Mannheim
Compact Memory

Der treue Zionswächter · 1849-10-26 · 43 (26.10.1849) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der treue Zionswächter
Volume
5 (1849)
Issue
43 (26.10.1849)
Date
1849-10-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2625941-2626254-2626298--2087-2629794
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

der sichtbaren Natur,' Mid seine transcendentale Anschauung des Idealen war bloß der abstrakte Begriff der wahrgenommenen Welt. Dem gegenüber trat das Judenthum. Bei ihm lag die religiöse Idee gerade umgekehrt in dem Unsichtbaren. Das Juden» thum hat die Außerweltlichkeit und Persönlichkeit Gottes und diese znrar als keine Gestaltung, sondern als die wesentliche Einheit der vollkommensten und höchsten Intelligenz und der vollkommensten und höchsten Kraft zur Basis seiner Lehre gemacht und somit dem menschlichen Bewußtsein jede Möglichkeit abgeschnitten, sich Gott durch irgend eine Form in der angcschauten Welt vorzustellen. Die göttliche Offenbarung am Sinai und die Offenbarung Gottes in den Schicksalen Israels ist der Träger und Lehrer dieses Princips; es tritt da wiedort die Idee der Persönlichkeit und Außerweltlichkeit Gottes klar und deutlich hervor. Der Dekalogos stellt diese Wahrheit an seine Spitze. Durch die Ueberwindung und resp. Beseitigung der Naturgesetze wird der Auszug aus Aegypten, jenes in alle religiösen Thaten des Juden zur Erinnerung sich einspinnende Ereigniß, vollbracht; Gott ist also über und außer der Natur, diese ist von ihm abhängignicht aber umgekehrt; daß Er persönlich ist,- ist ja eben nur die natürliche Folgerung dieses vorausgegangenen Satzes. — " Aber mit einer noch sehr wichtigem Lehre trat das Judenthum auf, nämlich mit der Lehre von der Gottebenbildlichkcitdes Menschen. Das Hcidenthum hat dem Menschen die Freiheit des Ichs geraubt, indem es ihn der Natur unterwürfig machte, das Heidenthum hat aber die Selbständigkeit des Individuums durch die eiserne Willensbeharrlichkeit des dasselbe beherrschenden Faktums aufgehoben, das Heidenthum hat dem Menschen die Möglichkeit benommen zur sittlichen Höhe emporzuringen; indem es seine Gottheiten selbst mit menschlichen Schwächen und Lastern versah, und dadurch das Ideale, wonach der Menschengeist streben sollte, mit den trüben Flecken gemeiner Sinnlichkeit beschmutzte. Durch die Lehre von der Gottcbenbildlichkeit des Menschen hat das Zudenthnm in dem Menschen eine Gottesnatur erkannt, vermöge welcher er die höchste Vollkommenheit erreichen kann, und hat ihm zu gleicher Zeit die Mittel und Wege angewiesen, wie die thie rische Natur in ihm zu besiegen sei. „Ihr sollt euch heiligen, denn ich euer Gott bin heilig", dieses dem Iudenlhume unter allen Religionen allein zugehörige und darum es charakterisirende Gebot ist die Leiter auf welcher der Mensch von Stufe zu Stufe bis zur höchsten Sittlichkeit emporsteigen kann, ist der Prüfstein für den Werth des Menschen. Der Mensch ist im Ebenbilde Gottes geschaffen, er ist daher frei*) die Natur seines Wesens ist zur Freiheit geschaffen, und Alles, was diese Natur unfrei macht, ist seiner Gottebenbildlichkeit zuwider. Die Sünde aber macht den Menschen unfrei, und muß daher schon weil sie feiner inner» Natur entgegenstrebt überwunden werden. Diese Lehre ist, wie gesagt, eine höchst wichtige des Judenthums; sie ist so sehr wichtig und vielumfaffend und weltgreifend, daß die Bücher M., nachdem sie einmal dieses inhaltsschwere Wort ausgesprochen, nichts Ausdrückliches über die Unsterblichkeit der Seele zu sagen nöthig hatten, **) denn der Mensch im Ebenbilde Gottes kann zu sein unmöglich aushoren. Auf ihr beruhen alle besetze der Moral, in ihr ist die Bestimmung des Menschen gegeben, sie ist die ewig potenzirende Kraft des Guten und Wahren, durch welche es dem Menschen imm<r möglich'wird, die schon verlassene Bahn der Tugend wieder einzuschlagen und sich in das Kindschaftsverhältniß zu Gott wieder zu bringen. Mit diesen beiden Lehren hat sich das Judenthum die Welt erobert. Zwar nur kümmerlich ist die herrliche Pflanze auf unkeimischen Boden aufgegangen; zwar noch getrübt und durch seltsame Beimischungen verdunkelt sind diese reine Lehren von fremden Händen in die Welt getragen worden; allein eben darum istdie Bedeutung des Judenthums in der Gegenwart noch so groß wie aus Zcphar Chaim sagte: Wer in nnscrm Ebcnbildc, in unserer Gestatt ist, der herrscht, (d. h. ist wirklich frei) wer aber nicht in unserem Ebenbild, in unserer Gestalt ist, der sinkt, (d. h. ist unfrei.) **) Indirekte Angaben von der Unsterblichkeit der Seele in der oi>r, sind außer der vom Talmud angegebenen Stellen (v. Sanh. 9l> b.) noch in den Worten t. B« M. 9, 5 enthalten. wo vom Selbstmord die Rede ist. Die Bestrafung desselben, ist nur dann möglich, wenn mit dem Toye des Leibxs das Leben der Seele nicht mit vernichtet wird»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.