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Jüdische Presse · 1920-12-10 · 22/38 (10.12.1920) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
6 (1920)
Issue
22/38 (10.12.1920)
Date
1920-12-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 22/38 JÜDISCHE PRESSE Seite 5 üonellem Sinne finden sollen. Es wird auch nach Art der Toynbee allen Tee verabreicht werden. Pokn. S. An-eki. Am 8. November starb plötzlich im Alter ron 57 Jahren der bekannte jüdische Schriftsteller S. Rapaport (S. An-ski). Er wurde im Jahre 1868 in Witcbsk bei orthodoxen Eltern geboren, verbrachte seine Jugend im Cheder und Beth-Hamidrasch und erst im 17. Lebensjahre, als er zu einem Schlosser, später zu einem Buchbinder, in die Lehre ging, lernte der junge Rapoport die russische Sprache und allgemeine Wissenschaften. Seine literarische Tätigkeit begann An-ski mit einer Erzählung in jüdischer Sprache. ..Die Geschichte einer Familie," welche im Jahre 1883 ins Russische übersetzt wurde. Später begab sich An-ski zu den Arbeitern der Kohlen- und Salzgruben, für die er Vorlesungen veranstaltete. In Paris, wohin er am Anfang der Neunzigerjahre geflohen war. war An-ski vom Jahre 1894—1900 Sekretär des bekannten Revolutionärs Peter Lawrow. Unter dem Einfluß jüdischer Emigranten aus Rußland wandle er sich wieder der jüdischen Literatur zu und eine Frucht, dieser Zeit ist das Lied „Die Schvvua", das er für die jüdischen Arbeiter geschrieben hat. An-ski beschäftigte sich auch viel mit der Forschung nach jüdischen Altertumsschätzen und ihm verdanken wir viel wertvolles Material folkloristischer Natur, das er für ein zukünftiges jüdisches Museum gesammelt hat. Bei Ausbruch der Oktoberrevolution in Rußland kam An-ski nach Warschau, wo er noch in den letzten Tagen an der Herausgabe seiner Werke arbeitete. An seinem vorletzten Tage führte An-ski den Vorsitz in einer Versammlung jüdischer Schriftsteller und Künstler, die er zum Zwecke, eine jüdische ethnographische Gesellschaft und ein jüdisches Museum in Warschau zu gründen, einberufen hatte. Dieser Wunsch erfüllte lange Jahre seines Lebens: an dessen Ausführung wurde er nun durch den plötzlichen Tod verhindert. Amerika. Die Verständigungskonferenz fand am 10. November zwischen dem polnischen Gesandten in Amerika, Lubomirski, und den jüdischen Vertretern, darunter Rabbi Wise, Mack, Morris Rothenberg, Bublik, Richter Hartman, Richards, Edlin und Jehoasch statt. Einzelheiten drangen bis jetzt nicht an die Oeffentlichkeit. Lubomirski veröffentlichte eine Erklärung, in der die in Polen herrschenden anormalen Verhältnisse als Ursache der letzten Exzesse bezeichnet werden. Aenderungen seien erwünscht und würden sicherlich bald nach Friedensschluß eintreten. In einer Gegenerklärung betonte Rabbi Wise, daß Lubomirski aufrichtig wünsche, die polnische Regierung auf die Dringlichkeit der jüdischen Frage in Polen aufmerksam 2ü machen. Die amerikanische Judenheit könne sich jedoch nur mit der sofortigen Einstellung aller Verfolgungen zufrieden geben. Trankreicb. Im Kampf gegen die Pogrome. Der Pariser J.