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Jüdische Presse · 1920-10-22 · 15/31 (22.10.1920) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
6 (1920)
Issue
15/31 (22.10.1920)
Date
1920-10-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 15/31 JÜDISCHE PRESSE Seite 3 Dewt$c1>5$!erreicb. Dr. Siegfried Sehlesinger ist als Lehrer der hebräischen Disziplinen an das orthodoxe Lehrerseminar nach Kowno berufen worden iind hat die Stelle angetreten. Das Kriegswaisenhaus der Aguda in Baden bei Wien wird Sonntag von den Vorstandsmitgliedern besichtigt werden. Abfahrt Sonntag um halb 9 Uhr von der Giselastraße. Die Badener Agudafreunde dürften diese Gelegenheit zu einer Sympathiekundgebung für die Aguda benützen. Flüchtlingsaktion. Am 13. Oktober gingen etwa 55 Flüchtlinge aus Erez Israel mit Lebensmittel versehen vom Südbahnhof ab. Sie wurden von den Vertretern der Jugendgruppe Felsenburg, Richter und Ludwig Adler begleitet. Herr Josef Brody hat sich dabei Verdienste bei der Beschaffung des Geldes und. Herr Felsenburg durch Lebensmittelbeschaffung erworben. Am 14. Oktober ging eine zweite Gruppe unter Begleitung des Herrn Sandor Adler ab. Verband der jüdischen Invaliden und Heimkehrer in Wien, II., Obere Donaustraße 65. Am Sonntag, den 24. Oktober, findet im Hotel Post, I, Fleischmarkt, um 9 Uhr vormittags, die außerordentliche Generalversammlung mit nachfolgender Tagesordnung statt: Rechenschaftsbericht und Genehmigung desselben; Neuwahl der Verbandsleitung; Wahl der Revisoren; Festsetzung des Mitgliedsbeitrages; Eventuelles. Anträge und Interpellationen für die Generalversammlung sind längstens drei Tage vorher der Verbandsleitung schriftlich bekanntzugeben. Pünktliches und zuverlässiges Erscheinen ist unbedingt Pflicht. Mitgliedskarte mitbringen!; C$cbecbo$lowakei. Jahrhundertfeier. Die israelitisehe Religionsgemeinde feierte am 17. Oktober den hundertjährigen Bestand der israelitischen Volksschule, die seit 1873 unter der Verwaltung der israelitischen Religionsgemeinde wirkt. Konferenz. Sonntag fand in Trnava eine Sitzung der Leitung des Verbandes der Jugendgruppen der Slowakei statt, zu welcher die Delegierten fast sämtlicher Gruppen erschienen waren. Die Vertreter der Jugend wurden seitens des Oberrabbiners Ungar und dem Öbmanne der Ortsgruppe in Trnava begrüßt und das jüdisch-orthodoxe Milieu der echt jüdischen Gemeinde wirkte wohltuend auf die Beratung der Jugend, über die wir in nächster Nummer berichten werden. Ungarn. Ehrung des Budapester Oberrabbiners. Dieser Tage ist es dreißig Jahre geworden, seitdem Oberrabbiner Koppel Reich das Rabbinat in Verbo mit dem verantwortungsvollen Amte des Oberrabbiners der orthodoxen Gemeinde in Budapest vertauschte. Diese 30 Jahre bedeuten ein stetiges Aufsteigen dieser Gemeinde an Ansehen, Stärke und Ueberzeugungstreue. Mit Festigkeit im Prinzipe, aber mit weiser Milde hat der ehrwürdige Greis, der heute im 83. Lebensjahre a. m. sch steht, es verstanden, die Gemeinde nach innen und außen glänzend zu repräsentieren. Seine Wirksamkeit ist die Geschichte der Orthodoxie in Ungarn selbst. Er kämpfte schon auf dem Kongresse vom Jahre 1868 mit, war dem ungarischen Judentum in seiner höchsten Entwicklung und seinem tiefsten Sturze unermüdlicher Berater und Vertreter. Möge er noch viele Jahre mit seiner bewundernswerten körperlichen und geistigen Frische