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Jüdische Presse · 1920-12-10 · 22/38 (10.12.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
6 (1920)
Issue
22/38 (10.12.1920)
Date
1920-12-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 22/38 gedenken. Es muß etwas großzügiges unternommen werden, ansonsten könnte sich die Situation ergeben, in der die Gehälter der Schochtim befriedigend gelöst erscheinen und die Rabbonim, die doch die Vorgesetzten der Schochtim sind, noch weiter Not und Entbehrungen ausgesetzt bleiben. Gewiß, die Rabbonim genießen gewisse Unterstützungen seitens des Staates. Allein diese sind so minimal und unzureichend, daß die Hilfe, die aus denselben resultiert, das Mißverhältnis, das im Falle einer Regelung der Schochtimgehiilter zwischen dem besser dotierten und minder dotierten Rabbiner entstehen würde, nicht wettmachen könnte. Hier, geehrter Delegiertentag, muß großherzig und edelmütig eingeschritten werden, wenn die unwürdige und materiell völlig unhaltbare Lage der Rabbonim aufhören soll, was doch gewiß im Interesse der Würde unserer heiligen Thora liegt. Die Kanzleileitung hat mit Rücksicht auf die schwere Lage der Rabbonim, indem sie die Wahrnehmung gemacht, daß bei der Verteilung der aus Amerika kommenden Hilfsgelder die Rabbonim und Thorainstitutionen nicht entsprechend berücksichtigt werden, sich direkt an unsere orthodox gesinnten edelmütigen amerikanischen Brüder gewendet, was auch von Erfolg gekrönt war. Wir haben Geld aus Amerika bekommen, mit der ausdrücklichen Bestimmung an die Jeschiwos und Rabbonim zu verwenden. Wir sagen an dieser Stelle unseren edlen amerikanischen Brüdern und all denen, die uns in dieser Sache behilflich waren, besten Dank. Und wenn uns auch weitere Beträge in sicherer Aussicht gestellt sind, kann doch hiedurch diese Frage nicht als gelöst erscheinen. In erster Reihe muß hier im Lande selbst geholfen werden. Auch hat die Kanzleileitung die Flüssigmachung der den jüdischen Seelsorgern gesetzlich gebührenden staatlichen Zulagen keinen Moment aus den Augen verloren. Mit ruhigen Gewissen kann, gesagt werden, daß alles von uns mögliche geschehen ist, um die Rabbonim in den Besitz des Genusses dieser Unterstützungen gelangen zu lassen. Ohne unser Verschulden sind Schwierigkeiten aufgetaucht, die zu beseitigen nur durch ein planmäßiges Vorgehen möglich war. Anfangs wurde verlangt, daß von jedem kongruaberechtigten Rabbiner ein Beleg der ungarischen Regierung vorgelegt werde. Aus bekannten Gründen war die Beschaffung eines solchen Beleges nicht möglich^ Wir setzten es durch, daß auf Grund von den Behörden legalisierten Daten die Zulagen bewilligt wurden. Die Sammlung der Daten ging jedoch so schleppend vor sich, daß nicht alle Daten dem Ministerium unterbreitet werden konnten, der Kredit im Staatsvoranschlag nicht mehr aufgenommen werden konnte. Es wurde uns nun in Aussicht gestellt, daß ein Nachtragskredit angesprochen werden wird. Dreimal waren wir in dieser Angelegenheit in Prag, das letztemal in Begleitung Sr. Exzellenz des bevollmächtigten Ministers Dr. Micura, der ausdrücklich erklärte, daß er sich das berechtigte Verlangen der kongruaberechtigten jüdischen Seelsorger zu seinem eigenen Postulat mache. Und er ist auch in der Beratung, die mit dem Kultusminister gepflogen wurde, mit Nachdruck für unsere Forderung eingetreten. Das Resultat der letzten Prager Reise ist nun, daß das Kultusministerium das bevollmächtigte Ministerium in Bratislava ersuchen wird, die Zulagen flüssig zu machen. Dieser Beschluß wurde in unserem Beisein zu Protokoll genommen, und wir