Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 30 (27.7.1849)
- Date
- 1849-07-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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waS in Jahrhunderte» im stetigen Gange sich ent« wickelt hat, und mir unserm Volksleben verwachsen ist, als kodteS Glied aus dem kirchlichen Organismus herauszuschneiden. Die Vereinigung der auch von unS erkannten, gerechten Forderungen der Kirche mit den praktischen Verhältnissen ist vollkommen möglich, und hierin stimmen alle besonnenen Freunde der Kirche und des Staates bei. Vindiciren wir also der Kirche die freieste Theinahme an der Gesetzgebung über ihre inneren Verhältnisse, insbesondere auch über CultuS und Liturgie, welche auf dem Glauben ruhend und denselben gleichsam verkörpernd mit Fug zu keiner Zeit vom Staat bestimmt werden kann. Diese Theilnahme übt die Kirche in Form von Synoden, nicht der Geistlichen, welche als solche die Kirche weder darstellcn, noch vertreten, sondern durch Vereinigung geistlicher und weltlicher Glieder, welche daS Vertrauen der Gemeinde in freier Wahl zur Vertretung beruft. (Forts, folgt.) Die Hoffnung des Orthodoxe» in der Jetztzeit. Von Religionslehrer M. H—m. Wer nur noch einen Funken wahrer Religiösität in sich tragt, in wem die heilige Flamme auch nur noch schwach, nur dann und wann 5ei gewissen Gelegenheiten des Lebens auflodert, der wird schwermülhigen Blickes auf die nächste Zukunft blicken. — Zwar vermögen wir nicht als schwache Menschenkinder den die Zukunft deckenden Schleier zu lüften, jedoch können wir nach dem Stande der'Dinge vermurhen, wie cö vielleicht, wenn nicht die strafende Hand der Gott» heit dem Treiben der leichtsinnigen Menschensöhne einen Damm entgegensetzt, in Jahrzehenben in JSr raels Gauen aussehen wird. — Treten die im Srrrdiume der heilige Thora ergrauten Männer, welche ihre ganze Lebenszeit hindurch nur für die wahre Gvttesreligion gekämpft und. noch kämpfen von der Schau« bühne des Lebens ab. wer und wie ist die Zahl der jungen rüstigen Streiter für das Gotteswort, die statt ihrer in die Schranken treten sollen? Von derartigen Gedanken durchdrungen, sieht der Israelit, dessen Busen noch nicht gänzlich für unsere heilige Religion erkaltet ist mit Riesenschritten eine Zeit heranschrciten, in welcher eine große Anzahl den Glauben als ein Joch betrachtet, daher sich seiner Banden zu entledigen sucht und nur daS glauben wird, was die schwache. menschliche Vernunft gut heißt. — Der Mensch ist veränderlich, und wer seiner Vernunft so viel zutraut, daß er sagt: ich bedarf keiner Fessel für meine Vernunft; so wird er durch sie an den steilsten Abgrund geführt werden! Wenn der Zager durch eine ihm vorschwebende Beute gelockt wird, auf einen Felsen, auf dessen beiden Seiten Kluften sich befinden, die, so er einen Fehltritt thut, sein Grab sein können, so hält er sich dennoch nicht zurück, die Spitze desselben zu erklimmen, um die ersehnte Beute zu erhaschen. Ist er endlich auf den Höhenpunkre angelangt, so ist er betrogen, er findet nichts, die Gemse ist dahin auf ihren leichten Füßen: aber des kühnen Jägers Gefahren sind groß, er kann sich auf dieser schwindelnden Höhe nicht halten, muß zurück und sinder in der unermeßlichen Tiefe sein Grab. — Da« hin sind seine Entwürfe, er muß seinen Gang mit dem Leben bezahlen. — So der, wer die Wahrheit zu erhaschen glaubt, er will mir seiner Vernunft den Gottesberg ersteigen, schon glaubt er die Wahrheit festzugreifen, aber sie ist weg, dahin! Sagt ja schon der unsterbliche Maimonides, gesegneten Andenkens, daß die Wahrheit selbst nur frommen Forschern gleich Blitzen in dunkler Nacht leuchte; nur einen Augenblick erhellen sie den Horizont und die Dunkelheit kehrt wieder. — Wir aber haben eine Leuchte, die Torah verbreitet einen glanzenden Schimmer in unfern Wohnungen. — Wagt es aber dennoch der fromme Israelit eiNen Augenblick den Schleier zu lüften, so wird er nicht wie jene, die längst aus Unwissenheit oder Nachäffung der Religion den Rücken zugekehrc haben, sich auf eine schwindelnde Höhe wagen, vermöge welcher er in den Abgrund stürztsondern er hält sich an die Schrift, die ihm sagt: so weit darfst du gehen, und nichr weiter. VN NI O^V NN Schon Jahrelang ist es durch die in Israel für daS Gesehstudium eingetrekene allzugroße Lauheit dahingckommen, daß es sehr wenige mit der Kenntniß der Torah Vertraute giebk Daher konnte man sich nicht wundern, daß Laien durch die Rede der modernen Kanzelredner, die es an Scheinbeweisen für ihre Reformen nicht fehlen ließen, so weit kommen, sich ioßzmvinden von den Glauben der Väter. — Man fing mit Reformirung des Gottesdienstes an und kam