Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 21/37 (3.12.1920)
- Date
- 1920-12-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21/37 JÜDISCHE PRESSE Seite 5 Teppichindustrie. In Jerusalem ist eine Aktiengesellschaft zur Erzeugung von Teppichen, mit Filialen in Saffed, Hebron und Tiberias, ins Leben gerufen worden. Als technischer Leiter fungiert J. Kantrowitz, der Lehrer für dieses Gebiet am Bezalel. Als kommerzieller Leiter wurde H. Grünblatt berufen. Die Stadtbelenchtung Jerusalems. Auf der Sitzung des Jerusalemer Gemeinderates vom 1. November wurde der Plan des Ing. Horowitz betreffs der Stadtbeleuchtung angenommen und beim Oberkommissär um Genehmigung angesucht. Nach Einlangen der Approbation wird eine diesbezügliche Anleihe aufgenommen werden. Der Kostenvoranschlag beträgt 31.000 Pfund. In Jaffa wurde die erste moderne Poststelle dieser Stadt eingeweiht. Demnächst beginnt der Zugsverkehr mit Aegypten täglich, derjenige im Innern des Landes zweimal täglich zu funktionieren, so daß man auch die Post viel rascher wird bewältigen können. Jaffa erhält eine besondere Zentrale für Postpaketverzollung, was eine raschere Verteilung der ankommenden Pakete ermöglichen wird. Am selben Abend wurde in Tel-Awiw bei Jaffa, zum erstenmal in ganz Palästina, die elektrische Beleuchtung der Straßen und Plätze in Funktion gesetzt. Die Stadt Jaffa arbeitet jetzt auch an der Einführung des elektrischen Lichtes, und man hofft, daß dies in Bälde gelingen wird. In keinem jüdischen Hause fehle die „Jüdische Presse". Revue. Die „Morning Post" begann eine neue Artikelserie ihres speziellen Korrespondenten in Palästina gegen die Zionisten zu veröffentlichen. Der Korrespondent bestreitet zwar nicht die Gerechtigkeit und und Weisheit der gegenwärtigen Verwaltung Palästinas, glaubt aber nicht, daß es ihr gelingen werde, die Araber zu beruhigen. Die letzteren seien — nach der Meinung des Morningpost-Korrespondenten — bereit, mit den alten Juden zusammenzuarbeiten, widersetzen sich aber den zionistischen Bestrebungen und verlangen die Einstellung der jüdischen Einwanderung für fünf Jahre. (J. C. B.) „Die Menschheit44 veröffentlicht F. W. Försters 36 Leitsätze für die politische Erneuerung Deutschlands. Die 24. These lautet wie folgt: „Auf diesem Wege muß auch die Ueberwindung des Antisemitismus erstrebt werden. So wie der Triumph des Rechtes und der Wahrhaftigkeit im Dreyfusprozeß das ganze französische Volk moralisch elektrisierte, so würde auch in Deutschland ein großer Aufschwung der Geister zu würdiger Beurteilung und Behandlung der Juden eine segensreiche Rückwirkung auf die ganze sittliche und politische Kultur des deutschen Volkes haben. Der Kampf gegen die schlechten Elemente des jüdischen Volkes kann erfolgreich nur in engster Gemeinschaft mit seinen edlen und anständigen Elementen geführt werden. Würden durch generalisierende Mißachtung und Verfolgung die besonderen Kreise des Judentums in die Kameraderie mit den entarteten Typen gedrängt, so würde sich die jüdische Frage in Deutschland und in Osteuropa zu einer furchtbaren Kulturgefahr auswachsen. Gerade Deutschland muß hier Osteuropa mit aufbauendem Beispiel vorangehen." Die «Joche. Die Sidra „Waltscbew". Das ist die über alle menschliche Darstellungskunst erhabene Weise der Thora, daß sie schon den kindlichen Geist mit einer Art Unterbewußtsein von den Gesetzen der g-ttlichen, sittlichen Weltordnung erfüllt, gleichzeitig aber dem tiefsten Denker in ihren letzten Gründen unerforschlich