warten jeden Moment, daß derselbe in die Tat umgesetzt wird, und die Rabbiner die so schwer entbehrten Zulagen endlich erhalten. Für das Jahr 1921 sind die Unterstützungen, wie uns im Ministerium mitgeteilt wurde, im ordentlichen Budget aufgenommen. Die materielle Besserstellung der Rabbiner jedoch wird, wie wir bereits erwähnt, durch eine noch so günstige Erledigung der Kongrua bei weitem nicht erreicht. Es müssen neue Einnahmsquellen erschlossen werden, die diesem Zweck dienen sollen. Bei der Altersversorgung wurde dem in der Weise Rechnung getragen, daß die Rabbiner, die doch nicht, pensioniert werden können, die Pension in der Form einer Alterszulage erhalten. Nach einer gewissen Zahl von Dienstjahren bekommt der Rabbiner eine 50prozentige Alterszulage. Mit. dem Steigen der Dienstzeit steigert sich die Zulage automatisch. Auch aus diesem Grunde wäre es dringend geboten, daß die Altersversorgung je früher der Erledigung zugeführt werde. Es erübrigt uns noch über die Wirksamkeit des Zentralbureaus bei dem Schlichten von Zwistigkeiten in Gemeinden zu berichten. Wir erwähnen nur die Streitfälle von Kesmark, Bardiov und Wartberg, die durch die wiederholten Intervention des Zentralbureaus günstig erledigt wurde. Und verweisen auf Differenzen in verschiedenen Gemeinden, deren Austragung noch in Schwebe ist und wie die Kanzleileitung fortgesetzt bemüht ist, diese ohne Schädigung der Einheitlichkeit der Orthodoxie friedlich beizulegen. Wir könnten unseren Tätigkeitsbericht schließen, doch derselbe wäre völlig unvollständig und lückenhaft, wenn wir nicht auch einige Aufklärungen über das Verhältnis der Orthodoxie zu den anderen jüdischen Organisationen geben würden. Diesbezüglich können wir nur soviel sagen, daß wir bestrebt waren, unsere Unabhängigkeit und Selbständigkeit nach allen Richtungen hin um jeden Preis zu wahren. Wir haben nicht zugegeben, daß andere als die berufenen Faktoren in Orthodoxen-Angelegenheiten sich hineinmengen, haben uns aber auch gehütet, unsere Kompetenzsphäre zu überschreiten und auf Dinge, die in den Kreis anderer Organisationen gehören, irgend welchen Einfluß zu üben. Nie haben wir anderen Organisationen Schwierigkeiten in den Weg gelegt, wenn dieselben in humaner, sozialer oder wirtschaftlicher Beziehung etwas Gutes anstrebten, haben wir dies nicht nur nicht gehindert, sondern wirksam gefördert. In der Flüchtlingsaktion hat das Zentralbureau den Löwenanteil sich herausgenommen, in uneigennütziger Weise sich der verfolgten Glaubensgenossen angenommen. Viele hunderte jüdische Flüchtlinge sind durch die Kanzlei aus einer unhaltbaren Lage gerettet worden, ohne hieraus etwa Kapital schlagen zu wollen. Ueberhaupt hat die Kanzlei in dieser Beziehung — wir konstatieren es erhobenen Hauptes — den r i g o r o s e s t e n S t a n dpunkt eingenommen. Sowohl bei ihrer Tätigkeit bei humanitären Aktionen, wie auch bei Interventionen in Gemeindezwistigkeiten hat sie strengstens darauf geachtet, daß auch der leiseste Schatten eines Verdachtes ausgeschlossen bleibt. Hier sitzen die Vertreter der Gemeinden Kesmarok, Bardiov und Fardberg; sie mögen mitteilen, ob wir auch nur die Barauslage von vielen hundert Kronen für Telegramme und andere Spesen gefordert hätten. Trotz der ungünstigen materiellen Lage des Zentralbureaus taten wir dies in der Ueberzeugung, daß nur mit reinen Händen, mit lauteren Mitteln und blanken Waffen der wahren Orthodoxie gedient werden kann. Um so mehr müßten wir auf dieses Moment bei Aktionen bedacht sein, die, streng genommen, nicht in den Wirkungskreis der Kanzlei gehören. Wir haben alles Nützliche