Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 51 (21.12.1849)
- Date
- 1849-12-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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achtet wird, leben lassen will. — Wozu? frage ich also nochmals, jenes Beginnen, jenes Streben, jene unveränderte Thätigkeit, jene heiße Sehnsucht, welche in manchen, übrigens genialen Köpfen, sich äußert, um eine Synode hervorzurufeu? Eine Synode, an welcher nicht nur, die ihrer Ansicht nach berufenen, die sich Rabbiner nennende, Theil nehmen sollen, c'Lnp cnrn H '2 wird geheuchelt. — Und,der Zweck, wie soll er heißen? Das Endziel dieses Strebens, wie soll man es nennen? Ihr Zweck kann nichts anders sein, als ihr Genie zu entwikkeln und ihren Durst nach Ruhm zu befriedigen. Das Endziel ihres Strebens, wie kann man es anders nennen, welchen anderen Namen kann es tragen, als den der Neuzeit entsprossenen, so zärtlich geliebten und geliehkosten Kindes, — Reformation. Ha, siehe da! wie sie sich blähen mit dieser Ausgeburt der Neuzeit, indem sie sprechen Ein Kind ist uns geboren, ein Kind voller Herrlichkeit und Bewunderung, was es beschließt, ist göttlich, ist mächtig, alles bisherige überragend, und schwinden muß jeder Zweifel. O über diese Willkürlichkeit! Siehe da! die Sucht ihr Genie glänzen zu lassen, der Durst nach Ruhm gab ihnen eine von höherer Natur wähnende Poesie und willkürlich gemachter Bildersprache, eine erbärmliche Nachahmung jener, durch Einwirkung geistiger Weltregionen auflodernder Flamme, der Geist und Natur durchdringender Seher! Und weiter. Was soll jenes, durch die so lange kreisende Synode nerrgeborne Wunderkind uns darbieten? Freiheit! Freiheit des Denkens, Freiheit des Handelns schallt es von allen Seiten. Keine Hierarchie! Keine geistliche' Oberherrschaft! Keine Gebundenheit'durch den Talmud! Ja selbst die Beschränkungen der Thora sollen modificirt werden. Bedenke aber, daß die größere Freiheit sich wieder selbst erwählt, der Zaun, der sie vor Willkühr schützt, denn wahrlich, Willkühr ist's, menschliche Einrichtung an der Stelle jener, für die Ewigkeit gebauten setzen zn wollen. Und »vührlich, keine menschliche Einrichtung ist für die Ewigkeit gemacht, denn diese muß ja den jedesmaligen Forderungen der Zeit Rechnung tragen, was stünde demnach zu erwarten, nichts anderes, als,, daß. mit neuey Zeitforderungen wieder neue Einrichtungen geschaffen werden. Vernichtet sind dann alle früheren Synydalbeschluffe, verwischt ist dann jeder Ruf, und das Luftschloß „Nachruhm" — nichts — als eine Seifenblase; nach des Propheten Worte: --bin vc ön!» Mom, aus den Wirren muß jeder Ruhm und Nachruf schwinden. Und wer denn sonst, als ihr Geniemänner, ihr nach Nachruhm geizende, träumt es, daß Israel Treue und Liebe zum göttlichen Gebote lassen wird, weil nur ihr es seid, die die Redlichkeit, die Treue und Liebe unterdrücken, schwächen, ja morden wollt. Aber wahrlich! die Redlichen, die Liebenden, sie sind nicht ausgestorben in Israel, und stets werden sie die Sieger bleiben. Häuft nur Synoden auf Synoden, thürmt Beschlüsse auf Beschlüsse, der uralte Fels bleibt unerschüttert. Nicht eines Geniemannes wegen, nicht um die Ruhmsucht zu fördern, hat der höchste Gott jenen Fels errichtet, nein! Der von aller Eitelkeit freieste, unter allen Sanftmüthigen der Sanstmüthigste, Moscheh, hat auf Gottes Geheiß, Israels wegen jenen Fels erstiegen, unerschütterlich fest war und ist jener Standpunkt. Lv E,. Dieser hohe Standpunkt des Glaubens bleibt unvergänglich, wird und kann nicht wanken. -s-n-7. Welches menschliche Genie vermag es also, unsere, wie das Firmament unveränderliche Lehre zu meistern? Wenn auch die Symbolis der Thora oft unenträthselt bleibt, so liegt die Schuld wol nicht an der Unverständlichkeit dieser Sprache und Symbolis an sich, so wie an unserem Mangel an jener höhern Geistesschwingung, weil die Himmelsscala zu ersteigen wol nur wenige fähig sind. Wenn also dem Moscheh gesagt wurde, dein Standpunkt ist felsenfest, so war dies nicht blos für Jene Zeit gemeint, sondern es heißt ja weiter: 'Tvv cw rwbi, du bleibst hier bei mir. Nimmermehr wird die Thora von ihrem hohen und festen Standpunkte weichen, Synodalbeschlüsse können ihre Stelle nicht verrücken, Angriffe ihr nicht schaden, Revisionen an ihr nichts ändern. Aber — wollen doch manche, der Religion, ihrer Ansicht nach, wohlwollende Menschen gurmüthig meinen: Der Zeitpunkt erheischt doch einige Reformen, möge man doch einen Mittelweg einschlageu. Seid aber versichert, ihr Gutmüthigen, ein Mittelweg ist da, wo die Erlreme sich berühren — nicht denkbar.