Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 22/38 (10.12.1920)
- Date
- 1920-12-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 22/38 steigerte, vermied die Phrase und war in ruhiger, schlichter, aber umso überzeugender Weise vorgetragen. In der Debatte über den Rechenschaftsbericht beantragt Benedikt (Bratislava) im Namen der Preßburger Gemeinde dem um die Organisierung und Entwicklung der Orthodoxie hochverdienten Priises das Vertrauen und den Dank der Versammlung auszudrücken. Oberrabbiner Spitzer (Kirchdrauf) unterstützt den Antrag des Vertrauensvotums, bemängelt jedoch, daß im Berichte über die Kassagebarnng nichts referiert wurde und daß die Statuten den Gemeinden noch nicht zugeschickt wurden und kritisiert den bekannten Beschluß des Verwallungsausschusses in der Enquete-Erage, wodurch, nach seiner Meinung, der Verwaltungsausschuß seine Kompetenz überschritten hätte. Kanzleichef Oberrabbiner II i r s c h 1 e r beantwortet die Einwendung des Vorredners. Der Kassabericht sei dem Verwaltungsausschuß, der laut Statut hiefür kompetent ist, vorgelegt und dieser hat der Landesrepräsentanz aber nicht dem Delegiertentag Bericht zu erstatten. Präses Oberrabbiner Weber bemerkt bezüglich des Beschlusses des Verwaltungsausschusses hinsichtlich der Enquete, daß dieser Beschluß nicht endgültig sei. Faunfeder (Presov) spricht im Namen seiner Gemeinde, wie auch im Namen der ostslowakischen Gemeinden und schließt sich rückhaltslos dem Vertrauensvotum an mit der Hinzufügung, daß denjenigen die Mißbilligung ausgesprochen werde, welche den verdienstvollen Präses der Orthodoxie mit unverdienten Anfeindungen bedacht haben. Beide Anträge wurden einstimmig angenommen. Weiß (Pezinek) beantragt, den Bericht des Präsidiums in Druck zu legen und an alle Gemeinden zu versenden. Andere Organisationen überschwemmen die Gemeinden mit ihren Propagandaschriften. Die Orthodoxie begnügt sich mit stiller Arbeit. Die Gemeinden sollen aber davon Kenntnis erhalten und dadurch zur Mitarbeit am Chisuk hadaß begeistert werden. Dieser Antrag wurde dahin modifiziert, daß der Bericht im vollen Wortlaute in der „Jüdischen Presse" veröffentlicht wird und jeder Gemeinde in zwei Exemplaren zugestellt werde. Oberrabbiner Reich (Verbo) bemerkt zum Berichte, das Präsidium möge betreffs der Dotierung der einzelnen Rabbiner, Jeschiwot Statistik sammeln, damit, wenn der Zentrale weitere Beträge zur Verfügung gestellt werden, den tatsächlichen Bedürfnissen gut entsprochen weiden könne. Wird angenommen. Vorsitzender Oberrabiner E h r e n f e l d: Nun folgt der Punkt der Tagesordnung: Wahl des Präsidiums. (Die Delegierten erheben sich von den Sitzen und rufen: Akklamation! Es lebe der Pöstyener Raw!) Der Vorsitzende konstatiert, daß die Versammlung eine Wahl durch Akklamation wünscht. Da niemand dagegen Einspruch erhebe (Stürmische Zurufe : Es lebe der Pöstyener Raw!) so enunziere er, daß der bisherige Präses, der Oberrabbiner Weber (Piestany) mit Akklamation wiedergewählt wurde. (Langanhaltender, rauschender Beifall und Jechi-Rufe. Oberrabbiner Weber wird Gegenstand ergreifender Kundgebungen und Glückwünsche.) * Bezüglich der Wahl der anderen Funktionäre nominiert der Vorsitzande laut Statut einen fünfgliedrigen Ausschuß, bestehend aus den Herren Josef Kohn (Bardiov, Bartfa, Barlfeld), Lazar Fuchs (Mihalovce), Schick (Trnava, Nagy-Szombat, Tyrnau), Manheim (Piestany), Brody (Kosice). Der Präses des Wahlkomitees teilt nach erfolgter Beratung folgendes Wahlresultat mit. In den Kandidationsausschuß werden gewählt: