Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 19/35 (19.11.1920)
- Date
- 1920-11-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Mr. 19/35 JÜDISCHE PRESSE Seite 5 zeigen." In derselben Versammlung hat auch Dr. Benzion Feßler mit großem Erfolge gesprochen. Das Zionist Bulletin (London) stellt mit dem heutigen Tage sein Erscheinen ein. Zionistische Körperschaften werden auch fernerhin über wichtige Ereignisse auf dem Laufenden gehalten werden. TranKrekfh Der Oberrabbiner von Frankreich Israel Levi hat einen schmerzlichen Verlust erlitten. Einen Tag nach dem Versöhnungsfest verschied seine Gattin nach einer Krankheit, an der sie schon mehrere Monate gelitten hatte. Sie war eine Tochter des verstorbenen Rabbiner Zadoc Kahn, des Vorgängers ihres Gatten. Gedenkfeier. Am 24. Oktober waren fünfzig Jahre verflossen, seit die algerischen Juden als gleichberechtigt das französische Bürgerrecht erhielten. 38.000 Juden wurden damals davon betroffen, heute zählt Algerien 76.000 stimmfähige jüdische Bürger. Adolphe Cremieux, dem damaligen Minister, war die Emanzipation zu verdanken Bei der aus Anlaß dieses Ereignisses in Paris stattgehabten Feier hielt unter anderen der Gatte von Cremieuxs Enkeltochter, Herr Thomson, eine Gedenkrede. Für die Pogromopfer. Am 4. November fand in Paris im Saale der Mutualite eine vom Pariser Komitee für die jüdischen Kriegs- und Pogromopfer des ehemaligen russischen Reiches veranstaltete Massenversammlung statt. In dem dichtgefüllten Saale entwarfen die Redner Dr. Max Nordau., Rechtsanwalt Sliosberg, Petrograd und Ing. Wladimir Temkin ein ergreifendes Bild der ungeheuerlichen Leiden unserer russischen Brüder. Insbesonder die Rede Temkins, der in schlichter Weise als Augenzeuge berichtete, machte großen Eindruck. Die Versammlung präsidierte Leo Motzkin, auf dessen Appell hin zahlreiche Zeichnungen für die Hilfsfonds vorgenommen wurden. Noch Einer. Der bekannte französische Dichter, Andre Spire, hat wegen Ueberbürdung auf seine Stellung als Mitglied des Zion. A. G. verzichtet. Palästina. Die Grenzen Palästinas. Offiziell wird verlautbart, daß bezüglich der Nord- und Ostgrenze Palästinas noch keine Entscheidung gefallen ist. Die Lage sei ernst und die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Vertretern Englands und Frankreichs noch sehr stark, jedoch seien die Aussichten günstig. Der Waad lenmi. In dem aus 30 Mitgliedern — je einer auf 10 Delegierte — bestehenden Waad Leumi (Nationalkomitee) sind auch die Misrachisten durch Rabbi Uziel, Rabbi Fishmann und Feldmann- Radler vertreten. Die Chareidim werden, falls sie sich zu einer Beteiligung entschließen, (?) ebenfalls Vertreter entsprechend ihrer Delegiertenzahl entsenden dürfen. Kardinal Bobinzon aus London wurde vom Papst zum apostolischen Nuntius in Palästina ernannt Kardinal Robinzon war seinerzeit Berater der englischen Regierung in der Frage der Heiligen Orte und wird in Palästina die zwischen den Franziskanern, denen die Obhut über die Heiligen Orte zusteht, und dem Patriarchen bestehenden Differenzen zu schlichten haben. (J. P. Z.) Der Preis der Baumwolle und des Bodenöls ist derart gesunken, daß dies nicht ohne Einfluß auf die Preise der übrigen Bedürfnisse des täglichen Lebens geblieben ist. Trotz aller Bemühungen der Großkaufleute, eine Preissenkung zu verhindern, wird allgemein geglaubt, daß die Preise auch weiterhin noch fallen werden. (J. P. Z.) Baron Felix