Mannheim
Compact Memory

Der treue Zionswächter · 1849-12-21 · 51 (21.12.1849) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der treue Zionswächter
Volume
5 (1849)
Issue
51 (21.12.1849)
Date
1849-12-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2625941-2626254-2626306--2159-2629874
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

404 Das Chanrr^a Fest oder die Freiheitstampe. Jedes Volk, jede Nation feiert ihr erstes Entstehen. Die erste Errungenschaft ihrer Selbstständigkeit ist eine heilige Errinnerung, die durch kein Geschick verwischt werden kann, und der Tag, an welchem ein Polk seine Freiheit erkämpfte, vleibr noch für die späteste Generation ein Frcudeutag, an welchem sie mit neuer Kraft für ihren Beruf sich rüsten. Auch uns Juden fehlt es nicht an solchen denkwurvigcn Ereignissen, unsere seit Jahrtausenden bestehende Geschichte ist reich an Thaten, die glänzend bekunden, wie eifrig unsere Ahnen ihren göttlichen Beruf zu erfüllen strebten, wie sie mit HiritenarisclMiig ihres Lebens die göttliche Lehre und dadurch ihre Selbstständigkeit zu erhalten suchten. Durch diesen Heldcumulh unserer Ahnen, dem wir noch unser jetziges Bestehen verdanken, haben wir jetzt niel-t nur Feste, die an unser Entstehen als Volk errinncrn, sondern auch solche, welche Zcugniß von Wiedererlangung unserer durch Tyrannen uutccdruckten Freiheit ablegcn. Zu dieser Art der Feste gehört die Cbanukafeier. Uebcrflüssig ist es, hier die historische Entstehung dieser Freiheitsfeier zu erwähnen, welcher Jude wird nicht die Heldenthaten der Makkabäer wissen? Wem ist nicht die Errinnerung, wie der alte begeisterte 'd-or'y mit seinem Häuflein ins Gebirge sich zurückzog, und da, dem Gesetze Gottes lebend, den Befehlen des Tyrannen Hohn sprach? Wer kennt nicht den Löwenmut!) dieses Greisen, der mit jugendlicher Kraft den Mann, der der göttlichen Lehre spottete, in Feindes Gegenwarte'schlng? Wer weiß nicht zu erzählen von den siegreichen Schlachten, welche das geringe ungeübte Häuflein gegen das kampsgeubte syrisch-ägyptische Heer erfocht? Wem endlich ist unbekannt, wie Liese gottbegeistcrteu Helden den jüdischen Staat von der Frcmdenherrschaft befreieten und ein selbstständiges jüdisches Reich wieder herstellteu? Unnütz wäre es also, hier das allgemein Bekannte zu erwähnen. Statt dessen wollen wir lieber uns vergegenwärtigen, was die Ursache des Kampfes war, und welchen Erfolg diese külmvollcn Unternehmungen hatten. Wir hoffen aus beiden eine bedeutende Lehre für die Gegenwart zu nehmen, zumal da die Anknüpfungspunkte zwischen der damaligen und jetzigen Zeit sehr viele sind. Nicht stand damals Israel unter einen Tyrannen, der durch Gcldererpressung oder durch sonstige Lasten seiner eignen Laune fröhnen wolltenicht bluteten die vielen Jünglinge und Jungfrauen Judas, weil die Blutgier eines grausamen Herrschers solche Opfer erheischte', vielmehr waren viele von Juda, die dem Befehle des syrischen Königs sich nicht widersetzken, frei von aller Verfolgung und genossen ein sorgenloses Leben. Ganz Jehuda konnte demnach ungestört seines Lebens Wohlfahrt sich erfreuen, wenn sie den Forderungen des fremden Machthabers genügen wollten. Dennoch trotzten sie dieser großen Macht, und wohl ihnen, daß sie den Math dazu hatten. Diese, welche allen Wohlstand und jedes Gluck gering schätzten, wollten nicht um irdischen Genuß ihr Heiliges Preis geben. Sie verschmähetcn es, alle ihre dargeboteueu Freiheiten, um ihre eigne Freiheit zu retten. Sie wollten keine gleiche Freiheiten mit den übrigen Staatsdienern, um ibr göttliches Recht aufrecht zu erhalten. Sie crkaniueri keine fremde Macht, weil sie die göttliche Macht erkannt hatten. Sie wiesen schnöde die Gebote des Tyrannen von sich, weil sie am göttlichen Gebote hingen. Sie wollten endlich keine gleiche Rechte mit den übrigen Nationen, weil sie ihre Nation nicht in die Masse aufgehen lassen wollten. Um solcher Lvrtheil willen wagte es eine unbekannte Schaar einem allgemein gefürchteten Tyrannen zu trotzen. Und was sie mulhig unternommendaß setzten sie auch tapfer durch Ihr Löwenmuth scheuchte den Feind weg, ihr Ruf^stza 7 jagte Tausende in die Flucht. Aus ihren Gebirgen drangen sie immer weiter vorwärts, trieben die fremden Zwinger aus dem Lande und orangen in die heilige Staot Jerusalem siegreich und ruhmgekrönt ein. Hier war nun ihr erstes Unternehmen das Aller-Heiligste in seinem vorigen Glanz wiederherznstellen. Sie säuberten nun dasselbe von Allem, was dem Götzendienst gehörte, und siehe, bei ihrer Beschäftigung finden sie eine kleine Ölkanne, versiegelt mit dem Siegelringe des Hohenpriesters, bestimmt für die heilige Lampe. Welche Freude, mitten unter allen Unheiligen hatte sich diese kleine Kanne erhalten! War dieses ihnen nicht ein Zeichen ihrer eigenen Erhaltung? Und zum Andenken dieses wich-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.