Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 29 (20.7.1849)
- Date
- 1849-07-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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vermöge dessen der Staat der Kirche seinen Schuh und für die Ausführung ihrer Gesetze feine Macht zu leihen, berechtigt sein soll. Das Unpassende eines derartigen Schutzrechtes fallt jedoch sofort schon deshalb in die Augen, weil der Staat in diesem Schuhe der K'rche nicht ein Recht, vielmehr eine ihm obliegende Pflicht gegen die Kirche, die ihn selbst fördert und heiligt, ausübt. (Fortsetzung folgt.) Zn -er Gegenwart leben. (Schluß.) Viele Menschen wissen von ihrem Leben gar mchtS zu erzählen, auS dem natürlichen Grunde, weil sie es nicht gelebt haben. Höchstend wissen sie es noch von einzelnen Vorfällen zu sagen, die ihnen lebhafter als andere im Gedächtnisse blieben. Diese Vorfälle sind nicht einmal immer die allerwichtigsten, sondern oft an sich ganz unbedeutend. Und doch denken sie mit Vergnügen an dieselben zurück; sie sind sich solcher aber besonders darum so deutlich bewußt, weil sie damals mit vollem Bewußtsein und ohne aste Rücksicht auf Anderes dem damaligen Augenblicke gänzlich angehörten. Auch aus dieser Ursache erinnern wir uns aus den Kinderjahren her mehrerer Ereignisse nnd Sachen, als aus später» Zeiten, weil wir in der Kindheit ausschließlich der Gegenwart aufopferten. Von nachfolgenden Zeiträumen im Jünglings- und Mannsalter haben wir nur diejenigen Begebenheiten, oft sehr geringfügige, die hellste Vorstellung hinterlässen, wo wir mit ganzem Gemüthe zugegen waren, nicht bloß mit dem Körper und getheilter Aufmerksamkeit» Weil nicht viele Leute die glücklich machende Kunst kennen. Das, was der Augenblick gibt, in allen Einzelnheiten za schmecken; die Kunst, bei dem mit dem Geiste gegenwärtig zu sein, was gegenwärtig ist: so geschieht es, daß wenige Leute dir nützliche Eigenschaft der Geistesgegenwart bef unerwarteten Ereignissen besitze«. Gelehrte, und Überhaupt Ders-nen, die sich mehr in der Einsamkeit und mit Gedanken beschäftigen, weniger mit Pem, Ms der MrMblLrk rings »m sie her stellt, gerathen daher in der wirklichen Welt am leichtesten in diese Verlegenheit; wissen sich weder zu rathen, noch zu helfen, und thun oft das Geger - theil von dem, waS sie hätten thun müssen. Personen hingegen, deren volle Aufmerksamkeit das Vorhandene anziehr, die immer für den Augenblick leben, in dem sie sind, zeigen oft von der Geistesgegenwart Wirkungen und Vortheile der bewunderungswürdigster Art. Es ist wol nicht leicht möglich, daß ein Mensch, der es versteht, in der Gegenwart zu leben, und, was sie Gutes hat, zu pflücken, von Langeweile gequält werde; nur dem wird die Zeit lang, der die Gegenwart verkennt, weil er weit mehr von der Zukunft hofft. Kinder haben selten Langeweile, weil eine geringfügige Sache ihnen groß genug ist, sie zu beschäftigen. Eben so der Weise; nicht weil er sich Berechnungen und Träumen überläßt, oder Hoffnungen und Besorgnissen, sondern weil er in Allem, was er vor sich sieht und hört, noch etwas Vergnügendes und Belehrendes wahrnimmt. Der Weise schlürft den Becher des Lebens in langsamen Zügen tropfenweis aus, und wird davon durchdrungen. Der gewöhnliche Mensch dürftet immerfort, und stürzt dann den edlen Geistertrank stromweise hinunter, schmeckt ihn nicht, sondern verschlingt ihn zur Betäubung, nicht zur Sättigung. — Nicht minder als durch Berechnungen über die Zukunft, verderben wir uns oft die Gegenwart durch Erinnerungen an die Vergangenheit. Es hat «ns Gott das Gedächtniß gegeben zur Erweiterung des Lebensgenusses, nicht zur Verbitterung desselben; zur Nahrung der Weisheit, nicht der Thorheit. Allein der Sterbliche strebt nur allzugern das Gegentheil zu versuchen. Man tödtet hie heutige Wonne mir dem schwermüthigen Grämen um die verschwundene, und verliert das neu aufblühende Glück in der Sehnsucht nach dem Der» sornerr. Die gute alte Zeit wird gerühmt, und die gute gegenwärtige Zeit verkannt und eben daher nicht genossen. So bestiehlt sich der thörichte Sterbliche selber und nimmt sich, was er besitzt, und gibt eS an sich ab, wo er nicht mehr ist. Dagegen warnt die heilige Schrift: Sage nicht. Ms war's, daß die ersten Tage besser waren, als