bleibt. Da ist die unsterbliche Erzählung des Josef und seiner Brüder. Wie viel Generationen in allen Gebieten der weiten Welt hat dieses in unvergänglich leuchtenden Farben prangende Bild erzogen, wie viel große, starke, kämpfende Seelen gestärkt, getröstet und zur Ausdauer befähigt! Da taucht unter Brüdern, Züchter von Schafherden, der Sohn der Geliebten, die schöne Seele im schönen Körper, auf, die sich auflehnt gegen den Zustand des Niederganges der Familie Abrahams, alte Herrlichkeit, wie zur Zeit, als der große Urahn Abraham als g-ttlicher Fürst unter den Völkern galt, erträumt und erringen will. Ein böses, klassisches Mißverständnis waltet zwischen ihm und seinen Brüdern; er legt das strenge Maß abrahamitischen Sittlichkeitsbegriffes an'ihren von den Bedingungen herrschender Nützlichkeitsgesetze diktierten Handlungen und findet und bekämpft Fehlungen, wo sie kein Anderer sieht. Daraus entsteht das tragische Verhältnis, daß er, der Ben Ahuwa, der über den Traum der neuentstandenen Größe des Hauses Abrahams, um die Erhebung seiner Brüder aus dem Zustande der Erniedrigung, sich selbst vergißt, von ihnen als händelsüchtig, als böswilliger Verleumder empfunden wird, denn er allein war es, „der böse Nachrede brachte zu ihrem Vater". Sein leidenschaftliches Sinnen nach der Ehrenstellung der Kinder Israels auf den Höhen der Menschheit, dünkt ihnen, den im aramischen Golus Erzogenen und dem Erwerbsleben Ergebenen, nichts anderes als eine andere Form der Selbstsucht, des persönlichen Ehrgeizes. „Willst du regieren über uns"?; wo er nichts anderes erträumt hatte, als daß Israels Kinder nicht fremden Herren dienen sollen. Ein sicheres Merkmal des Altruismus der um die Ehre des Volkes kämpfenden Führer, ist ihre Gesellschaft. Der Ehrsüchtige sucht in je höhere Gesellschaftsschichten zu dringen. Der selbstlose Vorkämpfer der Ehre seines Stammes sucht, wie später Mosche, die niedersten Schichten des Volkes auf. Darum war Josef »Geselle der Söhne Bilhas und der Söhne Silpas8. Und »Israel8 liebt ihn darob, denn er ist ein „Kind alter Zeiten." Der Konflikt zwischen g-ttlichen Träumern und allzu realen Brüdern endet mit der gewaltsamen Ausstoßung in die Fremde, bei Abraham, bei Josef, bei Moses; sie müssen fort von dem Lande, der Stadt, der Familie, um deren Ehre sie mehr als die anderen gekämpft haben und die Sidra endet wirkungsvoll mit dem Klimax der Not des großen Träumers, der von Brüdern und Kerkersgenossen verraten, verkauft und vergessen ist. Uortrag Rabbiner Dr. Pincbas Kobn, gehalten bei der Mädchengrnppe der Agndas Jisroel, Wien. (Schluß.) Und da möchte ich als zweiten Baustein etwas anderes aus dem heutigen Wochenabschnitt Ihrem Herzen nahebringen. Wir sind in der glücklichen Lage, daß uns das Geheimnis einer in sich abgeschlossenen Weltanschauung in die Wiege gelegt wurde. Ein wahrer Jude hat es so leicht, das, was an ihn herantritt, in einem Punkt zusammen zu fassen. Man kann deshalb vielleicht sagen, wir Juden haben der Welt relativ die meisten Persönlichkeiten geschenkt. Was der Mensch und was der Jude und was auch Sie alle erkämpfen müssen und in gemeinsamer Arbeit erkämpfen sollen, das ist Klarheit im Verhältnis zu den Ewigkeitswerten. Und nur darum allein sollen Sie lernen. Ich stelle mich Ihnen als alter Freund vor und möchU Ihnen verraten, daß ich dagegen war, daß Damen aus gut jüdischen Häusern so lernen wie die Jungen; das soll nun einmal nicht sein und in der heiligen Ueberlieferung ist dem auch eine Schranke und Grenze