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Jüdische Presse · 1920-11-26 · 20/36 (26.11.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
6 (1920)
Issue
20/36 (26.11.1920)
Date
1920-11-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 20/36 stammt aus Ungarn und ist auch in der Hilfsaktion tätig. Anm. d. Red.) Spaltung der Poale Zion. Die linke Poale Zion in den Vereinigten Staaten beruft einen Kongreß ein. Eine Spaltung der Partei steht bevor. Samuel Oompers, Präsident der American Federation of Labour, sammelt Material für ein Memorandum, das der nächsten Session des Kongresses überreicht werden soll, zur Begründung der Forderung auf Schließung Amerikas für die Einwanderung für die nächslen vier Jahre. Erwähnte Federation soll in letzter Zeit zahlreiche Briefe und Telegramme mit der Forderung erhalten haben, in der Einwanderungsfrage eine scharfe Stellung einzunehmen. Auch Wall Street soll für die Beschränkung der Einwanderung sein, angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit in Amerika, die durch den letzthin eingetretenen starken Preissturz noch erheblich verschärft wird. England. Der zionistische Weltkongreß im Angust? In zionistischen Kreisen Londons verlautet, daß geplant wird, den zionistischen Weltkongreß im August 1921 nach London einzuberufen. Rußland. Ahasver. Wie aus Konstantinopel berichtet wird, gelangten tausende jüdische Flüchtlinge nach Baku, Batum, Tiflis, Wladikawkas, die sich bemühen, via China und Japan nach Amerika auszuwandern. Andere, die landwirtschaftliche Vorbildung besitzen, möchten nach Palästina emigrieren. Die Lage der Flüchtlinge ist trostlos, da die lokalen jüdischen Gemeinden nicht imstande sind, ihnen die nötige Hilfe zu gewähren. Ihre einzige Hoffnung ist die vom „Joint" erwartete Hilfe. General "Wrangel hatte den provisorischen, zionistischen „Merkaz" in der Krim als die Leitung der zionistischen Organisation in der Krim anerkannt. Wrangel erteilte die Erlaubnis der Ueberführung von Juden nach Palästina. Der Antisemitismus in Sowjetrnßland. (J. G. B.) Nach einem Berichte des Sebastopoler Korrespondenten der „Times" ist der Antisemitismus in Sowjetrußland in ständiger Zunahme. In einem Armeebefehl des Kommandanten der roten Südarmee wendet sich dieser gegen die Armeekommissäre und deren Energielosigkeit und fordert sie auf, den anwachsenden Antisemitismus unter allen Umständen zu bekämpfen. Pogrome bei Odessa. Aus Konstantinopel kommt die traurige Nachricht, daß bei Odessa ein Bauernaufstand mit furchtbaren Pogromen verbunden ausgebrochen ist. Man flüchtet nach Odessa. Ukraine. Petljura. Aus Proskurow wird berichtet, daß die dortige Bevölkerung aus Angst vor den Truppen Petljuras in Massen zu flüchten beginne. Im polnischen Kommando gehen täglich 100—200 Gesuche um Einreiseerlaubnis nach Polen ein. Rolland. Eduard Prankfurt. In Amsterdam verschied vor einigen Wochen der wohlbekannte holländische Maler Eduard Frankfurt. Im Beisein zahlreicher namhafter Maler und Künstler wurde der Verblichene auf dem jüdischen Friedhof in Amsterdam zur letzten Ruhe bestattet. CürKci. Ein Jude als türkischer Unterstaatssekretär. Isaak Ferrara, Redakteur der in Konstantinopel erscheinenden Zeitschrift „La Nation", wurde zum Unterstaatssekretär im türkischen Justizministerium ernannt. Australien. Mr. Israel Cohen, der sich auf einer Propagandareise für den Wiederaufbaufonds in Australien befindet, hat dort 78.800 Pfund Sterling gesammelt. Mesopotamien. In Bagdad ist der bekannte Gaon, Rabbi Jakob Ghacham Joseph Chaim Schabak gestorben. Tndien. Genosse Asiate! Die jüdische Gemeinde in Bengalen hat an das indische Parlament einen scharfen Protest gegen die antisemitische Rede eines Abgeordneten gesendet, der unter anderem auch den Sekretär für Indien, Edwin Montague, angegriffen hat, weil er ein Jude sei. Der Präsident ließ den Protest verlesen und bemerkte, es sei ungerecht eine Rasse anzugreifen, welche solch große Männer hervorgebracht habe. Er kenne viele amerikanische Juden, und habe die beste Meinung von ihnen. Die Juden — schloß der würdige Präsident — stammen ja übrigens von Asien, wir sollten sie daher als Genossen betrachten. (Daher unsere asiatischen Zustände.) Mr. Philipp Hartog, ein Jude, ist von der indischen Regierung zum Vizekanzler der neuerrichteten Universität in Dacca (Bengalen) ernannt