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Jüdische Presse · 1920-11-19 · 19/35 (19.11.1920) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
6 (1920)
Issue
19/35 (19.11.1920)
Date
1920-11-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2__ wurdi geschaffen. Für das laufende Jahr sind Kc lw.000 bereits eingeflossen. Tn der Kongrna- Sache (staatliche Zulage an minder gut dotierte Rabbiner) berichtet Präses Weber, daß er in Begleitung des Ministers Micnra nach Prag gereist, ist und dort, mit dem Kultusminister und dem Referenten Sinkovie in dieser Sache beraten hatte. Tags darauf wurde beim Sektionschef Dunovskiin Anwesenheit des Ministerialrats Dr. Lederer die Beratung fortgesetzt und beschlossen, der Regierung anzuweisen, die Kongrua den Rabbinern auszufolgen. In der Mazzotfrage werden im Ernfihrungsministerium Verhandbingen gepflogen. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung würde nach einer Debatte, an welcher sich sämtliche Mitglieder beteiligten, beschlossen, eine Delegierten- Versammlung nach Kosice einzuberufen mit der Tagesordnung: Neuwahl des Präsidiums. Die Delegiertenversammlung soll am .'50. November und 1. Dezember stattfinden. Beim dritten Punkt der Tagesordnung: Stellungnahme zur Schüchterfrage, teilt Präses mit, daß die Vertreter des Verbandes der Kultusbeamten zu dieser Sitzung eingeladen wurden. Es waren die Herren Hofstätter (Bratislava) und Straikus-Bösing anwesend, die die Wünsche des Verbandes und dessen Notwendigkeit darlegten. Nach längerer Debatte wurde auf Antrag des Oberrabbiners von Preßburg beschlossen, eine ad hoc Kommission, | Briefwcclwl zwischen flpdas üisroel und der Zionistischen Organisation. I. Die Arbeit für Erez Israel. Als der Vorsitzende der „Aguda" in Paris weilte, wandte er sieb an Herrn Sokolow mit folgendem Briefe: Paris, S. August 1919. An Herrn S o k o 1 o w, Paris. Geehrter Herr! Gestern Abend kam ich aus London hielier. Dort wurde mir von der zionistischen Organisation gesagt, daß Dr. Weizmann diese Woche von der Schweiz nach Paris kommen werde. Ich bitte Sie, mir den Zeitpunkt, da ich in Ihrer Anwesenheit mit Dr. Weizmann, wenn er hier weilt, sprechen kann, zu bestimmen. Ich stehe zu Ihrer Verfügung im Laufe der Woche. Mit der Versicherung vorzüglichster Hochachtung gez.: Dr. Löwen stein. Hierauf die Antwort des Herrn Sokolow: Paris, 10. August 1919. Mein Herr Dr.! Ihren Brief vom 8. d. M. erhielt ich und besprach mit meinem Kollegen Dr. Weizmann wegen der Festsetzung der Zeit des Zusammentreffens. Zu meinem Leidwesen hat sich Dr. W. nur einen Tag aufgehalten. Er sagte mir, daß er außerstande wäre, an der gewünschten Besprechung teilzunehmen. Auch sagte er mir, er hätte eine Unterredung mit Dr. Cohn-Basel gehabt. Wollen Sie mich gütigst morgen um 10-80 in der zionistischen Abteilung 10. Edouard Sept. mit einem Besuche beehren. JÜDISCHE PRESSE bestehend aus den Herren Oberrabbiner von Tmava, Joka, Surany, Stupava, Komarno und den Herren Pappenheim und Benedikt (Bratislava), Gaspär Binet (Novy-Zamky), Mark Weber (Stupava). Bernat Kalischer (Galanta) zu wählen, welche mit fünf Herren des Verbandes der Kultusbeamten gemeinsam zu verhandeln hätten und eine Dienstpragmatik der Kultusbeamten, welche die Gehalts- und Altersversorgungsfragen regelt, auszuarbeiten hätten, die dann als Anhang zu den bereits sanktionierten Ürganisationsstatuten einverleibt werden. Dieses Elaborat wird der Verwaltungskommission und der Landesrepräsentanz vorgelegt werden. Hierauf stellt Oberrabbiner Jungreiß (Kosice) folgenden Antrag: Bezüglich der geplanten Enquete zur Regelung der jüdischen Angelegenheiten habe die orthodoxe Leitung es aus prinzipiellen Gründen abzulehnen, an einer gemeinsamen Enquete teilzunehmen, sondern in jüdischen Angelegenheiten bloß zur Information der Regierung Delegierte zu entsenden, welche mit den RegierungsVertretern allein verhandeln würden, ohne aber an einer