gezogen. Sie werden begreifen, daß in einer Zeit, die den Damen das allgemeine Wahlrecht gegeben hat, es sehr schwer ist, der Damenwelt in irgendwelcher Beziehung Schranken aufzuerlegen. Aber wenn Sie sagen, daß Sie Erzieherinnen an sich selbst sind, all das, was als positives Wissen an Sie herangebracht wird, wahrhaft nicht deshalb erwerben wollen, damit es möglichst tot ist, möglichst selten in der Welt Betätigung findet; dann wird das, was ein jüdisches frommes Mädchen lernen soll, in jedem Wort, jedem Atemzug, Leben gewinnen. Es soll nur das an Sie herangebracht werden, was ohne weiteres das Gepräge eines Bausteines der Weltanschauung in sich trägt, es soll in der Tat der Gedanke, das Bewußtsein der g-ttlichen Nähe erstes nnd letztes Ziel sein, was Sie in der heiligen Schrift sehen. Und glauben Sie mir, auch das ist viel. Ich träume mich in eine Zeit hinein, es ist mir ein lieber Traum, da unsere Mädchen- und Frauenwelt in dieser Beziehung uns arme Männer bei weitem überragen wird. Ich kann Ihnen sagen, daß unsere Großmütter, trotz des relativ engen jüdischen und allgemeinen Wissens, so abgeschlossene Persönlichkeiten waren, daß sie jeden in den Zauber ihrer Persönlichkeit gefangen hatten, daß sie ihren Männern und Kindern und ihrer ganzen Umgebung zum Segen wurden und dadurch alles Gute förderten, was in Mann und Kind noch verborgen war. Sie beschäftigte nur die eine Frage: Wie finde ich und die Meinen den Weg zu G-tt? Da möchte ich Ihnen aus der mündlichen Lehre ein Bild mitteilen. Im heutigen Wochenabschnitt wird schlicht erzählt, daß Isak drei Brunnen gegraben hat und das die lieben Nachbarn ihm das Recht auf die Brunnen streitig machten. Die Juden hatten, so sagte man, gar kein Recht, Brunnen zu graben. Die heilige Schrift erzählt weiter, daß die drei Brunnen Namen hatten: der Brunnen des Gegensatzes, der Brunnen des Hasses und der Brunnen der Erweiterung — der breiten Grundlage. Diesen letzten Brunnen wagte man Isak nicht streitig zu machen. Daran knüpft sich in einer wunderbaren Erklärung folgende Erwägung, die ich Ihnen als zweiten Baustein Ihrer Agudas Jisroel Weltanschauung ans Herz legen möchte. Seit uralten Zeiten gibt es drei Quellen, aus denen man schöpft, um G-tt näherzukommen. Die erste Quelle ist das Geschehen in der Natur; man blickt hoch empor zu den Sternen, man blickt hinein in das Dunkle der Erde und sieht geheimnisvolle Kräfte leben, die alle letzten Endes aus den Wellen des Lichtes geboren sind und man sagt sich, das muß ein Meister geschaffen haben. Diese Gedankenkette war bei den gebildeten Andersgläubigen schon vor Jahrtausenden ein Markstein, von dem aus, sie den Weg zu G-tt suchten, doch niemals fanden. Man kann nicht so leicht in dem Wesen der Natur über den Gegensatz hinwegkommen: Es muß im Menschen eine gewaltige Stärke des Geistes und Willens vorhanden sein, wenn man sich durch den Gegensatz von Licht und Dunkel, Leben und Tod, von Blühen und Vervvelken hindurchringen soll. Es ist schwer und fast unmöglich, daß die Jugend den Weg ohne Krümmung zum Alter findet; man sagt zwar, daß das Alter es schwieriger hat, sich zu vollem Verständnis der Jugend zu finden. Es ist zwar kaum glaublich, aber jeder prüfende Beobachter der Zeit kann es Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, daß das Alter die Jugend besser versteht, als die Jugend das Alter. Das Gegensätzliche, das im reinen Naturgeschehnis liegt, das seine schroffste Form hat im Wechsel zwischen Leben und Tod, darüber kommt der Mensch aus