Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 18/34 (12.11.1920)
- Date
- 1920-11-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2629891-2629892-2629898--0039-2631625- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 18/84 AGUDA-JUGENDGRUPPE. Vortrag Dr. Kohn (Ansbach). Am vorigen Sonntag hielt im Lokale der Aguda-Jugendgruppe Wien der Rabbi von Ansbach wieder seine Jünger im Banne seiner Rede. Als Einleitung sagte der Redner, wolle er die Ehrung der einladenden Körperschaft geben. Er bezieht sich in seiner geistvollen Art auf „rowdogon we-ssirosch", und den Maamar unserer Weisen ma towo uma jofgu dogon bachurim (Seeharja 9/17). Ein zweite Ehrung bestehe darin, indem man die höchsten Gedanken gebe, die Aguda gibt. Er erwarte von der Jugend Wiens, daß sie nicht in der seitherigen Art in die Diskussion der Aguda trete, sondern vorher den Gegenstand wohl überdenke, damit nicht bisher mehr über den Redner als über die Rede diskutiert werde, oder nur nach Parteigrundsätzen beurteilt werde. »So oft wir das Glück haben beieinander zu sein, wollen wir uns vornehmen, die Gedanken, die geäußert werden, nicht wie so oft in eine stürmische und an sich unverständliche und verzeihen Sie, daß ich es sage — an sich unverständige Diskussion einbeziehen, vielmehr wollen wir das Gehörte erst ganz in uns aufnehmen und es so zu unserem geistigen Eigentum machen. Meine lieben jungen Freunde! Gestatten Sie mir diese ernsten Worte in dieser schweren Zeit. Ein jeder von uns ist doch von einem Gedanken getragen und von einer Empfindung gehoben, daß jedes Wort, das wir sprechen, auch gesprochen sein muß, in dem Bewußtsein der großen Verantwortung, die gerade wir mit jedem Wort, das wir der Oeffentlichkeit preisgeben, auf uns nehmen; wenn erst dieses „Achreioth-Bewußtsein in uns erstarkt sein wird, wenn wir erst wissen werden, daß jedes in größerer oder geringerer Oeffentlichkeit gesprochene \ Wort große Folgen nach sich zieht, die wir im ersten Augenblick gar nicht übersehen können, dann — das bin ich überzeugt — werden die leeren Diskussionen ein Ende nehmen, dann wird jedes Wort losgelöst von persönlichen Interessen". Sodann bespricht Herr Dr. Kohn die so oft geäußerte und aus von ihm angeführten Gründen nie beantwortete Frage, nach dem Unterschied zwischen Agudas Jisroel und den anderen Organisationen und sagt: ,Ich habe so oft die bange Frage gehört, was uns von anderen Organisationen unterscheidet. Ich muß ihnen das Geständnis machen, daß ich eigentlich für diese Art und für diesen Inhalt einer Frage wenig Verständnis habe. Dieses ängstliche Suchen, was uns von anderen unterscheidet, halte ich für ein müßiges Wollen und für eine müßige Frage. Wenn wir uns erst zum Bewußtsein gebracht haben, was wir sind, was wir sein sollen und was wir sein müssen, dann ergibt sich alles von selbst und wir sind alle der Anschauung, daß Agudas Jisroel nicht eine Partei ist und auch nicht ein Verein sein soll, sondern Agudas Jisroel erhebt den Anspruch, in sich zu verkörpern all die Gedanken, all das Streben und all die Hoffnungen, die man in dem Namen Klall Jisroel, wie ihn