Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 26 (29.6.1849)
- Date
- 1849-06-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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»W> 203 warten, daß feine häuslichen Bedürfnisse und die seiner Familie ihm vom Himmel regnen werden? Darf der Kranke die Mittel der Heilung vernachlässigen, und vertrauen, daß ihm durch Zufall die ersehnte Genesung wird? Darf auch der Kräftigste eS wagen, auf seine Gesundheit zu stürmen, und vertrauen, daß sie dennoch erstarke? Darf der Wasserfahrer bei stürmender Fluch Steuerruder und Segel ruhen lassen und vertrauen, daß er dennoch zum sichern Hafen ge- .langen wird? Nein! Verwerflich wäre ein solches Vertrauen, sträflich ein solches Verfahren. Gegen ein solches Vertrauen warnt schon der weise König, indem er spricht: „Gehe hin zur Ameise, du Fauler! Betrachte ihre Weisen und werde klug. Siehe, sie hat nicht Gutsherr, nicht Vogt, nicht Aufseher. Dennoch bereitet sie ihr Futter zur Erntezeit, sammelt im Herbst schon ihre Kost. Wie lange noch Fauler wirst du ruhen, wann stehest du vom Schlafe auf? Fürwahr, schlafe nur ein wenig, schlummere ein wenig, ruhe nur, die Hände übereinander ein wenig, und Armuth überfällt dich wie jReisiger, der Mangel wie gewaffneter Mann. Aber eben so wenig, wie auf blinden Zufall, eben so wenig dürfen wir, m. Th., auf unsere eigene Macht unser Vertrauen setzen. Wenn in das erstgedachce fehlerhafte Vertrauen meist diejenigen verfallen, die in der Schattenseite des Glücks wandeln, so werden meistens Beute eines fehlerhaften Vertrauens der zweiten Klasse diejenigen, die von der Sonne des Glückes angelächelr, durch die Gabe den Geber vergessen. Der sieggekrönte Held vergißt so leicht, daß nicht seine Kraft und Starke, sondern die Hilfe Gottes ihm den Sieg verliehen. Der Anmuthige vertrauet seinen Naturgaben, und bedenkt nicht immer, daß der Schöpfer der Natur, welcher die Blume» mit glänzenden Farben bemalt, es ist, der Lieblichkeit und Anmuth über ihn ausgeschüttek. Der glückliche Pflanzer, dem seine Saaten in üppiger Fülle schossen., spricht häufig nur von seinem Fleiße und der Güte seiner Felder, und nicht vom Vertrauen auf dem. der seinen Fleiß segnete, und seinen Mühen Gedeihen verlieh. Der zu Ehren und Würden Getangle,vertrauet seiner Kunst sich Ansehen zu erwerben, und vergißt so oft, daß Gunst eine Segnung von oben, ein HimmelSgeschenk sei. Der rechnende Kaufmann vertrauet seinen Anschlägen, und seinen Berechnungen der Ereignisse, und auch ihm schwebt dabei nur selten der Lenker der Ereignisse vor, vor dessen Blicken allein die Zukunft aufgerollt liegt. Der einer blühenden Gesundheit sich erfreuet, er vertrauet ihr die Vermehrung seiner Jahre Zahl, und denkt dabei nicht häufig an den, der die Fäden seines Lebens in Händen hat, und über der Vergänglichen Leben und Tod gebietet. Der reich Begüterte; er vertrauet seine und der Seinigen Wohlfahrt, dem blühenden Zustande seines Hauses, seinem Neichthume, und vergißt darüber den, der seinen Neichlhum gespen^ der, der arm macht und reich, erniedrigt und erhöhet. Darum möchte ich dieser Klasse von Beglückten die Worte unseres Textes zurufen: "w'övl, O! besteiget diese Höhen des Eigendünkels und Hochmukhs nicht, wo Gott nicht bei Euch ist, damit Ihr von Euren geistigen Fcinden nicht geschlagen werdet. „So wie Wiesen nicht ohne Wasser grünen, Binsen nicht ohne Nässe emporschießen, vielmehr am Stengel ungepflückc verdorren, so ergeht es Gottvergessenen, so wird der Heuchler Hoffnung vernichtet. Abgeschnikten wird ihre Zuversicht, ihr Vertrauen zerreißt, wie Spinngewebe. Sie stützen sich auf ihr Haus. eS hält nicht — sie klammern sich an — doch erfolglos, sie können sich nicht erhalten, ihr Glückögcbäude stürzt ein, und begräbt sie unter seine Trümmer." * .* Nicht Vertrauen auf Wechseln des Zufalls, nicht Vertrauen auf eigene Macht allein aber sind es, was Wir meiden müssen; auch Vertrauen auf menschliche Macht und Größe ist eben so unvernünftig und sünd» Hafk Es ist unvernünftig, sage ich. So wie der Erde Oberfläche eine ungleiche ist, und übersäet mit Höhen und Tiefen, mir Bergen und Thälern, mit Hügeln und Abgründen sich unfern Blicken darstellr, so gibt es nach des Schöpfers Willen auch in der gesellschaftlichen Ordnung nirgends völlige Gleichheit. Hohe und Niedrige, Reiche und Arme, Beglückte und Leidende bieten die mannigfaltigsten Abwechselungen in der menschlichen Gesellschaft dar» Er, der aus Liebe eine Schöpfung aus dem Nichts hervorgerufen, er will, daß das Band der Liebe auch seine.Geschöpfe um-