eigener Kraft nicht hinweg; darum hat Isak keinen Prozeß angestrengt, als die Nachbarn sagten, der Brunnen ist unser. Die zweite Quelle ist dasjenige, was man mit dem Wort Geschichte bezeichnet. Gerade in bezug auf die letzten Ereignisse, die Sie schon alle bei vollem Bawußtsein, bei voller Klarheit erlebt haben, ich meine die Ereignisse der letzten sechs bis zehn Jahre, sagt sich auch der Blindeste, daß dnreh dieses Geschehen ein Wille gehen muß, daß nicht blinder Zufall walten könne in dem gewaltigen Schicksal der Menschheit, das sich auf der einen Seite als Erzeuger stolzer Vollendung, auf der anderen als Bringer von Tod und Not Marsteilt. Es gab in alten Zeiten Menschen, die aus sinniger Betrachtung der Menschheitsgeschichte ihren Weg zn G-tt suchten und zum Teil auch fanden, aber einen G-tt, den sie sich selbst gezimmert hatten. Durch das große Geschehen der Menschheit, durch das was man Weltgeschichte nennt, zieht der Gedanke der Liebe nicht, und es hat sich immer gezeigt, daß in den Beziehungen der Menschheit, der Menschheitsvölker und der Mehschheitsstaaten zueinander die Liebe nicht mächtig ist. Es ist merkwürdig, daß alles, was man in den Büchern der Geschichte lernt, im großen und ganzen erzeugt wurde in den Stunden des Hasses und gerade heute leben wir wieder in einer Zeit — denn daß wir Frieden haben, glaubt ja kein Mensch —, in der durch die ganze Welt die Betonung des Gegensatzes geht. Ob es nationale Abgrenzung ist, oder noch baulicherer Egoismus, die Form der Bewirtschaftung der Erde, oder ob es gar Ausgeburt des Ergeizes einzelner Streber ist, wohin Sie blicken überall nur Haß. Und darum, als die Umwelt dem Isak den Brunnen des Hasses streitig machte, ließ er sich diesen Brunnen ganz geruhsam rauben. Das ist für Sie von der Aguda Jisroel ganz bedeutsam. Daraus allein und nur daraus allein, können Sie, wenn Sie jüdisch denken, Ihre Beziehungen ableiten zu dem, was uns, was um uns, und zu dem was in uns geschieht; ob alles das, wonach der Jude strebt und forscht, nicht abgeleitet ist aus dem Brunnen des HasBes, ob es nicht letzten Endes zum Fluche führt. Bis zu der Stunde, in der der Allmächtige uns erlösen wird, gehen wir durch die Welt mit einer sehr stolzen und zugleich auch sehr bescheidenen Bestimmung, um Liebe zu werben und Liebe zu geben. Jüdische Geschichte und jüdisches Geschehen ist ein Wort der Liebe an die Umwelt. Allerdings oft blutig, oft mit der Frage eines deutschen Dichters: „Wenn ich dich liebe, was geht es dich an?* Wir dürfen überzeugt sein, daß alles das, was wir an Liebe und Opfer an die Welt geben, aussieht, als ob es Verschwendung wäre, weil wir Gegenliebe niemals finden werden, niemals gefunden haben. Und aus dieser falschen Rechnung erklärt sich mancher Irrtum, aber nimmer darf es geschehen, daß wir auf diese Liebe verzichten sollen. Hier finden wir den Uebergang zn einem neuen Gegensatz, denn die Auffassung in bezug auf Bestimmung der jüdischen Gesamtheit teilt sich in zwei Welten, davon sagt die eine: »Jüdisches Volk ist ein Volk gleich den anderen Völkern mit denselben irdischen Zielen, mit ähnlichen Entwicklungen, mit gleichen Ansprüchen.