz von ver- | zinslichen Noten, welche vielleicht die Anziehungskraft besitzen werden, um auch aufgesparte Banknoten aus dem Verkehr herauszuholen, den Umlauf an Banknoten zu verringern und damit den endlichen Abbau der ungeheuerlich belastenden Teuerung herbeizuführen. Eine Zeichnung auf diese Schatzscheine findet nioht statt. Sic sind jederzeit bei allen Anstalten 7.ü haben und' die Art der Anleihe ist eine dauernde Einrichtung, die auch in anderen Staaten besteht, damit überschüssige Gelder in vorteilhatter Weise veranlagt werden können. Im Bedarfsfall sind diese Schatzacheine leicht zu realisieren, indem sie bei jedem Postamte leicht gekündigt werden können. t$c!NCbo$lowakei. Der geheimnisvolle Wohltäter. In die Kauzlei der orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde zu Preßburg trat dieser Tage ein Unbekannter und bat den Notar Grünfeld um das Namensverzeichnis der Woliltätigkeitsvereine dieser Gemeinde: Der Fremde musterte die Liste einige Augenblicke, rechnete ein wenig und übergab dem Notar 31.000 tschechische Kronen und empfahl sich, ohne seinen Namen zu nennen. Dem edlen Spender sei auf diesem Wege gedankt. Ein Doppelfest war der Sijum hachaß des Vereines Mehadre-Hatalmud, welcher Sonntag, den 12. Dezember (Soß Chanuka-Abend), in den Räumen der Mensa der Jeschiba stattgefunden hat. Der Verein besteht seit mehr als 25 Jahren und hat zum ersten Male seit dem Ausbruche des Krieges wieder sein Jahresfest begangen. Es war ein erhebender Anblick, eine solch staatliche Anzahl von Talmide chachomim und Jereim versammelt zu sehen als Tafelrunde um Se. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner und das ehrwürdige Besdin. Diese Feier galt gleichzeitig als Installationsfeier des neuen Dayan R. David Wessely, Herr Engel begrüßt die Anwesenden im Namen des Arrangierungskomitees. Nun ergreift Oberrabbiner Schreiber das Wort und heißt den neuen Dayan R. David Wessely willkommen und hält einen Vortrag über PTnO UPtt "OL Hierauf sprach Dayan R. D. Wessely schöne Worte des Gharifus und Maggidus. Es sprachen ferner R. Leb Rubinstein, R. Sch. Donath, R. A. Herzl, R. J. Kaiisch und R. H. Weinberger u. a. Bis Mitternacht dauerte die festliche Zusammenkunft der Preßburger Talmudgelehrten, deren außerordentlich erhebender Verlauf vieles zur Vertiefung und Popularisierung der Thora. beigetragen hat. Channkafeier der Mew. Thora. Samstag abends, den Ii. Dezember, fand iu den Räumen der Mensa der Jeschiba ein Chanukabankett des Vereines „Mewaksche Thora" statt. Nach Entzünden der Menora begrüßte Rabbiner Unzdorfer den Ehrengast Herrn Oberrabbiner Schreiber in einer prächtige», von gediegenen Maggidus durchwirkten Rede. Hierauf erwiderte Oberrabbiner Schreiber in einer eindrucksvollen Rede, die mit stürmischem Beifall begrüßt wurde. Es sprachen ferner R. L. Rubinstein, H. Beck, Weinreb u. a. Der Verein hält für kaufmännische Angestellte und Handwerker allabendlich Vorträge aus Tnach und Talmud, Dinim und Müssar ab. Das Arrangement lag in den bewährten Händen der Herren Josef Weiß und Adolf Kohn. Bratislava. Das Großwardeiner Misrächi-Organ bringt unter großer Aufmachung die Mitteilung, daß der dortige Misrachi dem ersten Palästinenser aus Oradea Mare (Großwardein), Herrn Josef Lorbeerbaum, die Heimreise durch Beistellung der nötigen, „nicht unerheblichen Mittel" ermöglicht hat. Es sei nun festgestellt, daß Josef Lorbeerbaum nach Preßburg, ohne auch nur halbwegs*für die ihm bevorstehende Reise vorbereitet zu sein, angekommen ist. Erst die Agudas Jisroel-Jugendgruppe Bratislava hat Herrn Lorbeerbaum die Reisedokumente und Mittel beschafft, so daß derselbe mit dem nächsten Transport der Agudas-Jisroel nach seiner Heimat befördert wird\ Chanuka-Abend der Jeschiba. Mittwoch, den 8. Dezember, veranstalteten die Schüler der Preßburger Jeschiba eine Ghanukafeier. Die Eröffnung geschah durch R. H. Rosenberger, worauf R. IL Leuchttag die Bedeutung des Tages schilderte. Das Erscheinen des Herrn Oberrabbiner Schreiber wurde mit stürmischer Begeisterung begrüßt. Oberrabbiner Schreiber ermahnte in schöner Maggidusrede, zusammenzuhalten im Bestreben der haromas keren hatora. Hierauf fand ein Festessen statt, bei welchem Goldberg (Preßburg) und Lorbeer Maggidus und Gharifus unter großem Beifalle vorgetragee haben. Das Arrangement besorgten die Herren Fischer und Schönfeld. Richtigstellung-. In der, in der vorigen Nummer veröffentlichten Delegiertenliste wurden irrtümlich vier Delegierte aus Eperjes angegeben; es waren nur zwei Delegierte und zwei Gäste anwesend. Amerika. Louis Marshall, Präsident des amerikanisefejüdischen Komitees. New York, 30. November (J. C. B.). Auf der Jahreskonferenz des amerikanischjüdischen Komitees wurde Louis Marshall zum Präsidenten und Dr. Gyrus Adler und Julius Rosenblatt (Rosenwald?) zu Vizepräsidenten gewählt. Der amerikanische Zionistenkongreß. Buffalo,;>0. November (J. G. B.i. Der Kongreß der amerikanischen Zionisten hat in den auf der Eröffnungssitzung folgenden mit sachlichen Referaten ausgefüllten Sitzungen seine Beratungen fortgesetzt. Diese waren vornehmlich der auf die amerikanische Organisation entfallenden Aufgaben der Palästinaarbeit gewidmet. Die Referenten der Palästinakonamission entwickelten eine Reihe von Plänen und Projekten für praktische großzügige Arbeit. So wird unter anderem die Errichtung von Bauindustrien wie Kalk-Zementfabriken, Ziegeleien, ferner Verkehrs- und Transportmittel vorgesehen. Ebenso ist die Gründung einer Hypothekenbank vorgeschlagest. Sämtliche diesbezügliche Vorschläge der Exekutive sind von dem Kongresse mit begeisterter Einhelligkeit angenommen worden. Auch betreffs der demnächst aufzunehmenden Staatsanleihe seitens der palästinensischen Regierung wurde beschlossen, daü die amerikanische Zionisten Organisation außerordentliche Anstrengungen zur aktiven Förderung der ersten Regierungsanleihe Palästinas machen müsse. Amerika hat hiefür den Mindestbeitrag von 2V2 Millionen Pfund Sterling aufzubringen. Die Delegierten haben für den Keren Hajessod ein sehr lebhaftes Interesse bekundet. Einzelne Delegierte bemängelten die unklare paltung der Exekutive diesem Fonds gegenüber und warfen der Leitung passive Resistenz vor, obwohl der gegenwärtige Moment die amerikanischen Zionisten vw ungeheure Verantwortung stellt und die größten