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Jüdische Presse · 1920-12-03 · 21/37 (3.12.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
6 (1920)
Issue
21/37 (3.12.1920)
Date
1920-12-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 21/37 Tagesordnung: 1. Gehaltsschema, 2. AHserversorgung, 3. Diengtpragmatik. Öle Vertreter der Kultusbeamten legten ein von ihrer Organisation ausgearbeitetes Gehaltsschema vor, dieses Schema 20r Annahme empfehlend. Kaiisch (Galänta) beantragt, daß ein Minimalbedürfnis des Kultusbeamten festgestellt werde und kein Mindestgehalt, sondern Minimaleinkommen zu stipuliereri wäre, hiebei Ortsverhaltnisse und Familienanzahl berücksichtigend. Oberrabbiner Hirschler fragt, wie man die nötigen Informationen über Ortsverhältnisse einzuholen gedenke, es müßten die Gehälter einheitlich geregelt, weiden. Pappenheim (Bratislava) fragt, ob schon welche statistische Daten vorliegen, um sich ein klares Bild machen zu können. Landespräses meint, daß ja nur 4—5 Schattierungen vorhanden seien. Er empfehle den Antrag Kalisch zur Annahme. Oberrabbiner Frei (Surany) bedauert zumeist die sehr große Notlage der Kultusbeamten am Lande und müsse diesen schnelle Hilfe geleistet werden. Er beantrage, daß man zum „Joint" wegen Unterstützung der unbemittelten D^Ubbö1) CtDlTlE? bittstellig werde. Kanzleichef Oberrabbiner Hirschler: Dies ist bereits geschehen. Die Orthodoxe Zentralkanzlei wendete sich in diesem Sinne zum Hilfsfonds in Amerika. Benedikt (Bratislava) hält es für undurchführbar, da kleine Gemeinden eher ihre einzelnen Beamten höher besolden könnten, die größere Gemeinde, die eventuell mehrere Angestellte hat, zu sehr belastet wäre. Landespräses meint, daß der Dorf-Balbos ebenso schwer belastet sei, da er seine religiösen Bedürfnisse in der fremden Großgemeinde befriedigen muß. Er bleibt bei dem Antrag Kalisch. Der Antrag Kalisch wird angenommen und versucht Oberrabbiner Hirschler laut Muster des vorliegenden Schemas ein neues Gehaltsschema aufzustellen, die Gemeinden in Klassen einteilend, die verschiedene garantierte Einkommen festzustellen hätten. ' Skreikus (Pezinek) meint, daß die Kultusbeamten nur dann sich zufrieden geben könnten, falls Gabella-Beteiligung eingeführt werden könnte. Oberrabbiner Ungar (Trnava) modifiziert den Antrag dahin, daß die Gemeinden einheitliche Gabella-Abgaben auszahlen mögen. Auch dieser Antrag wird angenommen, doch konnte eine endgültige Entscheidung trotz vorgerückter Nachtstunde nicht getroffen werden und vertagte sich die Kommission bis Samstag, den 21. November 1920, um weiter in der Kultusbeamtenfrage zu beraten. Ungarn. Brand in der Synagoge. In der orthodox-israelitischen Synagoge in Budapest (Königsgasse 1) ist ein Brand ausgebrochen, der einen Teil der Einrichtung eingeäschert hat. Deutschland. Professor Dr. Hugo Preuß, der Schöpfer der neuen Reichsverfassung, vollendete am 28. Oktober sein 60. Lebensjahr. Seine staatsrechtlichen Bücher und Abhandlungen füllen eine kleine Bibliothek. Trotzdem ist Preuß Privatdozent an der Berliner Universität. Im republikanischen Deutschland war Preuß kurze Zeit Reichsminister des Innern. Polen. Die polnisch-jüdischen Verhandlungen. Dr. Alfred Nossig ist hier eingetroffen. Man erwartet die Wiederaufnahme der bereits früher begonnenen Verhandlungen bezüglich derJB eziehungen zwischen Polen und Juden. Dr. Nossig hatte jüngst Besprechungen mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Daszinski, dem Kultusminister Rataj und dem Unterstaatssekreträr Dr. Wroblewski. Das Zentralkomitee der „Poale-Zion* in Warschau berichtet, daß der jüdische Abgeordnete