* Das ist die eine Auffassung, die klingt stolz, die klingt machtvoll. Die andere Auffassung ist die: »Im Gegensatze zu allen anderen Völkern, hat das jüdische Volk einen Beruf, an der Menschheit überhaupt und das ist die vielfach verspottete Mission des jüdischen Volkes". Nicht dadurch, daß man andere in den Rahmen seines Glaubens mit Gewalt zwingt, sondern daß man sich selbst zwingt und bezwingt, daß man wirklich in sich den Beruf fühlt, zum Segen anderer zu werden. Da möchte ich in diesem Augenblick nur eine Stelle zitieren, wie ein Weiser den anderen fragt: Wenn schon G-tt der Allmächtige glaubt, daß das jüdische Volk so sfurchtbare Strafe verdient, daß Heimlosigfceit, Heimatlosigkeit, selbst das Entbehren der primitivsten Form des alltäglichen Lebens seine Strafe sein muß, warum hat er sie dann nicht auf irgendeine weltferne, weltverlorene Insel gewiesen, warum müssen sie überall sein, so zerstreut über die ganzen Welt, daß kaum die Mutter das Auge des Kindes findet? Und der Weise gibt hierauf die so ernste Antwort: Wenn Israel so zerstreut ist, so ist es nur deshalb, um die Reinheit unter die anderen Völker zu bringen. Es klingt stolz und doch liegt in diesem Bekenntnis die einzige Möglichkeit, all die Schrecknisse und Bitternisse der Zeit zu ertragen, und wenn wir heute vielleicht die Größe und die Stärke des Herzens nicht mehr zu haben scheinen, um ohne Tränen und Zagen zu ertragen, was alles furchtbar an uns herantritt, so ist es deshalb, weil wir eben diese Goluthaufgabe vergessen haben. Wir müssen gern zugestehen, haben wir dies vergessen, dann ist das Goluth nicht nicht mehr zu ertragen. Dann wäre Goluth in einer liebeleeren Erde eine Erscheinung, die spurlos durch die Weltgeschichte gegangen ist. Isaak grub einen dritten Brunnen. Die Bibel nennt ihn den Brunnen der Erweiterung, den Brunnen, der einzig und allein den Gegensatz zwischen Leben und Tod überwindet und uns den Tod erkennen läßt, als eine andere, heiligere Form des Lebens. Sie haben vielleicht gehört, und wenn Sie es nicht gehört haben, so ist es um so besser, daß es eine Auffassung gibt, die die ganze Weltaufl'assung als einen Kampf ums Dasein bezeichnet. Das ist das unglückseligste Wort, das jemals in einer bösen Stunde geschaffen wurde. Daß man alles zurückführt auf den Kampf ums Dasein, daß man alle Schlechtigkeiten und alle Niedrigkeiten damit entschuldigt hat, daß der Kampf ums Dasein ein unabwendbares Naturgesetz sei, dieses Schlagwort hat mehr Seelen getötet, als der schlimmste Krieg. Der bekannte russische SozialphiloBoph Krapotkin, dessen Bücher ich Ihnen sonst nicht empfehlen möchte, hat dem einen Gedanken entgegengehalten, den die Agudas Jisroel zum Programm ihres ganzen Denkens machen sollte. Es ist nicht wahr, daß die ganze Welt durchsetzt ist von dem schrecklichen Kampf ums Dasein. Er weist es an der anorganischen Welt schon nach, daß durch die ganze Welt ein anderes Sehnen geht, das Sehnen, sich gegenseitig zu helfen. Wenn jeder seinem Herzen folgen kann, sieht er im anderen Segen und wird dadurch sich selbst zum Segen. Das ist der dritte Brunnen den Isaak gegraben hat. Diesen Brunnen hat uns bis heute keiner streitig gemacht, damals die Philister nicht, als Isaak ihn grub und bis auf den heutigen Tag die anderen nicht. Als der Allmächtige diesen Brunnen am Sinai zum erblichen Eigentum dem jüdischen Volke gab, das zum Hüter eines solchen Brunnens bestimmt werden sollte, da weinten die Engel, weinten, daß in den sterblichen Menschen eine solche Macht gelegt werden sollte. Sie werden jetzt erkennen, daß Agudas Jisroel nicht das ist, was man so gerne sagt. Wir sind keine Kampforganisation, selbst in der Zeit der vollsten Gleichberechtigung wollen wir denn doch keine Waffen in die Hand der Damen geben, die speziell dazu berufen sind, nic^ffJw^X kämpfen, sondern zu hüten, an dem Brunnen zu wache^'^j^