worden. Hebräische Terminologie. Die Leitung der in Palästina von der Regierung eröffneten Kurse für Rechtswissenschaft wandte sich an den Waad Halaschon mit der Bitte, eine Kommission zur Ausarbeitung einer hebräischen Terminologie für die Rechtswissenschaft zu ernennen. Vom Waad Halaschon sind darauf in die Kommission gewählt worden die Herren Ben Jehuda, E. M. Lifschitz und Doktor Aron Mase; außerdem wird noch ein Rabbiner zugezogen werden. Misrachi. Anfang November ist Rabbiner Dr. Schönfeld in Palästina eingetroffen, um an die Spitze des Waad Hamfakeach des orthodoxen Schulwesens zu treten, wodurch er auch eines der drei Mitglieder der Leitung des Erziehungswesens des Waad Hazirim wird. (Hoffentlich wird seine Wirksamkeit glücklicher sein als in der Tschechoslowakei.) Otto Warburg. Laut „Haaretz" vom 29. Oktober wurde Prof. Otto Warburg für Mitte November in Palästina erwartet, wo er möglicherweise ständigen Aufenthalt nehmen wird. Hebräische Fahrkarten. Seit dem 1. Oktober werden auf allen Bahnhöfen der palästinensischen Eisenbahnen Fahrkarten mit hebräischen Aufschriften verkauft. Eine moslemitiscke Prophezeiung:. Abdul Baha Abbas von Haifa überreichte dem Oberkommissär Herbert Samuel einen Auszug aus einer alten arabischen Prophezeiung, worin es heißt: ,0 G-tt. In den Büchern und Schriften Deiner Propheten hast Du versprochen und die frohe Nachricht verkündet, daß ein Tag kommen wird, wenn das verzweifelte Israel hoffnungsvoll werden wird; daß die Gefangenen des erniedrigten Elends unter dem Schatten des Herrn der Heerscharen ewig währende Ehren ernten und von entferntesten Gegenden, wi hin sie zerstreut waren, wieder nach Zion kommen werden. Die Erniedrigten werden erhöht, die Armen reich, die Verachteten angesehen und die Gehaßten geliebt werden." Erfülle Dein Versprecheii und bringe die Sproßen des heiligen Abraham zu Ansehen. Du bist der Mächtige, der Starke, Allwissende. Rabbi Meir Bapaport s. A. Man schreibt uns aus Krakau: Donnerstag um 3 Uhr nach Mitternacht, vom 21. auf den 22. Oktober, verschied hier nach einer langen und schweren Krankheit der berühmte „Gäon" Rabbiner der hiesigen Gemeinde Rabbi Meier Hakohen Rapaport, s. z. 1., Urenkel der weltberühmten „Schach" s. A. im Alter von 72 Jahren. Der Verblichene wurde aus Likowa (Rußland) unter anderen als Ausländer im Jahre 1896 verwiesen, wo er über 20 Jahre die Stelle eines Rabbiner inne hatte, übersiedelte als Schwiegersohn des seligen hochangesehenen „Talmid Ghochem" Rabbi Leib Margulies s. A. nach Krakau. Ob seiner bewährten, hohen talmudischen Kenntnisse und besonderer Weisheit wurde ihm das hiesige Rabbinatsamt übertragen, das der Dahingeschiedene durch 25 Jahre in wahrer G-ttesfurcht und mit rastlosem Eifer versah. Selbst in den letzten Jahren, ungeachtet der ihn plagenden schweren Leiden, erfüllte er seine Dienstpflichten mit der größten Hingabe. Die am Freitag, den 22. Oktober, stattgefundene Lewaje, an welcher fast die ganze jüdische Bevölkerung teilnahm, bekundete, welche Beliebtheit und Verehrung der Verblichene genoß. Es wurden mehrere rührende Hespedim, die die hohen Kenntnisse und Weisheit des seligen Rabbi priesen, an mehreren Stellen abgehalten. Sein Verlust ist für das gesamte Judentum unersetzlich! n22ttn Josua Ghaskel Goldstoff. Dr. Berthold Fabö. Die Budapester Judenschaft hat durch den Tod des bekannten Schriftstellers und Organisators des jüdischen Museums in Budapest Dr. Berthold Fabö einen schweren Verlust erlitten. Der im Alter von 53 Jahren verblichene Gelehrte hat mit seinem von der Ungarischen Akademie der Wissenschaften herausgegebenen Werke „Das ungarische Lied" frühzeitig wohlverdiente Berühmtheit erlangt und sich auch in seinen zahlreichen Monographien als einer der gründlichsten Kenner der alten ungarischen Musik und der alten ungarischen Tänze erwiesen. Sein Name wird in dem von ihm gegründeten ungarischen jüdischen Museum, dessen Kustos er bis zu seiner Todesstunde war, verewigt. Ein seltsamer Zufall fügte es, daß die Grabstätte des bescheidenen Gelehrten sich in einer Reihe mit jener des berühmten altungarischen Musikers Markus Rözsavölgyi, des bedeutendsten nationalen Musikers seiner Zeit befindet. Fabö hat die letztere Zeit in großem Elend gelebt und der Mangel an materiellen Mitteln hat die Bekämpfung seines Leidens unmöglich gemacht. Er hätte mehr Anspruch