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Jüdische Presse · 1920-11-05 · 17/33 (5.11.1920) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
6 (1920)
Issue
17/33 (5.11.1920)
Date
1920-11-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Hr. 17/33 JÜDISCHE PRESSE Seite 3 Sitze in Bratislava zu begründen. (Auch schön ausgedrückt.) Das war aber nicht zu erreichen (?) Wir betrauten daher unsere Prager Freunde (die Freundschaft, sie ist kein leerer Wahn) um Bewilligung aar Gründung der Kolonialbank in Prag einzuschreiten (einschreiten ist auch gut), deren Filialen in Bratislava, eventuell in anderen Städten des Slovensko aufzustellen wären. So geschah es, daß die behördliche Konzession den im heiligenden Zeichnungsbogen bezeichneten Herren erteilt wurde." „Die Judenheit des Slovenski aber wird, dessen sind wir überzeugt, den größten Teil des Aktienkapitales (!) zeichnen und so im Besitze der Aktienmajorität (Gründungsbewilligung klingt wie Aktienmajorität) sein. Sie darf dann darauf vertrauen, daß die Bratislavaer Filiale der „Kolonialhank" das eigentliche Zentrum sein wird, wofür übrigens die durch die Majorität der Aktionäre zu wählende Direktion genügende Garantie bietet. Das Institut wird demnach in erster Reihe den Interessen der Judenheit im Slovensko dienen." Dreißig Unterschriften folgen; komischerweise sind auch die Prager Freunde darunter, von welchen das stilvolle Rundschreiben ja doch in der dritten Person spricht, u. zw. einigermaßen unschmeichelhaft, da dargestellt wird, daß man sich genug aber vergebens dagegen gewehrt hätte, ihnen die Banksache zu übergeben. Augenscheinlich hat man die meisten Unterschriften gegeben, ohne den Autsatz zuerst gesehen zu haben. Die Unterschriebenen können ja unmöglich behaupten, bereits vor der Umwälzung an der Gründung einer solchen Bank in Preßburg gedacht zu haben. Wozu die Unaufrichtigkeit? Entspricht es überhaupt den Tatsachen, daß die Konzession für Preßburg nicht zu erreichen war? Wir sind ganz anders informiert! Ein „Preßburger Freund" hat vor Jahresfrist in der Angelegenheit der damals für. Preßburg verlangten Bank im Ministerium vorgesprochen und hat das beste Entgegenkommen gefunden! Wir gestatten uns zu glauben, daß die „Prager Freude" und nicht das Prager Ministerium es war, welche die Bank in Preßburg unmöglich gemacht haben. Sicher ist, daß die Regierung einer von wirklich vereinigten jüdischen Körperschaften verlangte Bank in Preßburg keinesfalls die Konzession verweigert hätte. Eine zweite Frage: Wenn die Konzession schon nur für Böhmen zu erhalten war, konnte sie nicht, auch auf andere Namen lauten? Das Rundschreiben versichert allerdings, daß, wenn die slowakischen Juden die Majorität der Aktien zeichnen würde, so könnte Preßburg die eigentliche Zentrale sein. Wie narr! Als wenn nicht Jedermann wüßte, daß die Konzessionäre einer Bank imstande seien, sich ein Vorrecht zu sichern? Was bedeutet das ganze Rundschreiben anders als eine sophistische Begründung des sonderbaren Zustandes, daß die „Prager Freunde" mit ihren „Preßburger Freunden" eine Bank in den Händen haben, zu welchen das biedere Völkchen der slowakischen Juden Geld und Geschäft liefern soll. Wozu wir dies alles ausführlicher, als es manchem notwendig scheint, beleuchten? Diese Bank soll ein neuer Sturmbock gegen die alten Formen, des Judentums werden. Sie wirft schon ihren Schatten auf die gleichzeitig einberufene Delegiertenversammlung der Vereinigten Jüdischen Partei