Hakodausch boruchhu geschaffen hat, ausdrückt." Ausgehend vom Verse in Secharja. der die drei Namen Daniel, Noah und lob in einer nie vorkommenden Zusammensetzung bringt, entwickelte Herr Dr. Kohn sodann in form- und inhaltsvollendeter Rede das Bild des Blühens, Vergehens und Wied er vverdens bei Menschheit, Judentum und Einzelmenschen. „Analog unserer Zeit mußte und muß die Scheinkultur eines jeden Geschlechtes in sich zusammenbrechen. Sache des Judentums, des gewesenen und seienden und auch des werdenden ist es, der Menschheit das ihr verliehene Licht, wegweitend leuchten zu lassen, hinan zu den Höhen der Thora. Still und schwach waren die Ansätze, mächtig und groß soll, kann und wird die Entwicklung sein, getragen und gehoben von dem gewaltigen Worte der Thora, das uns Weisheit und Macht ist. Und das ist es, was Agudas Jisroel in der Betonung -der Art der Lösung der gewaltigen Aufgaben im Geiste der Thora hervorhebt und durchzusetzen entschieden gewillt ist. Das ist es, was jeden Mann* der Agudas Jisroel und besonders die Juden beseelen und erfüllen muß, daß die Fragen des Judentums, Fragen der Menschheit, die Fragen der Agudas Jisroel, Fragen des Judentums sind, und daß die Fragen des Judentums bis ins letzte Detail nur im Geiste des Judentums, im Geiste der Thora gelöst werden können. Und gerade darauf wollen und müssen wir stolz hinweisen, und das ist das ganze Wesen von Agudas Jisroel, daß wir es betonen wollen und durchzusetzen gewillt sind, bis wieder das jüdische Heiligtum im milden Glänze erstrahlt, bis Agudas Jisroel, ,Klall-Jisroel' geworden ist." Es ist die Absicht der Leitung der Jugendgruppe, dieien Vortrag in Form einer Broschüre in Druck zu legen, Bratislava (Preßburg). Es ist gelungen, Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner S. Hirschler für die Leitung unserer Schiurim, während des Wintersemesters zu gewinnen. In seiner bekannt geistvollen Art „lernt" — in ureigenster Bedeutung des Wortes — Rabbiner Hirschler Gemoroh vor. Jüdische Lebensanschauung übermittelt er uns in seinen Musorvorträgen, die sich eines zahlreichen Besuches erfreuen. Spendet Lebensmittel und Wäsche. Dank der Opferfreudigkeit der jüdischen Bevölkerung Wiens wird es möglich sein, Montag, den 15. November, einen großen Teil der noch hier zurückgebliebenen Palästinenser Flüchtlinge (zirka 80 Personen) heimzubefördern. Wir wenden uns nunmehr an die Oeffentlichkeit mit der Bitte, reichlich Lebensmittel, Geld und Wäsche für die lange Reise zu spenden, da dieselben unter der Not fürchterlich zu leiden haben. Spenden aller Art nimmt die Agudas Jisroel Jugendpruppe, IL, Obere Donaustraße 69, während des ganzen Tages dankend entgegen oder werden auf telephonischen Anruf (45747) sofort abgeholt. Preßburg. In den letzten Tagen mußten die in Preßburg weilenden Flüchtlinge die vom „Joint" bereitgestellten Baracken beziehen. Infolge der plötzlich eingetretenen Kälte, gegen welche die Holzbaracken bei dem Mangel an Heizmaterial und der defekten Sommerkleidung der meisten Flüchtlinge wenig Schutz boten, veranlaßte die von der Aguda Jugend- und Ortsgruppe eingesetzte