in selbstloser Weise unterstützt, wenn es auch von anderen Organisationen unternommen wurde, aber auch kein Jota der Selbständigkeit der Orthodoxie preisgegeben. Vermöge der Erziehung, die wir bei unseren Rabbonim erhalten, wie auch vermöge der Erfahrungen, die wir selbst gesammelt, hat sich in uns die hartgestählte und unerschütterliche Ueberzeugung festgelegt, daß die unveräußerlichen Güter unserer heiligen Thora unter der glaubenstreuen Judenheit in der Slovakei nur dann gesichert erscheinen, wenn die Orthodoxie sich jene Formen anlegt, in jenem Rahmen sich bewegt und jene Richtlinien sich vorzeichnet, wie sie von den alten Gedolim gedacht und von den heutigen Gedolim gewünscht und gefordert werden. Dann wird uns der Beistand des Allmächtigen nicht fehlen. NACHRICHTEN. Deutscbösurrekb. 475.043 Kronen hat die „Jüdische Presse" im Monat November an Spenden der Aguda ausgewiesen. Mit den im Oktober ausgewiesenen Spenden hat die „Jüdische Presse" bisher (vom 1. Oktober bis 30. November) K 991.948 ausgewiesen. Hierin sind die Beiträge des Joint und anderer Organisationen nicht mitgerechnet. Der 70. Geburtstag. Neben dem Namen des Dr. Josef Bloch wird sich nun für einige feierliche Tage der Name des Rabbiner Moritz Kramer von Mund zu Mund fortpflanzen. Auch er überschreitet die biblische Altersgrenze, in seiner Begeisterung und Wirksamkeit ungebrochen. Eine solche Feier ist der Bilanzstrich, der unter einer Reihe von Verdiensten gezogen wird und für einen Moment den ganzen Wert eines Mannes zum »Bewußtsein bringen soll. Rabbiner Moritz Krämer kann auf eine solche Reihe von Jahrzehnten, erfüllt von dem Bedürfnisse zu lehren und G-ttes Wort zu verkünden, blicken. Rabbiner Kramer hat seinen Grund auf der Preßburger Jeschiba und in Eisenstadt bei den Großen, dem Ksaw Sofer s. A. und Rabbi Hildesheimer s. A. erhalten. Er bewahrte den Stempel dieser Schule bis ins späte Alter. Ein großer Kreis von Freunden wird den Anlaß gerne benützen, um dem hochverehrten Führer ihre Liebe zu bezeugen. In der Rembrandtsynagoge wird am Sabbath-Ghanuka ein Festg-ttesdienst stattfinden. Wir schließen uns an die große Reihe der Glückwünschenden an. Chanakafeier. Am ersten Ghanukaabend fand im Montefiore Tempel eine Ghanukafeier statt, bei welcher Dr. Joel Pollak eine erhebende Festrede hielt. Redner weist auf die drei Segensprüche hin, die als erstes die Hingabe zur Mizwa, dann erst das historisch-nationale Gefühl und drittens die eigene Arbeit segnen. Oberkantor Strausz trug in schöner Weise das Hanerot hallolu vor. Dr. Nathan Birnbaum ist Mitte November zu einem mehrwöchentlichen Aufenthalt nach Berlin gereist und begibt sich in der zweiten Dezemberwoche über Amsterdam und Antwerpen, wo er einige Tage weilen wird, nach London. HauptTersamnüung der Elternvereinigung. Sonntag, den 12. November, wurde die Hauptversammlung der Eltern Vereinigung der Vereins-Volksschule mit Oeffentlichkeitsrecht, IL, Malzgasse 16, abgehalten. Vorher sprach Herr Dozent Dr. J. Bondi über das Thema „Ernährung der schulpflichtigen Kinder" und erntete für seinen hochinteressanten Vortrag den lebhaften Beifall der sehr zahlreich erschienenen Damen und Herren. Hierauf trug der Obmann des Elternrates, Herr Wilhelm Toch, den Rechenschaftsbericht für das Schuljahr 19.19/20 vor. In der nun folgenden Wechselrede kam es klar zum Ausdrucke, daß sowohl der Vorstand der Talmud- Thora-Volksschule, vertreten durch die Herren Bernhard Hotbauer und Wilhelm Freistadt, als auch die Elternvereinigung sich von dem Bestreben leiten lassen, der Anstalt die möglichste Förderung zuteil werden zu