Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 27 (6.7.1849)
- Date
- 1849-07-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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»M 213 Aeußere junge Leute, wie Sie sind, mit fortreißen mag. Glauben Sie denn aber wirklichdaß uns Geistlichen etwas daran gelegen wäredie Schule mit der Kirche eng verbunden zun halten, wenn wir es nicht der guten Sache wegen thäten? Glauben Sie wirklich, daß die^Schule ohne 7die Kirche fort bestehen rkann? — Eehen Sie, daß sind eben Fragen, vie dem Publikum hier vorgelegt werden — ich will 7nicht sagen, um es irre zu machen, aber doch etwa mit demselben Erfolge; Deutschland kann allerdings nicht ohne freie Volksschule — frei werden, wenn Sie es denn einmal so nennen wollen, das deutsche Volk eben so wenig „stark und einig" ohne freie Volksbildung sein, und ebenso gehört eine gediegene Volkserziehnng dazu, die Völker der Gaben werth zu machen, die sie bis jetzt von ihrem gnädigen Herrn nnd Fürsten erhalten haben. Die drei Fragen will ich Ihnen also von Herzen gern, und ganz in Ihrem, wie in des Schreibers Sinn, mit nein beantworten, nun aber beweisen Sie mir einmal, daß wir keine frei Volksschulen haben; daß unsere freie Volksbildung gehemmt sei, und daß uns nicht Alles freistehe, was wir als vernünftige Menschen thun wollen nnd können, das Volk gediegener zu bilden? — Hab' ich z. B. Ihrem von Ihnen selbst entworfenen Schulplane je etwas ist den Weg gelegt? Hab' ich mich hincinaemengt, was Sie den Kindern in Geschichte und Geographie, in freien Ausarbeitungen und Verstandesnbungen lehrten? — Nie — nur das für den inngen Geist Gefährliche half ich anssondern, und das Erz reinigte ich mit Ihnen von den Schlacken; unsere Schule ist frei, denn daß der Geistliche als der Vorstand derselben dasteht, scheint mir als Einwirkung auf die Sache selbst, nur von geringer Bedeutung. Uebrigens, nnd um Ihnen zu beweisen, daß ich Verbesserungen wie sie wirklich das Wohl der Schule befördern können, keinesweges feindlich gesinnt bin, habe ich sogar selber schon darauf gedacht eine Aenderung in diesem, wie Sie sagen, für den Schullehrcrstand drückenden Verhältniß herbeizuführen nnd den sogenannten Uebelstand dadurch vollkommen abzuschaffen — doch davon später ein mehres. Für jetzt, erlauben Sie mir, auch Ihnen ein Paar Fragen vorzulegen, vorausgesetzt, daß Sie eine Trennung der Kirche von der Schule wünschen. Diese Fragen sind: Möchten Sie den Religionsunterricht der Kinder verlieren? Und ist dieser nicht gerade das, was das kindliche Herz so innig an» den. Lehrer fesselt? Ist er nicht gerade die Mittheilvng jenes ßeheimnißvollen göttlichen Waltens —de« Erschluß, möchte ich sagen, eines bis dahin in des Kindes Brust noch ungeahnten Gefühls, de« es mit scheuer liebender Ehrfurcht zu dem Lehrer hinzieht? Und das wollten Sie muthwillig, für das tydte nichtssagende Wort „Freiheit der Schule," aufgeben? —Ich glanbe kaum. Wenn die Lehrer untereinander die Sache nur erst einmal ordentlich überdacht haben werden, kommt jedenfalls ein anderes Resultat heraus, als das bisherige. Noch liegen wir im fröhlichen Iubclrausch der so unverhofft gewonnenen Errungenschaften; aber cs ist eben auch nur ein Rausch, der bald verfliegen und die, die ihm fröhnten, nüchtern und mit Neue über ihr thörichtes unbedachtes Streben znrücklaffen wird. — Aber das ist noch nicht Alles — ich habe das nur vorher erwähnt, was des Lehrers, des wahren güten und treuen Lehrers Seele am ersten rübren Und bestechen muß — die Liebe und Anhänglichkeit seiner Schüler; nun kommt das noch, was leider mit seinem Geiste Hand in Hand gehen muß, und eine Zurücksetzung eben so wenig verträgt wie dieser, da es sonst zu störend ans ihn zurückwirken würde — und daS ist der Körper — das leibliche Wohl des Schullehrers. — Daran haben Sie noch nicht gedacht, nicht wah»? wenn sich die Schule von der Kirche absolut trennen will, und unsere hohe Staatsrcgiernng natürlich ihre Einwilligung dazu gicbt, was übrigens kaum;u erwarten steht und Gott verhüten möge! dann bleibt der Schullehrer auch natürlich nur auf seine Schulentnähme angewiesen. Nun berechnen Sie siel» selbst, was Ihnen alles, wenn Sie sich wirklich in den Fall einer Trennung setzten. — Ich nehme ja nur den möglichen — für jetzt erdachten Fall, was Ihnen AlleS abgingc an Ihrem jetzt schon nichl-s weniger als brillanten Gehalr, — Sie wurden vielleicht nicht einmal im Stande sein zu leben und glauben Sie, daß Sie einem besseren Loos entgegengingen, wenn Sie von den Bauern allein abhängig in Ihrer Besoldung wären? Sehn Sie, meine Freunde, jede Sache hat, wie ich Ihnen das auch eigentlich gar nicht mehr zu sagen