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Der treue Zionswächter · 1849-07-20 · 29 (20.7.1849) · page 4

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
5 (1849)
Issue
29 (20.7.1849)
Date
1849-07-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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diese? Denn nicht aus< Weisheit fragst du also. (Pred. 7, 10.) Lebe für die Vergangenheit, nicht in der Vergangenheit. Willst du für sic leben, so mußt du in der Gegenwart so, gegenwärtig sein, daß, wenn sie vergangen ist, du ihrer noch immer froh bleibst.- Nur wer die Gegenwart ganz zu genießen versteht, dem vergeht sie nicht gänzlich! Lebe in der Gegenwart und mache sie zu einem Schatze für die Erinnerung. Kannst du eine schöne That hineinlegen, so lebt der Augenblick, welchen du damit schmücktest, ewig, wenn auch nicht jederzeit in deinen Gedanken, Hoch in seiner fruchtbringenden Wirksamkeit auf deine und fremde Schicksale. Lebe für die Zukunft? aber nicht in der Zukunft. Bereite in der Gegenwart durch Sorgfalt und Vorsicht dir Freude für die noch zu erwartenden Tage. Pflanze und säe in der Gegenwart deine einstigen Aernten. Du hast die Freude des Pflanzens; ob du die Freude der Frucht haben wirst, kann Niemand wissen. Für den Weisen hat das Leben gar keinen Winter. Die gegenwärtige Stunde ist für ihn immer Frühling, in welchem er nützliche Saaten ausstreut, und zugleich immer Herbst, wo ihm frühere Saaten reif werden. Er nimmt die Sorge, sie nimmt ihn nicht. Jede Stunde hat ihr Süßes, ihr Bitteres. Lerne denn, wie die Biene thun, die aus jeder Blume Honig zu schöpfen weiß, aber das Gift darin zurückläßt. Ist die Stunde vorbei, ist auch ihre Bitterkeit vorüber. Wie thöricht ist es doch, sie durch Frucht schon aus der Zukunft auf den gegenwärtigen Augenblick zu bringen und sie durch beständiges Seufzen zu verlängern, wenn sie schon der Vergangenheit augehört! Was aber der gegenwärtige Augenblick Böses bringt, kann nie zu schwer sein, weil der Augenblick nur ein Punkt in der Zeit ist. Nur dann wird ein Angenblick zu schwer, wen» man iu ihm mit unnützer Besorgniß die von Gott auf das Jahr vertheilte Noch zusammenfaßN Gott ist freundlich und schonend; nur die menschliche Thorheit ist grausam. Weißt du im Gegenwärtigen für das Vergangene uud Künftige zu leben, so lerne auch im Gegenwärtigen für die Gegenwart leben. Gehöre ihr mit nubefangener Gemüthlichkeit. Hast du das Deine gechan wegen der Zukunft,' und was zu ordnen ist, geordnetso hange der Sorge nicht weiter nach. Vertraue Gott: er wird zu dem Guten, was du timst, den Segen legen. Erfüllt er deine Erwartungen nicht so, wie du sie hattest: gut, auch das ist ein Segen für dich! Er hat dir das Beste gege^n; aber du kennst nicht immer das Beste. Lebe mit harmloser, kindlicher Hingebung für die Stunde, die da ist; für die folgenden sorget er weit besser als du. Ringe und strebe doch nicht erst nach Genuß, sondern genieße. Seufze nicht erst nach Glück, sondern sei glücklich. Das Glück, welches dir die Stunde gewährt, in der du lebst, ist in derselben Stunde vir das angemessenste und beste. Wenn du es verschmähst, hast du nichts und fühlst dich unglücklich. Lebt der Mensch auch viele Jahre, so freue er sich in allen. (Pred. 11, 8.) Lebe in der Gegenwart, und vergiß dabei, sö viel du vermagst, was war und was sein wird. Fürchte nicht, es werde dich dies allzugeneigt zum Leichtsinn und zu schädlicher Sorglosigkeit machen. Wahrlich, Vergangenheit und Zukunft drängen uns sich von selbst auf, weil wir unaufhörlich zwischen beiden stehen. UM uns selber aufrecht zu halten, daß wir nicht ganz in die eine oder die andere hinsinken, haben wir genug zu rhun, uns ihres Drauges zu crwähren. Lebe in der Gegenwart; laß deinen fruchtlosen Gram um das Vergangene, deine vergebliche Furcht und Sorge um das Mögliche, der kommenden Zeiten fahren. Sage mit David: Tag für Tag sei Gott gepriesen. Er ladet uns auf, ist aber unser Helfer. (Pred. 68, 20.) Sei weise in Gott und bedenke, dein Gram belebt den Todten nicht wieder; deine Sorge löset das Näthsel der Zukunft nicht. Freue dich, wie ein Kind, dessen, was du eben hast, wäre es auch noch so wenig. Denn nicht die Sache, ob sie kostbar oder gering ist, bringt Freude; sondern daS Herz bringt die Freude zur Sache. Dem' Unzufriedenen ist die ganze Welt leer< Lerne in der Gegenwart leben, und denke dabei nicht immer rückwärts und vorwärts, sondern erheitere dich an dem, waS Um dich ist. Das wird genügsam mit dem Wenigste»! Machen,' und

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