gemeinsamen Enquete teilzunehmen. Der Antrag wurde angenommen. Hierauf wurden die strittigen Angelegenheiten der Szenecer und Hommonaer Gemeinde entschieden, worauf Präses Oberrabbiner die äußerst würdig I verlaufene Sitzung schloß. Mit der Versicherung aller Hochachtung, mein Herr Dr. gez.: N. Sokolow. JVach einigen Monaten wandte sich die Zentrale der „Aguda" in Zürich an die zionistische Organisation in London mit folgendem Schreiben: Zürich, 4. November 1919. Geehrte Herren! Anfangs August hatte der Vorsitzende der „Aguda", Dr. T. Lewenstein mit Herrn N. Sokolow, als sie zusammen in Paris waren, eine Besprechung wegen des Verhältnisses unserer Organisation zu der Ihrigen gehabt. Bei dieser Gelegenheit übergab Dr. Lewenstein an Herrn Sokolow schriftlich unsere Vorschläge in sechs Paragraphen, betreffend das Zusammenarbeiten beider Organisationen in Erez Israel. Herr Sokolow versprach, unsere Vorschläge dem großen Aktionskomitee zu übergeben und uns vom Resultat schriftlich zu benachrichtigen. Seitdem sind drei Monate vergangen und wir haben keine Antwort erhalten. Daher beehren wir uns, Ihnen diese wichtige Angelegenheit in Erinnerung zu bringen mit dem Ersuchen, uns von Ihrer Resolution binnen zwei Wochen verständigen zu wollen. Hochachtungsvoll die Zentrale der Agudas Jisroel. Die Antwort* der zionistischen Organisation: London, 21. November 1919. An die Organisation der Agudas Jisroel in Zürich. Geehrte Herren! Auf Ihr Schreiben vom 4. November, das wir Herrn Sokolow gezeigt haben, erwidern wir, daß Genannter uns folgendes sagt: Er (Sokolow) hätte wohl das Vergnügen gehabt, mit Herrn Dr. Lewenstein in Paris vor einigen Monaten wegen des Verhältnisses der zionistischen Organisation zur Nr. 19/35 Agudas Jisroel Rücksprache zu nehmen. Von einer Uebergabe der schrifliehen Vorschläge seitens des Herrn Dr. Lewenstein sei ihm nichts bekannt. Herr S. wird sich freuen, eine Kopie der angeblichen Vorschlage zu erhalten. Wollen Sie uns gütigst fragliche Abschrift zugehen lassen. Hochachtungsvoll gez.: L. Hermann, Schriftführer der zionistischen Organisation. Zürich. 18. November 1919. An die Zentrale der zionistischen Organisation in London. Geehrte Herren! Antwortlich Ihres Schreiben? vom 21. November können wir nicht umhin, unser großes Befremden darüber aussprechen, daß Herr S. sich der schriftlichen Vorschläge seitens Herrn Dr. L. nicht erinnern kann, zumal Herr S., nachdem er das Schriftstück gelesen hatte, ausdrücklich sagte : 1. daß es das erstemal wäre, die Forderungen der „Aguda" schrittlich zu empfangen; 2. daß er die Forderungen seinen Kollegen bei der zionistischen Organisation unvorzüglich verlegen würde: 3. daß, wenn Herr Dr. L. in Paris sein sollte, er ihm die Antwort würde zugehen lassen. Ferner hat Herr S. selbst den sechsten Paragraphen, den ihm Herr Dr. L. mündlich vorgetragen hatte, zu Papier gebracht. Nach solcher Erfahrung mit. Herrn S. will die Zentrale der Agudas Jisroel mit demselben in solch wichtiger Angelegenheit nicht verhandeln. Sie — die Zentrale — legt Ihnen das Schriftstück mit den sechs Paragraphen der Vorschläge direkt vor mit dem Ersuchen, ihr Ihre Antwort spätestens in zwei bis drei Wochen zu übersenden. Hochachtungsvolt die Zentrale der Agudas Jisroel. Diesem Briefe sind folgende Forderungen beigegeben: Die- Forderungen sämtlicher thoratreuen Juden, die in der Aguda vereinigt sind, betreffs ihrer Rechte und Pflichten in den verschiedenen Leitungen in Erez Israel sind: 1. das orthodoxe Judentum verlaugt Garantie, daß es bevollmächtigte Vertreter auf Grund der Gleichberechtigung mit der zionistischen Organisation in der zu gründenden Auswanderer- und Ansässigmachungs-Abteilung haben soll; 2. das orthodoxe Judentum fordert auf Grund der Gleichberechtigung, bei jeder rechtlichen, öffentlichen jüdischen Stätte, die ins Leben gerufen oder von einer schützenden Regierung zum Zwecke einer Heimat für das allgemeine Judentum