zum Wohle und zur Ehre des Judentums weiter wirken. Nach Palästina! Es haben sich bisher in Ungarn 3500 Juden, hauptsächlich wohlhabende, zur Auswanderung nach Palästina angemeldet, wo sie sich mit ihrem Kapital am industriellen und landwirtschaftlichen Wiederaufbau beteiligen wollen. Die Aktion wird von Rabbiner Deutsch Lipot geleitet. Zur Förderung der Wiederaufbauarbeit in Palästina, wurden in Budapest verschiedene Kurse eingerichtet. Die Ingenieure Brünn Benö, Szivos Jenö und Török Istvan seien bereits in Palästina eingetroffen und haben ihre Arbeiten begonnen. Die Ingenieurabteilung umfaßt 28 Teilnehmer. Die von Dr. Krausz Miksa geleitete Vortragsgruppe der Mediziner zählt 28 Hörer. Es wird geplant, zwischen Jaffa und Haifa eine auf 2500 Hektar bemessene ungarische Kolonie ins Leben zu rufen, wozu sich bereits im Hüvösvölgy 20 junge Chaluzim vorbereiten, die dann von weiteren Chaluzim abgelöst werden sollen. Der Budapester Vertreter des „Joint8 habe bereits K 1,300.000 votiert, um die Ueberfahrtskosten von 130 Chaluzim nach Palästina zu decken. Von den erwähnten 20 Chaluzim sind 4 ari der Budapester Universität zur Fortsetzung ihrer Studien nicht zugelassene Akademiker. Von den Aerzten ist als erster Dr. Barsi Dezsö, Chefarzt der Ofener Klinik, bereits vor drei Wochen nach Palästina gereist, um den Bau des Sanatoriums für Knochentuberkulose zu leiten, in Begleitung des bekannten Budapester Internisten Dr. Bela Benedek. NACHRICHTEN. Siebenbürgen« Oradeamare (Großwardein). Wir erhalten aus Oradeamare (Großwardein) die Nachricht, daß sich dort in der vergangenen Woche eine Aguclas Jisroel- Jugendgruppe gebildet hat. Nach einer eindrucksvollen Ansprache des Herrn Oberrabbiners Fuchs wurde die Konstituierung einstimmig ausgesprochen. Zum Präses dieser Gruppe wurde Herr Artur Ratzesdorf gewählt. Er richtete an die zahlreich Versammelten in einer wirkungsvollen Rede die Aufforderung, an dem großen Werke zur Erhaltung unserer religiösen Jugend mitzuarbeiten. Wie wir noch erfahren, leitet die Jugendgruppe als erste soziale Arbeit eine großzügige Aktion zur Reorganisation der dortigen Mensa ein, die ein jährliches Budget von K 500.000*— aufweist. Auch wird uns mitgeteilt, daß dort demnächst eine Schneider- und Schuhmacherwerkstätte eingerichtet wird, wo für die dortigen hundert Bachurim gratis gearbeitet werden soll. Wir wünschen unserer Schwesterorganisation eine gedeihliche Entwicklung. Hebräisches Lehrerseminar in Klausenburg. Ueber Ersuchen des Siebenbürgischen Jüdischen Nationalverbandes hat der Kulturausschuß der Londoner zionistischen Jahreskonferenz die Errichtung eines .Lehrerpädagogiums für Großrumänien beschlossen. Der Ausschuß hat zu den Gründungskosten für das erste Jahr den Betrag von 750 Pfund Sterling votiert. Das Pädagogium hätte ursprünglich in Kischinew errichtet werden sollen, doch die dortigen politischen Verhältnisse lassen derzeit die Errichtung eines solchen Kulturinstitutes nicht zu. So wurde der Sitz dieses Institutes für Klausenburg bestimmt. Die Zionisten in der Bukowina haben auch zugestimmt, daß das Pädagogium in Siebenbürgen errichtet werde, wo die jüdischnationale Bewegung intensiv ist und an Verbreitung immer zunimmt. Der Leiter des wichtigen Institutes ist der Professor des Wiener hebräischen Pädagogiums Dr. Sonnenschein. Das Institut Avird wahrscheinlich im Oktober dieses Jahres eröffnet werden. Jugoslawien. Sarajewo. Anläßlich des offiziellen Besuches des Prinzregenten von Jugoslawien in Sarajewo wurden die beiden Oberrabbiner Dr. Levi (seph. Kultusgemeinde) und Dr, Weszel (aschk. Kultusgemeinde) mit dem Sv.