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Jüdische Presse · 1920-12-17 · 23/39 (17.12.1920) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
6 (1920)
Issue
23/39 (17.12.1920)
Date
1920-12-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. -jL. JÜDISCHE PRESSE Seite % Opfer erheischt. Schließlich einigte sich der Kongreß auf die Resolution, daß die Spenden und Investitionen auseinanderzuhalten und nicht in einem Fonds zu vereinigen seien. Diese Resolution betont "insbesondere, daß sämtliche größere Spenden und Widmungen in den Vereinigten Staaten für den unter dem Namen „Keren Hajessod" eingetragenen Fonds gesammelt werden sollen. Die Frage der kapitalistischen Unternehmung und der Investitionen zu diesem Zwecke löste eine überaus lebhafte Debatte auf Seiten des linken Flügels aus. Dr. Galan forderte namens der Zeirei Zion, daß die amerikanische zionistische Organisation bei Abfassung der Statuten diese für Privatgesellschaften ihren ganzen Einfluß für die Aufnahme von Bestimmungen zur Sicherung des öffentlichen Interesses des jüdischen Volkes in Palästina aufbieten sollen. Auch diese Gesellschaften dürfen ausschließlich im Geiste der sozialen Gerechtigkeit ihre Tätigkeit im Lande entfalten, Klassengegensätze vermeiden, den . jüdischen Arbeitern Beschäftigung sichern und ihnen ' in der Verwaltung der Betriebe Sitz und Stimme gewähren. Diese Ausbesserungsantrage wurden vo* Redakteur und Misrachisten Gedaliah Bublik bekämpft. Sie wurden jedoch nach einer leidenschaftlichen Pro-Rede des Richters Pas aus Chicago mit 117 gegen 99 Stimmen angenommen. In der Debatte über den Rechenschaftsbericht entwickelte sich auch eine scharfe Kontroverse zwischen dem New Yorker Delegierten Dr. Newmann und dem Präsidenten Richter Mack. Dr. Newmann warf der Leitung Unentschlossenheit und Eigenmächtigkeit gegenüber den Beschlüssen und Anordnungen der Londoner Exekutive der zionistischen Weltorganisation vor und forderte eine kategorische Erklärung, daß in Palästina kein Schritt ohne Zustimmung der Weltorganisation in London unternommen werden wird. Richter Mack hat hierauf neuerdings dem Kongreß nachdrücklichst versichert, daß die amerikanischen Zionisten keinerlei Absicht haben, sich separatistisch zu betätigen. Der Kongreß, an dem auch Oberrichter Brand eis, Mys. Fels, Nathan Straus, Professor Frankfurter umril Rabbi Dr. St. Wise anwesend waren, wurde Freitag nachmittags wegen Samstag vertagt. Die Beratungen wurden in der 5. Sitzung Samstag abends wieder aufgenommen. Mitteilung der Administration. Zufolge Erhöhung der Herstellungskosten sehen wir uns genötigt, den Abonnementspreis von K 120 per Jahr auf den noch immer geringen Preis von österr. K 160 ungar. K 160 poln. Mk. 160 per Jahr zu erhöhen. Das Abonnement im übrigen Auslande bleibt unverändert. Wir bitten bei dieser Gelegenheit diejenigen Abonnenten, deren Abonnement am 15. Dezember abläuft, die rechtzeitige Erneuerung vorzunehmen. Die jüdischen Durcbwandcrer in Zürich. Die Wanderungsflut der Ostjuden steigt. Wenn diese keine katastrophalen Dimensionen annimmt, insbesondere wenn die Schweizer Bahnhöfe und Städte noch nicht mit Juden massenhaft belegt sind, so ist dies die Folge der gegenwärtigen Reiseerscheinuugen im allgemeinen und des komplizierten Apparates des Paß- und Visumwesens im besonderen. Für die Ostjuden kommt hier noch ein Moment in Betracht und dieses sind die großen Kosten dieser absolut notwendigen Reisepapiere; wenn man bedenkt, daß ein deutsches