Mannheim
Compact Memory

Der treue Zionswächter · 1849-07-27 · 30 (27.7.1849) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der treue Zionswächter
Volume
5 (1849)
Issue
30 (27.7.1849)
Date
1849-07-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2625941-2626254-2626285--1969-2629663
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

»Zs 235 endlich so weit, daß die der Reform zulächelnden Leute gar nichts mehr glaubten. — Mit den meisten bekannten Reformgemeinden steht eS nun so weit, daß deren meiste Mitglieder nicht mehr wissen, was sie glauben sollen, daher des himmlischen Trostes, des Glaubens an Unsterblichkeit, an Auferstehung der Tobten u. s. w. baar sind. Sie haben sich mit einem Weine berauscht, dessen Gift sie nicht kannten, und sind nunmehr in eine Erschlaffung versunken — Bald wird aber für sie eine Frühlingsfonne ihre ersten Strahlen über sie werfen und sie werden von ihrer Lethargie erwacht, zurückkehren zu ihrer Religion, sich vereinen mir uns. 4'p Schon zeigen sich einzelne Spuren bei uns, und das ist unser Trost, das unsere Hoffnung. — Verfließen auch noch Jahrzehende bis wir zu diesem Ziele gelangen, so ist der Sieg der Religion über den Rationalismus gewiß. — Keiner vermag es, iich lange auf einer gefahrvollen Höhe zu halten; entweder muß er zurück, oder der Abgrund wird sein Grab, ö'tw in» c"t>. — Die Religion ist kein von Menschenhänden aufgeführres Gebäude, darum kann sie nicht der Zeit unterliegen. — Möge aber bald die goldene Zeit herbeikommen, da Israel wieder eine Nation im wahren Sinne des Wortes ist! Der Krimmer «m -Le Zukunft. Betrachtung von R. Wie wird es mit mir werden? — Welche Tage des Verdrusses und deS Schmerzes warten noch auf mich? Werden meine Bekümmernisse nie ein Ende nehmen? meine Sorgen nie aufhören? Muß ich denn beständig ringen auf meiner Lebensbahn, und kann ich nie, gleich andern meiner Mitmenschen, fröhlich inS Leben hinausschauen? Warum muß ich so mancherlei leiden; warum muß ich aus einer Noth herausgehen, um nur wieder in eine neue Verlegenheit zu versinken? O Gott, mein Gott, willst Du mich verlassen? Hast Du mir hienieden keine Freudentage aufbewahrt? Werden meine heißesten Wünsche nie erfüllt werden? So seufzt der Unglückliche, und starrt mit thränenvollem Blick in die finstere Zukunft hinaus. So seufzt meine bange Seele mit ihm, von mancherlei Sorgen niedergebeugt. Sie sehnt sich nach Ruhe. Sie möchte so gern endlich den harmlosen Frieden genießen, welchen sonst Rechtschaffenheit und Geschäfts treue, nützliche Thätigkeit und freundschaftlicher Umgang mit den Menschen zu gewähren pflegen. Aber meine Zukunft ist eine finstere Nacht. Ich hoffte auf Licht, und es erschien mir keines. Ach, es können sich so mancherlei traurige Zufälle ereignen, die keine menschliche Weisheit voraus berechnet, die keine menschliche Macht abwehrt, und wir erliegen darunter. Nicht Neichthum und Ueberfluß wünsche ich mir, doch aber einen Zustand ohne drückende Nahrungssorgen; eine rnhige Aussicht auf das Schicksal, auf die Versorgung meiner Angehörigen. Vergebens that ich in meinem Wirkungskreise so vielen Menschen wohl, als ich irgend vermochte. Meine Wohlthaten sind vergessen. Es erinnert sich meiner Niemand. Keiner reicht mir die helfende Bruderhand. Jeder sorgt für seine Freude, während ich nur - für die dringendsten Bedürfnisse mit schwerer Anstrengung kämpfe, und mit Kümmernissen anderer Art ringe. Ach, und vor Allem das Niedcrschlagendste, ich sehe von diesen geheimen Leiden, die ich nur Gott klagen darf, kein Ende. So sinne ich trostlos in meinen Verlegenheiten auf irgend eine Hilfe. Woher werde ich sie nehmen? Ich suche mit meinen trüben Angen einen Ausweg — wer wird mir einen zeigen? — Ein Freund? Welcher wäre es? Für mich lebt keiner, der helfen könnte und möchte; keine, der meines Herzens Wünsche erfüllen würde. Ich wage es nicht, irgend einen um den Beistand, den ich nicht erwiedern. nicht vergelten könnte, und dessen Versagung meinen Schmerz verdoppeln würde. Ich wage es nicht, irgend einem die geheime blutende Wunde meines Herzens zu enthüllen, und das Elend ihm anzuvertrauen, welches ich mit erkünsteltem Lächeln vor der Welt verbergen muß. Ich würde damit nichts gewinnen; vielleicht noch Manchen verlieren, der sich jetzt unbekannt mit meiner Noth, an mich anschließt. Denn so sind die Menschen; so geloben sie Treue, Liebe, Freundschaft, so lange sie noch auf eine Vergeltung hoffen können. Sic leisten mit Begierde Dienste, so lange

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.