im Sejm, Dr. Ignatz Schipper, laut Beschluß der 2. Landeskonferenz von seinem Pos.ten als Vertreter der „Poale-Zion" abberufen wurde, weil er den Grundsätzen der Partei nicht zu entsprechen vermag. -Dr. Schipper weigert sich aber, seine Stelle aufzugeben und verlangt die Einberufung einer Parteikonferenz, der allein das Recht zustehe, in seinem Falle zu entscheiden. Dr. Schipper wird zum Vorwurf gemacht, daß er gegen den Willen der Partei an der polnisch-jüdischen Verständigungsaktion teilgenommen hat. Polens Gebietszuwachs. Auf Grund des Präliminarfriedensvertrages mit Sowjetrußland erhält Polen ein Gebiet, das mehr als die Hälfte so groß ist, wie sein bisheriger in den Grenzen der sogenannten Curzonlinie enthaltener Besitz. Seine Bevölkerung zählt über 4,000.000 Köpfe, die sich in konfessioneller bzw. nationaler Beziehung folgendermaßen verteilen: Römisch-Katholiken 35*2%' Griechisch- Orthodoxe 51-2%, Juden 11*8%, andere 1-8%. Insgesamt wird nun die polnische Republik nach den Versailler und Rigaer Verträgen einen Raum von 386.619 Quadratkilometern und eine Bevölkrung von 27,903.000 Seelen aufzuweisen haben, wobei letztere sich nach folgenden Konfessionen und Nationalitäten gliedern werden (in den Klammern ist der entsprechende Prozentsatz der Bevölkerung in den bisherigen Grenzen Polens angegeben): Konfession: Römisch-Katholisch 62*2 (66-8)%; Unierte 121 (14-1)%; Griechisch-Orthodoxe 9-3 (2-2)%; Juden 11-6 (11-5) %; Evangelische 4-7 (5-1)%. Nationalität: Polen 65-3 (70-8) %; Ukrainer 16'7 (15-8) %; Weißrussen 3-1 %; Russen 0-5%; Litauer 0 4%; Einheimische 0-6 %; Deutsche 5-2 (6*0)%; Juden 7'4 (6-8) %; andere 0*8 (0*3) %• ^Polnische Korrespondenz.) Ukraine. Dr. Gerschon Zipper erhebt gegen die ukrainischen Dementis der Judenpogrome folgenden Protest: Die Aufklärung des Ministers Wassilio ist vom Anfang bis zum Ende erfunden. 1. Die Pogrome in östgalizien veranstalteten reguläre Abteilungen der Armee Petljuras. 2. Opfer der Pogrome war die jüdische Bevölkerung. 3. Von irgendwelchen Repressalien gegen die Mörder und Räuber ist bis jetzt überhaupt nichts bekannt. 4. Ich führte weder eine Deputation, noch nahm ich an irgend einer Deputation teil. 5. Ich drückte niemandem Dank aus, noch behauptete ich jemandem gegenüber, daß die Armee Petljuras diesen Pogromen fernesteht. Im Gegenteil, in dem von mir redigierten Tagblatt „Chwila" veröffentlichte ich viele Korresponde»zen, die die verbrecherische Tätigkeit der regulären Abteilungen der Armee des Atamans Pctljura brandmarkten. Amerika. New York. Laut einem Berichte der Geldüberweisungsstelle des Joint wurden im Laufe der letzten neun Monate von den amerikanischen Juden über 5 Millionen Dollars, also gegen 30.000 Dollar täglich, an ihre Verwandten in Europa übersandt. (Dieser Betrag besteht aus Sendungen von Privaten an Verwandte. D. R.) — (J. G. B.) Nach Berichten aus Ellis Island sind dort in der letzten Woche 26.832 jüdische Emigranten eingetroffen. 6927 waren gezwungen, wegen der Anstauung auf ihren Schiffen zu verbleiben. (Ellis Island ist eine Insel im Hafen von New York, wohin die Einwanderer gebracht werden, um auf ihre Niederlassungsberechtigung geprüft zu werden. D. R.) — Herr Julian Lewit veröffentlichte ein Buch über die Teilnahme der amerikanischen Juden am Kriege. 225.000 jüdische Soldaten umfaßte die Armee, proportionell um ein Drittel größer als die andere Bevölkerung. 