de Monash, Präsident der ägyptischen „Pro Palästinaa-Vereinigung, ist in Jerusalem eingetroffen und wird zusammen mit Ussischkin Ober- und Untergaliläa besuchen. Die arabischen Zeitungen verbreiteten die Nachricht, daß der Ghachim-Baschi von Jerusalem Mischehen zwischen jüdischen Töchtern mit Muselmannen gestattet habe. Diese erfundene Nachricht benutzen die Zeitungen als Hetzmittel gegen die Juden, betonen, daß in dieser Erlaubnis, die Absicht der Juden liege, die Muselmannen durch ihre Töchter zu beherrschen. Die Chacham-Baschi in Damaskus, Oberrabbiner Jakob Damm, hat in einem Schreiben an den Minister des Innern diese Nachricht dementiert. Spendet für die lupdpppe! 6migration$-Burtau der flpda$*3i$roe1. Im Sinne der Preßburger Beschlüsse wurden die führenden Persönlichkeiten der Aguda für den 13. Oktober zu einer Beratung nach Frankfurt am Main zusammengerufen und dorthin auch der Präsident der J.E.K.Z., S. Ginsburg, als Sachverständiger eingeladen. Dr. Nathan Birnbaum, dem die Leitung des Emigrationswerkes der Aguda auf Grund seiner seit Jahren bereits dem Emigrationsproblem gewidmeten Studien anvertraut wurde, kam ebenfalls aus Berlin dorthin und hatte mit Herrn Ginsburg eine Reihe von Besprechungen über die technische Durchführung der geplanten Aktion sowie über die Frage der Erleichterung der Einreise in die Immigrationsländer. Der Vorsitzende, Jacob R o s e n h e i m, erklärte den Zweck der Beratung und setzte die bisherigen Vorarbeiten in übersichtlicher Weise auseinander. Hierauf erklärten Dr. N. Birnbaum und der Züricher Gast S. Ginsburg in längeren Ausführungen die Prinzipien und die Arbeitsweise des geplanten Hilfswerkes. Eine rege Debatte, an der sich fast alle Anwesenden beteiligten, bewies deutlich, welch lebhaftes Interesse man in den Kreisen der Aguda. der zurzeit brennendsten Frage auf dem Gebiete der jüdischen Not entgegenbringt. Es wurde beschlossen, die geplante Emigrationszentrale in Wien unverzüglich ins Leben zu rufen und an die Organisierung der Zweigbureaus überall dort heranzutreten, wo Vereine oder Vertrauensmänner der Aguda vorhanden sind. Im Anschlüsse an diese Mitteilung können wir noch melden, daß Herr Dr. Nathan Birnbaum in den letzten Wochen in Wien geweilt hat, um den Grund zu der in Preßburg beschlossenen Emigrationszentrale der Agudas Jisroel zu legen. Diese Zentrale wird in ungefähr einem Monate ihre Arbeit aufnehmen, und zwar wird sie sich zunächst mit der Organisierung von Einwanderungsbureaus in allen in Betracht kommenden Orten, mit Erteilung von Auskünften, mit Beschaffung des Auskunftsmateriales" und mit Interventionen für die Wanderer befassen. Weiteren Aufgaben, insbesondere der eigentlich regulierenden Tätigkeit, wird sie sich erst widmen können, bis gewisse theoretische und praktische Voraussetzungen, an deren Schaffung mit größtem Nachdruck gearbeitet wird, hiefür vorhanden sein werden. Polen. Das polnische Emigrationsamt hat neue Paßbestimmungen erlassen. Um einen Auslandspaß ' zu bekommen, müssen die folgenden Dokumente vorgelegt werden: 1. Ein Identitätsnachweis, Inlandspaß. 2. Bestätigung vom Steueramte über Bezahlung aller Steuern. 3. Bestätigung von der Bezirkhauptmannschaft, daß nichts gegen die Ausreise vorliegt. 4. Eine Schiffskarte oder eine Anweisung auf eine solche (prepaid) oder die Bestätigung einer Schiffsgesellschaft, daß im Inlande eine Schiffskarte angezahlt wurde. 