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Jüdische Presse · 1920-11-12 · 18/34 (12.11.1920) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
6 (1920)
Issue
18/34 (12.11.1920)
Date
1920-11-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 18/84 JÜDISCHE PRESSE Seite 8 liehen Arbeiten sind erschienen: „Der Geldhandel der deutschen Juden während des Mittelalters" (Leipzig 1910, Duncker & Humblot), ferner „Judentum und Kapitalismus« (Berlin 1912, Verlag Itzkowski), worin Sombarts Werk „Die Juden und das Wirtschaftsleben" ausfuhrlich besprochen wird. Von Aufsätzen seien erwähnt: „Die Arbeiterfrage in der biblisch, talmudischen Gesetzgebung" (Jeschurun 1917), „Ein Blick in das Wirtschaftsleben der deutschen Juden im Mittelalter" (Jeschurun 1918). Anabach. Die „Deutsche Israel. Zeitung" berichtet: Als Zeichen des Dankes für die opferbereite Mitarbeit der israelitischen Einwohnerschaft Ansbachs überwies der Hauptausschuß des Ortssammelkomitees Ansbach-Stadt für die Armen der israelitischen Kultusgemeinde 1000 Mark. In einer Zeit, da die Leistungen der deutschen Judenheit während des Krieges nicht genug herabgewürdigt werden können, freuen wir uns, von maßgebender Stelle eine ehrliche Stimme der Anerkennung verzeichnen zu dürfen. Nach einer Erklärung des Postministers sind Postsendungen, die mit Zetteln antisemitischen Inhalts beklebt sind, von der Beförderung ausgeschlossen. Dagegen sei gegen die Anbringung von Hakenkreuzen auf Postsendungen nicht einzuschreiten möglich. Die Verordnung, auf die sich diese Entscheidung gründet* lautet: „Von der Postbeförderung ausgeschlossen sind Sendungen, deren Außenseiten oder sichtbarer Inhalt gegen die Gesetze oder das öffentliche Wohl, oder die Sittlichkeit verstoßen.* Jugoslawien. Die Judenfrage. Ein vom Regenten unterfertigter Ukas sieht die prinzipielle Regelung der Judenfrage in Serbien und Montenegro vor. Der Oberkommissür Samuel hat der alten jüdischen Stadt Safed einen Besuch abgestattet, wo er von den Juden und der übrigen Bevölkerung mit Ovationen empfangen wurde. Sir Samuel erwiderte in einer Ansprache voller Begeisterung für die reizende Schönheit der Umgebung Safeds, der nur noch der lebhafte See- und Handelsverkehr wie in den biblischen Zeiten fehlt. „Ich machte es mir zur Aufgabe meines Lebens, dem heiligen Lande Glück und Reichtum seiner biblischen Epoche zurückzugeben. Für dieses große Ziel werde ich meine reichen Erfahrungen, die ich in langjähriger Arbeit als Mitglied der englischen Regierung gesammelt, in den Dienst der gesamten Bevölkerung Palästinas stellen." Misrachi. Die Misrachi-Orgnnisation Palästinas hat in Jerusalem ein Wochenblatt, betitelt „Hator" erscheinen lassen. Die Redigierung dieses Wochenblattes ist Rabbiner Fischmann anvertraut. Selbsterkenntnis. Iq der Bratislava«!- „Jüdischen Volkszeitung widmet Herr Oberrabbiner Samuel Reich (Vrbove), der sicli journalistisch äußerst rege und vielseitig betätigt, der „Jüdischen Presse" anläßlich ihrer Vereinigung mit der „Jüdischen Korrespondenz" einige .Volksurteil" betitelte Worte, die wohl als Nachruf gemeint, gleichzeitig aber einen Generalsturm gegen das orthodoxe Zentralbureau bilden sollen. Die „Jüdische Presse" habe die Gewährung staatlicher Beihilfe an die Rabbinen nicht behandelt; es findet sich nun zum Glücke der Rabbiner Einer aus der eigenen Milte, der sich zum Hüter ihrer Interessen aufwirft und es. ist flies — oh, unberechenbare Welt — gerade der, den die orthodoxen Rabbinen bis nun immer ~ gelinde ausgedrückt — mit einigem Befremden betrachtet haben und dessen Verhalten sie so oft mißbilligt. Es ist nur mit Freude zu begrüßen, wenn nun der- Oberrabbiner Reich für die Interessen — wenn auch bloß der materiellen — der Rabbiner in den Kampf zieht, vielleicht laßt sich hiedurch der moralische Schaden, den er bisher dem