Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 19/35 (19.11.1920)
- Date
- 1920-11-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19/35 JÜDISCHE PRESSE Seite 3 Irrtum sei, da ersterer fest überzeugt ist, daß ihm irgendwelche Schriftstücke in dieser Angelegenheit zurzeit des Gespräches im August nicht übergeben wurden. Scheinbar — so meint S. — hat Herr Dr. L. ihn (S.) mit einem anderen, dem er die Vorschläge vorlegte, verwechselt. Denn Herr S. hat die Vorschläge nicht zu Gesicht gehabt, es sei denn durch Ihren letzten Brief. Was den weiteren Inhalt Ihres Schreibens betrifft, gestatten wir uns, Ihnen mitzuteilen, daß Ihre Vorschläge in der Sitzung des großen Komitees, das demnächst in Basel zurzeit der Jahresversammlung zusammentreten wird, behandelt, werden. Hochachtungsvoll die Zentrale der zionistischen Organisation gez.: Leo Her man n. Seitdem haben wir von der zionstischen Organisation nichts gehört. (Fortsetzung folgt.) Bedingungsweise Anerkennung des national- Komitees (UJaaü £eumi) durch Herbert Samuel. Der palästinensische Mitarbeiter der „J. P. Z..K berichtet: Auf der am 26. und 27. Oktober unter Vorsitz von Dr. Thon.und Ben Zwi stattgefundenen Sitzung des Waad Leumi wurde die Frage der Anerkennung der Delegiertenversammlung und des Waad Leumi durch Samuel behandelt. Die Anerkennung erfolgte unter folgenden Bedingungen: Die durch den Völkerbund zu ernennende Mandatarmacht müsse anerkannt und keinerlei Vorschläge, die den Bedingungen des Mandats widersprechen vorgebracht werden. In der Zukunft müsse der repräsentative Charakter der Delegiertenversammlung in bezug auf die Beteiligung aller volljährigen Juden Palästinas bei den nächsten Wahlen ebenso wie bei den jetzigen bewahrt bleiben. Es ist klar, daß die Delegiertenversammlung sich nur mit den inneren Angelegenheiten des Jischub und nicht mit den Fragen, die ganz Palästina betreffen, zu befassen habe, ebenso, daß die Anerkennung der Delegiertenversammlung keineswegs das allgemeine Recht jeder Sekte, Kibuz oder einzelner Personen, welcher Konfession immer, beeinträchtige, die sie betreffenden Angelegenheiten vor der Regierung vorzubringen. Auf der zweiten unter Vorsitz von Jellin stattgefundenen Sitzung, wurde das Budget diskutiert und beschlossen, für jeden volljährigen Juden einen Minimalbeitrag von 1 Schilling festzusetzen. Dr. Ruppin sprach über die Organisierung des Jischub. zwecks Erleichterung der Unterhaltskosten. Alle diesbezüglichen' Vorschläge wurden an das vom Waad Leumi einzusetzende Ernährungskomitee überwiesen. Kritische Rundschau. Die Delegiertenversammlung der „V*. J. P." Die sonderbare Gesellschaft, die sich unter der falschen Flagge der „Vereinigten jüdischen Parteien" alljährlich in Piestany, dem Wallfahrtsort aller Lendenlahmen, mit betrübend schwachem Heilerfolge zu versammeln pflegt, kündigt sich für den 7. und 8. Dezember neuerdings mit einem höchst imposant klingenden Repertoir an. Die Zahl der Referate, die fjjst das ganze Alphabet absorbieren und ihre vielversprechende Titel bilden eine Reihe konkurrenzlose Attraktionsnummern: a) Politisches Referat (die Entente erwartet es mit Spannung); h) Referat über die Teilnahme des Volksverbandes an der Tätigkeit der „V. J. P." (?); c) wirtschaftliches Referat (die Börse ward darauf fester); d) Schulreferat; c) Preßreferat; f) soziales und Rech tschutzreferat; g) Bankreferat (Glanznummer); h) Jugendfürsorge (siehe Schulreferat); i) Orthodoxie und Volksverband \ j) Vorlage der ergänzten Statuten. Von der ganzen schönen Tonleiter werden die braven Delegierten nur das g) heraushören. Das wird eine andächtige Stille werden, wie beim Solo auf der G-Saite. Darin liegt die Kraft der „V. J. P." Sie bringt zu jeder Tagung kleine Geschenke mit, die