Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 31 (3.8.1849)
- Date
- 1849-08-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2625941-2626254-2626286--1977-2629672- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
glaubenS (?) an; unp der Sohn verschmäht eS nicht, seinen verstorbenen Vater eine Einfalt zu nennen! Hat man ja doch die sprechendste Beweise von unfern modernen Predigern, die auf der Kanzel vergessen, daß sie ihre eigenen Väter, die oft im Leben selbst Rabbinen waren, des krassesten Aberglaubens (?!) beschuldigen! Wer will es daher den Schülern solcher Lehrmeister verargen, wenn sie sich ähnlicher Ausdrücke bedienen? Vernachlässigung dep Torahstudiums hat es in Viesen unserer jüdischen Gemeinde dahin kommen lassen, daß nur sehr wenige mit der Quelle des Lebens, mir der Torah. vertraut sind, und diese wenige Individuum entfernen sich aus der Synagoge, wenn der begeisterte (?) Redner den Rednerstuhlbetritt. Und waren sie auch anwesend, wenn der Herr Doktor des Iudcnchum bespöttelt, sie könnten ihm ja nichts erwiedern, darum ist alles Wahrheit?, was aus dem Munde eines solchen Landpropheten fließt. Als Kuriosität sei hier angeführt, daß ein Prediger*), bekannt durch seine Pamphlete, wodurch er sich einen Ruf gleich Eisenmenger, Schutt und Consvrten erworben, als die politische Bewegung auftauchte, den Propheten Elrahu (respeetive beim deutschen Reformgottesdienst) zu einem Proletarier verglich? Auf der Kanzel kann man alles behaupten, da bedarf eS keines Beweises, die Zuhörer glauben blindlings, und darum plaudern sie ganz dem wahrheitsliebenden Lehrer nach. Wird nun, wie oben gesagt, einem solchen Reformsünger von einem gewöhnlichen schlichten Manne erwiederr, so sah er nur Gelegenheit in seinen Behauptungen weiter zu gehen. — Sitzt ihm aber Jemand gegenüber, der ihm einwender, zeigen Sie mir die von Ihnen berufene Stelle im Talmud oder in der Torah, da ist er in Verlegenheit; er beruft sich auf seine Autorität auf seinen Prediger und damit ist es auS. Sucht man dann auch einem solchen Manne zu zeigen, wie irre geführt er sei, wie es ganz anders in Bibel und Talmud stehe, es ist verr geblich, erläßt sich keines Besseren belehren; und kann er sich gar nicht ausreden, so wirft er seine Larve ab und sagt, ja der Moses hat die Schrift selbst erdichtet!! *) Erlauben 'Sie mir nächstens etwas weitläufiger von dem Wirken dieses Kanzelredners zu sprechen, an Stoff dürfte es uns nicht fehlen. Unsere Weisen sagen auch schon mit Recht: v'vpLs'ö oine. Laßt man sich noch weiter ein, so leugnet er an Mw u. s. f. Man sollte nun glauben, ein so aufgeklärter Mann wäre gerade so im Hause, wie er in Gesellschaft plaudert. Dem ist aber nicht so. — Wenngleich er in seinem Laden am Sabbach und Festtagen beschäftigt, wenn gleich er die j'ö'vn höchst selten anlegr, so hangt er doch an Gebräuche, auf die oft der Orthodoxe weniger Gewicht legt. Er legt z. D. auf Amulette viel Gewicht, kauft sich das und verwahrt es gleich einem Diamanten in seinem besten Zimmer u. dgl. m. — Fragen wir aber, woher kommt es denn, daß Leute von solchem Schlage an Gebräuche der Art hängen, könnten sie ja doch gute Israeliten sein, ohne Amulette ihren Kindern anzuhängen. Warum kritisiren sie derartigen Gebräuche nicht? Der Grund aber liegt sehr nahe. Man hat in den letzten Jahrzehenden sich Hamit begnügt, hatte man feinen Kindern auch nur der Form nach die Gebräuche des IudenrhumS gelehrt. Viele Eltern waren befriedigt, sahen sie ihre Kinder das Zeremonielle des Judenlhums ausüben, weniger bekümmert, ob es mit Andacht geschah oder nicht. Wie manche Eltern selbst zeigten bei Ausübung vieler Ceremonien eine gewisse Lauheit, man glaubte mit der formellen That genug gekhan zu haben. Man versäumte eS, seinen Sohne zu belehren, und that man dies zuweilen, so war dies nicht gemächlich genug. Anders war es mit den Wundergeschichrchen berühmter Kabbalisten. Vater und Mutter waren sichtlich ergriffen, wenn sie ihren Kleinen derartige Histörchen erzählten, und der Knabe lauschte mit frommer Andacht auf jedes Wort. Diese Erzählungen prägten sich so ftef in daS kindliche Gemüth ein, daß, nachdem Lus dem Kinde der Mann geworden ist, der leichtsinnig der Torah den Rücken zuwendett, er.dennoch sich des Glaubens an kabbalistische Wlmderdmge nicht entschlagen konnte. Hier bewahrt sich. daS Sprichwort: was von Herzen gesprochen wird, gehr wieder zu Herzen. Hätten die Eltern sich so herzlich und andächtig mit ihren Kindern über die heilige Schrift unrerhajten, so wäre gewiß Mancher nicht so leicht von der Gotteslehre abgewichen. Merkt es euch daher, Eltern, die ihr wahrhaft für die religiöse Bildung euerer Kleinen besorgt seid; wenn ihr mit eueren Kindern über religiöse Handlungen redet, so sprechet aus der Tiefe eures Herzens zu ihnen. Seid