Rabbinerstande zugefügt, mit dem dichten Schleier des Vergessens verhüllen. Allerdings ist das Gewebe noch zu dünn, und die Rabbiner der Slovakei, die ein recht gutes Gedächtnis haben, haben immerhin bedeutend mehr Vertrauen zur gegenwärtigen Leitung der Zentrale als zum ständigen Vertreter der Opposition. Die Rabbinen wissen es genau, daß das Zentralbureau seine Pflicht getan hat, zumindestens nach besten Kräften bestrebt war, die Pflicht zu erfüllen. Das Anklopfen bei den Rabbinen ist vergeblich, hier findet Rabbiner Reich keine Gefolgschaft und es fühlt dies der Leitartikler der „Jüdischen Yolkszeitung" selbst. Vielleicht geht es aber bei den Laien, und im raschen Fluge von der Frage des Anspruches der ''jüdischen Seelsorger auf die staatliche Unterstützung, kommt er zum Rundschreiben des rückgetretenen Präses Steiner. Merkte denn der Oberrabbiner Reich nicht, daß eine Diskussion des Rücktrittes nur ihm erwünscht schien — und daß der. rückgetretene trotz aller Differenzen mit der verbleibenden Leitung, die von dem Verboer Oberrabbiner zum Bündnis gebotene Hand .mit klar und deutlich sprechenden Stillschweigen zurückgewiesen. Innerhalb der Orthodoxie geht nun die Verhetzung schwer, doch es wäre ein schlechter Politiker, der nur mit den inneren Verhältnissen Rechnung trägt, jeder klar denkende Politiker zieht auch außenstehende Faktoren ins Kalkül. Auch der Verboer Oberrabbiner; seine persönlichen Ambitionen verleiten ihn sogar, daß offizielle Organ der orthodoxen Kanzlei und somit die ganze Orthodoxie mit einer äußerst interessanten Beweisführung in einer gesperrt gedruckten Bemerkung zu verdächtigen. Es sei dem Oberrabbiner Reich gesagt, daß auch dies ihm nichts nützen werde, auch das Forum, bei welchem er die Orthodoxie schädigen will, kennt die Orthodoxie — und kennt auch ihn. Es ist aber durch die kleine Bemerkung des Leitartiklers aber die Maske gefallen, es zeigt uns den Verboer Oberrabbiner, der immer behauptet, nur gegen die jetzigen Führer und für die Orthodoxie zu kämpfen, wie wenig seinen Worten Glauben zu schenken ist, oder wie sehr sein Blick durch die Leidenschaft des Hasses getrübt. Es erübrigt sich wirklich, den weiteren freundlichen Bemerkungen des .Hauptmitarbeiters der „Jüdischen Volkszeitung" Beachtung zu schenken, es ist dort nur ein tatsächlich meistervolles Eigenportrait des Artikelschreibers. Eines hingegen ist noch erwähnenswert. Die „Jüdische Volkszeitung" und der Oberrabbiner Reich, der den geistigen Teil des Blattes ober und unter dem Strich liefert, betont, daß die Schaffung eines orthodoxen Qrganes eine Notwendigkeit bilde, es involviert die Selbsterkenntnis, daß das Organ des Verboer Oberrabbiners, das Organ für die Orthodoxie nicht ist. Eine Eine Selbsterkenntnis, die vielleicht den ersten Schritt zur Besserung bedeutet. rk. Das „Israelitische Familienblatt" in Hamburg schreibt: Für die Juden Oesterreichs dürfte die neue Aera sicherlich eine Verschlimmerung der Lage bringen, wenn man auch erwarten darf, daß die Herren Kunschak-Weiskirehner als Regierungspartei etwas Wasser in ihren antisemitischen Wein schütten werden Sie haben es auch seinerzeit getan, als sie im alten« Oesterreich die Herren von Wien waren. Jedenfalls ist angesichts der neuen Lage das Fehlen eines jüdischen Vertreters im ParJament höchst bedauerlich. Die Sozialdemokraten, die nunmehr als Oppositionspartei sich voll ausleben wollen, mögen wohl hie und da für den Schutz der Juden ein Wort finden, viel darf man sich aber davon nicht versprechen. Was den Verlust des jüdischen Mandates betrifft, so muß festgestellt werden, daß die Zionisten, die heule die anderen jüdischen Parteien des Verrates beschuldigen, selbst einen schweren taktischen Fehler begangen und somit den Verlust des Mandates mitverschuldet haben. Stricker, der bisherige Inhaber des jüdischen