die Freundschaft erhalten. Das vorige Mal waren es die Lizenzen und Entschädigungen, diesmal die Bank mit der präliminierten Million tschechischer Kronen als Vorbereitungsspesen. Das wirft so einen rosigen Schimmer über die jüdische Frage in der Slowakei. Auf der Bühne wird da jemand seine Nummer von dem Wohle des Gesamtjudentumes absingen, aber im Hintergrund und in den Korridors, (Ja fließen die eigentlichen, ernsten Verhandlungen mit den braven zuverlässigen V. J. P-isten, über die Errichtung einer Filiale, einer Stelle usw. Das von der „V. J. P." vertretene Gesamtwohl ist so ein Mosaikbild, das sich aus lauter kleinen Einzelnwohlen zusammensetzt. Sie kalkuliert mit dem Egoismus, der Ehrsucht, und schmeichelt dem Individualismus, den einzudämmen doch das Ziel aller religiösen und politischen Moral wäre. Jede Tendenz wächst sich unaufhaltsam zur vollen Entfaltung aus. Diese Spielart des Judentums, das nicht religiös, nicht national, nicht assimilatorisch ist, hat endlich ihren klaren Ausdruck in einer Bank-Aktien-Gesellschaft gefunden, die Zweck und nicht Mittel ist. Sie waren von jeher nichts anderes als eine Gesellschaft zur Exploitierung des Judentumes. NACHRICHTEN. Deutscbosterreicb. Finanzkommission der Agudas Jisroel. In der am 15. November stattgehabten Sitzung wurden in die Finanzkommission der Wiener Agudas-Jisroel gewählt: Die Herren David, Schreiber, I., Neuer Markt 3; N. Engelsberg, Ii., Obere Donaustraße 91; Julius Steinfeld, IL, Obere Donaustraße 59: Jules Gurary, IX., Güntergasse 3; Rabbiner Abraham Haschel, IL, Rueppgasse 9; Eduard Deutsch, VII., Neubaugasse 10; Rabbiner Ber Friedmann (Gzortkow), IX., Elisabethpromenade; Lippe Türkl, IL, Gredlerstraße; Abram Hornstein, IX., Güntergasse 3. Die Belser Klause (IL, Lilienbrunngasse 18) hat sich zu einem Bethaus- und Wohltätigkeitsverein „Gemilus Ghessed" konstituiert und wurde die erste Generalversammlung Sonntag, den 10. Oktober, abgehalten. Herr Sparer führte den Vorsitz. Er legte die Ziele des Vereines dar, was von den An- Avesenden mit großem Beifall aufgenommen wurde. Hierauf fand die Konstituierung des Vorstandes statt, bei welcher folgende Herren gewählt wurden: Salomon Sparer, Obmann; Salomon Weinreb, Kassier; Simche Weinberger, Schriftführer; Osias > März, Markus Schächter, Isidor Forst, Isidor Frommer, Josef Drommelschläger, Benjamin Felsenburg, Benjamin Griffel, David Blumenkreuz, Mendel Bamberg, Mechel Jägerndorf und S. M. Sokal. Tomehe Thora. Der unter dem Protektorat des 1. Friedmann (Gzortkow) wirkende Talmud Thoraverein entfaltet seit dem Beginn des Schuljahres eine überaus erfolgreiche Tätigkeit. Der Verein hält zurzeit vier Talmud Thoraschulen in Betrieb, von denen zwei im XX. Bezirk, eine im XVIf. Bezirk schon seit längerer Zeit zur Verbreitung der Thorakenntnisse unter den Flüchtlingskindern wirken. Da es nun gelungen ist, im eigenen Hause des Vereines ein Lokal für Talmud Thorazwecke freizubekommen, wurde im II. Bezirk die vierte Schule des Vereines errichtet. Das monatliche Budget beträgt K 50.000. Reichskonferenz des Jüdischen Nationalfonds. Am 14. November fand im großen Saal des Niederösterreichischen Gewerbevereins die zweite Reichskonferenz fles Jüdischen Nationalfbnds für Oesterreich in Anwesenheit von 75Nationall'ondskommissiuen und Vertrauensleuten aus Wien und der Provinz statt. Ingenieur Nußbaum eröffnete die Versammlung und schlug für das Präsidium der Konferenz die Herren Dr. Sofer, Max Markus (Wien, 8. Bezirk), Scli. Horowitz (Wien, 2. Bezirk) und als Schriftgührer Herrn Piskaty (Linz) vor. Herr Dr. Landau erschien in Vertretung des israelitischen Kultusvorstandes. Den Rechenschaftsbericht erstattete Wolfgang Weisl. Das Palästina-Referat erstattete das Mitglied des Großen