5. Von Männern im militärpflichtigen Alter eine Bescheinigung, daß sie militärfrei sind. Diese Dokumente müssen dem Emigrationsamte in Warschau, Aleje Jerozolimskje 56, vorgelegt werden, das erst dann die Erlaubnis zur Erteilung eines Auslandspasses gibt. Die Auswanderung aus Polen dürfte auch durch den Umstand erschwert werden, daß die polnische Regierung eine Gebühr von ll/s Prozent von den Schiffskarten vorgeschrieben hat. Da nun diese Gebühr nur von den in Polen gekauften Karten behoben werden kann, so ist es im Interesse des polnischen Fiskus, die Emigranten ohne Karten nicht hinauszulassen, damit sie nicht im Auslande die Schiffskarten kaufen. Dieses verlangsamt die Ausreise der Wanderer so, daß letztens nur 60 bis 70 täglich nach Danzig kamen. Laut Bericht der „Neuen Freien Zeitung" sei die polnische Regierung an die italienische Regierung herangetreten mit dem Ersuchen, die Emigration auch über Triest leiten zu dürfen, da für Polen der Hafen in Danzig allein nicht ausreicht. Ostgalizien. Die neuerrichtete Abteilung „Amerika* der „ Delegation des Jüdischen Nationalrates für Ostgalizien*, Wien, II., Taborstraße 20a, fordert alle Juden aus Galizien, Polen, Ukraina, Rumänien und der Bukowina auf, ihr die Namen und Adressen der Verwandten in Amerika bekannt zu geben, ebenso auch die eigenen Adressen. Dieses Bureau wird bestrebt sein, den Nachrichtendienst zwischen dies*en zu vermitteln, ebenso auch Informationen zu erteilen und Geldübersendungen zu vermitteln. Palästina. Die „Zionistische Korrespondenz" teilt mit, daß die Deutsche Levantelinie die Erlaubnis erhalten hat, alle Palästinahäfen befahren zu lassen und daß sie in den nächsten Wochen ihre Fahrten beginnen wird. — Die „Jüdisch-Palästinensische Reise- und Transport-Gesellschaft „Maawirim", deren Gründung und Adresse des Hauptbureaus in Wien bereits gemeldet wurde, hat auch mehrere Filialen eingerichtet, und zwar in Berlin, Blücherstraße 23, Krakau, Stradom 16, dann noch in Alexandrien, Droholycz, Haifa (Palästina), Innsbruck, Przemysl, Triest, Warschau und Wilna. Die Gründung weiterer Filialen steht demnächst bevor. Die Berliner Filiale ist in der Lage, bei den Zwischendeck-Passagieren eine Ermässigung von 40 Prozent durchführen zu können, ebenso in anderen berücksichtigungswürdigen Fällen. Die Verpflegung muß dagegen voll bezahlt werden. — Normal-Syrien-Linie ab Triest: Zwischendeck bis Jaffa/Haifa 9/-/-, II. Kl. 27/-/-, I. Kl. 38/-/-. Eillinie Tri est-Alexandrien: Zwischendeck 8/-/-, III. Kl. 14/-/-, II. Kl. 28/-/-, I. Kl. 36/16/-. Per Dampfer von Alexandrien nach Jaffa-Haifa: III. Kl. 2/8/-, II. Kl. 6/-/-, I. Kl. 8/-/-. Fahrtdauer: Syrienlinie 15 — 20 Tage, Eillinie Triest-Alexandrien 5 Tage, Alexandrien Jaffa/Haifa 2 resp. 3 Tage. Kinder bis 3 Jahren zahlen nichts, bis 12 Jahren halbe Preise. Alles in englischem Gelde. Schweiz. Den in die Schweiz einreisenden Ausländern wird ein Merkblatt in den Paß beigegeben, in welchem es unter anderem heißt: „Eine Stelle darf nur angetreten werden, wenn die Einreise zu diesem Zwecke bewilligt wurde. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften werden bestraft.