Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 26 (29.6.1849)
- Date
- 1849-06-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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schlinge; er will, daß der Hohe dem Niedern Schutz gewähre, daß der Reiche dem Armen Hilfe spende, daß der Beglückte des Leidenden Seufzer stille, und Thranen trockne. Dieses, eines der geringeren Mittel, welche der Herr zur Ebnung der gesellschaftlichen Ungleichheiten eingesetzt hat, wird aber häufig von den Söhnen der Erde überschätzt; die Riedergestellren schauen zu den Hähern und Mächtigernewpor, mit einer Zuversicht, als wären diese eS allein, wovon ihnen Rettung werden kann. Wenn aber, wie die Erfahrung lehrt, ewiges Gebirge nicht fest steht, wenn Berge wankend, Hügel erschüttert werden können, um wie viel weniger steht Macht und Größe bei hinfälligen Menschen unerschütterlich fest. Schon der heilige Sänger mahnt daher: „Vertrauet nicht auf Vornehmen, 'auf den Erdensohn, der wenig helfen kann; der Geist verläßt ihn; dann kehrt er wieder hin zur Erde, an jenem Tage sind seine Gedanken dahin." Nicht aber unvernünftig nur, auch sündhaft ist ein solches Vertrauen, sagte ich. Keine silberne und goldene Götzen sollen wir verehren, und Ihr, meine Brüder! wolltet Euch gottvergessend, vertrauend auf den metallenen Wohlstand Eurer Mitmenschen vor denselben niederwerfen? Das Himmelsgestirn dürfen wir nicht anbeten; und Ihr wolltet vor der Sonne des Glücks Euer Knie beugen, wolltet dem leuchtenden Nachtgestirn Euer Geschick vertrauen, und nicht lieber dem, der es beherrscht und erleuchtet? Darum rufe auch Euch, meine Brüder! ich die Worte unseres Textes zu: — — ersteiget die Höhen menschlicher Größe nicht, dort Hilfe zu suchen, wenn Gott nicht in Eurer Mitte ist, wenn der Gedanke an seine Allmacht Euch nicht beherrscht; denn Eure Feinde, die Feinde Eurer wahren Glückseligkeit, wohnen auf jenen Höhen als Götzen, vor denen Ihr Euch, den wahren Goll verleugnend, sündhaft zur Verehrung nicderwcrft. Vertrauet nicht glänzendem Metall, vertrauet nicht strahlender Größe menschlicher Macht, und ansgesöhnc mir den Wechseln des Glücks, welche den höheren Fügungen emströmcn, könnt ihr alsdann, beruhigt in Eurem Gewissen, mit dem vielgeprüften sprechen: „Ich vertraute nicht auf Neichlhum,. sprach nie zum Golde, du bist meine Zuversicht. Mich ent zückten Güter nicht, nicht mannichfache Kostbarkeiten. Sah ich die leuchtende Sonne, den majestätisch schreitenden Mond. Mein Herz ward nicht geheim bethört, ich warf ihnen keine Küsse zu. Denn sträfliche Miffrchat wär'S, dem Himmlischen Gott entsagen." Haben wir nun aber, m. Th., ein dreifaches fehlerhaftes Vertrauen kennen gelernt, so sei eS mir für heute noch vergönnt, Ihnen nur noch in kurzen Umrissen auch dasjenige Vertrauen zu zeichnen, welchewahrhaft uns zum Steuerruder auf unserer Lebensfahrt dienen kann. Nicht entmuthigt soll der Erden» sohn bei jedem mißlichen Zufall seines Daseins werden. Nicht verkennen soll er seine Natur- und Geisteskräfte, und an ihre Hilfe verzweifeln; nicht ungesucht und unbenutzt soll er die Förderungsmittel zu seinem Aufschwünge lassen, die ihm äußerer Wohlstand, das Ansehen und die Macht seiner Mitmenschen verleihen können und wollen. Aber der Name GocteS muß die Krone sein, welche alle seine Bestrebungen und Hoffnungen schmückt. Wir können sie besteigen zwar die Höhen menlchiichrr Macht und Größe; nur muß Gottvertrauen uns dabei vvrleuchren; nur dürfen wir nicht, wie die Verblendeten in ukiserm Texte, in blindem Selbstvertrauen hcranstürmen, die Bundeelade des Herrn, ihre Wächter und Lehrer im Lager des Lebens hinter uns lassend. Dem Herrn vertraue, wer sein Tagewerk beginnt, daß ein h-iterer Abend seine Mühen lohnen wird; Ihm vertraue, wer am Abend zur Ruhe sich begiebt, frisch gestärkt am Morgen wieder zu erwachen. Dem Herrn vertraue, wer an eine schwere Arbeit sich wagt, daß nicht vergebliche Mühe sein Loos werden, wer «ine Reise unternimmt, daß er glücklich das Ziel seiner Bestimmung erreichen wird. Dem Herrn vertraue, wer auf trügerischem Elemente sein Schiff besteigt, um in fernen Zonen sein 'Glück zu erringen; ihm vertraue, wer seinen cker bestelltfröhlicher als er jetzt säet, bald zu ermen. Dem Herrn vertraue, wer in die Fluchen der Wissenschaft sich wagt, verklärter und an Wissen reicher wieder daraus aufzutauchen. Dem Herrn vertraue, wer die Ehestandsbahn betritt mit seiner Genossin Hand in Hand im rosigen Schimmer der Freude zu wandeln; ihm vertraue der, den noch seine holde Jugend umgaukelt. daß er im erblühenden und gereiften Alter, Hel tetes Glück und selige Wonne ebenso einst genießen wird. Dem Herrn vertraue aber auch, wer den Lei-