voraus. Die mit einem Kapital von 10 Milliondn zu errichtende Bank fordert ein tschechisches Milliönchen Kronen für— Vorbereitungsspesen. Das Gründungskomitee der Bank, welche dem Gesamtjudentum dienen soll, setzt sich einseitig zusammen aus jenen Elementen, welche an den Grundfesten der Orthodoxie gerüttelt haben und das Judentum der Slowakei zersetzt haben. Die Bank bedeutet einen Ansturm auf die alten Positionen, das goldene Kalb, welches auf dem Wege nach Bethel errichtet wird. NACHRICHTEN. Deutscftosterreicft. Die Aguda-Zentrale für den Osten. Ein Mitglied des in Wien residier enden Zentralrates der Aguda begibt sich in den nächsten Tagen nach Zürich, um die für die laut Beschluß der Preßburger Welt- ♦konferenz der Aguda in Wien zu errichtende Zentrale für den Osten nötigen Transaktionen vorzunehmen. Der Vorstand der Adas Jisroel hat in seiner Sitzung vom 28. Oktober beschlossen, der Jesod Hathora außer dem regelmäßigen Jahresbeitrag von K 6000 für das laufende Unterrichtsjahr einen außerordentlichen Aushilfsbeitrag von K 24.000 in Monatsraten zahlbar, zu bewilligen. Für die Heimbeförderung der Palästinaflüchtlinge wurde dem Hilfskomitee der Betrag von K 10.000 bewilligt. Der' Füchtlingsfürsorge für zeitweilige Verpflegung, wurde der Betrag von K 5000 neuerlich überwiesen. Außerdem wurden Unterstützungen an einzelne Personen bewilligt. Ueber Antrag der Vereiusleitung wurde die Finanzkommission beauftragt, die Neuregelung der Beamtengehalte vorzubereiten. Der Antrag der Approvisionierungskommission wegen Neugestaltung ■ der. Haschgachah von Fleisch, Geflügel und Gasthäuser wurde genehmigt. Verein jüdischer Hörer an der Hochschule fttr Bodenkultur. Die ordentliche Generalversammlung wählte am 21. Oktober folgenden Ausschuß: Georg Bök, Obmann; Sigmund Mannheim, ÖbmannsWl Vertreter; Hermann Krämer, Kassier; Arnold Türkei, Schriftführer; David M. Thschipruth, Bibliothekar; Abraham Fischer, Palästinareferent. Jttdisch-akademiscker Kulturverband „Jahne". Sonntag, den 7. November, findet um 10 Uhr vormittags, im Lokale des jüdischen Exportakademikervereins, II., Taborstraße 1, die fünfte ordentliche Generalversammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Berichte; 2. Debatte; 8. Statutenrevision; 4. Neuwahlen und 5. Eventuelles. CscDecboslowakei. Präses Oberrabbiner Weber bei Ministerpräsidenten Cerny. DerPräsesderZentralkanzlei der orthodoxen Gemeinden in der Slowakei, Oberrabiner Weber, ist dieser Tage vom Ministerpräsidenten Cerny empfangen worden. Oberrabbiner Weber informierte den Ministerpräsidenten über die Angelegenheiten der Orthodoxie und urgierte besonders die Angelegenheit der Kongrua für die orthodoxen R a bbiner. Der Ministerpräsident versicherte dem Oberrabbiner Weber, daß diese Angelegenheit baldigst in zufriedenstellender Weise ihre Erledigung finden werde. Ungarn. Die Magyarisierung der Juden. „Egyenlösäg" teilt folgende statistische Daten mit, welche in der Note der ungarischen Friedensdelegation enthalten sind. Die Zahl der Juden in Ungarn betrug: darunter im Jahre ungarischsprechend 1880 ...... 624.826 365.400 1890 ...... 707.691 451.474 1900 ...... 826.222 594.451 1910 ...... 