gefördert wird, bevollmächtigte Vertreter zu erhalten: 3. wenn solche Stätten und dergleichen in Erez Israel durch Wahlen gegründet werden, beansprucht das orthodoxe Judentum das Recht, sich auf Grund der Gleichberechtigung bei den vorausgehenden Beratungen wegen der Wahlordnung und Bestimmungen sowie bei der Leitung der Wahlen zu beteiligen; 4. wenn der Wille des jüdischen Volkes durch Wahlen oder Kongreß zum Ausdruck kommen soll, so verlangt das orthodoxe Judentum das Recht, auf Grund der Gleichberechtigung an den Beratungen für die Wahlbestimmungen und dergleichen sowie an der Leitung der Wahl1, beziehungsweise an der Festsetzung der Tagesordnung für den Kongreß teilzunehmen; 5. das orthodoxe Judentum ist gegen die Erteilung eines Monopolsrechtes an eine finanzielle Organisation, um die Ausgaben, Einnahmen und Zuerteilungen zu organisieren. Was die Beobachtung der Religionsgesetze anbelangt, so haben derartige Organisationen darin nichts hineinzureden. 6. Die Orthodoxie fordert Vertreter und einflußreiche Persönlichkeiten in gebührender Zahl bei den zeitweiligen jüdischen Organisationen, die bei der Erteilung einer Reiseerlaubnis für Erez Israel zu entscheiden haben. Darauf die Antwort der zionistischen Organisation: London, 12. Dezember 1919. An die Zentrale der Agudas Jisroel in Zürich. Geehrte Herren! Wir beehren uns zu bestätigen den Empfang Ihres Schreibens vom 25. November, wovon wir Herrn Sokolow verständigt haben. Herr S. schreibt uns, daß Herr Lewenstein sicher im mus so herrlich in die Halme schoß, nichts für Palästina getan, sie hat während des Weltkrieges keine diplomatische Arbeit geleistet, keine Balfour- Deklaration und keinen San Remo-Beschluß erwirkt, keinen Nationalfonds gesammelt, keine Ghaluzim ausgerüstet und expediert, keine Palästinaämter gebildet — mit einem Worte: nichts und nichts getan, während es um und um von Taten und Leistungen nur so rauscht. Selbst dann, wenn sich die Glaubenstreuen in irgendeinem Beschlüsse in der Palästinaarbeit aufraffen, irgend eine Aktion ankündigen, ist es immer beim guten Willen geblieben. Siehst du, lieber Freund, ich habe mich bemüht, all deine Bemängelungen zu resümieren und wahrhaftig, sie nehmen sich selbst im kurzgefaßten Resümee ganz staatlich aus — wenn das alles nur begründet wäre, dann müßte die Orthodoxie tatsächlich einpacken. Zürn Glücke aber stimmt das alles gar nicht. Weder sind die Erfolge und die Leistungen der Nationalisten so groß, noch wandelt die Orthodoxie allzu sehr im Schatten. Bei einer sachlichen Auseinandersetzung auf Grund unwiderlegbarer Tatsachen hat die Orthodoxie keineswegs das Urteil zu scheuen. Es hieße wohl Eulen nach Athen tragen, wollte ich mich einem Glaubenstreuen gegenüber des weiten und breiten darüber auslassen, daß es nur der Orthodoxie und ihrer so sehr verschrieenen „Chalukka" zu verdanken ist, daß es heute im heiligen Lande einen jüdischen Jischub gibt, und daß es die primitiven Rabbi-Meier-Bal-Haneß-Büchsen waren, die das Aufkommen einer zionistischen Bewegung überhaupt ermöglichten. Wären es nicht jene Hunderte und Tausende Glaubenstreuen, die in den letzten drei Jahrhunderten unter wahrer Messiras- Nefesch nach Zion und Jerusalem wanderten und die Kontinuität zwischen Erez Israel und der Diaspora aufrechterhielten, wer weiß, ob es da Herzl eingefallen wäre, sein „Altneuland" zu schreiben. Ist demnach die Annahme falsch, der Zionismus, die Liebe der Juden zu Zion und ihre Hoffnung auf eine Rückkehr in das Land ihrer Väter, sei eine Erfindung der letzten Dezennien, so ist auch die Annahme falsch, daß das, was in den letzten dreißig Jahren in Palästina geschehen ist, zionistische Arbeit sei. Von den etwa fünfzig Kolonien im heiligen Lande hat der moderne Zionismus nur die wenigsten geschaffen oder erhalten. Aber auch während der letzten dreißig Jahre hat die Orthodoxie für den Jischub Erez Israel mehr getan, als die zionistische Partei, obwohl