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Der treue Zionswächter · 1849-09-14 · 37 (14.9.1849) · page 4

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
5 (1849)
Issue
37 (14.9.1849)
Date
1849-09-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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292 Wv Gleiche. Ich beklagte nur, daß die Tugend so wenig zärtliche Verehrer auf Erden habe; beklagte nur, daß die schönsten und süßesten aller Gefühle, Freundschaft und Liebe, uns oft die herbcsten Leiden veranlasse».! ' Aber darum war mir die Tugend nicht minder heilig; darum waren mir Freundschaft und Liebe nicht'minder die edelsten Kleinodien des Erdcnlcbens. .? HÜiMptden ist es bekannt wie mein feuriges,Verlangen nnr Veredlung durch Religion Wy.,, Tilgend^.'. Hie' mein höchster Wunsch nur das Glück der Welt war. Dem Allwissenden ist cs bekannt^, wie lange ich. nach keinem andern Ziele strebte. Er hat die Bemühung meines Herzens zu jeder Besserung gesehen. Er war Zeuge meiner ersten Gefühle, meiner ersten Thaten, die ich, von den Wahrheiten der Religion gerührt, beging, um seiner Huld würdig zu werden. Er war Zeuge meiner feierlichen Entschließungen, in welchen ich ihm meine Seele, mein ganzes Leben weihte.! , Und nun bin ich nicht mehr der Vorige. Die Welt um mich her scheint verwandelt; scheint nscht mehr so heilig, so schön zu sein, weil ich mich selbst. in meinem Innern verändert füh^e. Ich habe nicht mehr die alte Heiterkeit, die stille Harmlosigkeit, den Seelenfrieden, der für mich ans dem Festhalten an die Religion, aus dem Vertrauen auf Gottes Vatcrweisheit hcrvorging. Ich bin unter den Menschen nicht mehr wie unter Brüdern, sondern schüchtern und argwöhnisch, wie unter gehe.men Widersachern. Ich habe meine Augen mehr auf das Irdische als auf das Göttliche gerichtet, und doch dünkt mich alles Irdische nicht mehr mit jenem wundervollen Reiz umgeben, der mich einst so entzückte. Ich habe noch oft den Wunsch, fromm heilig, groß und edel zu denken und zu handeln, aber tausend kleine Nebenrücksichten drängen sich dann zwischen meine Seele und den heilisicu Wunsch, und ich bleibe kraftlos und gemein. Noch ist oft das Glück der ganzen Welt mein höchstes Verlangen; ich beklage es schmerzlich, wenn ich so viel Elend und Gebrechlichkeit des Lebens, den Jammer von einzelnen Menschen und ganzen Familien sehe, als strafende Folge einer allgemeinen Vevderbrheit des Herzens — aber ich habe keinen Much, das Bessere zu leisten, und kehre immer voller Selbstsucht zu mir zurück, und halte Bequemlichkeit, Weltlust und Klugheit oft mehr Werth, als die-Größe der Seelendie nichts scheuet für Gott/ Wahrheit und Weltglück. Meine crstcn Entschlüsse schweben halbvergessen hinter mir in den Schatten der Vergangenheit, die heiligen Gcsiriuuttgcll, , welche in meiner reinen Seele wohnten, haben ihre Kraft und Bedeutung verloren. , Wo! fühle ich mich schuldig, und daß es meinem Herzen gilt, wenn das göttliche Wort spricht: Warum aber übertretet ihr den Befehl des Ewigen? das kann ja nicht gelingen! (4. Mos. 14, 41.) Gott war meine erste Zuversicht und Freude, seine heilige Religion meine erste Liebe, seitdem ward es die böse Begierde, die Neigung zur Sünde, die Leidenschaft des Stolzes, des Wohllebens, der Eitelkeit. / Noch heute gedenke ich nicht ohne Bewegung des Gemüthcs jener feierlichen Stunde, da. ich unter namenlosem Entzücken, von den Wundern göttlicher -Thaten und Güte umringt, oder unter namenlosem Schmerze, am Sterbebett, am Sarge geliebter Personen, meine Seele Gott wcibtc, indem ich-den. Tand des gewöhnlichen Lebens verachten lernte. Noch heute gedenke ich mit anfwallcnden Empfindungen jener Tage, da ich den ersten Unterricht in der heiligen Religion erhielt, jener seligen Gefühle, die sich an den heiligen Fest- und Freudcntagen meiner bemächtigten. Noch heute erinnere ich mich — ach! daß ich's thnn muß mit Erröthcn! — an die Stunden großer Noch, wo ich zu verzweifeln gedachte, und meine Seele mir namenloser Angst ringend, sich zur Weisheit und Gnade des himmlischen Erbarmers aller Leidenden wandte. O welche herzlich gefühlte Versprechungen leistete ich da Gott, und der Allgegenwärtige vernahm sie! — Wie viele Seufzer stiegen aus dem Innersten meiner Brust mit Gebeten empor, und der Vater, der Welt empfing sie! Mit brennenden Thränen versiegelte ich meine frommen Vorsätze, und der Allwissende sah sie! Doch das Alles ist nicht mehr wie sonst. Ach, wie wandelbar ist der Mensch, wie unzuverlässig

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