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Der treue Zionswächter · 1849-11-02 · 44 (2.11.1849) · page 5

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
5 (1849)
Issue
44 (2.11.1849)
Date
1849-11-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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»M S IS W* des Unglück, welches die jüdische Glaubensgesell- Die Armen und Geringen sind durch die Selbstschaft damals za tragen hätte. Dieses alles ist in biblischen Bildern vorgetragen, wozu das Hohelied oft, welches von den meisten jüdischen wie von christlichen Gelehrten symbolisch ausgelegt wurde, wo es thunlich war, die Ausdrucksweise hergab. Der Styl ist musivisch auf das geistreichste componirt, mit dem schönsten Wohlklang ausgestattet, — Wir konnten uns hier nicht vorgreifen, und mußten, indem alle diese hier nur leicht berührten Punkte aufs genaueste in unferm großen Werk erörtert werdnn sollen, sie hier nur andeutett. — Sein Ruf als Dichter war sehr groß und sehr wol verdient. David Kimchi bezeichnet ihn (ohne ihn zu nennen) als einen großen Sprachkünstler uud Alcharisi sagt von ihm in seinen orientalischen Styl: Moses den Esra zieht Perlen aus dem Borne der Gedanken. Wir besitzen beinahe für alle Festtage passende Gebete von ihm, jedoch ist der größte Theit für das Neujahrsfest und Dersöhnungstag. Unsere Zeit. Unter obigem Titel entnehmen wir einem Aufsätze folgende beherzigenswerthe Stelle. Der Verfasser sieht im Unglauben aller Klaffen Und der dadurch herbeigeführten Sitten- und Gewissenlosigkeit, namentlich in den höhern und höchsten Klassen der Gesellschaft, die Grundursachen unserer socialen Uebel. Er sagt dann: „Das Volk will nicht bloß Almosen, es will auch unser Herz. Fast alles Vertrauen, alle Liebe, alle Hochschätzung gegen die über ihn stehenden ist aus den untern Klassen verschwunden, dessen Mägen man zu füllen, dessen Kops man zu verfeinern suchte, um das Herz zu entleeren und das Gemüth zu verwildern. — Wer dieses Vertrauen wieder Herstellen hilft, die untern Klassen durch das Vorbild treuer Hingebung und Selbstverleugnung wieder sittigt. zum Siege über sich sebst willig, zum Siege durch Kampf und Entbehrungen fähig macht, der stellt sich in die Schaar rettender Bruderliebe, und wäre sein Wirkungskreis auch noch so klein. sucht der Großen um ihren Oott und Menschen gekommen. Die Verhöhnung göttlicher und menschlicher Gesetze von oben erträgt das untere Volk nicht mit kaltem, lächelnden Achselzucken; eS fragt, ob noch ein Gott sei oder nicht? Wie zäh ist das Blut, wie eisig der Hauch, wie kalt das Herz, wie liebkos der Sinn, wie karg die Hand, wie hart das Wort, wie steinern die Miene, wie steif der Rücken, wo es gilt zu Armen. Kranken, Verlassenen, Verwahrlosten sich niederbeugen! Ich würde wol schön ankommen, wenn ich im Namen der Menschheit unseren Politikern und Nichtpolitikern, den Rothen wie den Weißen, den Grünen wie den Grauen zumuthen wollte, sie sollten vom Lehr- und Weberstuhle, von der Studier¬ und Schreibstube, von der Werkstätte uns dem Felde weg, statt in die Wirthshäuser, in Armen- und Krankenhäuser sich begeben, sie sollten in der Nähe und Ferne dem Elend ins Haus gehen, liebend ins Auge blicken, hülfreich die Hand drücken, mit leiden und mir weinen, selbst Hand anlegen, mit eignen Augen sehen, mit eignem Munde rachen und trösten. So als gesunder Mensch, als wohlversorgter Mensch zum armen Menschen, zum kranken Menschen, zum verwahrlosten Menschen liebreich gehen als ein Engel deS Trostes, sich hernicderneigen in domüthiger Erbarmung und freundlicher Theilnakme, die Höhlen des Lasters, die Wohnungen des Jammers als Bote deS Friedens und Segen besuchen, das wäre freilich mehr als wohlfeile Humanitätsredewendungen drechseln und von papiernen Menschenrechten schwatzen uud erlogene Bruderthümer auf die Fahnen sticken. — So als Mensch zum Menschen treten, das hieße für's Volk was thun, das Kietze versöhnen, Heraufziehen, bilden, ein einig Volk von Brüdern stiften ein goldenes Gefäß der Freiheit gießen. Solche Bruderliebe wäre ein Kitt anderer Art, als das Blut, womit Volksfreiheit zusammengeleimt werden soll- Wer da weiß was einem wunden Gewissen und zerstoßenen Herzen, einen verlassenen Kranken und verachteten Armen ein Wort des Friedens, ein Blick der Liebe ist, der kann ermessen, welche sittigende, befriedigende Kraft durch solche Thätigkeit geübt wird.

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