Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 28 (13.7.1849)
- Date
- 1849-07-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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»M 219 OG« ten wir nicht schon als Menschen fordern; Ehret die Menschenwürde!? Man sagt: Israel fordere Rechte; eS ist nicht wahr, es fordert nur die sedem Menschen gebührende Ehre, und das Recht fordert sich von selbst, um der Ehre willen, weil jede Ausschließung eine kränkende Zurücksetzung ist weil jede Ausschließung die Ehre verletz,! — Und werden soll uns diese Befreiung, werden soll uns diese Erlösung, hergestellt soll unsere Ehre werden und mithin unser Recht! Freuet Ihr Euch nicht, Menschen? So jauchzet denn Ihr Himmel, denn der Ewige vollbringt es, ertönet laut, Ihr Erdentiefen, brecht in lautem Jubel, Berge, aus. Du Wald mir Deinen Bäumen allen; denn erlösen will der Herr Jacob und Israels sich wieder rühmen! Za jauchzet Ihr Himmel, Ihr Reichen und Großen in Israel! Wie oft rühmet Ihr Euch der Freundschaft dieses oder jenes Großen deS Land«-; wie ginget Ihr damals, uneingedenk der Schmach Eures Volkes, angethan mir P.rachtgewändern, schwelgend m Ueppigkeit und Hochgenüssen, wie ginget Ihr stolz, mit Verachtung auf Eure armen Brüder herabsetzend, an ihnen vorüber! Es träumte Euch von Würden und Ehren — es träumte Euch, sage ich; denn mehr als Traum konnte eS wol nicht genannt werden — aber wie fürchterlich war Ihr Erwachen! Von Eurer vermeinten Höhe herabgestürzt, wäret Ihr gränzenloS unglücklich, um so unglücklicher, je süßer, je angenehmer, je beglückender scheinend der goldene Traum war! — Wie oft mußtet Ihr hören bei Eurem Fortgehen aus dem Hause» dem Ihr die goldenen Früchte Eures bleiernen Lebens brachtet, in der Meinung: ein Mittel gefunden zu haben, mit dem Ihr die wunde Brust heilen, die veraltete Schmach tilgen könnet — wie oft mußtet Ihr da hören: „Siehe, wie dieser Jude, dieser schmutzige Geldkasten .sich an unS drängt, er dünkt sich seines Geldes wegen, uns, den Großen des Landes ebenbürtig; aber gemach, habe ich wieder meine zerrütteten Bermögensumsiände geordnet: dann soll! — — „Sagt Ihr Reichen, wie oft mußtet Ihr das hören! Zerrissener» Herzens alS je ginger Ihr fort und riefet Ihr verzweifelt aus: „Herr! ist denn für Israel gar keine Rettung!? „Thor! glaubtest Du denn Dich erhabener, als Deine übrigen Brüder, die in Elend und Leiden schmachten? — Alle Israeliten sind Bürge Einer für den Andern!" War der Arme in Israel gedrückt, so war dies Bürge für den Druck deS Neichen; warum ließest Du Dich denn täuschen durch Händedrücke und Schmeicheleien, die man nicht Dir, sondern Deinem Gelds geben wollte, die nicht Dir, sondern Deinem Vermdgen galten; warum warst Du nicht eingedenk der Schmach, die auf Deinen übrigen Brüdern lastcte, die eben so viel Verdienste, als Du, hatten, denen so an nichts, als an Geld mangelte? — — — Aber nichtwahr. Reicher in Israel! das war ein herber Schmerz, um Ehre, Freundschaft und Wohlstand sich betrogen, zu sehen — siehest Du aber: dieser Schmerz soll schwinden, der Nichtjude wird sich Deiner nicht mehr schämen, er wird Dich nicht mehr um Ehre, Freundschaft und Wohlstand betrügen, er wird nicht mehr in Dir das Geld, sondern Dich lieben, so Du anders der Menschenliebe würdig sein wirst — wenn einst Gott Jacob erlöst und Israels sich wieder rühmet! Jubelt, die Ihr in der Erde Tiefen seid! Ja jubelt Arme, Gedrückte, denn der Herr tröstet sein Volk und erbarmt seiner Armen sich! — Wie oft, Du armer Bruder in Israel! gingest Du einher, schleppend an der Last deS Lebens, wie oft. Du Gramgebrugter, verwünschtest Du im Herzen die Tyrannen, die Dich gedrückt, während Dein Gesicht die Miene und den Ausdruck eines Ueberglücklichen annahm, eines Ueberglücklichen, weil sich der Hohe zu Dir hat herabgelassen. Dich zu seinem Hofnarren zu erheben, sich über Dich zu belustigen. Dich in Verls» genheit zu bringen, indem er Dir verbotene Speisen reichte — und wie weidete er sich an Deiner Verler genheit, wie erzählte er daS denn im Zirkel seiner Ebenbürtigen, und wie ward da auf Kosten der Juden gelacht! — Wie oft Unglücklicher! wurdest Du zum Lohne für Deine treuen und mit Gefahr Deines Lebens geleisteten Dienste auS dem Hause geworfen, mit Schmach« und Schimpfreden überhäuft, wie oft gellte noch Jahrelang in Deinen Ohren das Dir nachgerufene: „Jüdische HundeSseele! — Wie bist Du dann nach Hause gekommen, und ließest Du da- Bild Deine- Unglückean Dir vorüberziehen und riefest Du verzweifelt auS; „Go«! Du hast befohlen, jeden Menschen zu lieben; ich kann aber nicht lieben meine Bedrücker, die Bedrücker meines Volkes, die Schänder meines Glaubens!" — Wie oft zerflössest Du in Thränen ob der Größe Deine- Unglückes und wärest