-Korrespondent der „J. P. Z." berichtet: Am 16. November fand in Paris eine Beratung führender Persönlichkeiten aus den russisch-jüdischen politischen Kreisen, die sich derzeit in Paris aufhalten, statt. An der Sitzung, die Sokolow als Präsident des K. d. J. D. leitete, beteiligten sich über 20 führende russisch-jüdische Politiker, unter ihnen der Generalsekretär des K. d. J. D. Motzkin, Rechtsanwalt M. Winaver, Führer der russischen Kadetten, Dr. Pasmanik. Redakteur der „Cause Commune", J. Roubanowitch, Führer der rechten Sozialrevolutionäre M. Goldstein, Redakteur der „Poslednija Novosti", Rechtsanwalt H. Sliosberg, Starinsky, Redakteur des „Pour la Russie" und andere mehr. Die Vertreter der Kadettenpartei, vor allem die Herren Winaver, Sliosberg und Pasmanik, sahen den Hauptgrund der antisemitischen Propaganda in der Beschuldigung, daß die Juden dem Bolschewismus sympathisch gegenüberstehen. Es sei daher der Kampf gegen diese Beschuldigung die erste Aufgabe im Kampfe gegen die Pogrome. Die jüdischen Organisationen müßten als Gesamtheit eine öffentliche Erklärung gegen den Bolschewismus erlassen und damit das Unhaltbare dieser Beschuldigung aufzeigen. Dem gegenüber wiesen Sokolow, Motzkin und andere darauf hin, daß das jüdische Volk in seinem politischen Auftreten nicht über den I Rahmen des Kampfes gegen Entrechtung Stellung nehmen könne. Der Kampt gegen die Pogrome ist eine nationale Aufgabe jenseits aller Politik, aller Klassen und aller Parteien. Der Antisemitismus habe mannigfaltige Ursachen und die ungerechten Beschuldigungen wechseln einander ab. Erklärung durch eine Ursache könnte sehr bald zu Mißdeutungen führen. Das Komitee der jüdischen Delegationen führt den Kampf gegen die Pogrome jenseits aller Politik, und es wünscht, daß sich alle Kräfte in diesem Kampfe mit ihm vereinigen. Am Schlüsse der Sitzung wurde eine von Motzkin vorgeschlagene Resolution angenommen, die die Notwendigkeit des Kontaktes aller jüdischen Kräfte im Kampfe gegen die Pogrome betont. Es wurde auch auf die Wichtigkeit hingewiesen, daß man alle Schritte fördern müsse, um die Gründung einer jüdischen Gesellschaft für den Völkerbund vorzubereiten. Das K. d. J. D. ist derzeit mit den vorbereitenden Schritten zu dieser Gründung beschäftigt. Es wurde auch eine Kommission eingesetzt, die das Material für die Beratungen der kommenden Besprechungen vorbereiten soll. HtgWtttt* m Ein Kongreß der sephardisctien indes. Kairo, 1. Dezember (Jew. Cöff. Büf.). Ein Plan ist hier aufgetaucht, alle sephardischen Juden des Orients zu organisieren und eitlen sephardischen Kongreß nach Kairo oder Alexandrien einzuberufen. Schebetay Djaen, der mit der Organisation der Sephardim in Palästina, Türkei und den Balkan-Staaten betraut wurde, kehrte soeben nach Kairo zurück, wo er in einer großen Versammlung, an der auch Professor Yahuda aus Madrid teilgenommen hat, Berichte über seine Mission erstattete. Sämtliche Redner waren der Ueberzeugung, daß die zu begründete sephardische Weltorganisation einen integrierenden Teil der zionistischen Weltorganisation bilden müsse. Es wurde beschlossen, den Kongreß innerhalb fünf bis sechs Monaten nach Aegypten einzuberufen. Palästina. Chacham Cook und Kardinal Dubois, Paris, 1. Dezember (J. G. B.). In einer in der geographischen Gesellschaft in Paris gehaltenem Vortrage erklärte Kardinal Dubois, daß die ganze Bevölkerung Palästinas gegen die Trennung von Syrien und die Errichtung einer jüdischnationalen Heimstätte sei. Auch der Oberrabbiner Palästinas Cook hätte ihm gegenüber seiner abneigenden Meinung gegen den Zionismus Ausdruck geben wollen. Oberrabbiner Cook versandte nun einen Brief an die Presse, in dem er feststellt, daß er nie