Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 25 (22.6.1849)
- Date
- 1849-06-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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»ZH 1S5 HZ. der Erfahrung; daß ein Angeklagter nach einem Paragraph äußerst unrecht, nach einest» andern nicht recht und nicht unrecht, und stach dem weit, hergeholten dritten Paragraph ganz vollkommen recht hat. — Der Buchstaben Sinn allein ist ein Leichnam, der Geist des Gesetzgebers muß fortwalten, sonst kann ein Volk bei den besten Gesehen gesetzlos sein; wo man aber nur mit den Worten richtet, wird deren Verdrehung ein Studium. Um jene folonische Ansicht in Wirklichkeit ver» wandelt zu sehen, wäre es nothrvendig: daß die Er, ziehung vor Allem mir den Gesetzen befreundete, daS Beispiel erweckt und fortgepfianzt würde. Um dies zu ermöglichen, müssen die Gesetze Jedem bequem, also einfach werben; sie müssen es aber sehr lange nicht mehr sein, denn schon Seneea sagt: milii veöitur 1r»»»6ius, in!»!! ineptis» quam lex «um pro!«§o" (Nichts scheint mir lahmender und unschicklicher, als ein Gesetz mit einer Vor-Erklarung). Gesetze können nur aus allgemeiner Nothwendigkeit entstehen; wo diese gefühlt wird, ist das Gesetz gewiß sehr bündig. — Späterhin muß aber auch Frau ThemiS nirgends Handgeld sich voraus und Sold fort und fort zahlen lassen, sonst ist der Arme nur zu oft außer dem Gesetze; Armurh wird dadurch zum schwersten Verbrechen und so „erringt die Frechheit der Schlechten die Herrschaft!" Man wird in einzelnen Fällen dann noch zum Rechte kommen, zuletzt durch die Gnade, die aber daS Ungnädigste ist, was dem Fühlenden widerfahren kann. Sie deutet auf ein bezwecktes Verarmen der Gerechtigkeit — denn diese überall zu üben ist schon eine Aufgabe, die biSjetzt noch über menschliche Kräften stand — und wird nebenher oft noch der einträglichste Handels-Artikel für die höfischen Diener. Dem sogenannten Welt« klugen kann es nicht verargt werden, wenn er folgende Logik hat: „Mein Gebieter ist vielleicht im Zahre dreihundert fünf und sechszig Mal gnädig; die Racksten aa ihn haben das höchste Recht, diese gute Laune (denn nur gnädig sein wollen ist gewiß Laune!) auf sich zu leiten — mir gehört sie alljährlich einige Mal — suche ich sie fürAndere, das ist mein Schade! — — und darum muß mich Der entschädigen, welchem ich einen Theil von meinem Eigenthum überlasse." — ES versteht sich, daß ich diese Logik nur dem unechten Welrklugen — daS heißt einem Krebs-Ritter, welcher bei seiner Beschauung wähnt: wenn man mit ihm die ganze Menschheit bezahlte, bekäme er doch noch was Erkleckliches heraus! auf die Zunge lege,, eine» Ausdruck, den ich gebrauche, um mir mindestenden besten Theil an ihm zu wählen. Jetzt aber spricht DiaS: „Mir ist die vorzüglichste Demokratie die, in der alle Bürger daS Gesetz fürchten wie ihren etha« bensten Herrscher!" Diese Entscheidung gehört einem Weisen, den man sich eben nicht als den größten Menschenfreund, ich möchte also sagen: nicht als den größten Weisen zu denken vermag, wenn man neben manchen andern Spruche von ihm auch folgenden liest: „Weil die Welt voll Bosheit ist, muß man die Menschen so lieben, als ob man sie einst hassen müßte!" — So will er es bei der Sraarseinrichtung vielleicht mit der Furcht gezwungen wissen; da hätten »vir in vielen Ländern eine recht gute Verfassung: denn Furcht war oft und genug merklich, wenn auch nicht immer voi» den Gesetzen, doch wenigstens vor den Richtern. Wir wollen aber daS „fürchten" biblisch nehmen/'dann gilt eS für „verehren^" wie etwa in den den Wörter»: ,,Furä)A den Ewigen und den König, mit Aufrührern lasse dich nie -kn!" (Sprüche Salomo«» 21, V LL ) — WaS als Inbegriff des höchsten Guten zu denken ist, darf Niemand fürchten; mithin nicht die Gottheit, nicht daS Gesetz, welches immer als der glänzendste Versuch erscheinen sollte, den Witten der Gottheit auszusprechen und in Uebung zu bringen. Zn solcher Meinung schließt DiaS sich dem Solvn an und wir hören nun den ThaleS: „Die beste Verfassung ist die, welche weder zu reiche, noch zu arme Bürger erzeugt." „Ein köstlicher Satz!" hör' ich die Armen sagen und die Reichen werden entgegnen: „Von einem Weisen ist das ziemlich dumm gesprochen; wer ist zu reich!" — denn daS Schicksal har bekanntlich Vielen zu viel, aber Keinem genug gegeben. Zu arm ist eigentlich nur Der, welcher auf mehr eingerichtet ist, als er har» und eS fragt sich nun: ob diean Leichte sinn und falscher Berechnung oder an neuentstandenen üblen Umständen liegt? Im ersten Falle ist eigentlich kein Grund zu.n Mitleiden zu finden, noch weniger Recht zum letzten Tröste — zur Klage; der andere Fall giebt unbestreitbar die Defugniß: solche üble Um-