911.227 700.794 Die Zunahme an Juden betrug 1890 13*3 Prozent, 1900 16-7 Prozent, 1910 10 2 Prozent, aber die Zahl der Ungarischsprechenden erhöhte sich im Jahre 1890 mit 23-5 Prozent, 1900 mit 31*6 Proaent und 1910 mit 17*8 Prozent. Daher machte der Prozentsatz der ungarischsprachigen Juden im Jahre 1880 58-5, in 1890 63*8, in 1900 71/5, in 1910 76-9 aus. In den letzten dreißig Jahren haben sich daher die ungarischen Juden mit 30 Prozent vermehrt, die Zahl der ungarischsprechenden aber mit nahezu 100 Prozent. Ein Lichtpunkt. In Totfalu, dicht neben Budapest, starb die Frau des Tierarztes Sipos. Die ganze christliche Bevölkerung nahm am Leichenbegängnis Anteil. Als der Rabbiner Samuel Roth mit der Trauerrede fertig war, trat der reformierte Geistliche Beniczky vor die Bahre und sagte zum Volke: „Nehmt euch hier ein Beispiel, wo Geistliche aller Konfessionen den Sarg einer jüdischen Frau begleiten. Ehret und liebet euch einander." Von den Kirchen läuteten die Glocken. Deutschland. Rückkehr der Palästiaa-Deutschen. Die englische Regierunggeslattetedie Rückkehr sämtlicher Palästina- Deutschen, die anläßlich des türkischen Waffenstillstandes nach Aegypten und von dort, zum Teil nach Deutschland verschickt wurden. Der Oberkommissär Palästinas, Samuel, wurde beauftragt, für die Unterbringung der zurückkehrenden Deutschen Sorge zu tragen. Zentralrat der Aguda. In den Zentralrat der Agudas Jisroel wurden von der deutschen Landeszentrale gewählt: Rabb. Dr. Auerbach (Halberstadt), Rabb. Dr. Pinchas Kohn (Ansbach) und Rabbiner Dr. Klein (Nürnberg), in den rabbinischen Rat Habb. Dr. Breuer (Frankfurt a. M.) und Professor Dr. Hoflfmann (Berlin). Eine kleine Anfrage. Auf die Anfrage des Abg. Dr. Philipp (Deutschnationaler) im Deutschen Reichstage wegen Verbreitung des ABC des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus durch die Reichszentrale für Heimatdienst wird von der Regierung erwidert, daß die betreffende Schrift von dei^ Zentralleitung nur als Material beschafft worden sei, weil die darin enthaltenen reichlichen Statistiken und sachlichen Angaben geeignet zu sein scheinen, als Nachschlagebuch für Richtigstellungen zu dienen. Wenn auch die Schrift in einzelnen Artikeln Angriffe gegen die Gegenseite enthält, so erschien doch der Reichszentrale ihre Tendenz nicht auf eine Verstärkung oder Verbreiterung der Gegensätze gerichtet, sondern darauf, einer ruhigen Beurteilung der Judenfrage das Wort zu reden. Polen. Joint. Nach der Rückkehr Dr. Bogens nach Warschau fand eine Beratung der verschiedenen Funktionäre des J. D. G. statt. Dr. Bogen erklärte, daß die vom Joint erteilte monatliche Subvention stufenweise reduziert werden würde, in der Erwartung, daß die lokalen jüdischen Kreise nach Möglichkeit aus eigenen Mitteln die philanthropischen Bedürfnisse decken werden. Auf jeden Fall werde die Reduzierung derart sein, daß sie die Rettungsaktion des Joint nicht in Frage stellen werde. Das J. D. G. hat des weiteren 10.000 Dollars für Beheizungszwecke gewidmet. Besonders energische Tätigkeit wird der Joint bezüglich der Besserung des Gesundheitszustandes und des Kinderschutzes entwickeln. Zum Schlüsse machte noch Dr. Bogen Mitteilung über versciiiedene Personaländerungen, die in der Abteilung des Joint für Polen demnächst eintreten werden. — Wie^ die Warschauer Zeitungen berichten, soll Dr. Bogen nach Beendigung seiner Aufgabe in Polen sich nach Palästina begeben, um dort die Arbeiten des Joint zu leiten. (J. P. Z.) Eitauen. Flüchtlinge. Laut einem in London von Salzmann, dem Abgesandten des People Relief Committee, aus Kowno eingelangten Telegramm, befinden sich in Kowno und Umgebung 50.000 jüdische Flüchtlinge aus Wilna. Die lokalen Institutionen seien machtlos, um die Leiden der nackten und hungrigen Unglücklichen lindern zu können. 