mit dem Kardinal | Dubois gesprochen und ihn überhaupt niemals gesehen hat. Die allgemeine Konferenz der jüdischen Arbeiterparteien Palästinas (s. „J. P. Z." Nr. 118) wurde für den 5. Dezember nach Haifa einberufen und die Delegiertenwahlen bereits ausgeschrieben. Es geht vor allein darum, die beiden Arbeiterparteien Palästinas — Hapoel Hazair und Achduth-Haawodah — organisatorisch zu vereinigen. Die „Jüdische Presse" in Siebenbürgen. Wir teilen mit. daß Abonnements und Inserate für die „Jüdische Presse" in Siebenbürgen bei Herrn Samuel Ullmann, Ora de Mare (Nagyvdrad, Großwardein), Sas palota, II. St. aufgegeben werden können. Abonnementspreis 10'— Lei pro Vierteljahr. Die „Jüdische Presse" in Polen. Unser Blatt ist in Warschau bei Zeire, Agudas Jisroel, Granicna 9; in Lodz bei A. M. Grubsztajn, Kilinskiego 46; in Krakau bei Ch. Goldstoff, Mostova 10, zu beziehen. EMI GRATIONS WESEN. Auswanderer-Ausbeutung. Besondere Vorsicht ist jetzt beim Kaufe von Schiffskarten durch Agenten am Platze. Es sind uns Fälle bekannt, daß in Amerika für eine Karte 3. Klasse Schweiz-Amerika 175 Dollar bezahlt wurden, während eine solche 2. Klasse sich nur auf zirka 140 Dollar stellt. Ebenso wurden in Polen einem Agenten 25 Dollar als Anzahlung ausgehändigt, auf der Rechnung aber, wo alle Posten ausstehender Zahlungen angeführt waren, war diese Angabe nicht in Abzug gebracht, sondern nur so nebenbei angeführt. Erst auf „Intervention" wurde dieser Irrtum behoben. Also Vorsicht, Vorsicht, nochmals Vorsicht! Berufliche Notizen. Norwegen: Die „Neue Badische Landeszeitung6 meldet: S teilen vermittlungsbureaus für Norwegen sind in Christiania: Det tekniske Engegmentskontor, Törwe gt 18; Christiania Arbeitskontor, Arbeitsabteilung für Männer, Hausmannsgarten 21; Arbeitsabteilung für Frauen, Handwerksfach und Dienstabteilung, Theatergarten 8; Arbeitsabteilung für Handelsangestellte, Kongentsgarten 33; Norgens Farmaceutische Foremings Engagementskontor, Ahersgaten 65, Gesetzliche Emigrations-Verbote und -Erschwerungen. Das Ministerium für Arbeit und Fürsorge in Polen warnt die amerikanischen Untertanen, sich nicht mit dem Emigrieren von Menschen in Polen zu beschäftigen, weil solches dem Strafgesetz (§ 265) unterliegt. Personen, welche sich damit beschäftigen wollen, müssen zuerst im Emigrationsamte eine Erlaubnis einholen. Ein- und Ausfuhr-Erlaubnisse für Bagage der Emigianten werden durch das Emigrationsdepartement erteilt. Von der Bmigration nach Amerika. Aus Kanada wird gemeldet, daß dort tausende jüdische Emigranten, meistens Flüchtlinge aus Rußland und Polen, buchstäblich auf der Straße, bar aller Mittel und Hilfe, lagern. Die allgemeine Stimmung gegen die Emigration ist dort sehr feindlich und findet ihren Ausdruck in einer Reihe von Gesetzen gegen die unerwünschten Gäste. Man sieht in der jüdischen Einwanderung eine Konkurrenz gegen die erwünschte Arbeitereinwanderung aus England. Zum großen Teil sind es auch Durchwanderer, mit dem Reiseziele nach den Vereinigten Staaten. Die Reise von Kanada nach der Union ist aber mit noch größeren Schwierigkeiten verbunden, als direkt von Europa. Die Leute haben den Umweg über Kanada genommen, auf Angaben von gewissenlosen Agenten hin, daß sie von dort aus die Reise nach Amerika mit aller Leichtigkeit bewerkstelligen könnten. Man kann sich nun die Erbitterung und Enttäuschung der Unglücklichen denken, um