Visum 37*50 Franken, ein polnischer Paß ebensoviel kostet und dieses in deutscher Valuta jetzt zirka 500 Mark, in polnischer Valuta zirka 4000 Mark ausmacht, dann kann man ermessen, welches Hindernis das für die Emigration bedeutet. Und jeder Reisende muß mehrere Visen haben, die manche einzeln nicht so teuer sind, aber in der Summierung ganz namhafte Beträge ausmachen, sogar im teuren Schweizer Gelde. Ein absolutes Hindernis bildet freilich diese Geldfrage nicht; denn entweder gibt man das letzte Stück Hausgerät für diese Taxen hin oder der reiche Verwandte, in der Regel der reiche Verwandte in Amerika, bezahlt sie, oder die öffentliche Wohltätigkeit. Schwerer sind die komplizierten Paß- und Visabestimmungen zu erfüllen, insbesondere die sogenannten Einreiseerlaubnisse der Staaten, wohin die Emigranten fahren. Aber das harte „Muß" überwindet, schließlich alles, und wenn man nicht in jene sich abschließenden Staaten gehen kann, dann fährt man in jene, die noch offen sind, und zwar nach Süd- und Zentralamerika und auch nach Palästina, trotz aller Stoppbefehle der zionistischen Zentrale. Wenn der Weg nach Palästina auch nicht durch die Schweiz geht, so kommen doch viele hier vorbei, in der Regel, um in London die Einreisebewilligung leichter als zu Hause sich verschaffen zu können, aber auch um Unterstützung zu diesem Vorhaben zu erlangen. Es sind Fälle bekannt, wo man von Polen nach London und von dort nach der Schweiz gekommen ist, statt des kurzen Weges über Wien und Triest. Aber hier handelt es sich nur um relativ vereinzelte Fälle. Komplizierter, insbesondere für die Schweizer Juden wichtiger, ist die Frage der Emigranten nach Südamerika, weil deren Weg durch die Schweiz führt, und auch jener nach Nordamerika, weil sehr viele Juden in Amerika und im Osten der Meinung sind, daß die Wanderer auf französischen Schiffen oder zumindest bei der Abfahrt von französischen und belgischen Häfen sicherer durchkommen, als wenn sie von anderen Häfen abreisen. Daß der Weg nach Frankreich und für viele auch der Weg nach Belgien ebenfalls üher die Schweiz geht, ist klar. Reisetechnisch voll und ganz ausgestattete Emigranten gibt es relativ viel, etwa 50 bis 80 Prozent, aber der Rest, der zwischen 20 bis 50 Prozent schwankt, ist nur mangelhaft versorgt. Der eine konnte ein Visum zu Hause nicht bekommen und muß sich ein solches hier verschaffen, der andere hat irgendwo unterwegs unerwartete Ausgaben gehabt, so daß er beim besten Willen nicht weiter kann, manche sind durch die ungewöhnlichen Anstrengungen der langen und infolge Mangels an Mitteln überaus beschwerlichen Reise bis zum Zusammenbruche völlig erschöpft und manche wieder sind sogar ernstlich krank — und für all diese Fälle sind sie nicht vorgesehen, konnten sie sich gar nicht vorsehen. In Zürich hat sich bisher die Armenpflege der israelitischen Kultusgemeinde in hervorragender Weise der Wanderer angenommen, und es muß eine uneingeschränkte Anerkennung allen Mitgliedern dieser Institution, insbesondere aber Herrn Rabbiner Dr. Littmann ausgedrückt werden. Allein auch diese Mittel sind beschränkt, und schließlich muß doch mit öffentlichem Gelde haushälterisch umgegangen werden. Die Emigranten sind daher gezwungen, auf dem Wege des privaten Sammeins sich die nötigen Beträge zu vorschaffen, wobei bald durch Bekannte der Emigranten, bald durch mitleidige Personen für die Emigranten gesorgt wird, bald von den Emigranten selbst. In der Folge hat sich ein Sammeln ergeben, das