die Glaubenstreuen auch für die anderen Bedürfnisse der breiten jüdischen Volksmassen in den Ländern der Diaspora, für Thora, Awoda und Gemilaß-Chassadim, für welche die Zionisten nicht einen Finger rühren wollten, zu sorgen hatten und gesorgt haben. Wollte man die Summen, die orthodoxerseits dafür aufgebracht wurden, den Einnahmen des Zionismus mit all seinen Nationalfonds, Schekel, Banken usw. entgegenstellen, dann erst wird es sich herausstellen, wie weit die Glaubenstreuen den Zionisten über sind. Aber nicht bloß das: selbst für Palästina hat die Orthodoxie während der letzten dreißig- Jahre mehr Geld ausgegeben, als die Zionisten gesammelt haben. Gerade dieser Tage ist eine Art Bilanz des Nationalfonds bekanntgegeben worden, und wir hören, daß die Sammlungen für denselben seit 1901 etwa 22 Millionen Franken erreicht haben. Angenommen, daß die ganze Summe heute noch vorhanden ist und für die Palästinaarbeit zur Verfügung steht, so genügt ein Hinweis auf die Einnahmen der diversen Kolelim und auf die Ausgaben der Ghalukka während dieser zwei Dezennien, um zu sehen, daß die finanziellen Leistungen der Orthodoxie für Palästina viel höher waren, und daß die Orthodoxie demgemäß auch in finanzieller Beziehung eine stärkere Kapazität darstellt. Ich will aber noch weiter gehen und dir einen eklatanten Beweis dafür erbringen, um wieviel höher die Leistungen der Orthodoxie für Palästina selbst in der jüngsten Periode vor und nach San Remo, als diejenigen der Zionisten* sind; während der letzten Periode hat die Nationalfondszentrale in Oesterreich mit der Hilfe eines Generalsekretärs, zweier Sekretäre, eines großen Beamtenstabes und eines speziellen Inkassobureaus in Oesterreich zirka 2 Millionen Kronen aufgebracht. Während derselben Zeit hat die Wiener Orthodoxie für die Repatriierung palästinensischer Flüchtlinge in die Heimat über 2V2 Millionen Kronen gesammelt und hiefür ausgegeben. Kann man nach diesen Tatsachen noch von einem Zurückbleiben der Orthodoxie in der Arbeit für Palästina sprechen? — Freilich, die Orthodoxie hat die gesammelten Gelder nicht thesauriert — darin liegt eben der Unterschied zwischen den beiden Systemen, daß die einen keinen Heller außer für die Verwaltung und Agitation ausgeben, auf die Sammlung von Fonds losgehen, um damit prunken zu können, die anderen hingegen tatsächlich arbeiten und ihre Sammlungen zweckdienlich verwenden. Es liegt eben im Wesen des glaubenstreuen Juden, zu helfen und zu stützen, ohne Prunk und Emphase, ohne Spekulation und ohne Sinekuren zu schaffen. Nun wirst du mir vielleicht die politische Arbeit der Zionisten für Palästina vorhalten und auf ihre Erfolge hinweisen wollen. Da, so meinst du, kann die Orthodoxie sicherlich nicht standhalten. Du hättest wohl recht, denn die Orthodoxie hat tatsächlich keinen Weizmann und keinen Sokolow gestellt und keine diplomatische Arbeit geleistet. Nur ist es mit dieser Diplomatie nicht weit her und was die Erfolge betrifft, so sollte man sich hüten, den Tag vor dem Abend zu loben. Das, was die Herren Weizmann und Sokolow erreicht haben, steht derart auf Hühnerfüßchen, daß selbst die naivesten Zionisten, die den Stand der Dinge näher kennen, nicht mehr an die diplomatische Kunst dieser Herren glauben. Leider haben weite orthodoxe Kreise keine Ahnung von der Situation und sie lassen sich von jugendlichen Demagogen irreführen. Auch du scheinst da in die Falle geraten zu sein. Ich werde mir daher erlauben, dir in einem zweiten Briefe den Wert und die Tragweite dieser „Erfolge" zu zeigen. Hier sei nur so viel bemerkt, daß die beschränktesten Konzessionen, die seinerzeit von der Türkei in Palästina zu erreichen waren, himmelweit darüber hinaus waren, was England überhaupt verspricht. Keine freie Einwanderung, kein freier Bodenerwerb, keine lokale Autonomie — was bleibt noch von diesen „Erfolgen" übrig? Dein 0 r Ben-Lea.

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