so mehr, als in Kanada keine Institution für sie sorgt. Erst in letzter Zeit hat sich in Montreal ein Emigrations-Komitee gebildet, das die Hilfsarbeit energisch in die Hand genommen hat. Eine wirksame Hilfe kann aber nur im Einvernehmen mit den amerikanischen Komitees und den Emigrations-Bureaus in Europa durchgeführt werden. Korporationen. In Berlin ist ein jüdischer Bahnhofsdienst geschaffen worden. Jeden einlaufenden Zug erwartet eine jüdische Vertrauensperson, die sich der aus dem Osten kommenden Juden, die als Emigranten Berlin passieren und sich zuweilen einige Tage dort aufhalten, annimmt. — DaspolnischeEmigratiosamt, Warschau, Jerozelimska 56, gibt bekannt, daß es keine Subventionen erteilt und daß es bereit sei, jedermann anzugeben, wieviel Geld für die Reise unbedingt nötig ist. Damit soll vermieden werden, daß der Emigrant aus Mangel an Mitteln unterwegs stecken bleibt, Avas leider nur zu oft der Fall ist. Die Holland-Amerikalinie stellt uns folgende Fahrtliste zur Verfügung: Abfahrten von Rotterdam nach New York: 1920. Freitag, 10. Dezember, 13-30 Tormittags, „Nieuw Amsterdam*. Dienstag, 21. Dezember, 9'15 abends, 3Rvndam*. 1921. Dienstag, 4. Jänner, 10— abends, „Rotterdam". Freitag, 14. Jänner, 4-— nachmittags, „Nieuw Amsterdam". Mittwoch, 26. Jänner, 215 nachmittags, „Ryndam". Mittwoch, 9. Februar, 1-45 nachmittags, „Rotterdam".' Dienstag, 15. Februar, 5*45 nachmittags, „Noordham*. Dienstag, 22. Februar, 12-45 nachmittags, „Nieuw Amsterdam*. Dienstag, 1. März, 6-— nachmittags, „Ryndam*. Dienstag, 15. Marz, 4-30 nachmittags, „Rotterdam*. Dienstag, 22. März, 11-55 abends, „Noordham*. Paßvorschriften. Ho 11 an d. Durch einen Teil der Presse ging kürzlich die Meldung, daß Ueberseereisende, die durch Holland reisen, nicht mehr das holländische Paßvisum einzuholen brauchen, sondern einfach auf Grund des Visums für dasjenige Land, wohin sie sich begeben, durch die Niederlande reisen können. Dies ist jedoch nicht zutreffend, vielmehr ist, wie der Hanseatische Nachrichtendienst erfährt, für Reisende nach Holland nur insoferne eine Erleichterung eingetreten, als sie nicht mehr für jede Reise erneut die Einreiseerlaubnis nachzusuchen brauchen, sondern bei häufigeren Reisen auf Grund eines Dauersichtvermerkes der Heimatbehörde auf Antrag von dem zuständigen holländischen Konsulate ebenfalls ein Dauervisum zu beliebigen Reisen nach Holland erhalten. Dagegen müssen Reisende, die sich über Holland nefchUebersee begeben wollen, nach wie vor bei dem für ihren Wohnort zuständigen holländischen Konsulate mittels der vorgeschriebenen Vordrucke nebst Paßbildern die Durchreiseerlaubnis für Holland nachsuchen, wobei der Nachweis zu erbringen ist, daß die Platzbelegung auf einem ab Holland fahrenden Dampfer erfolgt ist. Es ist dringend anzuraten, die Durchreiseerlaubnis bei dem zuständigen holländischen Konsulate mindestens 14 Tage vor der Abfahrt des Dampfers zu beantragen. — Deutschland. Die Amtsstelle der deutschen Paßstelle in Wien, I., Rotenturmstraße 19, zur Entgegennahme von Paß- und Sichtvermerksanträgen sind von 9 bis 12 Uhr vormittags und von halb 2 bis halb 3 Uhr nachmittags. Nach den gegenwärtig geltenden Bestimmungen ist bei Beantragung eines Sichtvermerkes ein Paß, der nicht älter als ein Jahr sein darf (vom ersten Ausstellungsdatum an gerechnet) erforderlich.

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