-Sava-Orden ausgezeichnet. Die jugoslawisch - zionistische Jahreskonferenz. Die Jahreskonferenz der Zionisten Jugoslawiens findet vom 25. bis 27. Oktober statt. Deutschland Asyl für ostjüdische Flüchtlinge. Der Verband der Ostjuden in Deutschland hat im Verein mit dem Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen das städtische Asyl für Obdachlose in der Wiesenstraße, die sogenannte „Wiesenburg", deren Betrieb mangels der erforderlichen Geldmittel seit Monaten stillgelegt war, eigens zur Unterbringung der durchreisenden Emigranten gemietet. Dieses Asyl, das im Jahre 1896 erbaut worden ist, bietet Raum für insgesamt 700 Männer und 400 Frauen. Zurzeit läßt der Verband der Ostjuden die Gebäude mit eigenen Mitteln instandsetzen. Für strengste Hygiene ist in weitestem Maße gesorgt. Die neu Ankommenden werden zunächst mit allen ihren Sachen einer gründlichen Desinfektion unterzogen. Bade- und Waschgelegenheit ist zur Genüge vorhanden. Eßsäle und Schlafsäle mit guter Ventilation bieten genügende Gewähr für die gesunde Unterbringung der Asylisten. Davis Trietsch. Der bekannte Palästinaforscher Davis Trietsch, dessen Palästina-Handbuch schon vor dem Krieg in 3 Auflagen erschienen, ist am 10. Oktober von Berlin zu mehrmonatli ehern Aufenthalt nach Palästina abgereist. Amerika. Gegen den Antisemitismus. Eine von Vertretern des Verbandes der Rabbiner (reformierter Richtung), des Frauenbundes, der Bene-Brith-Logen und des Äbwehr-Vereines gebildete große Versammlung in Chicago beschloß eine energische Aktion zur Bekämpfung der auch hier wachsenden antisemitischen Verleumdungen. Anlaß bot namentlich die Verbreitung des bekannten Machwerkes: die „Protokolle der Aeltesten Zions". Ein Memorandum Louis Brandeis*. (Jewish Corr. Bur.) Oberrichter Louis Brandeis unterbreitete der Exekutive der Zionistischen Organisation Amerikas ein Memorandum, in welchem er seine Ansichten über die Notwendigkeit der Reorganisierung der amerikanisch-zionistischen Organisation und deren Anpassung an die großen Aufgaben der praktischen Durchführung des Wiederaufbaues Palästinas entwickelt. Er behandelt ausführlich das gesamte Bcsiedlungsproblem Palästinas und unterbreitet eine ganze Reihe praktischer Vorschläge, sowohl bezüglich der Kreditbeschaffung als auch der Errichtung und des Ausbaues der erforderlichen Institutionen. Er erörtert den gesamten Komplex der Einwanderungsfragen und tritt für die Umgestaltung aller bisherigen finanziellen und kulturellen Instrumente der zionistischen Weltorganisation ein. Darnach hätte die Zionistische Organisation in erster Linie für die Aufbringung von Mitteln für die palästinensische Staatsanleihe, für dieColonial-Bank,für die Anglo-Palästina- Compagnie und für eine Hypothekenbank zu sorgen. In zweiter Linie kommen Investitionen für industrielle und landwirtschaftliche Unternehmungen in Betracht. Am Schlüsse des sehr ausführlichen Memorandums wünscht Brandeis die Ausarbeitung der Pläne für den Wiederaufbau Palästinas in der YVeise^ daß eine Mitarbeit aller Juden, auch der Nichtzionisten, ermöglicht werde, sofern sie den Wunsch haben, gemeinsam mit