Oberrabbiner Ungar (Trnava), Oberrabbiner Halberstamm (Bardiov), Oberrabbiner Kohn (Zsadäny), Oberrabbiner Deutsch (Komorn), die Herren Simon Ehrlich (Huncovce, Hunfalu, Hunsdorf), Löwy (Bardiov), Brody (Kosice), Scharmann (Kosice), Reiner (Presov). Dieser Ausschuß zog sich zurück, um drei Kandidaten für die Vizepräsidentenstelle zu nominieren. Der Vorsitzende schließt hierauf die Sitzung um 9 Uhr abends. Zweiter T a g. Vorsitzender Oberrabbiner E h r e n f e 1 d eröffnet die Sitzung und erteilt dem Oberrabbiner Hirschler das Wort zum Referate über die Schächterfrage. Oberrabbiner Hirschler referiert über den Stand der Schächterfrage. Die Sehochtim haben den von dem Verwaltungsausschuß eingesetzten gemischten Kommission ausgearbeiteten Entwarf über eine Dienstpragmatik und Gehallsregelung akzeptiert. Das Elaborat wurde nun zur Verlesung gebracht. Hierauf ergreift Oberrabbiner Schreiber (Preßburg) das Wort. Redner verweist darauf, daß sich die Rabbinerversammlung tagsvorher mit dieser Frage befaßt habe und den einheitlichen Beschluß erbracht habe, daß gegen jede Organisation der Sehochtim, in welcher Form sie auch geschähe, aus religiösen Bedenken Stellung zu nehmen sei: dagegen dem löblichen Delegiertentag zu beantragen, eine ständige Schochtim-Sektion, bestehend aus Rabbinern und Laien einzusetzen, welche in allen Streitfragen administrativer und finanzieller Natur zwischen Schächter und Gemeinde vermitteln soll. Der Schächter kann sich an diese Kommission wenden, welche seine Angelegenheit bestens zu erledigen suchen wird. Wenn dies nicht möglich, wird seitens der Kommission ein Kommissär entsendet, der nötigen Falles ein Schiedsgericht anordnen kann, das nun endgültig entscheidet. Oberrabbiner Reich (Verbo) wünscht, daß die proponierte Sektion auch die Gehaltsregelung sämtlicher Gemeindefunktionäre, auch der Rabbiner behandeln soll. Er schließt sich der Ansicht des Rabbinerkomitees an. daß die geplante Organisation der Schächter aus religiösen Bedenken unzulässig, hingegen wäre es eine Pflicht der Demokratie, ihnen eine Vereinigung, gegen welche keine religiösen Bedenken bestehen, zuzubilligen. Benedikt (Preßburg) ist ein entschiedener Gegner jeder Organisation, mit der Begrüdung, daß sich die Schochtim in ihrer freien Zeit mehr dem Thorastudium widmen sollen. Weiß (Pezinek) meint, daß die Schächter aus eigenem Interesse von einer Kampforganisation absehen sollten. Die Sektion soll darauf achten, daß jede Gemeiede ihren Schächtern eine ausreichende Existenz biete, das Wesen der Demokratie bestünde in dem gleichen Recht aller Menschen auf eine würdige Existenz. (Beifall.) Streikus, in Vertretung der Schochtim, spricht für das Elaborat. Der Antrag des Oberrabbiners von Preßburg wurde hierauf einstimmig akzeptiert und auch der Zusatz des Verboer Oberrabbiners angenommen. Der Vorsitzende setzt nun die Wahl des Vizepräses auf die Tagesordnung. Der Präses des Nominationsausschusses Oberrabbiner von Zsadany teilt, mit, daß die Kommission folgende drei Namen vorschlage: Oberrabbiner Hirschler. (Stürmische Akklamation.) Weiß (Presov) bemerkt, daß er auch für die Wahl des Oberrabbiners .Hirschler sei, daß aber jedenfalls auch die beiden anderen Kandidaten vorgeschlagen werden. Oberrabbiner von Zsadany erwidert, daß dies ohnedies geschieht und verliest die Namen der anderen Kandidaten Schweidt (Kosice) und Ehrlich (Huncovce). Die Versammlung wählt darauf einstimmig Oberrabbiner Hirschler zum Vizepräsidenten. (Langanhaltender Applaus.) Es wird nun zur Erweiterung der Landesrepäsentanz (laut