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Der treue Zionswächter · 1849-07-13 · 28 (13.7.1849) · page 5

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
5 (1849)
Issue
28 (13.7.1849)
Date
1849-07-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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»ZH SSI Wo welche ein halbes Jahrhundert) lebt, st weiß weder von der Vergangenheit, noch Zukunft, noch vom gegenwärtigen Augenblick. Sie lebt nn Grunde gar nicht, wenn wir ihr Dasnw mit dem bewußtseiNvolleü des Menschen vergleichen^ Das Thier sieht weder in die kommenden Mage hinan, noch in die verschwundenen zurück'.' 'ES' genießt nur ven kleinen, noch engeN 'Augenblick dss'Gegenw artigen, und mit dem Augenblick ist, wie er verschwindet, dessen Dasein auf immer für das Thier vernichtet, als wäre er nie gewesen. Es lebt daher, auch wenn es hundert Jahren alt würde, eigentlich nur einen Augenblick. Für Pflanzen ist das Dasein eine ewige Nacht; für Thiere ein schwach erleuchteter, geringer Punkt um dasselbe, wo es sich eben befindet; für den Menschen ein sonnenhellen Tag, in welchem er übersieht, woher er auf seiner Straße kommt, und wohin er noch geht. Dies Bewußtsein erstreckt sich über sein wirkliches Dasein weit vor- und rückwärts. Der Mensch versetzt sich in Zeiten, die der grauen Vorwelt angehörten, er steigt mir seinem Wissen znm Beginn der Schöpfung hinauf; eben so vermag er, wenn auch mit weniger Sicherheit, einen Blick in die ferne Zukunft, in Zeiten, die künftigen Geschlechtern angeboren, zu thun — und so kann man in der Thar sagen daß der Mensch schon hienieden Tausende von Jahren lebe! Unterdessen kann doch, wie alles Gute, auch dieser Vorthcil der menschlichen Natur gewißbraucht werden. Es kann geschehen, daß wir mit dem Geiste mehr im Vergangenen und Künftigen, als in; Gegenwärtigen leben; daß wir darüber den besten Theil des Lebens selbst verlieren, ihn gar nicht haben. Demi das menschlicbe Dasein besteht aus einer langen Reihe gegenwärtiger Augenblicke. So viel wir derselben über das vergessen, was war oder sein wird, so viele haben wir nichn gehabt. Denn was wir nicht empfinden nnd genießen, das haben wir anch wirklich nicht. Nun aber leben in der That die meisten Menschen selten in der Zeit, die da ist, sondern mit ihren Planen, Wünschen, Sorgen, Hoffnungen und Gedanken indem, was noch nicht ist. Und sind sie endlich zu dem Tag, zu der Stunde gekommen, der sie schon lange entgegensahen, haben sie wüder neue Entwürfe und Besorgnisse für das Folgende, und vergessen darüber, was sie. so lange erwarteten. Die meisten Leute sind einem Spaziergänger ähnlich, der sich vornimmt, zu seiner Erheiterung eine angenehme Gegend zu durchwandern. Gleich anfangs denkt er, wie weit er gehen wolle, und beachtet bei seinen Ueberlegnugen nicht, was beim Anfänge des Weges ihn sreundllch umringt. Er geht weiter, neugierig, zu wissen, was Hinte« einem Hügel sein wird, der ihm die Aussicht verdeckt; s« kommt dahin, achtet aber nicht auf die neuen Umgebungen, sondern auf einen Bach in der Ferne, den er fürchtet, nicht durchschreiten zu können, weil er ohne Brücke ist. Aber das Wasser ist nicht tief; darum macht ihm dies minder Sorge, als ein steiler Fußweg, der über eine Höhe schlüpfrig emporgeht. Sein Wunsch ist, nur dort oben zu sein. Nur dahin ist sein Auge gerichtet, nicht auf die liebliche Wildniß um ihn her. Er kommt zur Höhe und muß in einen Wald treten, wo dor Pfad nicht recht kennbar ist. Sein einziger Gedanke wird: wäre ich nur erst durch das Gebüsch, damit ich nicht darin verirre. Er durcheilt es mir schnellen Schritten, und ermüdet sucht er nun den kürzesten Heimweg zn seiner Wohnung. Er freut .sich voraus, wie er dort der Ruhe pflegen will. Darum bekümmert er sich wenig um das, was rcchtS und links bleibt. Er ist im Geiste schon zu Hause. Er kommt dahin und findet Nachrichten die ihm schon wieder um das bedacht machen, was er thun müsse. So hat er einen Spaziergang vollendet, ohne denselben zu genießen. ES bleibt ihm unr eine ganze dunkle Erinnerung von den dort bemerkten Gegenständen. Er war niemals da, wo er war. Dieses Leben außer der Gegenwart ist eine wahre Geisteskrankheit; es kann zur Gewohnheit, zur anderen Natur werden. Als ein hoher Grad derselben kann die Zerstreutheit des Geistes angesehen werden. Die meisten Menschen leisen an dieser Krankheit, und verlieren über das Voranssorgcn für den Genuß des Lebens den Lclensgemrß. Sie leiden beständigen Hunger, weil sie d-s Esseil vergessen, über Vas, was sie essen wollen. Diese Krankheit des Geistes raubt uns die reiiiu.en Freuden, welche Gott uns darbietet weil wir über sie hinweg nach denen sehen, die wir noch nicht

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