1000 Pfund werden sofort benötigt. Ukraine. Hilfskonferena der Föderation der ukrainischen Juden. (Jewish. Korr. Bur.) Dank den erfolgreichen Bemühungen J}r- Jochelmanns trat anfangs dieser Woche in London eine Hilfskonierenz zugunsten der ukrainischen Juden zusammen, an der sich 200 Delegierte von über 40 Organisationen beteiligten. Nach eingehenden Referaten über die Lage der Juden in der Ukraine und über Erfordernisse und Methoden des aufzunehmenden Hilfswerkes teilte Dr. Kaizer, Ehrenpräsident der Föderation, mit, daß die Exekutive des Verbandes die Ausgabe eines .Schwarzbuches* vorbereite, das alle die Pogrome in der Ukraine betreffenden Materialien wahrheitsgetreu zusammenfassen wird. Nach weiteren Referaten Machowers, Goldenbergs und Größmanns wurde ein Zentralkomitee unter Vorsitz Dr. Jochelmanns gewählt, dem unter anderen der Chiefrabbi als Ehrenpräsident, Sir Stuart Samuel und Herbert Bentwich als Vizepräsidenten und eine Reihe hervorragender Persönlichkeiten der englischen Judenschaft angehören. Es wurde eine Reihe von Resolutionen über die zukünftige Tätigkeit der Federation gefaßt. Die wichtigsten darunter sind die Errichtung einer Expositur in Reval für die Ueberweisung von Kleidern, Geld, Briefen usw. an die jüdischen Notleidenden und die Aktion für die Adoption jüdischer Waisen aus der Ukraine Bettarabien. Da das frühere Stimmergebnis angezweifelt wurde, fand eine neuerliche .Versammlung der Eltern der Schüler des 4. Gymnasiums in Kischinew statt, , auf der sich 45 Stimmen für die Hebräisierung des Gymnasiums aussprachen. Drei waren für jiddisch und weitere drei enthielten sich der Abstimmung. Rumänien. Lehrerkonferenz. Die von 30 Delegierten beschickte Lehrerkonferenz in Rumänien faßte Beschlüsse über Verbesserung der moralischen und materiellen Lage der jüdischen Lehrer, die durch das Unterrichtsministerium erfolgen soll. Eine Abordnung solle diesem die Wünsche der jüdischen Lehrerschaft unterbreiten. Ein Lehrerfonds wurde geschaffen. Scftweis. 40.000 Franken für den Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroel. Der Schweizerische Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroel ist nun daran, seinen Plan, ein Waisenhaus für Kriegswaisen in Erez Israel zu eröffnen, auszuführen. Auf der Konferenz der Agudas Jisroel in Preßburg wurde beschlossen, dieses Unternehmen so schnell wie möglich zu verwirklichen. Daraufhin hat ein anonymer Spender einen Betrag von Frcs. 40.000 zu diesem Zwecke vermacht. Es ist zu hoffen, daß die schweizerische Judenheit, die den Grundstein für diese heilige Sache legte, auch weiterhin größere Beträge diesem Fonds zufließen lassen wird. Uebersiedlung der Aguda-Zentrale. Dr. Max Young, Generalsekretär der Aguda- Zentrale in London ist dieser Tage nach Zürich abgereist, um die Ueberleitung der Zentrale von Zürich nach London zu bewerkstelligen. Zum Schächtverbot. Die „N. Z. Z.a bringt folgende Notiz: Vom ^entralvorstand der deutschschweizerischen Tierschutzvereine wird mitgeteilt: Nachdem die unter Berufung auf die außerordentlichen Vollmachten vom Bundesrat seinerzeit erteilten Schächtbewilligungen auf den 15. April 1920 endgültig zurückgezogen'waren, ist eine Umgehung des Schächtverbotes in der Weise eingetreten, daß mit Bewilligung des eidgenössischen Ernährungsamtes an bestimmten Grenzorten, so in Rheinfelden, von jüdischen Metzgern Schweizervieh über die Grenze

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