Mandates, hat im Jahre 1919 dieses nur dank eines Zusammengehens mit zwei anderen jüdischen Gruppen, Omer und Blasel, erhalten, woraus hervorgeht, daß die zionistische Partei allein außerstande war, das Mandat zu erlangen. Da nun das neue Wahlgesetz die Koppelung abgeschafft hat, war die Gefährdung des Mandates klar und konnte nur verhütet werden durch eine jüdische Einheitsfront. Die zionistische Partei, die aus ihrer Mitte den Kandidaten stellte, war somit verpflichtet, mit den anderen jüdischen Gruppen Fühlung zu suchen und dahin zu streben, daß ihr Kandidat nicht als Partei-, sondern schlechthin als der jüdische Kandidat auftrete. Das ist nicht geschehen. Stricker trat auch diesmal als Parteikandidat auf und dieser Umstand führte zur Aufstellung der Kandidatur Schwarz-Hilier und zur Zersplitterung der jüdischen Stimmen. Die zionistische Annahme, daß die Wahlbeteiligung diesmal klein und die zionistischen Stimmen ausreichen würden, Stricker das Mandat zu verschaffen, erwies sich als falsch. Allerdings die Stimmen, die diesmal die beiden jüdischen Kandidaten zusammen erhielten, waren auch noch für die Erlangung eines Mandates unzureichend, da beide kaum etwas über 13.000 Stimmen erhielten, die erforderliche Stirnmenzahl zur erfolgreichen Wahl' aber über 14.000 betrug. Nun, da die österreichischen Juden im Nationalrat ohne Vertreter sind, sollten sie dahin streben, eine Einheitsfront zur Abwehr herzustellen. Leider hören die gegenseitigen Parteibeschuldigungen nicht auf und die so sehr gebotene jüdische Solidarität ist nicht vorhanden. Wilhelm Kritzler s. A. Donnerstag, 23. Marcheschwan, hat einer der edelsten Wiener Juden, Herr Wilhelm Kritzler, sein segensreiches Leben beschlossen. Sprosse einer streng religiösen Familie in Bonyhäd, der bedeutenden ungarischen Gemeinde, war er Zeit seines Lebens das Muster von Frömmigkeit, Wohltätigkeit und Sinn hatte für alles was Juden und Judentum berührt. Seine Verehrung für Talmud chachomim war unbegrenzt. Sein jüdisches Herz ließ sich nicht genügen, jedem Appell um Hilfe Folge zu leisten; er suchte die Hilfsbedürftigen auf und half. Seine liebenswürdige Art machte ihn besonders beliebt bei aller Welt und öffnete ihm alle Türen, an die er immer und immer wieder pochen mußte, um seine großzügigen Hilfsaktionen durchzuführen. Früh und Abend in Schul' bei Thora gestaltete er sein Haus im Verein mit seiner gleichgesinnten Gattin zu einem echt jüdischen von altem Schrot und Korn. Seine Verdienste krönte er durch die Verwaltung der Jeszode Hattorah der Talmudschule der Adas Jisroel. Von der Gründung bis zur Umwandlung in einen selbständigen Verein, durch nahezu 30 Jahre, leitete er die Anstalt und besorgte die finanziellen Agenden. Sein steter Sinn war die Jeszod-Hattorah. In Würdigung seiner großen Leistungen war er bis an sein Lebensende Obmann der Jeszod Hattorah, Vorstandsmitglied der Adas Jisroel, Thora Ez Ghajim und anderer Vereine. Ueberall arbeitete er eifrig mit und setzte sich besonders für Limid Hattorah und Fürsorge ein. Zum Begräbnis fand sich die ganze Schiffschul- Gemeinde, die zahlreichen Freunde des Verblichenen und die Schuljugend ein. Der Feiertage halber widmete Rabbiner Fürst dem dahingeschiedenen Freunde und Verehrer nur kurze, warm empfundene, rührende Worte des Dankes und Gedenkens. Bernhard Hof bauer beklagte den Jugendfreund, mit dem er stets auf dem Gebiete der Förderung von mi HTI zusammengearbeitet und ermahnte die Kinder, sich zu bestreben, die klaffende Lücke, welche der Tod dieses Edlen gerissen, zu schließen, indem sie in seine Fußstapfen treten. Sonntag darauf hielt Rabbiner Flesch im Trauerhause einen Hesped, der alle Anwesenden tief erschütterte. Alle Sympathien wenden sich der trauernden Witwe zu. Es wird der angestrengten Arbeit der ganzen Schiffschulkreise bedürfen, um Wilhelm Kritzlers