3500 sind gefallen und 1800 verwundet. Unter ihnen waren 10.000 Offiziere, von denen 60 den Oberstenrang bekleideten. Montreal. (J. C. B.) Eine aus Mitgliedern der Exekutive der zionistischen Föderation für Kanada und der Exekutive des jüdischen Kongresses bestehende Abordnung überbrachte dem kanadischen Premierminister die Forderung der dortigen Judenschaft, daß bei der Bestimmung der Nordgrenzen Palästinas der Vertrag von Sykes-Picot nicht anerkannt werden soll. Der Premierminister versprach, den Wunsch der kanadischen Judenschaft der englischen Regierung bekanntzugeben. Dänemark. Der dänische Justizministor über die Flüchtlinge. Der Redakteur der „Jidischen Welt" von Kopenhagen hatte eine Unterredung mit dem dänischen, Justizminister Ritter, wobei er unter anderem folgendes fragte: „Welche ist die Meinung Eurer Exzellenz wegen der Verfolgung der jüdischen Eingewanderten in Dänemark?" — Der Justizminister erwiderte: „In Dänemark existiert keine Verfolgung gegen jüdische Eingewanderten. Eine Zeitlang vorher teilte man nur mit, daß einige ausländischen jüdischen Zeitungen die Nachricht gebracht hatten, daß die jüdischen Emigranten in Dänemark verfolgt werden. Das ist durchaus falsch und unbegründet. Wahr ist, daß einige Juden, gerade so wie einige Deutschen, Polen, Russen und Oesterreicher aus Dänemark ausgewiesen wurden, weil sie das Gesetz übertreten haben oder weil ihre Papiere nicht in Ordnung waren, keinesfalls aber deshalb, weil sie Juden sind. Umgekehrt, wir hatten auf der Liste eine größere Anzahl Juden, welche von der Polizei rekommandiert waren, aus dem Lande ausgewiesen zu werden. Ich vermied es aber, es auszuführen, weil ich die schreckliche Lage der jüdischen Emigranten in Betracht zog, welche stets in den anderen Ländern verfolgt werden und deshalb erlaubten wir ihnen, im Lande weiter zu verbleiben. Es ist ein Unrecht, wenn man behauptet, in Dänemark sei eine Tendenz zur Verfolgung jüdischer Emigranten vorhanden, weil wir sie immer toleriert und mit Gerechtigkeit und Mitgefühl behandelt haben. Zum Schlüsse erklärte ihm der Justizminister, daß in Fällen, wo die Staatspolizei irgendwelche jüdische Emigranten verfolgt, welche im Lande eine längere Zeit geweilt haben und weder mit der Polizei irgendwie in Berührung kamen, noch gegen die Landesgesetze gefehlt haben, sich diese entweder an ihn oder ans Justizministerium schriftlich oder1 persönlich wenden mögen, er werde selbst die Sache untersuchen und wenn kein Grund zur Ausweisung des Verfolgten bestehen wird, werde dieser die Erlaubnis erhalten, im Lande zu verbleiben. Befarabien. Fortschritt der Agudabewegnng in Beßarabien. Die Agudabewegung in Beßarabien macht große Fortschritte. In orthodoxen Kreisen herrscht all* gemein die Meinung, daß nur eine stark orthodoxe Aguda die Möglichkeit haben wird das Judentum zu erhalten und die jüdisch-sozialen Interessen zu vertreten. Außer Seiner Ehrwürden, Rabbiner i. L. Zirelsen, nimmt Herr Rabbiner Sch. Appelbaum, der sich mit der Organisierung von Agudaabteilungen in den beßarabischen Provinzen beschäftigt, aktiven und energischen Anteil an der Agudaorganisation. In etwa 20 Städten sind dank seiner initiativen Arbeit Ortsvereinigungen gegründet worden, die energisch arbeiten. Ueberhaupt beschäftigt sich die Aguda mit der Organisation einer religiösen Erziehung und Entwicklung einer Palästina-Aktion. In Kischinew hat die Aguda eine Frauenabteilung gegründet, deren Ziel die Bekanntmachung der religiösen Frauen mit dem Thorageist ist. Die Frauenabteilung gründet jetzt Abendkurse für Mädchen, wo Thoramoral und Ethik gelehrt werden soll. Indien. Kalkatta. (J. C. B.) Eine große Anzahl russischer Juden aus Buchara flüchtete vor den Bolschewisten nach Indien. Sie verlangen, daß man ihnen Pässe nach Jerusalem, ihrer ursprünglichen Heimat ausstellen soll. Jerusalem. (J. G. B.) Israel