Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 26 (29.6.1849)
- Date
- 1849-06-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachkommen überliefern sollen. Und ist das Andenken dieser Ereignisse uns so eingeschärst worden, daß wenn z. B. Jemand von uns Gesäuertes am Ueberschreitungssest ißt oder kein Usberschreitungs- Opfer bringt, die Strafe, daß dessen Person von Israel ausgetilgt werde, erfolgt. Wir müssen daher zum Andenken dieser großen Ereignisse, wovon wir uns selbst überzeugt haben, an Hand und Haupt Zeichen tragen, und solche mit Worten am Morgen- und Abendgebete erwähnen; so daß die Absicht aller Gebote dahin zielt, daß wir an Gott glauben, ihm danken, und seine Größe uns Wohlthaten stets anerkennen sollen; indem wir durch die Anerkennung der großen öffentlichen Wunder zur Anerkennung von dessen geheimen Wunderwerken gelangen, welches die eigentliche Basis unserer heiligen und erhabenen Lehre ist; und in so ferne ein Israelit nicht den Glauben beherzigt, daß alle unsere Schicksale und Ereignisse Wunderwerke Gottes und dem Gange der Natur gar nicht zuzuschreiben sind, und daß ferner, sowohl im Allgemeinen, als auch einzeln, auf Erfüllung der göttlichen Gebote Segen, und deren Uebertretung Strafe und Ausrottung erfolgt, und das Alles lediglich durch göttliche Bestimmung geschieht, so hat derselbe keinen Anthcil an der Lehre unseres göttlichen Gesetzgebers und ist kein wahrer gläubiger Jsraelite. Der jüdische Gemeinde-Vorstand zu Berlin und die Genossenschaft für Reform, rin Judenthum von S. Ihre letzte Nummer bringt ein Schreiben die „Bevollmächtigten der Genossenschaft für Reform im Judenthum" an „Einen Wohll. Vorstande der jüdischen Gemeinde zu Berlin zur allgemeinen Kenntniß. Wenngleich wir mit dieser „Genossenschaft" auf ganz verschiedenen, ja entgegengesetzten Boden stehen, so können wir doch nicht umhin, uns im vorliegenden Falle ganz für die Ansichten aussprechen, welche dieselbe dem Vorstande der jüdischen Gemeinde mitgetheilt hat. Als ich das Circular des Vorstandes las, mußte ich mich wirklich wundern, daß derselbe sich auf eine Verfügung der Herren Minister deS Innern und der geistlichen Angelegenheiten berief, und daß diese Herren Minister, welche sich doch einer eisernen Consequenz rühmen — so sehr wider die Bestimmungen der von ihnen selbst octroyirten Verfassung verstoßen. Allein was kümmert das einen Herrn v. Mantenffel oder v. Ladenberg. Ersterer ist uns auf dem vereinigten Landtage als Judenfeind bekannt geworden. Er hat sich dort bekanntlich gegen jede Emancipation derselben offen und unumwunden ausgesprochen. Den Letzteren kennen wir hingegen, leider! schon lange. Derselbe mag in Bezug auf Politik ein konservativer, ja reaktionärer Minister sein, in Bezug aufs Judenthum ist er ein destruktiver. Schon in vormärzlichen Zeiten Minister, war er unter Eichhorn Direktor der geistlichen Angelegenheiten. Und glauben Sie ja, das in Nr. 1 d. Bl. besprochene sogenannte Judengesetz geht größtentheils von Ladenberg*) aus. Das ganze Bestreben Preußens seit 31 Jahren ging und geht noch unbedingt darauf hinaus, das Judenthum allmählig zu vernichten. In früheren Zeiten suchte man solches ans rohe plumpe Weise zu Stande zu bringen, heutigen Tages gicbt man überzuckerte Pillen. Eben ein solches Auflösen, Vernichten beabsichtigte das obenerwähnte Gesetz und Herr von Ladenbcrg denkt auch heute noch sein altes Spiel fortsetzen zu können. Was also die Juden von einem solchen Ministerium zu erwarten haben, scheint wol klar vor Augen zu liegen.-In Bezug auf Gemeindeangelegenheiten bilden die jüdischen Gemeinden selbst mit ihren Rabbinen die letzte Instanz; sie beschließen endgültig. Und ich hätte vom Gemeinde-Vorstände zu Berlin eher erwartet, daß er das von der Gemeinde Beschlossene nicht dem Staats-Ministerium, sondern den Rabbinen zur „Genehmigung" vorlegen werden. Der Staats-Regierung steht eine Einmischung in *) Eine Ihrer früheren Nummern spendet diesem Manne ein gar großes Lob. Wie das von Seiten einer iZhrer Corrcspondenten hat geschehen können, vermag ich nicht einzusehcn.