das Publikum schwer belastet, insbesondere jene, die öffentliche Lokale besuchen, seien diese Bethäuser oder Kaffeehäuser, wenn sie nur Orte darstellen, wo Juden zahlreich verkehren. Gegen dieses Uebel gibt es aber nur ein Mittel, und dieses ist, die Wanderer zu veranlassen, in Zürich keinen Aufenthalt zu nehmen, respektive den möglichst kürzesten Aufenthalt. Da die aus dem Osten via Wien kommenden Wanderer den Weg über Buchs nehmen, kommen sie in Buchs mittags an und können nur an den Tagen, wo es Schnellzüge gibt, bei Zahlung von Zuschlagstaxen direkt nach Basel weiterfahren; diejenigen hingegen, die die Taxen nicht zahlen können, respentive mit anderen Zügen ankommen, müssen in Zürich zumindest nachten, weil die Züge keine direkte Verbindung zur Weiterfahrt haben. Es kommt daher viel darauf an, daß die Wanderer aufgeklärt werden, daß sie sofort am nächsten Tage Weiterreisen, und daß für ein billiges Nachtlager für sie gesorgt wird, und zwar, wenn irgend möglich, nicht als Unterstützung, sondern auf Rechnung der Emigranten selbst, weil die Unkenntnis der Verhältnisse ein solches Uebernachten samt kleinen Imbissen zuweilen per Kopf bis 10 Franken kosten könnte, das heißt 600 bis 800 polnische Mark oder österreichische Kronen. Die „Jüdische Emigrations-Kommission in Zürich" hat daher einen sogenannten Nachtdienst eingerichtet, zu welchem in anerkannter Weise der Jüdische Turnverein seine überall in jüdischen Sachen unermüdlichen Mitglieder ebenfalls bereitgestellt hat, die jeden Abend auf dem Bahnhofe die Züge abwarten und für die Emigranten das Nötige veranlassen. , Ein Mitglied dieser Nachtwache wird durch ein blauweißes Band mit dem Mogen-David den Emigranten kenntlich gemacht. Dieser Dienst wird, wenn sich eine größere Zahl der Teilnehmer melden wird, auch die Weiterspedierung der Emigranten besorgen. Die Ordnung dieses Dienstes, wie die Durchführung aller entsprechenden Maßnahmen liegt in den Händen der „Jüdischen Emigrations-Kommission" (Zürich- Sihlfeld, Postfach 37), an die man sich auch wegen der Anteilnahme an dieser sowohl den Emigranten wie den Interessen der einheimischen Bevölkerung dienenden wohltätigen Arbeit wenden mag. Dieses wäre auch sehr erwünscht, weil zuweilen durch einen solchen Rat der Emigrant es nicht nötig hat, in der Stadt zu bleiben und hier für Essen und Logis Summen zu vergeuden, die ihm keinen praktischen Nutzen bringen, die Bevölkerung aber erheblich und zuweilen sogar schwer belaste't. Es gilt auch hier der alte bewährte Satz: Rat ist zuweilen wichtiger als Tat, und schon der Talmud lehrt es, daß der direkte Verkehr mit den Leidenden viel wichtiger ist, als die relativ größere Gabe desjenigen, der ruhig zu Hause sitzt, sich aber praktisch nicht betätigen möchte. (Isr. Wochenbl. f. d. Schweiz.) Der Emigrationsstrom aas der Ukraine. Von der polnisch-ukrainischen Grenze kommen Nachrichten über die schreckliche Lage der jüdischen Flüchtlinge aus der Ukraine. Die meisten sind ohne Geldnüttel, ohne Wäsche und obdachlos, gar viele sind krank. Die polnische Ortsbehörde ist bestrebt, den Strom einzudämmen und zu verhindern, daß er das Land überschwemme. Das Regierungsamt für „Heimatlose" in Lemberg sandte eine spezielle Expedition in das Grenzgebiet, in welcher sich Dr. Topolanicki, der Vorsteher des Generalkommissariats zur Bekämpfung der Schiffsepidemie, und Herr Basker, der Repräsentant des „Hias" befinden. Aus Lemberg rollten in den letzten Tagen nach Tarnopol 10 Waggons mit