Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 22 (4.6.1849)
- Date
- 1849-06-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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trug durch seinen Vortrag nicht wenig dazu bei, die Feier zu einer mehrfach erhebenden, ihren Eindruck auf die Zuhörer nicht ermangelnden zu machen. Nus dem Würtembergischen. (Schluß.) Wir nehmen nur das Letztere in Anwurf. Seite 15, § 1 «Das Rabbinat." Diese ganze Abhandlung zeigt, daß der Herr Verfasser fürchtet, die Gemeinde möchte mit dem religiösen Betragen eines Geistlichen unzufrieden werden, und alsdann die Eriftenz desselben Ln Frage stellen; darum fragt er: «Soll der Geistliche der Sklave der Religionsansichten seiner Wähler sein?" Nein, mein Lieber! das soll er nie und nimmermehr! Aber er soll und muß ein^ getreuer Diener der Religion, ein getreuer Lehrer ihrer Vorschriften sein! auch soll und muß er durch sein eignes Leben es bethätigen, daß es mit dieser Religion und mit ihren Lehren ihm Ernst ist! Darf nicht eine heillose Scheidung' zwischen Privat- und Amtsleben machen! Darf nicht ein Anderer im Ornat und ein anderer in bürgerlichen Rocke sein! er muß« immer und an jeglichem Orte als derselbe fromme Lehrer erscheinen, man darf nie von ihm sagen können: «t>o -wb!" Kann er aber, wie der Herr Verfasser zu verstehen giebt, vermöge seiner ungeheuren Bildung und seiner entsetzlichen Aufklärung, sich nicht allen Vorschriften der Religion unterziehen, so ist seine Pflicht, die Stelle nicderzulegen; er darf aber nicht gewissen- und gottlos genug sein, von dyn Tische einer Religion sich zu mästen, die er zu un tergrabcn strebt, anstatt sie zu stützen. Der Verfasser ist doch gütig genug, was von einem anderen Rabbiner schon viel ist, zu sagen, daß das öffentliche Verhalten des Rabbiners nicht in zu grellem Widerspruch mit den bekannten Religions-Ansichten sein Wähler sein darf. Hatte Luther also nicht Recht, wenn er sagte: «Es stecken tausend Teufel drein?" — Also, mein Herr Verfasser, nach der Religion selbst wird gar nicht gefragt, sondern nur nach den Religions-Aw sichten der Wähler. Aber Sie wissen sich zu entschuldigen, denn die Religions-Ansichten der Wähler sind, wie auS Ihrem Vortrag zu entnehmen, die orthodoren, nun so geben Sie doch einen Widerspruch, ja sogar einen grellen Widerspruch als erlaubt zu, wollen nur den zu grellen nicht klug finden. — Wir und ebenso sämmtliche Juden Würtembergs sind der Ansicht, daß das privatliche ebenso wenig, als das öffentliche Leben des Rabbiners in irgend einem Widerspruch mit den Lehren des orthodoren Judenthums stehen darf: und damit stimmen selbst die Israeliten über, ein, die für ihre Person nicht streng an den Vorschriften der Religion halten. Ferner meint der Herr Verfasser, der Rabbiner dürfe nicht zu oft bei den weltlichen Unterhaltungen angctroffcn werden. Wenn unter «weltlichen Unterhaltungen" anständige Besprechungen über Zeitbegebenheiten, über Kunst, über Literatur, über Spaziergang in der freien Natur und mit ehrsamer Gesellschaft verstanden werden soll, so sehen wir gar nicht ein, warum der Rabbiner dabei nicht angetroffen werden darf, da man solches doch nie an einem Geistlichen tadelte. — Soll aber, wie wir Grund zu vermuthen haben, Spiel und Tanz darunter verstanden werden, so meinen wir, der Rabbiner darf bei solchen und ähnlichen Unterhaltungen gar nie getroffen werden, und sich ihnen auch bei geschlossenen Thürcn nicht hingeben. Auf derselben Seite erwartet der Verfasser eine Zeit, in welcher von der Mehrheit der Juden des Landes eine tüchtige Umgestaltung des Innern des Religionswesens gewünscht werden wird; dann wollen die Rabbiner bei der Hand sein! Aufrichtig gestanden, so'hätten wir ein solches offenherziges Bekenntniß nicht erwartet. Da es aber doch abgelegt ist, wollen wir es dankbarlich anerkennen! Wir wissen also, wozu wir die modernen Nabbinen gebrauchen können; nämlich vorerst haben wir sie mit schwerem Gelde zu besolden, ohne daß sie den Gemeinden etwas nützen; dafür bleibt uns aber keine Hoffnung, daß sie in der