Zangwill hat der Jerusalemer Nationalbibliothek eine komplette Ausgabe aller seiner Werke, umfassend 27 Bände, gespendet. Gemeindeangelegenheiten. Das Jüdische Korrespondenz-Bureau meldet aus Jerusalem: Um den palästinensischen Gemeinden die Möglichkeit der Aufnahme von Anleihen zu verschaffen und um die Reorganisierung der Gemeindefinanzen einzuleiten, hat Oberkommisär Sir Herbert Samuel eine Kommission zur Prüfung des Kommunal- und Finanzwesens Palästinas eingesetzt. Die Kommission setzt sich aus acht Herren zusammen, teils englischen Beamten, teils einheimischen Persönlichkeiten, darunter den Vizebürgermeister von Jerusalem Herrn David Yellin. Palästinensische Banknoten. Das Jüdische Korrespondenz-Bureau meldet: Der Vorsitzende der Zionistischen Kommission in Jerusalem, Ing. Ussischkin, äußerte sich zu dem Vertreter der „Hazefirah", daß in kurzem palästinensische Banknoten ausgegeben werden, selbstverständlich auch mit hebräischer Inschrift. Es ist noch nicht entschieden, welchen nominellen Wert diese Scheine haben werden, ob den des französischen Franken oder den einer anderen Währung. Weiters teilt Ing. Ussischkin mit, daß der Jüdische Nationalfonds für 200.000 Pfund Landkäufe aus privater Hand vorzunehmen im Begriffe sei. Der Bau der Straße Haifa—Nazareth. An der Arbeit nehmen mehr als 300 Arbeiter teil, die in drei Gruppen eingeteilt sind. Die wichtigste Gruppe ist die aus galizischen Schomrin und-Schomroth bestehende, die den Namen „Haschomer Hazair* trägt. Die Mitglieder zeichnen sich durch große Disziplin und Arbeitseifer aus. Sie warten noch die Ankunft weiterer Kollegen aus Galizien ab, um die Gruppe in ein Arbeitsbataillon auszudehnen. Die Arbeit geht rasch vorwärts. Die jüdischen Siedlungen in Palästina. Die zionistische Kommission in Jerusalem hat soeben eine revidierte Liste jüdischer Siedlungen in Palästina herausgegeben. Während in dem im Jahre 1914 erschienenen zionistischen Taschenbuch im ganzen 30 solche Siedlungen angegeben werden, enthält die neue Liste 46 jüdische Siedlungsstellen, und zwar: Athlit. Ajeleth Haschachar (Ajeleth), Balfouria, Bath-Schlomo, Beeria, Ben Schemen, Beer Tobija (Kastinia), Beer Jakob, Beth Gan, Bethania, B'ne Jehuda (in Transjordania), Bordj. Carmel. Dagania, Dilh (Kieja). En Ganim, En Hai (Kfar Malul), Ein Zettim, Ekron, Gan Schmuel, Gedera, Hamara, Hartuf (Artuf), Hedera (Ghedera), Heftziba (Chefziba), Hittin, Hulda. Jawne (Jemma), Jessod Hamaalah (Jesod), Karkur, Kalendiah, Kfar Giladi, Kfar Saba, Kfar Tabo (Mescha), Kfar Uria, Kinereth. Mahnaim (Machanajim), Maroch, Merchawia, Merom, Metullah, Migdal (Medschdel), Mikweh Israel (Mikwe), Milhamia, Mischmar Hajarden, Mizvah, Motzar Nachlath Jehuda, Neß-Zion (Wad-El-Chanin). Pek'in, Petach Tikwah, Portah. Ramah (Sarona), Rehoboth, Rischon le Zion, Rosch-Pinah, Ruhamia, Sedschera, Schefeja Schevia), Schuni, Tankura, Tel Adas, Tel Hai. Zichron Jakob (Zichron). Elektrifizierung Palästinas. Aus Haifa wird gemeldet: Für die großen Projekte des Ingenieurs Ruttenberg werden die ersten Schritte zur Verwirklichung bereits gemacht. Vor einigen Tagen wurden in Galiläa Messungen für die Ausgrabungen eines Kanals vorgenommen, durch den Wasser aus dem Jordan abgezogen werden soll. Die Länge des Kanals wird 30 Kilometer betragen, an seinem Ende wird ein 100 Meter hoher Wasserfall gebildet werden, welcher elektrische Kraft von 30.000 bis 35.000 Pferdekräften liefern soll. Durch diese KrafJtmenge wird elektrische Beleuchtung für ganz Palästina und Antriebskraft für die bis jetzt vorhandenen Fabriken geliefert werden können.

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