Flüchtlingsaktion, welche bis nun Ausspeisung von Flüchtlingen und Emigration besorgt hat, für Bekleidung und Beheizung Sorge zu tragen. Die Aktion wird von eifrigen Mitgliedern energisch betrieben; gleich in den ersten vierundzwanzig Stunden gelang es, eine beträchtliche Anzahl neuer Winterwäsche zu besorgon. Die Spendenlisten werden veröffentlicht. Doch sind bereits hier besonders hervorzuheben: Firma Gebrüder Känzler, Familie David Kastner und die Familie Rosenberger und Firma Kann & Stahler. rk. Samstag, den 13. November 1920, findet im Großen Saale der Agudas Jisroel-Jugendgruppe, IL, Obere Donaustraße, Ecke Floßg., ein VORTRAG des Herrn Dr. Nathan Birnbaum statt. Beginn: Pünktlich yß Uhr abends. Thema: „Wisse was Du Dir antworten sollst!u 888 Oereinswesen. Aus Zborov. Der Sijum haschaß der hiesigen Ghevra Tiferet Bachurin fand jüngstens hier* in Beshamearesch statt. Die Versammlung wurde von den Herren Präses Alexander Seltenreich und dem Kassier Ch. Jecheskel Schlüssel mit Hinweis auf die große Bedeutung der Zeit des Sijum begrüßt. Darauf wurde das Chaß von Herrn Rabbiner Josef Weiß geendet, worauf Letzterer, wie auch RabbinatassessorHerr Dawid Schlüssel Vorträgein Zusammengliederung der Thora schebiksaw und Thora balpe hielten. Nun trug Herr Josef Seltenreich ein Thema in der ihm zugeteilten Massechet Menachot, worauf sich eine große Debatte zwischen den Lamdonim entwickelte. Hierauf wurde das Ghaß von Herrn Alexander Seltenreich und Herrn Ch. Jecheskel Schlüssel neuerdings verteilt. Die Szudas Mizwa dauerte bis Morgenanbruch und verlief in würdiger Stimmung. Vortrag. Dozent Dr. S. Bondi hält Sonntag, den 14. November, um 5 Uhr nachmittags einen Vortrag: „Ernährung der schulpflichtigen Kinder" im Thorasaale der Talmud-Thora-Volksschule, Malzgasse 16. Ein Fräulein mit perfektem Deutsch, aus streng religiösem Hause, welches auch mit häuslichen Arbeiten vertraut ist, wird bei guter Behandlung, Bezahlung und Kost, zu einem Kinde nach Jugoslawien (Szabadka) gesucht. Näheres bei Rosenthal, Restaurant Nagel im Hotel New York, Samstag, den 13. d. M., zwischen 12 und 2 Uhr nachmittags. In keinem jüdischen Hause fehle die „Jüdische Presse". mädclKugrupp* der Agudas Jiirotl. Wien, II, Neslroygasse 11. Vortrag. Ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Kohn über die Aufgaben der Mädchengruppe der Aguda Jisroel findet Moze-Sabbat-Kodesch (Samstag abends, um 7 Uhr) im Lokale der Aguda-Zentrale (Malzgasse 12 a) statt. Lehrplan. Samstag, 11 bis 12 Uhr vormittags: Herr Dr. Lemberger, Sidra. Dienstag, 3/*8 bis 3/49 Uhr abends: Herr Rabbiner Weiß, Chumesch. Donnerstag. 7 bis 8 Uhr abends: Herr Dr. Pollak, Tefilo. Alle Vorträge finden im Lokale der Jesoda Thora, Wien, II., Nestroygasse 11, statt. Vereinigung Jüdischer Akademiker. Sonntag, den 7. November, fand die erste Versammlung der V. J. A. nach Semesterbeginn statt. Es wurden zunächst die Ergänzungswahlen vorgenommen. Die Leitung besteht jetzt aus den Bb. M. Wundermann, M. Friedmann, Bremser, Dr. Pollak, Ullmann. Nach einem glänzenden Referat des Herrn Rabbiner Dr. Kohn (Ansbach) über die V. J. A. in Deutschland wurde beschlossen, wöchentlich einen Diskusionsabend und mehrere Schiurim einzuführen. flgudas 3i$roe1-3ugendgruppe. Wien, II., Obere Donaustraße 69. 