Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 42 (19.10.1849)
- Date
- 1849-10-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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»W 382 Im christlichen Spanien blieben die Juden bis in die zweite Hälfte des 14 Jahrh. in ziemlich ungestörtem Genüsse ihrer nicht unbedeutenden Vorrechte; sie fanden Anstellung und waren von den Königen bevorzugt, hatten eigene Gerichtsbarkeit und Ländereien. Doch mir der Armuth des Adelsder Macht der Priester und den aus den Wuchergeschäften der Juden entstandenen Mißbräuchen wuchsen- Haß und Verfolgung. Allmäblig nahm man ihnen die. Befugniß, beliebig zu wohnen, schmälerte ihre Rechte und erhöhte ihre Steuern. In Aragon wurden sie zur Zeit eines Negenmangels aus den Städten verwiesen; in Sevilla, Cordova, Toledo, Valencia, Catalonien und Majorca richtete ein Aufstand in den I. 139t. und 1392 eine große Niederlage unter ihnen an; nur durch die Taufe oder durch die Flucht nach Afrika vermochten sie sich zu retten. Das ganze 15. Jahrk. waren Verfolgungen, gewaltsame Bekehrungen und Juquisitiönstyrauucrci gegen die Getauften, die nicht auswaudern durften, an der Tagesordnung. Zu Tausenden seit 1480 verbrannt, wurden sie endlich 1492 gänzlich vertrieben. Von den 300000 die nach Portugal, der Provence, Italien- Afrika und der Türkei auswauderteu, hatte nach? acht Jahren etwa der zehnte Theil, arm und elend, eine Zufluchtsstätte gefunden. In Portugal, wo? sie schon im 11. Jahrh. Vorkommen, lebten sie unter einem 'Großrabbiuen in sieben Distrikte verthcilt; eine absoudernde Kleidung mußten sie seit 1129 anlegeu. Im Jahre 1492 wurden 80000 'aus Spanien geflüchtete Juden gegen acht Goldpfennige Kopfgeld aus acht Monate in Portugal aufgenommen, nach deren Ab auf die Aermern zur Taufe, die Wohlhabenden zur Auswanderung sich genötbigt sahen. König Emanuel befahl 1495 die Verweisung aller Juden aus Portugal und ließ den Armen die Kinder unter 14 Jahren wegnchmen und nach den Schlangeninselu einschiffen. Ueber 2000 getaufte Juden wurden 1506 in Lissabon ermordet. Die Leiden der heimlichen Juden auf der pyrenäischen Halbinsel währten ohne Unterbrechung bis zur Aufhebung des Auswandcrungsverbots im Jahre 1629 und auch noch später, z B. 1655 kamen Autos da Fo vor. Erst 1773 ward der Unterschied zwischen alten und neue» Christen aufgehoben. So war zu Anfang des 16. Jahrhunderts das westliche Europa beinahe von Juden entvölkert; die meisten lebten noch in Deutschland, Italien, Polen, in den osmanischen und afrikanischen Staaten. Nicht sehr beträchlich war ihre Zahl in den entfernten -asiatischen Reiche, in Arabien, wo es noch gegenwärtig unabhängige Inden in Hodschas, schwarze in: Mokka, weiße in Sennaar giebt; in Persien, wo sie unter Druck in Unwissenheit lebten; in Afghanistan, wo sie von Kabul aus bis nach China Handelnin Indien, wo sie in Cranganor schon ums Jahr 5l)0 erwähnt werden; in Cochin,China. wohin sie vermnrhlich mit den Portugiesen kamen, Ackerbau und Handwerke treiben; in der Bucharei, wo sie bürgerliche Freiheiten genießen und viele Seiden- und Melallwaaren fertigen; in der Tartarei in China, in Abyssinicn, wo sie seit vielen Jahrhunderten heimisch sich bis 1608 in Unabhängigkeit behaupteten; in Sudan und Loango. Im nördlichen Afrika, namentlich in Algier, Tlemezen, Oran, Tctuan, Tunis u. s. w. machten sich in Folge der Ereignisse in Lpamen in den Iah en 1391 und 1492 neben den bereits bestehenden älter» jüdischen Gemeinden sehr riete der-zahlreichen Flüchtlinge neben den älteren Juden ansässig. In Fez erhielten sie 1504 ein eigenes Quartier in der Neustadt. Namentlich begünstigte sieu in Fez und Tafilelt um die Mitte des 17. Jahrh. Mulcy Archev. In Marokko, wo ein Scheikh mit 12 Abgeordneten der Städte über die jüdische Bevölkerung gesetzt ist, bekleiden Inden, die hier Handel und Gewerbe treiben, nicht seiten die obersten Beamtenstelleu. In der Bcrbcrei litten sie 1790 an mehren Orten in Folge politischer Fehden. In Algier lebten sie unter dem schmählichsten Druck, aus dem sie erst durch die Franzosen seit 1830 befreit wurden Bep weitem günstiger war ihre Lage in der Türkei, wo sie. durch zahlreiche Ankömmlinge aus allen Ländern Europas vermehrt, bis auf die Erpressungen der Paschas, die Insolenz der Janitscharen und Kricgsleiden, namentlich in Morea, selten Anfechtungen erlitten. Beträchtlich sind ihre Gemeinden in Konstantinopel, Adrianopel, Salonichi, Smyrna, Aleppo und Damast. Iw Palästina, wohin aus Polen viele Juden auswanderlen, lebten sie bis auf die Gegenwart in.i großer Armuth. Sie theilen in der