auf die Aufmerksamkeit und Liebe der Budapester führenden jüdischen Gesellschaft verdient. Für den Toten wird jetzt die Sammlung zu einem Grabmonument eingeleitet, mit welcher dem Lebenden besser gedient gewesen wäre. Provinzialrabbiner Salomon Bamberger bxi. Wißt Ihr nicht, habt Ihr nicht gehört, daß ein Fürst und Großer in Israel heute gefallen ist! So rufen auch wir aus bei der erschütternden Nachricht, daß Rabbiner Salomon Bamberger seine segensreiche irdische Lautbahn abgeschlossen hat, im Alter von nur 51 Jahren. Viel zu früh für seine Familie, seine Freunde und den bx-W1 775. Ein würdiger Enkel des Würzburger?2£T wurde er von seinen Eltern, dem ob seiner tiefen Frömmigkeit verehrten Rabbi Seckel, Dajan der Frankfurter nSVTp, und seiner gleichgestimmten Mutter, Tochter des bekannten Kolmarer zu einer Zierde des Judentums erzogen. Profunde Kenntnis des Talmud, gediegenes Wissen befähigten ihn mit 25 Jahren zum Raw. Nachdem er einige Jahre in Bingau, alsdann in Burgpreppach gewirkt, wurde er als Provinzialrabbiner nach Hanau berufen. Seine zielbewußte Tätigkeit, getragen von unbegrenzter Verehrung für die Thora und ihre Träger, von begeisternder Frömmigkeit, von einer allumfassenden Liebe zu seinem Volke und jedem seiner Glieder, stellte ihn überall in erste Reihe. In seiner Gemeinde, im orthodoxen Rabbinerverband, in Erez Israel- und Wohlfahrtsangelegenheiten rechnete man auf ihn und überall stellte er seinen Mann. Sein goldenes Herz trat in einer bestrickenden Liebenswürdigkeit zutage, die ihm nur Freunde gewann, was seiner Tätigkeit ungemein förderlich war. Der jüdischliterarische Verein in Frankfurt a. M. ruhte fast ganz auf seinen Schultern und hat er sich besonders um die Herausgabe der Jahrbücher große Verdienste erworben. Eine bedeutende Leistung war die Veröffentlichung eines nachgelassenen Bandes von Halevys Dorott Horischonim. Das Begräbnis trug den Charakter einer Volkstrauer. Eine riesige Beteiligung von Frankfurt und auswärts zeugte von der hohen Verehrung, die der Verblichene genoß. Im Trauerhause, in der Synagoge und auf dem Friedhofe würdigte eine lange Reihe von Rednern in tiefempfundenen Worten die vielfältigen Zweige seiner Tätigkeit und alle fragten bange: Wer wird uns Ersatz bieten? A. Reime. „Der Israelit" schreibt über den jüdischen Weltkongreß: Wir wagen zu bezweifeln, daß praktische Fragen wie die der Emigration und des Palästina- Aufbaues eine Förderung durch den Weltkongreß, wie er gedacht ist, erfahren können. Der Kongreß würde, darauf ist mit zehn gegen eins zu wetten, zu drei Vierteln aus ost- und westjüdischen „Intellektuellen" zusammengesetzt sein, die sehr viel Idealismus mit wenig Sachlichkeit und geringer praktischer Erfahrung vereinigen. Die Einwanderungsländer würden — auch das ist ohne Prophetie mit Sicherheit vorauszusagen — durch einen ungeheueren Lärm in eine sachlich unberechtigte Angst vor jüdischer Masseneinwanderung hineingeredet, die stille und gediegene Palästinapolitik Herbert Samuels aber rettungslos kompromittiert werden. Es bleibt demnach eigentlich nur die Prüfung der Frage übrig, ob der Weltkongreß für die allgemeine Lage und für die Rechtsstellung der Juden in den Ländern der Verfolgung eine wesentliche Besserung verspricht. Das seelische Bedürfnis allen nach einem gemeinsamen lauten Aufschrei aus jüdischer Brust auf der Tribüne der öffentlichen Meinung der Welt genügt jedenfalls nicht, um jene Frage schlechtweg zu bejahen. Gerade die jammervolle Lage, in der wir uns befinden, mahnt erst *echt zur vorsichtigen Prüfung jedes Heilmittels, das man uns anpreist und das unter Umständen Gift statt Balsam für den totkranken Organismus des jüdischen Volkes bedeuten könnte. Wir stehen nicht an, es mit allem Ernste auszusprechen, daß wir den „Weltkongreß" für das ungeeignetste Mittel halten, um dem Blutvergießen, den Mißhandlungen, der Rechtsverkürzung, unter denen Millionen unserer Brüder leiden, Einhalt zu tun. Er wäre vielmehr ganz dazu angetan, die Lage zu verschlimmern und den haßerfüllten Feinden des jüdischen Volkes neue Waffen in die Hände zu spielen. Er wird — man mag wollen oder nicht — erst recht der Welt ein Bild jüdischer Macht vortäuschen, das ein Holm auf die Wirklichkeit, aber gerade gut genug ist, um den Giftmischern des internationalen

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