Lebensmitteln, Feldküchen und Zelten aus Leinwand ab. Hilfe für die Emigranten aus der Ukraine. Kürzlich fand im Lokal des Hilfskomitees für die durch den Pogrom geschädigten Juden aus der Ukraine eine besondere Konferenz statt, zwecks Organisierung der Hilfe für die unglücklichen jüdischen Auswanderer aus der Ukraine. Zur Beratung erschienen Delegierte sämtlicher jüdischer politischer Organisationen, sozialer Institutionen, professioneller Vereine, des Warschauer Rabbinats, der jüdischen Gemeinde, Presse und anderen. Den Vorsitz führte S. Poznanski. Herr Schattenstein schilderte in einem längeren Referat die traurige Lage der neuen zehntausenden Vertriebenen aus der Ukraine, für die man Hilfe in den verschiedensten Formen organisieren muß. Man muß einen Bahnhofsdienst einrichten, um den ankommenden Flüchtlingen rasche Hilfe zu leisten, Informationen erteilen, den völlig Mittellosen Speisen verabreichen, ihnen medizinische Hilfe gewähren, mit jüdischem Rat (wegen Pässe und dergleichen) zur Seite stehen, die Emigration zu regeln, die zeitweilig verbleibenden mit Wohnungen zu versehen. Der Referent wies auch auf die bisherige Tätigkeit des schon bestehenden Komitees hin, dessen Ziel aber nicht sein konnte, solch riesige Aufgaben zu bewältigen, wie sie uns infoige des großen Emigrationsstromes bevorstehen. Auch Dr. Poznanski und die übrigen Redner betonten die Notwendigkeit dieser Hilfe. Besonders scharf trat in seiner Rede Herr Wolkowitsch heraus, welcher sich auf die Nachricht berief, daß die zionistischen Führer in Warschau beabsichtigen, die Geldhilfe für die Geschädigten aus der Ukraine in ihre Hände zu bekommen und damit in diese Hilfstätigkeit Streitigkeiten der Parteien hineinzubringen. Der Redner forderte auf, ein Komitee sämtlicher sozialer Organisationen zu schaffen, welche die ganze Hilfstätigkeit leiten soll. Es sprachen dann noch Herr Lewito, welcher die zionistische Organisation verteidigte, und andere Redner. Es wurde beschlossen, daß in einigen Tagen die mit bestimmten Direktiven ihrer Organisationen versehenen Delegierten zusammentreten und ein Komitee wählen, das die Hilfe für die ukrainischen Flüchtlinge organisieren wird. „HiasB meldet: Infolge einer bedeutenden Zunahme von Emigranten wurde der „Hias" vom Emigranten am te des Arbeitsministeriums bevollmächtigt, die Emigranten zu registrieren und ihnen die Dokumente abzunehmen, um sie dem Emigrationsamte zur weiteren Erledigung vorzulegen. Diejenigen Emigranten, die Pässe oder Paßformulare zur Vidierung vorlegen, können sich ab Montag, den 29. November, mit allen nötigen Dokumenten, wie persönlichen Dokumenten, Affidovits und Schiffskarten an „Hias" wenden. Die lüochc. Di« Sidra „Olajigascb". Merkwürdig groß ragt die sittliche Persönlichkeit Pharaos aus der ewigen Geschichte des Josef und seiner Brüder empört Die Thora zeichnet ihn fast ohne Schatten. Ist seine von keinem Vorurteile beschränkte Hochschätzung der g-ttlichen Fähigkeiten Josefs und seines Wertes für die Wohlfahrt des Staates genug bewundernswert, so steigert sich die Würdigung der Herrschertugenden dieses Pharaos mit jeder Wendung der Geschichte Josefs. Dankbarkeit im hohen Grade, eine Tugend, die der Sage nach bei Fürsten wenig geübt werden soll, sucht sich ungehemmt von Bedenken sozialer Natur, groß zu äußern. Es gefällt wohl in den Augen Pharaos, daß seine Brüder gekommen sind, in Worten j^m«, erkennbarer herzlicher Wärme bittet er den

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