Beschluß der .Delegiertenversammlung vom Jahre 1919) geschritten. Der Kandidationsausschuß schlägt zehn Rabbiner und zehn Laien vor, von denen fünf Rabbiner und fünf Laien gewählt werden. Vorsitzender Oberrabbiner Spitzer (zweiter Alterspräsident) ordnet die Wahl an. Gewählt werden : die Oberrabbiner von Zsadäny, Bardiov, Torna, Hornmona, Stropko: von den Laien Preiß (Presov), Klein (Helmecz), Lomy (Bardiov), Reiner (Presov), Willer (Plävnica). Preis (Presov) beantragt, daß auch der Verwaltungsausschuß mit den Neugcwählten ergänzt werde, falls es die Statuten zuließen. Präses Oberrabbiner Weber informiert dahin, daß die Ergänzungswahl selbst eine Modifikation des Paragraphen der Landesstatuten bedeute, der Antrag des Vorredners werde womöglich im gleichen Sinne berücksichtigt werden. Vorsitzender Oberrabbiner Spitzer hält nun die Wahl der fünf Laien für illegal, da die Delegierten- Versammlung vom Jahre 1919 bloß die Wahl von fünf Rabbinern beschlossen habe,''und auch in den Statuten keine solche Verfügung enthalten ist. (Widerspruch.) Oberrabbiner Jung reiß meint, daß, falls der Verwaltungsausschuß ergänzt werde, für die Podskarpatska Ruß Plätze reserviert bleiben sollen. Preis (Presov) zieht seinen Antrag zurück. Bei dem Punkte Anträge wird dem als Gast anwesenden Kultusvorsteher Bayern das Wort erteilt. Er appelliert um Unterstützung der koscheren Spitalsküche in Kosice. Nach der Debatte, bei welcher die Oberrabbiner von Preßburg, von Kosice und Kohlmann sprachen, wird beschlossen, daß sowohl die Preßburger als Kosiceer Marpe lenefesch unterstützt werden sollen. Auf eine Anfrage des Delegierten Schar mann (Kosice) informiert Präses Weber, daß die bereits im Juni von dem Ernährungsminister in Aussicht gestellten 50 Waggon Weizen für Pessachmehl infolge der geringeren Ernte nicht geliefert werden könne. Die Regierung sei aber ersucht worden, die Beschaffung dieser 50 Waggon im Auslande vermitteln zu wollen. Oberrabbiner von Bardiov beantragt, solchen Gemeinden, welche aus religiösen Gründen selbst mahlen wollen, dies bei Bezahlung der Gemeindetaxe gestattet werde. (Angenommen.) Preis (Presov) teilt im Auftrage seiner Gemeinde mit, daß sie das neuerlich an die Kultusgemeinden, an die Landesrepräsentanz und an das Rabbinerkollegium gerichtete Rundschreiben des Herrn Hermann Steiners zurückweise, darüber die Mißbilligung und dem Präses Oberrabbiner das Vertrauen ausdrücke. (Beifall.) Präses Oberrabbiner Weber dankt für die Wahl und das dargebrachte Vertrauen und bemerkt, daß er hier kein Programm entwerfe, er werde die alten Wege fortsetzen. Er wolle aber auf die gewiß von vielen im Geheimen gehegte Frage, was eigentlich an der Affäre des Herrn Steiner sei, antworten, obzwar es ihm nicht leicht falle, jemanden in seiner Abwesenheit zu behandeln. Herr Steiner hat vor allem nicht den legalen Weg gesucht, obzwar eisten stets auf die Statuten beruft, er hatte sich an das Rabbinerkollegium zu wenden und nicht vage Beschuldigungen in Pamphleten zu verbreiten. Präses Weber bittet das Rabbinerkollegium, Herrn Steiner aufzufordern, seine Anschuldigung in konkreter Form vorzulegen, er werde sich verantworten, verlange aber im Interesse der Ehre und Würde der Orthodoxie, daß. falls diese Anschuldigungen — wie er selber glaubt — auf nichts beruhen, die nötigen Konsequenzen daraus abgeleitet werden. (Stürmischer Beifall.) Redner verweile nicht gerne bei einem solchen Thema. Er dankt wiederholt für die Unterstützung, die ihm in seinem Kampfe für den Chisuk hatora zuteil wurde. Dank dem hochgeehrten