Aktionskomitees Adolf Böhm. Joint-Konferenz in Wien. An der Konferenz, die der stellvertretende Generaldirektor Herr Becker aus Paris leitet, nehmen teil: Regionaldirektor für Oesterreich und die Tschechoslowakei Herr Leon Wechsler, Direktor Dr. Bogen mit den Herren Kowalski, Dr. Peiser und Schweizer aus 'Warschau, Dr Landesko aus Bukarest, Alsberg (Paris), Hauptbuchhalter Tropper (New York), Kapitän Grey (London), Dr. de Sola Pool (Jerusalem), Dr. Sawitzky (Konstantinopel), Dr. Ruhinstein für Lettland und Dr. Kahn aus Berlin. Die Beratungen werden durch New Yorker Kammerstenographen festgehalten. Es wurde über die Lage in Polen, Deutschland, Lettland, Palästina, Oesterreich, Litauen und Rumänien referiert. Israelitischer Frauen-Wohltätigkeits-Verein für den II. und III. Bezirk. Die erste Generalversamlung des Vereines bildet Sonntag, den 21. November 1920, 4 Uhr nachmittags, im Sitzungssaale der israelischen Kultusgemeinde, 1 Seitenstettengasse 4, 2 Stock, statt. tscbeclwlowakei. Sitzung des Rabbiner-Kollegiums zur Verteilung des amerikanischen Hilfsgeldes. Gelegentlich der Sitzung des Verwaltungsausschusses fand auch eine spezielle Sitzung des Rabbiner-Kollegiums wegen der Verteilung der von dem Gentral-Relief-Gomite in New York gesendeten Kc. 400.000 statt. Das erwähnte Komitee hat nämlich nachdrücklich betont, daß die Verteilung des gesendeten Geldes durch das Rabbiner-Kollegium zu erfolgen habe. Die Bestimmungen der Verteilung werden gemäß den im Begleitschreiben des Gentral-Relief-Gomite enthaltenen Wünschen vorgenommen. Die Ausfolgung des Geldes wird in den nächsten Tagen erfolgen. Die Originalquittungen werden nach New York gesendet und eine Kopie im Zentralbureau der orthodoxen Organisation hinterlegt werden. Nebst den Bemühungen des Herrn M. Engelmann hat sich auch Mr. Samuel Rottenberg, der aus der Ostslowakei stammt, um diese Aktion verdient gemacht und sich ein segensvolles Gedenken seitens der Beteiligten gesichert. Die Schächterfrage. Die Sitzung der zur Regelung der Schächterfrage entsendeten ad hoc Kommission fand Mittwoch, den 17. d. M., im Sitzungssaale der orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde Bratislava statt. Ueber den Verlauf werden wir in der nächsten Nummer berichten. Der Delegiertentag der Orthodoxie. Laut Beschluß des Verwaltungsausschusses der orthodoxen israelitischen Gemeinden hat die orthodoxe Zentralkanzlei die Einladung zu dem Delegiertentag in Kosice (Kaschau, Kassa) versendet. Die Zentralkanzlei fordert die löblichen Kultusgemeinden auf, die Wahl ihrer Delegierten ehestens vorzunehmen und dem Zentralbureau und der orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde in Kosice Mitteilung zu machen. Installierung des Preßburger Dayans. Die Installierung des Oberrabbiner David Wessety-Szered, der an Stelle des verstorbenen liabbi Leb Friedmann s. L. als Dayan nach Preßburg berufen wurde, wird demnächst stattfinden, da die Schwierigkeit der Wohnungsfrage behoben ist. Nachahmenswert. Heir Ignaz Rujder, der jetzt ein Haus baut, wird in demselben für den Verein Chass-Ghewra ein entsprechendes Lokal unentgeltlich zur Verfügung stellen. Pessach - Zucker. Die Filiale der staatlichen Zuckerkommission in Bratislava, hat die orthodoxe israelitische Landeskanzlei zu einer Besprechung zum Zwecke der rechtzeitigen Versorgung der Gemeinden mit Osterzücker eingeladen und wurde die Angelegenheit in zufriedenstellender Weise erledigt. Aus Zlate Moravce (Aranyosmaröt) wird uns berichtet: Am 5. d. M. wurde hier die ob ihrer großen Frömmigkeit und Wohltätigkeit allbekannte Rabbinenn Bele Schlesinger s. A. aus Rnjksi (Wieselburger Komitat) unter großer Beteiligung der Bevölkerung zu Grabe getragen Trauerreden hielten der Gatte, Rabbiner aus