« Es wird hier nochmals darauf hingewiesen, um die irrtümliche Ansicht zu berichtigen, daß mit dem Aufhören der Schwierigkeiten für das Reisen nach der Schweiz auch die Verdienstmöglichkeit in der Schweiz größer geworden sei. Dabei ist zu bemerken, daß die Bestimmungen für die dauernde Niederlassung in der Schweiz in gar keiner Beziehung erleichtert worden sind. — „Emigrations- und ReisenachrichtenÄ meldet: Ein Paß ist nicht immer nötig, oft genügt schon ein sog. Laissez passer, das nicht von dem Heimatsstaate des Reisenden, sondern von dem Staate seines Aufenthaltes ausgestellt wird. Der Letztere hat nämlich zuweilen ein Interesse an der Wegreise des Betreffenden und gibt ihm ein solches Dokument, um die Reise zu ermöglichen. Manche Konsulate visieren auch solche Reisedokumente, aber sie haben nicht die Pflicht und noch weniger den Auftrag, solche Dokumente zu visieren. Es gehört daher eine besondere Berücksichtigung von Seiten des visierenden Konsuls dazu, daß solche Papiere unterschrieben werden. R. Deutschland. In Verbindung mit dem Harriman- Konzern in Amerika eröffnet die Hamburg-Amerika- Linie vorläufig mit drei Schiffen den Reisedienst nach Amerika, und zwar mit Anfang des Jahres 1921. Amerika. Von Danzig geht jeden Donnerstag ein Schiff nach New-York ab. Am Montag morgen müssen die Passagiere schon in Danzig sein. Nach Kanada geht ein Schiff jeden Monat ab und die Passagiere müssen drei Tage vor Abgang des Dampfers eintreffen. — Selbst auf den Schiffen ist man vor Betrug nicht sicher. Die Emigranten-Marder haben auf dem Schiffe „Susquehanae" durch Vorspiegelung einer Erleichterung bei der Ankunft veranlaßt, zahllose drahtlose Telegramme abzusenden, mit Provision für den Uebersetzer (den Betrüger), wodurch insgesamt die Emigranten um zirka 20.000 Dollar betrogen wurden. (The Day.) — Um den zahllosen persönlichen und schriftlichen Nachfragen von Verwandten in Amerika über die Visaerteilung für deren Verwandte \n Europa zu entgehen, hat das State-Departement verordnet, daß es mit den Verwandten in Amerika nicht mehr verkehrt und daß alles vom amerikanischen Rayonkonsul der europäischen Emigranten abhängig sei. Dem Konsul sind zwei Listen vorgelegt worden, von solchen, die er ohne weiteres allein visieren kann, und von solchen, bei weichen er die Zustimmung des Visums Offlee bedarf. In zweifelhaften Fällen muß er anfragen. Nach Anlangen des konsularischen Berichtes werde das Staate-Departement schon [ex offo selbst vorgehen und entscheiden. In die zweite Kategorie sollen jene Emigranten kommen, die sich in Wien, Riga, Rotterdam, Kopenhagen und Antwerpen aufhalten und alle Emigranten aus Rnßland. Jeder Emigrant muß daher einmal zum amerikanischen Konsul kommen, um sein Visumgesuch mit den Papieren zu überreichen, und dann so lange zu Hause warten, bis er vom Konsul aufgefordert wird, den visierten Paß abzuholen, was auch mehrere Monate dauern kann, und dann nochmals hinüberkommen. Oder er bekommt einen abweisenden Bescheid. Da die Durchführung auf dieBe Weise aus den Händea der erfahrenen Amerika-Bürger in die Hände der unerfahrenen Ostjuden übergegangen ist, ist es eine umso größere Pflicht aller jüdischen Intellektuellen, sich in Komitees zu organisieren, um darüber zu wachen, daß nicht wegen eines dummen Formfehlers ein eventueller Emigrant weiter in dem düsteren Osten bleiben muß. Damit der Konsul aber einen solchen Antrag stellen soll, wird nach Angaben von „The Jewish Times" in London jeder Immigrant 10 Dollar beim Konsul belegen müssen. Die Kosten der Gebühren nach Amerika werden dann Dollar betragen, und zwar: 8 Dollar Kopfsteuer, 10 Dollar Visumtaxe und 10 Dollar Depeschenkosten/ das heißt zirka 160 Schweizer-Franken oder zirka 8000 polnische Mark .. .