Oberrabbiner von Kosice und seiner vortrefflichen Kultusgemeinde und ihren Delegierten, welche den überaus würdigen Verlauf der Sitzung ermöglicht haben. In seiner schweren Arbeit habe er in der Mitarbeit des sehr verdienstvollen Sekretärs Herrn Heinrich Schwarz (lebhafte Jechi-Rufe) eine wertvolle Hilfe gefunden, dem der Dank der Versammlung gebührt. (Zustimmung.) Redner ermahnt die Delegierten, in dieser großen schweren Zeit, avo das Judentum die härtesten Proben zu bestehen habe, alle Kräfte zur Hebung der Thora, der Linderung'des Elends und der Arbeit für alle jüdischen Fragen zu widmen. (Stürmischer, sich wiederholender Beifall.) Oberrabbiner Jungreiß verweist auf die Wichtigkeit des Anschlusses der Podskarpatska Ruß und beantragt, eine Kommission aus drei Rabbiner und zwei Bürgerlichen zu wählen, welche mit den dortigen Führern in Verbindung treten wird. Der Antrag wird angenommen, mit der Nominierung-Mfer Kommission wird der Präses betraut. Zum Schlüsse ergreift der Oberrabbiner von Preßburg das Wort. Redner würdigt die Persönlichkeit des Präses und fordert ihn zu fortgesetzter erfolgreicher Tätigkeit auf. Er könne aus dem dargebrachten Vertrauen neue Kraft schöpfen. In schwungvollen Worten weist der Redner nun auf die katastrophale Lage unserer Brüder in vielen Ländern und auf Erez Israel hin; die Jereim in Erez Israel sind wahre Märtyrer der Jüdischkeit; sie darben lieber und opfern ihr Leben- und ihre Gesundheit oft, ehe sie Unterstützungen annehmen, mit denen Opfer der Ueberzeugung verbunden sind, •f? np «TOTTI trSJrr *b }fl („Gib mir die Seele und behalte dein Vermögen") ist ihre Antwort auf die Verlockungen der Agitatoren. Redner fordert mit wirksamen Appell zur Rettung des wahren Erez Israel auf. (Stürmischer Beifall.) Lazar Fuchs aus Mihalovce spendet unter dem Eindrucke der Rede 5000 tschechische Kronen, woran sich eine Reihe weiterer Spender schließt. Oberrabbiner Jungreiß richtet im gleichen Sinne warme Worte an die Versammlung. Präses W eber dankt dem Alterspräsidenten Oberrabbiner Ehrenfeld für seine glänzende Leitung der Versammlung. Vorsitzender Oberrabbiner Ehrenfeld schließt mit schöner, tiefbewegender Rede HDK "jTQ •priKSD Pin» Tra -pKOn: Der Schluß ein erVersammlung lege Zeugnis von der Absicht der kommenden ab. Der würdevolle Verlauf der Versammlung zeuge für die reine Absicht der Gekommenen. Er fleht den Segen des Himmels auf die Versammlung und auf das ganze leidende Israel und das Werk in Erez Israel herab. pK. Liste der Delegierten: Oberrabbiner Akiba Schreiber (Bratislava) „ Koloman Weber (Piestyan) r Tiegerniann (Nove-Zamky) Mendel Halberstam (Stropkow) Chaim Halberstam (Bardiov) Weiß (Kurima) , Lasar Horowitz (Huncovce) r Präger (Poprad) Atlas (Revuce) „ Leopold Spitzer (SpiSs. Podhradie) „ Grimberg (Kezmarok) Ehrenfeld (Mihalovce) Jungreiß (KoSice) Haberfeld (V. Kövesd) , Glattstein (Kiraly-helmec) „ Lebovits (Csap) Rabbiner von Haslavica , Rozgony Moritz Mannheimer (Piestyan) Emil Schreiber (Medzilahovce) Sandor Tannenbaum (Torna) Simon Ehrlich (Huncovce) Abraham Spira (Vranov) Desider Arje (Kesmarok) Ludwig Preis (Presov) S. Eichner (Spiäs. Podhradie) Hermann Weiß (Presov) Josef Korn (Bardiov) Lasar Faunfeder (PreSov) S. Friedmann (Hanusovco; Samuel Reiner (Presov) S. Weiß (Pazinok) Lajos Rosenberg (S. Moldava) lsak Atl^i (Raslavica) •Salomon Klausner(Abaujszina) Ignaz Hertchthal (Poprad) Josef Mevmelstein (Csap) Josef Seltenreich (Zborov) Michael Sommer (Mihalovec) Abraham Langer (Zbovovi Simon Schannann (KoSice) Ignaz Grünwald (Brezovica)