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Der treue Zionswächter · 1849-06-29 · 26 (29.6.1849) · page 2

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
5 (1849)
Issue
26 (29.6.1849)
Date
1849-06-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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den Herrn stärken möge. Das Volk hatte diese Nachricht umer Gefühlen der tiefsten Trauer zwar vernommen; ward aber nach den folgenden Worten der heiligen Schrift keinesweges noch dadurch gebessert. Denn es heißt (4 D. M. 11, 40—45.) 'ui -w cfli!>fl „Sie machten des Morgens sich auf, die Höhe des Gebirges zu besteigen, und sprachen, wir sind bereit an den Ort hinauf zu ziehen, den der Ewige uns verheißen hat, denn wir erkennen, daß wir gesündigt haben. Mosche aber sprach: warum wollt ihr nun wieder de» Befehl des Ewigen übertreten, es wird nicht gelingen. Zieher nicht hinauf, denn der Ewige ist nicht unter euch, damit ihr nicht von euren Feinden geschlagen werbet. Ihr findet dort den Amalek und den Kanaani vor euch, und werdet in da- Schwert fallen, denn weil ihr von dem Ewigen abgewichen seid, so wird er nicht mit euch sein. Aber sie bestanden blindlings darauf, die Höhe des Gebirges zu besteigen; indessen wichen die Dundesiade des Ewigen und Mosche nicht aus dem Lager. Die Amalekiter und Kanaaniter, die auf dem Gebirge wohnten, kamen herab, schlugen sie und verfolgten sie bis gen Chormo " Meine werthen Zuhörer! Ueberall im Leben gewahren wir Gutes und Böses, Segcnvolles und Unheilbringendes nachbarlich nebeneinander gelagert, und schwer wird cs, beide von einander zu erkennen und zu sondern, um das Gute nur zu lieben, das Döse aber zu meiden. Die Giftpflanze wachst neben der lieblichen nahrungsreichen, und es nährt sie ein und derselbe Boden. Der Vulkan, der üppiges Grün auf seinen Rücken tragt, er birgt in seinem Innern verzehrenden Feuerstoff, sein eigenes Wachslhum und das Wachsthum seiner Nachbarschaft zu zerstören. Und so wie in der Natur, ebenso bietet sich dieses Bild der Mischung auch im geistigen Leben der Menschen dar. Tugend und Laster lagern hart neben einander. Neben den Höhen der Gottseligkeit, ziehet der Verdammniß Abgrund hin. Darum muß bedachtsam unser Wandel fein, behutsam müssen unsere Schritte auf unserem Lebenswege gezählt werden. Vertrauen, meine Th., ist eine nvthwendige Bedingung eines gediegenen, beseligenden Daseins. Vertrauen verleihet unserm Willen Kraft, unserer Thätigkeit Stärke, unseren Handlungen Festigkeit. Ohne Vertrauen wanken unsere Schrite, ohne Vertrauen ist unser ganzes Dasein äußern Einwir« kungen und Verhältnissen zum Spielball preisgegeben. Aber nicht jedes Vertrauen ist heil- und segenbringend. Auch hier keimt deS Lasters Unkraut neben der erblühenden Tugendblume; auch hier muß daher unsere Wahl eine äußerst sorgfältige sind. Lassen Sie uns, m. Th., die heutige Andachtsstunde dazu benutzen, eine solche Wahl vorzunehmen; lassen Sie uns nämlich die Ueberzeugung gewinnen, daß wir 4^ nicht auf blinden Zufall, 2) nicht auf eigne Macht, 3) nicht auf menschliche Hülfe unser Vertrauen setzen sollen; daß vielmehr unter alle» Lebensverhäitnissen Gott allein unsere Zuversicht sein muß. Meine verehrten Zuhörer! Ich habe.Ihnen bereits schon im Allgemeinen angedeutcr, daß Vertrauen ist, daß Vertrauen den Stab bildet, auf den wir unS stützen, wenn wir ermüden, beim Ersteigen der Höhen unseres Daseins. Vertrauen 'stärkt die Kraft des Leidenden, daß er unter der Bürde seines Unglücks nicht erliege. Vertrauen auf Besserung seines Geschicks lindert den Schmerz des Kranken, der auf seinem Schmerzenlager in schlaflosen Nächten sich wälzt. Vertrauen auf eine rosenfarbene Zukunft läßt den Trauernden die schwarze Farbe der Gegenwart vergessen. Vertrauen auf eine reiche Ernte lehrt den Saemann, das ihm spärlich noch zur Nahrung übrig gebliebene Korn in den Boden werfen Vertrauen laßt den Much des Schiffers nicht sinken, wenn der Sturm heult, das Meer robt, und auf den Höhen seiner Wellen ihn emporhebk, um ihn wieder in seine Tiefen zu schleudern. Wie aber? welches Vertrauen ist wol geeignet eine solche Seelenruhe zu erzeugen, und den Unglücklichen aus dem Abgründe der Verzweiflung zu retten? Vertrauen auf blinden Zufall etwa? Darf der Verarmte, dem noch Mittel zur Arbeitsamkeit und dadurch zur Gewinnung seiner Nahrung zu Gebote stehen, diese vernachlässigen, und vertrauen, daß der Zufall ihm Hilfe bringen wird? Darf der Landmann sein Feld unbestellt lassen und auf eine kommende Ernte hoffen? Darf der Bürger dem Schlaf und dem Vergnügen stöhnen, und er-

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