Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 37 (14.9.1849)
- Date
- 1849-09-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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295 brauchen und Ceremonren bekannt zu machen, gab der Lehrer dieselbe in ein jüdisches Haus zu D. Nach einiger Zeit wurde nun mit Einwilligung der Eltern der Braut der Akr selbst alkerdings in der hiesigen Synagoge und durch den hiesigen Rabbiner in feierlicher Art vorgcuommen, natürlich mit Hinzuziehung zweier in, um ein vollkommenes;'7 zu bilden. Es versteht sich auch von selbst, daß alle vorgcschriebeneu Bestimmungen und Gesetzformeln anfs Genaueste befolgt wurden. Verschleiert trat die Christin vor das g? r>'z. Eine feierliche Stille herrscht, denn ein Jeder war neugierig und gespannt. Nach ihrem Namen und Begehr gefragt, nannte sie denselben mit dem Wunsche, ins Iudenrhum ausgenommen zn werden. Der den Vorsitz führende Rabbiner stellte ihr dar, mit wie großen Schwierigkeiten die strenge Ausübung der jüdischen Religion verbunden sei, welche Beschränkungen sie anfcrlege, z. B. in den Speisennnd Sabbatb-Gesetzen und daß sie als Christin sich wol schwerlich mit denselben ganz vertraut machen würde. Indcß blieb sie bei ihrer Bitte und ihrem Entschluß. Man bedeutete ihr ferner, daß sie zu einer Religion übertrete, welche überall fast von der Mehrheit der Christen verachtet und deren Anhänger in allen Landern noch heute zurückgcsetzt wurden re. rc. Doch auch jetzt noch beharrte sie bei ihrem Entschlüsse. Zuletzt wurde ihr vorschriftsmäßig aufgegcben, 7^2 zu geben, was denn auch im Beisein von zwei Zeuginnen geschah. Später wurde nun die Trauung selbst vollzogen. Mithin ist die verbreitete Nachricht nun nachgewiesen falsch. Uebrigens hat in der Umgegend von H. welche fast ganz protestantisch ist, dieser Schritt nicht so viel Aufsehen gemacht, als sich wol erwarten ließe. Auch die Uebergetretene war Protestantin. Ob aber die jüdische Gemeinde zu H., ihren Lehrer auch ferner wird fnngiren lassen, unterliegt einem großen Zweifel; wie ich vernommen, wird dieses nicht geschehen. Schon vor mehreren Jahren wollte selbst ein Christ zum Iudenlhume hier übertreten, da indeß die damaligen Gesetze einen solchen Schritt nicht gestatteten, so wieS der Herr Rabbiner denselben nach Holland (Amsterdam). Ob dieser Mann nun bei seinem Vorsatz geblieben und ihn ausgeführt hat, ist mir nicht bekannt. Aurheffen. Bo» der Kinzig. Die republikanische Hitze, die unsere Atmosphäre Vurchglüht, hat sich nun so ziemlich wieder gelegt. Don den schweren Ereignissen, welche die Welk aufgeregt und die sociale Ordnung bedeutend erschüttert hatten, sind wir auch betroffen worden, obgleich nicht so schrecklich, wie unsere Brüder in Baden. Die absolutistische Gewalt siegte über die terroristischen Erhebungen einer Parthei, die sich wahnsinnig und planlos in einen Kampf stürzte, der nur mit bedeutenden materiellen Kräften zu Ende geführt werden und obsiegen konnte. Wir haben ein solch blindes Treiben nie gebilligt, und hätte die sich überstürzende Revolntionspartei dieses Ende wol vorher sehen können. Das beweisen auch, wenn wir auf die jüdischen Zustände blicken, die mannichfachen Verhaftungen und Suspendirungen der jüdischen Reformisten, von denen wir in den Tagesnachrichten lesen. Die meisten Agenten und Führer der Revolution waren zum Thcil von socialistischen Ideen durchdrungen; sie verließen den Boden der Religion, hatten nun gegen diese den Kampf unternommen, und so mußte diese gehaktuud bodenlose Idee sich verflüchtigen und auflöscn. Es fehlte der sittlich-religiöse Gedanke, der alle Pläne und Actionen der Menschheit nothwcndig dnrchdringcn muß. Was unsere Ansicht über diese Zustände betrifft, so müssen wir bekennen, daß unS die Freiheit über Alles geht, daß wir von dieser ganz erfüllt sind. Wir wollen aber keine Freiheit, die sich von der Autorität der Moral und Religion lossagt. Nur auf dieser Basis läßt sich ein dauerndes festes Gebäude errichten, denn ohne Gott »nd ohne sittliche Idee muß der Staat untergeben. Tie wahre constikutionelle Freiheit ist das Ziel, wonach die Menschheit ringen muß, eine constitntivnelle Freiheit, die des Volkes Rechte dem Herrscher gegenüber kräftig wahrt; nicht eine illusorische, nicht eine papierne Verfassung, in der man AlleS verspricht, und dabei allmählig die gegebenen Neckte und Gesetze dem Unterthan entzieht, die erlassenen Bestimmungen modificirt und deutelt; eiu solches Verfahren ist nur ein Hohn gegen die Gesetze und Verfassungen. — Unsere Zukunft ist wieder in dichte Nebel verhüllt, und wir wissen nicht, ob