jüdische Arbeit zu ersetzen. A. Die Olocbc. Die Sidra „Colflos". Die Historie der drei Erzväter ist sie nicht für alle Zeiten die Allegorie des circulus vitiosus des immer wiederkehrenden drei aktigen Dramas von den Geschlechtern des Großvaters, Vaters und Kindes, der Aera der verehrten Geistesjuden, den die Generation der beneideten Geldjuden und endlich das Geschlecht der unstäten, gehetzten und geknechteten Golusjuden folgt. Dem abrahamitischen Geschlechte, das sich als Vorkämpfer für eine sittliche Weltordnung ihren Ehrenplatz in der Gesellschaft erobert hat, in neidloser Verehrung gleich Abraham als g-ttlicherFürst gepriesen wird, folgt immer wieder das Isakgeschlecht, das die Position, die der Vater durch seine Verdienste um die sittliche Befreiung der Menschheit erringen konnte, zur Erwerbung materieller Güter benützt. Während aber die sittliche Größe der Abrahamiten, mit von jeder Mißgunst freien Bewunderung anerkannt war, erregt das durch Reichtum zur Macht gelangende Isakgeschlecht haß vollen Neid. Denn sittliche Macht ist wie die Flamme, die tausend andere entzündet ohne selbst zu verlieren, materielle Macht kann aber nur durch Verlust der anderen erworben werden. Darum sagt Abimelech zu Isak: „Gehweg von uns, denn du bist mächtig geworden „von uns«, Mimenu!* Noch eine Stufe tiefer sinkt die Stellung Jakobs, der in dem bereits derbere Formen erlangten Kampfe um die wirtschaftliche Vorherrschaft heimatslos, flüchtig und unterdrückt wird. Dann kehrt der geschichtliche Kreislauf wieder. Josef empfindet die Niedrigkeit der Stellung der Epigonen Abrahams schmerzlich und erträumt den Ehrenplatz, den der Urahne erringen konnte. Vor dem wahren Geiste Abrahams, den Josef wieder darstellt, beugt sich selbst ein Pharao, selbst wenn ihn ein . „jüdischer Sklavenjunge" repräsentiert. Wieder erklingt es bewundernd unter den Völkern, „ein Mann, in dem G'ttes Geist waltet.8 Aber nach dem Abrahamiten Josef erstehe wieder das Isaksgeschlacht der Kinder Israel, von denen das Land zu voll wird, und die übermächtig werden. Und diesem Isaksgeschlecht tönt es wieder feindselig entgegen: „Siehe, das Volk der Kinder Israels ist stark mächtig „von uns", Mimenu! Das Jakobsschicksal ereilt die dritte geknechtete und entwürdigte Generation, bis wieder der große Abrahamite Moses auf die Bühne der Geschichte tritt. . . . Auch von Isak und Rebekka erzählt die Bibel, daß sie Jahrzehnte lange um G'ttessegen gefleht haben, bis sie erhört wurden, wie einst Sarah, wie später Rahel. So erahnen wir das ewige Loos Israels, das durch lange Prüfung stets in unerschütterter Zuversicht der Erfüllung der Verheißung teilhaftig wird. Er läßt immer wieder die „Unfruchtbare des Hauses freudenvolle Mutter der Söhne ' werden." Das ewige bange Rätsel unserer Geschichte, das Ringen Jakobs und Esaus um die Vorherrschaft, das Problem des mächtigen Auftriebes Jakobs, das sich bald in sittlicher und geistiger Ueberlegenheit, bald aber in vielgescholtener, jedenfalls weniger rühmlichen wirtschaftlichen Superiorität äußert, ist hier auf den embryonalen Ursprung zurückgeführt, fast wie ein unentrinnbares Fatum gegeben. Ins helle Licht der Wahrheit rückt die Thora der Gerechtigkeit beide Brüder, gleichmäßig Licht und Schatten verteilend. Und dem weltenfernen Epigonen, der nach Jahrtausenden und Jahrtausenden im G'ttesbuche forscht, um seine Zeit verstehen und Wegweisung zu erkennen, erschließt sich manches Zeichen aus dem geheimnisvollen Walten geschichtlicher Notwendigkeiten und wetterleuchtet aus dem Dunkel der Urgeschichte manche Erkenntnis kommender Dinge; in banger Zeit, wo sich der Haß verdichtet und den Ausblick umdüstert, klingt aus.., der Urzeit vernehmlich eine zärtliche Mutterstim$fc^/\ tröstend, verheißend: „Ad schuw chainas octuwfii^i

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