Rajka, und deren Sohn, der hiesige Rabbiner. Ungarn. Das Lokalkomitee für die Versorgung: jüdischer Auslaiidskinder zu Baden (Schweiz) erläßt einen Aufruf: In den nächsten ' Tagen wird eine größere Zahl von jüdischen Kindern aus Ungarn zur Hospitalisierung in der Schweiz eintreffen. Sie wissen aus den Tagesblättern und durch persönliche Berichterstattung, wie schwer gerade unsere ungarischen Glaubensgenossen durch Krieg und antisemitische Verhetzung gelitten haben, und nun kommen deren Kinder auf ein paar Monate zu uns, um liebenden Menschen zu begegnen und den Hunger zu stillen. Vergangenen Sommer waren die armen Kleinen schon da, aber es fehlte leider an Freiplatzen in jüdischen Familien, und es blieb nichts anderes übrig, als sie in christlichen Familien unterzubringen. Soll dies nun wieder geschehen und werden wir diesmal wieder der großen Gefahr bei der Ausübung von Liebestaten unterliegen: Der Gefahr des Müdewerdens? Wir hoffen nicht. Einen angemessenen Beitrag für diesen unvergleichlich edlen Zweck werden Sie uns gewiß nicht vorenthalten! Noch fehlen uns große Summen, kostet doch die Versorgung eines Kindes durchschnittlich 600 Francs! Aber ist diese Summe zu groß, um ein zartes Menschenleben der chronischen Verhungerung zu entreißen? Zwingen uns nicht Verantwortungsgefühl und der Gedanke an die eigenen Kinder zur Linderung des Elendes? Segen über jeden, der mithilft, unseren Ungarkindern ein paar glückliche Winterraonate zu verschaffen. Freundliche Beiträge, die Sie an unseren Kassier, Herrn S. Levy, Hutbasar, Baden, gelangen lassen wollen, werden im „Israelitischen Wochenblatt" dankend ifuittiert werden. Die Juden an der Budapester Universität. (Jüd. Cotr.) Die Budapester Universität hat den Ausweis über die Verhältniszahl der in diesem Semester inskribierten Hörer veröffentlicht. An der medizinischen Fakultät haben sich 4400 Hörer, darunter 1800 jüdischer Konfession, gemeldet. Von letzteren wurden durch die Rechtfertigungskommission 215 bereits im vorigen Jahrgang inskribiert gewesene Hörer zugelassen, in welcher Zahl 140 schon vor längerer Zeil getaufte Hörer mitinbegriffen sind. Von den Erstjährigen wurden der Norm von fünf Perzent entsprechend bloß 30 jüdische Hörer zugelassen.' Diese perzentuelle Verhältnitniszahl wurde auch bei den höheren Jahrgängen eingehalten, obzwar die erworbenen Rechte nach dem Gesetze über den numerus clausus nicht tangiert werden. Infolge der Verschärfung des numerus clausus sollen die gerechfertigten 215 Hörer nun einem neuen Rechtfertigungsverfahren unterzogen werden. Deutschland. Der Jüdische Frauenbund hielt in Berlin seinen sechsten Delegierten tag ab, der von mehr als 60 Vertreterinnen der angeschlossenen Vereine beschickt war. Frl. Sidonie Werner (Hamburg) gab ein Bild der Arbeit der jüdischen Frau in der Gemeinde, das neben dem schon Erreichten auch die weiteren Bestrebungen der jüdischen Frauen nach gleichen Pflichten und Rechten in der jüdischen Gesamtheit schilderte. Von klarer Sachlichkeit war das Referat von Elise Hopf (Nürnberg) über die jüdische Frau in der interkonfessionellen Arbeit. Sehr eindrucksvoll schilderte Helene Hannah Cohn (Berlin) die Frauenaufgaben in Palästina und für Palästina. Im Anschluß an dieses Referat faßte der Verbandstag eine Resolution, weiche zum Ausdruck bringt, daß ihm die Palästinafrage als jüdische Frauen- und Kulturfrage von höchster Bedeutung und großem Interesse ist. In einem abendfüllenden Vortrag sprach Frl. Berta Pappenheim (Frankfurt a. M.), eine gebürtige Preßburgerin, über den Antisemitismus als Erzieher. Der Idee der Früehekasse des Israelitischen Frauenbundes, über die Frau Rabbiner Dr. Eschelbacher (Berlin) berichtete, muß ihrer moralischen, idee> und praktischen Auswirkung wegen zu grö