Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 32 (10.8.1848)
- Date
- 1848-08-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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unendlichen Größe und Erhabenheit GotteS. ES ist der lief gefühlte Abstand zwischen dem unerforschlichen Schöpfer und dem nichtigen Menschen. Nachdem nun Moscheh. der Mann GotteS, kurz vor seinem Scheiden seinen besorgten Blick aus die Zukunft des von ihm so sehr geliebten Volkes gerich, ter; nachdem ihm der ihn sd sehr beunruhigende Ger danke vorgeschwcbr, wie er sich später ausgedrückt; „So lange ich bei Euch gelebt, wäret Ihr gegen den Ewigen widerspenstig, wie erst nach meinem Tode." (5. B- M. 31, 27): da bot er nach in den letzten Tagen seines irdischen Daseins sein ganzes Rednerralenr, seine ho>e Prophetengabe, seine göttliche Seher kralr auf, um Israel zum standhaften Beharren in seinem Berufe, als Mustervolk, eindringlich zu ermahnen. Er gab seinen ZSraeliten einen gedrängten, aber scharf bezeichnenden Ueberblick ihrer Geschichte, wahrend der vierzigjährigen Wanderung durch die arabische Wüste. Er schilderte ihnen die ausgezeichnete Vorsehung, die über sie gewaltet, die Wunder, welche Gorr für sie gethan, die Wohlthaten. welche Gott erzeigt, die Nachsicht, mit welcher Gott sie behandelt, in lebhaften, anmuihigen Farben. Zn grellem Abstiche malt er daneben die Schatten ihres öfter» Unglaubens und Undanks, ihrer Sündhaftigkeit und Unzufriedenheit, ihrer Widerspenstigkeit und Hartnäckigkeit. Darum spricht er in unserm Teerte: und nun, Jisrael! nun, nachdem das Verhälrniß zwischen Gott und Dir so klar vor Augen liegt; nachdem Du von der einen Seite Gottes Erhabenheit anstaunen, von der andern Seite Deine Verkehrtheit schamvoll bekennen mußt; nun, was fordert der Ewige Dein Gott von Dir? was willst Du in dieser großen Schule Deines Lebens erlernt haben? wie willst Du Deine Zukunft hiernach gestalten? kannst Du Deine Aufgabe etwa noch für zu schwer, für unerreichbar halten? Nein! ein Leichtes muß eS Dir nun sein. Nur zu fürchten den Ewigen Deinen Gott, wird von Dir gefordert; nur die Dir so nahe liegende Ehrfurcht GotteS darfst Du bewahren, und Du gelangst sicher zum Ziele. Die Gottesfurcht ist die tief um sich greifende, unerschütterliche Wurzel, aus welcher ein Stamm hervorgeht, der seine Aeste, Zweige und Früchte himmelan. treibt. Die Gottesfurcht ist Hie Mutter aller Religionspflichten, u. Aber, Andächtige! nicht Alles ist Gottesfurcht, was sich dafür auSgiebt. Mancher wähnt im Besitze dieses Kleinods zu sein; aber eS ist oft bloße Täuschung eitler Selbstbetrug. Gar oft wird dieser Edelstein in der Krone deS Israeliten mit einer nichtigen Scherbe verrauscht. Wollet Zhr wahre Gottesfurcht von der falschen unterscheiden, so erkennet den Daum an seinen Früchten. Auf die Frage: „Wie giebe die GorreS, furcht sich zu erkennen?" antworte ich Euch: Durch einen heiligen Ernst für die Religion und durch eine fromme Scheu vor allen religiösen Einrichtungen. Wenn wir in Reden und Wirken von nicht« rabbinischen Nabbinen so leichtfertig über Religionssachen adurtheilen hören; wenn Selbstsucht und Eigendünkel den Nichrersitz dabei einnehmen, um fast über AlleS den Stab zu brechen, welches von Jahrtausenden her überliefert und geheiligt ist; wenn so ein schwaches Häuflein sich anmaßt, die Führer ganz Zisraels sein zu wollen; wenn nur Elnreißen das große Werk ist, welches die so groß stch dünkenden Meister loben soll; wenn Ihnen Nicht« zu heilig ist. das sie nichr aurasteten; wenn mit frecher Stirne selbst die Göttlichkeir deS Buches aller Bücher in Frage gestellt wird; wenn sie sich vom Weihrauchödampf benebeln lassen, wenn eine Zahl verblendeter, schon längst der N.-ligion Entfremdeter, ihnen aussteigen läße; wenn sie mir Verachtung auf die weit größere Menge herabsehen, die sich durch diesemuthwillige Spiel rief verletzt und gekränkt fühlt; wenn in ihnen nichr einmal der Gedanke auftauchk, durch solches Zersetzen und Niederreißen konnte der große Hanfe den Kern mir der Schale, das Wesen mir der Form wegwerfen; und wenn sie endlich dieses Alles mir dem Schrine der Gottesfurcht thun, und bei all ihrem frevelhaften Treiben die Gottesfurcht als Aushängeschild gebrauchen: sehet, meine Lieben! das «st eine falsche Gottesfurcht; das Heuchelei; daS ist Betrug; daS ist eine Schlinge, um den Unbesonnenen zu fangen