lassen, damit die Schule ihrer Aufgabe, die Jugend im wahrhaft jüdischem Geiste zu erziehen und derselben gründliche Kenntnisse für das praktische Leben zu vermitteln, gerecht werden könne. Adolf Fried. Chanuka - Bankett des „Tiferes - Bachurim"- Vereines. Zur imposanten Kundgebung der Liebe zur Thora gestaltete sich das Festbankett, welches der „Tiferes Bachurirn "-Verein am ersten Chanuka- Abend im Turnsaale der Talmud-Thoraschule veranstaltet hat. An dem Bankette nahmen 300 Personen teil. Es muß rühmend hervorgehoben werden, daß das Menu mit Rücksicht auf die Not der Zeit das einfachste gewesen ist, der Abend stand im Dienste der Thora und des Wohltuns. In Vertretung des Vereines begrüßte Vizepräses Rosner Herrn Rabbiner Fürst, ferner die Rabbiner Schenk, Fleischmann, Benedikt, die Vertreter der Kultusgemeinde des Adas Jisroel, Agudas Jisroel, Beth-Hamidrasch, Stumper-Synagoge, Jugendgruppe, Tomech Ewjonim, besonders die Vertreter der „Jüdischen Presse", der es zu verdanken ist, daß die Aktion des Tiferes Bachurirn-Vereines in weiteren Kreisen populär geworden ist und welche damit einen großen Anteil an dem Gelingen der Jeschiwo-Aktion hat. Hierauf hielt Rabbiner Fürst eine sowohl inhaltlich als formell glänzende Drosche. Er begrüßt auch jene Nichtanwesende, die Bachurirn, denen zu Ehren diese Feier veranstaltet worden ist. Redner zieht eine schöne Parallele mit dem Opfer der Nessiim und schließt mit dem Wunsche des Gedeihens des 1 heiligen Werkes. Nun begrüßt Kultusvorsteher Sigmund Bondy im Namen der israelitischen Kultusgemeinde und bemerkt, daß er noch im eigenen Namen hinzufüge, daß die Orthodoxie durch ihre großen Leistungen ein Faktor im öffentlichen Leben geworden sei und auf diesem Wege fortfahren möge. Es sprachen ferner im Namen der Adas Jisroel die Herren Dr. Reininger, Wolf-Pappenheim im Namen der Aguda, Rabbiner Schenk im Namen des Talmud-Thora Bethauses, ferner Salamon Schreiber aus Sereth, Moritz Felsenburg in Vertretung der Stumperschul, David Baumgarten in Vertretung der Jugendgruppe, Salamon Schreiber in Vertretung des Bethamidrasch „Thora Ez-Ghajim" Jakob Stern, Dr. Schick, Lamm und Porjes. Die Darbietungen des Kantors Kunstadt und des Humoristen Dukes verdienen auch erwähnt zu werden. Die amerikanische Versteigerung des Benschen erreichte die Rekordhöhevon 73.000 Kronen. Mit dem Verkaufe der Karten hat sich der materielle Erfolg des Abends auf 100.000 Kronen gesteigert. Es war ein würdiges Fest der Thora, ein wahrer Schulchan lifne haschem. Lehrkars des jüdischen tfationalfonds. Der jüdische Nationalfonds für Oesterreich errichtet einen Lehrkurs zur wissenschaftlichen Ausbildung der Nationalfonds-Kommissäre Wiens und aller jener Persönlichkeiten, welche sich für die Ideologie des jüdischen Nationalfonds interessieren. Jeder Kurs wird fünf Vorlesungen umfassen, jede Vorlesung wird aus einem Vortrag von zirka einer Stunde und einer Debatte von zirka einer Stunde bestehen. Mindestzahl der Teilnehmer für jeden Kurs 10 bis 20. €$cbeclwlowakei. Die Delegiertenversammlungder V. J. P., welche für den 7. und 8. Dezember anberaumt war, ist auf den 26. und 27. Dezember verschoben worden. Die Versammlung findet in Piestany statt. Siebenbürgen. Lehrlingsheim in Großwardein. Oberrabbiner Fuchs (Großwardein) hat eine Gewerbeschule zur Heranbildung von gesetzestreuen Handwerkern angeregt. In der nächsten Zeit, bevor dieser weitausgreifende Plan ausgeführt werden' kann, wird ein Lehrlingsheim errichtet, wo die Lehrlinge am Sabbath und Sonntag geistige Anregung in tradi-

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