Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 33 (17.8.1849)
- Date
- 1849-08-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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»M 2ZV ist auch so eine Krankheit, in der die Seele siecht und die Geisteskraft verdorrt; der Unglaube ist auch so eine Nacht, die die Sonne auslöscht am Himmel und Finsterniß bereitet über die Erde. Da har der Mensch keinen Weg vor sich und keinen Weg hinter sich, ein verworrener Knänl ist ihm das Leben, voller Räthsel und. Zweifel und Widersprüche. Und wenn ein geliebtes Wesen losgerissen wird von seinem Herzen und die dunkle Gruft empfängt das theure Gut; ach für ihn ist der Hügel der letzte stumme Spruch des Menschenlebens, für ihn ist jedes Band gelöst, hat jeder Bezug aufgebört. Und wenn au seinem Horizonte jeder Hoffnungsstrahl verblüht, wenn der letzte Anker des Vertrauens bricht, er erhebt da nicht seinen Blick „nach oben, von wannen alle Hülfe kommt;" sein Auge starret in die Tiefe, wo die Verzweiflung weilet, die ihm kalte Arme entgegenstrecket. Und wenn die Tugend keine Triumphe zu feiern, keine Throne zu gewinnen scheint, und wenn das Laster auf den Sonnenhöhen des Glückes einherschreitet und lächelt und gleißet — was ist ihm Tugend, waS ihm Laster? Die Erdenwallfahrt hat ja für ihn nicht die Bestimmung der Selbstläutcrung, des Selbstkampfes, der Himmel ja nicht die Sicherheit des Hafens, in welchem das Leben von seinen Stürmen ausruht, das lichte Jenseits ja nicht die Stätte der Verklärung, wo ewiges Heil und ewige Weihe die heimgekehrte Menschenseele umfängt. — Und dieser Unglaube, o nicht mit einem Male und plötzlich gießt er die volle Giftschale ins Menschenherz; tropfenweise quillt er ein eine Fase nach der andern, einen Zweig nach dem andern tödtct er ab an dem göttlichenBaume der Religion. Zuerst wird gczweifelt und gefeilscht und gemarket an Gottes Wort, an Gottes Lehre und dann an Gott selbst. 0,2221 hin 6202 jwc,'2Lv ohiw r,Z:2<i (Jesch. 5, 18.) klagt der Prophet und unsere Weisen fügen hinzu (Sanhedrin 996) 21.1 iZ' 7,^2.17,122^^17 qi22Zi h'212 Zc,vipZ 7WN »iZnln zuerst wird die Sünde nur mit dünnen Fäden gesponnen, bald aber wird man an das Laster wie mit festen Seilen gefesselt. Woher denn so viel Unglaube in dem heutigen Israel? Aber eben weil jetzt mehr denn je mit dem Buche der Offenbarung eitel Spiel und Scherz getrieben wird; aber weil man jetzt mehr denn je seine Gnadenspenden bekrittelt und spöttisch znrückweist, weil man jetzt mehr denn je an der geschichtlichen Kette überlieferter Wahrheiten feilt und sägt, und die Glieder reißt aus dem Verbände und das gesetzliche Ansehen und die gesetzliche Kraft bezweifelt und in den Staub zieht: ist jetzt der Unglaube so sehr in die Gemüther gedrungen und hat Gott aus dem Himmel verdrängt, und den Menschen auf Erden vergöttert; darum ist der Glaube an die Tugend so schwach geworden, hat sich das Laster so vielen Boden erobert. — Und nun lasset mich auch das andere Gegentheil vom rechten Glauben euch nennen, es ist das der „Aberglaube," nicht minder gefährlich als der Unglaube. Sehet, m. Fr., nicht umsonst hat der gütige Vater dort oben in den Höhen den Menschen so hervorgethan aus allen seinen Geschöpfen; nicht umsonst hat er ihm das Licht der Weisheit und der Erkenntniß angezündet in seinem Geist, und in seinem Herzen aufquellen lassen den Vorn so seligen Gefühls, so unendlichen Glücks; nicht umsonst hat er den Adel ihm gedrückt auf die Stirne und die bezwingende Rede gelegt auf die Zunge: sehet, diese Vorzüge des Menschen, sollen in ihm wirken den Gottesstrahl des eigenen Bewußtseins, sollen die in ihm aufgespcichertcn Geisiesfähigkeiten und Kräfte des Herzens zur freudigen Thätigkeix entfalten, damit der Mensch wandte den lichten Weg des Gedankens und die freundlich stille Bahn des Gemüthes. Der Aberglaube aber, er verdunkelt den Geist und trübt das Herz, er bevölkert die Erde, die Luft, den Himmel mit Wesen, die nickt, sind, die nebelhaften Ahnungen einer krankhaften Phantasie gestalten sich ihm als die prophetischen Zeichen der Zukunft; der abergläubige Mensch denkt nicht selbst, fühlt nicht selbst, schaut nickt selbst, jede trümmerhafte Gemahnung aus der kindiscken Anschauungsweise seines unmündigen JugendlcbenS umwölkr seinen Sinn, jeder mahrcheuhaite Klang aus den verblichenen Sagen seiner durchtrubten Kindes« zeit gilt ihm als der volle Ton der Wahrheit; sein Herz, sein Geist gehören nicht ihm, sie sind der Spielball der Zufälle, sie werden von den wechselnden Erscheinungenves Lebens ganz und gar beherrscht. O, schon mehr als ein Menschenleben ist auf diesem. Wege in den Abgrund gesunken. 1:2,20 HZ, ici-^ HZ. (3. B. M. 19, 26) ist ein uraltes heiliges Verbot. Und nun wird mir. nur sehr wenig zu sagen übrig