Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 26 (29.6.1849)
- Date
- 1849-06-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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»ZH 207 die inneren Cultus-Angelegenheiten gar nicht zu. Die Gemeinden selbst müssen Hand ans Werk legen, und auch ohne Genehmigung des Ministeriums werden die für Judenthum günstigen Beschlüsse dieselben Früchte tragen, Beschlüsse, welche ohne Zweifel vom Ministerium gestrichen werden. Wir bedürfen doch keines Vormunds mehr, deshalb nach Vorschrift der Verfassungs-Urkunde „selbstständig die inneren Gemeinde-Angelegenheiten geordnet und verwaltet!" Lassen wir keinen Fremden uns in die Karte sehen. Es könnte für das Judenthum mit Gefahr verbunden sein. Möge der Vorstand zu Berlin und alle jüdische Gemeinden diese wenigen, aber wohlgemeinten warnende Worte beherzigen. Dann erst, und nur erst dann können wir mit Vertrauen und Zuversicht aus Werk gehen, dem der Herr seinenSegen nicht wird fehlen lassen. ZeitMgsNschrichten. Schleswig-Holstein. Elmshorn, den 26. Juni. Verzeihen Sie, Herr Redakteur, und auch an Dich, lieber Leser', richte ich diese bescheidene Bitte, wenn ich heute etwas sentimental werde. Der Ernst der Zeit erfordert >6 zwar von dem Menschen auch ernsthaft zu sein, allein grade um uns dieser düsterernsten Stimmung zu entschlagen, fangen wie eine andere Rede an, die uns weghebt aus dem Reiche der rauhen Wirklichkeit in das Reich der schönen freien Phantasie. Siehe, so eben erhebt sich aus dem Osten die goldene Sonne; ich schaue hin nach dem strahlenden Lichte und freue mich der erwärmenden und leuchtenden Strahlen, die sie wieder der Erde zusendet; denn bisher entzog sie sich unfern Blicken. und verbarg sich hinter düstere, dunkelgraue Wolken und verfinsterte uns die schöne Bläue des Himmels, daß der Genuß des schönen Frühlings, der mit Freiheit und Liebe uns begrüßt, uns verkümmert wurde. Nun strahlt sie wieder, des Tages Königin in voller Pracht, in schönes, saftiges. Grün ist die Erde gehüllt und wir sehe» bald einer erfreulichen Ernte entgegen; allein wie sieht es in dem Leben der Menschen aus? Ist auch da die Sonne der Freiheit so hellstrahlend und erwärmend, ist auch da die Hoffnung so schön wie das erfreuliche Grün der Erde? Ist in dem religiösen Leben Etwas von der glanzvollen Sonne zu sehen, die majestätisch ihre wohlthuenden Strahlen zu den Menschen sendet und sie erwärmt und erleuchtet? Sehen wir, daß in dem Leben der Menschen die Leidenschaften ruhen wie die Bläue des Himmels so ruhig und wölbend sich über und ausbreitet? Nein, die schöne Zeit ist dahin. Getrübt ist der sonnige Morgen, der heitere Frühling der Freiheit, mit blutiger Gewalt wird sie nun nicdergeworfen werden. Der Sinn für das religiöse Leben ist erkaltet und wir müssen streben, auf dieses hinzuwirken, daß der religiöse Sinn sich wieder belebe und gefördert und weiter entwickelt werde. Auch die Leidenschaften der Menschen werden sich dann beruhigen und die Menschheit wird wieder in daS Gelcis cintrcten, in dem sie ihrem Frieden und Glück entgegen geht durch ruhige Forschung und eifriges gesetzliches Streben, daS ihm sein Dasein, seine Berechtigung sichert im Staate, in der Gemeinde, in dem religiösen Verhalten und Leben. — Vor einigen Tagen fand hier eine jüdische Hochzeitüfeier Statt, bei welcher Gelegenheit an christltche und jüdische Arme Geld und Lebensmittel verabreicht wurden. Wir ermangeln um so weniger, diesen Zug der Oeffeutliclikeit zu übergeben, da es ein ist, und Herr I-, dessen Wohlthatigkeitssinn wir so oft;u bemerken Gelegenheit hatten, ein ächter Jude, von unserer Partei, ein Anhänger und Beförderer alle, wahrhaft Guten ist. Baiern. Aus Schwaben. Dieser Tage ist endlich nach jahrelangem Hin- und Herzcrren die Angelegenheit des Herrn Rabbiners Weiskopf, gewählt als Rabbiner für Wal-