1. Jugendgruppe: Berthold Lindenbaum K 500---, gesammelt durch Herrn Nathan Adler beim Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Kohn K 1480-—, Abraham Münz K 250*—, Adolf Felsenburg K 50-—, Adolf Grünwald K 100'—, Markus Broda, Myjava, K 10*—, S. Tanne, XVI., K 30'—•, zusammen K 2420-—. 2. Unterrichtssektion: Franz Fischmann K 300*—, Berthold Stroh K 100—, Josef Schick K 100—, Samuel Wolf K 50-—, Isak Schischa K 50—, David Steinhof K 50—, Jakob Schiftre K 50*—, Rudolf Berman K 50*—, Rudolf Klein K 50—, Jakob Benau K 50-—, Emanuel Adler K 50*—, Arnold Breuer K 40—, Gustav Austerlitz K 30-—, David Schischa K 20'—, Leopold Schischa K 20'—, N. Heß K 10—, Gerson Spitzer K 10-—, Hei mann Glück K 10-, Josef Braun K 100*—, Ghaim Koral K 100«—, B. Reinisch K 10—, Moses Blech K 36'—, zusammen K 1286- — . 3. Fiüchtlingsfürsorge: Bankhaus Mehrer K 5000, A. Timberg (Scheveningen) K 2000*—, N. N. (durch Herrn Dr. J. Pollak) K 5000—, Bruder Kunstadt (durch Herrn David Spitzer) K 500*—, H. Feldheim K 500*—, Jakob Bogner K 200—, Bejamin Schreiber K 200—, Alfred Stroh K 200-—, Abraham Schreiber K 200—, Max Großmann K 100*—, David Spitzer K100—, Samson Weiß K100—, Aron WeilK50'—, Max Keßler K 40*—, Bankhaus Weinreb (Wochenbeitrag) K 100—, zusammen K 14.290*—. Herr und Frau David Braun (Steinamanger) haben nachträglich als Telegrammablösung (Hochzeiten Pappenheim — Klein — Deutsch) K 5000-— für die Flüchtlinge gespendet, wofür der wärmste Dank ausgesprochen wird. 4. Jeschivo-Aktion: Spirer K 1000*—, Benö Schreiber K 1000*—, Anonym K 200*—, zusammen K 2200-—. 5. Krankenfürsorge: Grünfeld K 100*—, Paula Fischmann K 50*—, Sandor Adler (VVochenbeitrag) K 50*—, zusammen K 200*—. Weitere Geldsendungen sind zu richten auf Postsparkassenkonto Nr. 170.176 für „Jugendgruppe" und mit dem „Sektionsvermerk", oder an Herrn David Baumgarten, II., Herminengasse 13. Verein „Tiferes Bachurim": Gesammelt durch Herrn Emanuel Lamm K 7100*—, gesammelt durch G. W.K2540-—, gesammelt durch Herrn Ignatz Brody K 2000*—, gesammelt durch Herrn Leopold Schischa K 1020*—, gesammelt durch Herrn Moritz Steinhof K 1500*—, gesammelt durch Herrn Joachim Wosner K 1000.—, zusammen K 15.160-—. Gesamtsumme der Spenden: öst. K 39.556*—. fM^/ß'M Briefkasten. WMM '$/WX'lr'?X'F'&. t§?&M3zM% Mi, Preßburg". Sie bemerken, daß das ewige Zitieren der Balfour-Deklaration auf Sie den Eindruck macht, als ob die Herren glauben, Kol ho omer dowor beschem ornro mewi geula, man müsse nur die Deklaration im Namen Balfours zitieren und damit ist die Geula gebracht. Ferner versucht man den bisechus noschim nigalu und gibt den Frauen das Stimmrecht. Es genügt Ihnen wohl, wenn wir Ihre kurze Bemerkung an dieser Stelle bringen. Eigentum einer Societät. — Verantwortlicher Redakteur für Deutschösterreich: Dr. Joel Pollak. Für die Tschechoslowakei: Heinrich Schwara. — Druck: Genossenschafts-Bucbdruckerei, Wien, VIII., Hernalser Gürtel 20. - Telephon Nr. 19.772.