der Zionistischen Organisation am Wiederaufbau Palästinas mitzuwirken. Das Memorandum wird allen von der amerikanischen Zionistischen Organisation für die Ausarbeitung des Wiederaufbauplanes für Palästina eingesetzten Fachkommissionen als Grundlage dienen. Polen. „Der Tog." Das offizielle zionistische Organ „Der Tog" wurde auf Grund der Artikel: „Ein Beschluß des provisorischen jüdischen Nationalrates" und „Die Arroganz des ,Jud'K am 2. Oktober von der Regierung verboten; auch die Druckerei wurde versiegelt. Der Intervention des Abgeordneten Grünbaum gelang es, die Benutzung der Druckerei wieder frei zu bekommen, so daß ab Sonntag „Der Tog" wiederum in Form sogenannter Eintagsblätter unter verschiedenen Namen wie „Unser Hajnt", „Najer Hajnt" usw. erscheinen könnte. Die Lage der Juden in Bialystok. Als die Polen Bialystok besetzten, spielten sich furchtbare Dinge ab, über die man noch keine genauen Einzelheiten kennt. Privatbriefe jedoch berichten von Hunderten ermordeter Juden, in Brand gesteckten Häusern, von der Vernichtung aller jüdischen sozialen Institutionen usw. Hervorgerufen wurden diese entsetzlichen Geschehnisse durch die Verleumdung, die Juden hätten den Bolschewiken werktätige Hilfe geleistet. Die polnische Preßhetze wirkt auch jetzt noch in Bialystok nach. Auf einem Meeting der dortigen nationalsozialistischen Partei (eines Ablegers der Nationaldemokraten) wurde beschlossen, zu fordern, daß gegen die Juden Bialystoks die schärfsten Maßregeln ergriffen werden, vor allem sollen alle jüdischen. Aufschriften auf den Geschäftsschildern und die jiddischen Plakate beseitigt werden; die Juden sollen aus den munizipalen und Regierungsstellen in Bialystok entfernt werden. Seit einigen Tagen besucht die Polizei die jüdischen Läden und fordert die Inhaber auf. die jüdischen Schilder abzunehmen. Ferner ist den jüdischen Zeitungen das Erscheinen verboten. Bukowina. Ausweisungen. Bezüglich der drohenden Ausweisungen hat Dr. Mayer-Ebner beruhigende Versicherung erhalten. Rücksicht auf die ärmere, handel- und gewerbetreibende Bevölkerung wurde versprochen. Die Anmeldungen gehen weiter vor sich, während die Entscheidungen verläufig suspendiert wurden. Nach Sichtung des gesamten Materials wird gewissermaßen eine Rangordnung geschaffen werden- und zuerst alle jene Personen, die von . Renten auch anderwärts leben können, wie auch diejenigen, deren wirtschaftlicher Betrieb auch von einem anderen Orte aus erfolgen kann, wie z. B. Reisende, zum Verlassen Czernowitz veranlaßt werden. Das „Joint" in Czernowitz verweigerte der Studentküche eine Unterstützung, solange diese nicht rituell geführt werde. Jüdische Arbeiterkreise, wie auch ein Teil der Studentenschaft, laufen gegen diese Entscheidung Sturm. j. p. z. Ukraine. Hilfe für die ukrainischen Juden. Das unter Vorsitz von Dr. Jochelmann hier bestehende Hilfskomitee macht erneute Anstrengungen, um größere Fonds für die unglücklichen Opfer der Petljura-Banden aufzubringen. Es sollen größere Summen für medizinische Hilfe angewiesen werden. Die Verteilung wird der Vertreter des kanadischen Hilfskomitees,- H. Saltzmann, in der Ukraine vornehmen. Aegypten. Berlitz-Kurs. Dank der Bemühungen der „Jüdischen Frauen-Vereinigung" in Alexandria wurde von der Berlitz-Schule ein Kursus in hebräischer Sprache eröffnet.

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