Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 28 (13.7.1849)
- Date
- 1849-07-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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haben. Sie vermindert auffallend die Summe unseres häuslichen Glückes, weil wir nie im vollen Maaße und mit ganzer Seele Lei den lieben Unsrigen sind und unbefangen ihre Freuden, und was eben die erste Stunde Schönes bringt, mit ihnen theilen. Darum' kann man wol sagen: Wirklich zu leben ist eine Kunst. Nie schmecken wir das Dasein in vollerem Maaße und die Gegenwart in ihrer ganzen Kraft so sehr, als in unser» Iugendtagen. Das Kind gehört ganz dem Eindruck und der Gabe der eben vorhandenen Stunde. Es bekümmert sich um das Vergangene wenig, obwol es auch daran denkt; betrübt sich auch um eine verlorene Freude nicht stark, weil eS vom anwesenden Augenblick Ersatz und Entschädigung annimmt. „Glücklicher Leichtsinn!" sprechen die Bejahrten, wenn sie sehen, wie das Kind sich mit einer Kleinigkeit erheitert, und wenig um das härmt, was noch nicht da ist, und von dem die Bejahrten in ihrer Weisheit selbst noch nicht wissen, ob und wann und wie es kommt. Erscheint dem Kinde aber die böse Stunde, so zollt eS ihr seine Thräne, um vor der nachfolgenden wieder den Trost zu nehmen. Mit dem Aufwachen der Leidenschaften verfliegt der Frohsinn der Jugend. Dolle Heiterkeit des Gemüths ist nur Gesellin der Unschuld. Der Jüngling und die Jungfrau, auf der Gränz^ zwischen Kindheit und Männlichkeit, empfinden noch vom Glücke der ersten, aber auch von der Thorhcit der andern. Sie wollen eigentlich für die Zukunft leben, aber sie leben schon in der Zukunft; bauen Plane, und denken, hoffen, fürchten, sorgen, wünschen, können die Zeit nicht erwarten, der sie entgegensehen, und vergessen den Becher der Freude zu trinken, welchen ihnen der Morgen und der Frühling ihrer Lebenszeit darbietet. Man wird älter; das Sorgen ist mit den Jahren zur Gewohnheit geworden. Man hat nun auch für Andere zu denken. Die Verhältnisse sind mannigfaltiger geworden. Nun sind andere Leidenschaften da, nun die Unruhe des Ehrgeizes, die Begierde der Habsucht, die Qual des Neides, die Angst vor Krankheit, der Kummer und das Alter. Man ist mit dem Gedanken schon immer da, wo man noch nicht ist; und wo man ist, findet man gar nicht das Angenehme, was die Einbildungskraft einst davon vorgespiegelt hatte. Fliegt der Geist nicht in die Zukunft hinaus, sieht er gern wehmüthig in die verlebten Tage zurück, preiset die glücklichen Zeiten einer zu früh verschwundenen Jugend und den geliebten Gespielen. Er lebt überall, nur nicht in dem, was ist; und die Jahre des Greisenthums sind da, ehe man der Tage männlicher Kraft recht gewahr geworden. Der Greis nun beklagt die Flüchtigkeit des Lebens, die Hinfälligkeit des Menschen. Alles, was er hatte, gleicht ihm einen dunklen Traum; er weiß wenig davon. Aus siebenzig Jahren haben vielleicht kaum siebenzig Stunden einen lebhaften, deutlichen Eindruck bei ihm hinterlassen, weil er in den übrigen wenig oder gar nicht ihnen selbst, sondern denen lebte, die noch nicht waren. Daher weiß er von seinen Tagen nicht Anderes zu sagen, als: sie waren voller Sorgen, und die meisten derselben ganz vergeblich. Das ist die Lebensgeschichte der meisten Sterblichen. Sind wir nicht zu bedauern? Wen aber können wir anklagen? Hängt es nicht von uns ab, in der Gegenwart zn leken? Warum sehen wir stets auf den morgenden Tag, warum nicht auf den heutigen. (Fortsetzung folgt.) Metrische Bibel-Uebefetzungen. Nlageliever. ii. Allel» Schmuck von Israel. Denket nicht mehr seines Schemels An dem Tage seines Zornes. So verschlingt er ohn' Erbarmen Jacobs Schönheit mit hinweg Und zerstört in seinem Grimme Alle Veste Juda's hin Er entweihet ihre Reiche, Ihre Fürsten allesammt. Stumpfte ab in seinem Zorne Jedes Horn von Israel,